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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Exaudi / 7. Sonntag der Osterzeit (5. Jun. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 7, 37-39

Apg 1, 12-14

1 Petr 4, 13-16

Joh 17, 1-11a

 

Der Verfasser betrachtet den ev. Predigttext und aus der kath. Leseordnung die 2. Lesung und das Evangelium. Stichworte zur Nachhaltigkeit: mit seiner eigenen Perspektive eingefahrene, gedankenlähmende Riten stören, die Menschen aufwecken, zum Leben, trinken statt Getränkekarte (Joh 7); Nachdenken über die Bedeutung von Leid – als Erhöhung, über die man sich zu freuen hat, oder als Aufforderung, die Ursachen zu erkennen und dagegen (als Christ) etwas zu unternehmen (1 Petr 4); kurze Reflexion über die Beziehung des Menschen zur Schöpfung (Joh 17)

(Zur Bibelstelle Joh 7, 37-39 s. a. folgender Sonntag)

 

Johannes 7, 37-39

Zum Text:

Laut altkirchlicher Überlieferung gilt Johannes, Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus, als Verfasser des vierten Evangeliums, das offensichtlich einen längeren Entstehungsprozess durchlaufen und erst am Ausgang des 1. Jahrhunderts seine jetzige Gestalt gefunden hat. Das Johannesevangelium unterscheidet sich in Anlage, Auswahl und Darbietung des Stoffes erheblich von den drei anderen, früheren (?), sogenannten synoptischen Evangelien. Wiederholt berichtet es von Reisen Jesu nach Jerusalem, von seinem Auftreten im Zentrum des Judentums. Alles Erzählen erscheint lediglich als äußerer Rahmen für die Selbstoffenbarung Jesu als fleischgewordenes Wort Gottes, als Gottes absoluter Stellvertreter, Licht und Leben der Menschen. In den Kapiteln 5 bis 12 geht es um die Selbstoffenbarung Jesu vor der Welt , in Kap 7 speziell um Gespräche im Rahmen des Laubhüttenfestes über seine Messianität. Johannes ist in besonderer Weise der Theologe unter den Evangelisten. Klemens von Alexandria nannte sein Werk das „pneumatische“ Evangelium.

 

Predigtgedanken

Jesus stört. Nicht verwunderlich, dass es zum Streit kommt. Zum Streit weniger mit ihm als vielmehr über ihn. Seine störenden Worte beim Abschlussgottesdienst zum Laubhüttenfest haben Eindruck hinterlassen, selbst im Hohen Rat, und dort herrscht anschließend Streit. Das Laubhüttenfest war Erntedank-, Erinnerungs- und Hoffnungsfest zugleich. Dank für die Ernte, für Segen bringenden Regen, Erinnerung an die Befreiung, Hoffnung auf die Fülle des versprochenen Heils, die noch aussteht. Heil, bildlich vorgestellt als Wasser, das das trockene Land bedeckt, auf Segen, der vom Himmel träufelt wie Regen. All dieses Hoffen bündelt sich im Ersehnen des Messias. All dieses Bitten und Hoffen nimmt beim Fest Gestalt an, wird leibhaftig und lebendig in der Art und Weise, wie die Menschen während des Festes leben, in Gottesdiensten und Ritualen, bei denen Wasser eine große Rolle spielt. Es ist auch eine Störung des Gottesdienstes, besonders des rein Rituellen dieses Festes, wenn und wie Jesus ungefragt und unerwartet hier auftritt. In dem Moment, wo die Priester in ritueller Würde Quellwasser vom Teich Siloah in goldenen Kannen herbei bringen, begleitet vom Psalmengesang und von Hosiannarufen des Volkes, steht Jesus auf und ruft dazwischen: „Wen dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ Zu Recht sehen Vertreter des Hohen Rates hier einen Angriff nicht nur auf das Ritual, sondern auch auf die von ihnen maßgeblich bestimmte und gelenkte Ordnung. Es ist wohl nicht zu gewagt, das geliebte Festritual mit jenem „Brot und Spiele“ zu vergleichen, das auch dazu dient, die Menschenseelen ruhig zu halten, das Volk zu berauschen und zu betäuben. Und Jesus setzt jetzt nicht nur eine Rauschalternative dagegen: Berauscht und betäubt euch an mir. Es geht ihm um mehr als gesehen, gehört und erkannt zu werden. Es geht ihm um den Durst der Menschen nach dem verheißenen Heil.

Die Menschen soll sich nicht nur nach der Löschung ihres Durstes sehnen, sie vielleicht rituell erahnen, sie sollen das Heil erfahren, an der eigenen Seele wie auch am eigenen Leib. Das „Grundprogramm“ des Evangelisten Johannes blitzt hier auf: „Das Wort ward Fleisch“, und das heißt: Alles , was ihr glaubt, predigt, feiert, soll Hand und Fuß haben. Jesus mutet mit seiner Störung den Menschen zu, sich nicht länger mit den Lebensumständen zu arrangieren, sich darin einzurichten und auf das Heil zu warten, es lediglich in rituellem Spiel zu erahnen.

„Wen dürstet, der komme zu mir – und trinke!“ Lasse sich also nicht nur die hübsch ausgestaltete Getränkekarte vorhalten. Das stört, keine Frage. Das stört vor allem die, die das Vorhalten hübsch gestalteter Programme pflegen. Die haben es allerdings dann auch verstanden, dass da nicht nur mehr oder wenige schöne Sprüche geklopft werden, sondern etwas in Bewegung gesetzt wird. Weil sie diese Bewegung fürchteten, haben sie später die Beseitigung Jesu in Gang gesetzt, nicht, weil ihnen seine Sprüche nicht gefielen.

„Wen dürstet, der komme zu mir – und trinke“ – Jesus ruft das nicht nur in den Festritus der Laubhütten-Festgemeinde hinein, sondern auch in unsere Feste, unser Leben, in unsere Gottesdienste. Letztere enthalten ja auch meist vor allem Erinnerung und Hoffnung,. Zur Weihnacht etwa die Erinnerung an jene Geburt und die Hoffnung auf den Advent Gottes. Jesus würde vielleicht da hinein rufen: „Leute, ihr singt da vom mitgebrachten Heil und Leben, – lasst mal was sehen davon!“ Ostern, da feierten wir vor sechs Wochen den Sieg des Lebens.

Spielt sich das irgendwo in der Wirklichkeit ab? Jetzt, Anfang Juni, ist viel von der Umwelt die Rede, finden Jahrmärkte, Ausstellungen und vieles mehr statt. Kirche ist oft dabei, auch wenn meist der Erntedanktag mit der Schöpfungszeit verbunden ist. Und wenn wir nun dabei sind, wie sind wir das? Indem wir sagen, was wir alles wissen? Und wie schön alles sein könnte und sollte? Oder können wir dann wenigstens, – wenigstens – darauf verweisen, dass die Waren auf unseren Tischen fair gehandelt sind, und der Strom, den wir in unseren Einrichtungen verbrauchen, aus erneuerbarer Energie gewonnen ist? Nichts gegen schön und festlich gestaltete Gottesdienste, gegen Kirchentage und „Urbi et orbi“, solange das Ritual nicht alles ist und bleibt. Bei Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften gibt es zu Anfang auch diese mehr oder weniger schönen Rituale . Aber dann wird auch gelaufen und gesprungen und geworfen und der Ball ins Tor befördert. „Wen dürstet, der komme zu mir und studiere dann nicht nur die Getränkekarte, sondern trinke.“

 

1. Petrus 4, 13-16

Zum Text:

Der Verfasser dieses Briefs ist nach Kap. 1, 1 der Apostel Petrus selbst. Er nennt sich „Mitältester“ und „Zeuge der Leiden Christi“. Er schreibt von Rom aus „durch den Bruder Silvanus“, der eine Art Sekretär gewesen sein mag und auch noch dem Tod des Apostels dessen Anliegen weiter verfolgt und beschrieben hat. Der Brief richtet sich an die Auserwählten, die an verschiedenen Orten als Fremde in der Zerstreuung leben (1, 1). Als Christen sind sie in der sie umgebenden Welt fremd und heimatlos, nicht selten auch verfolgt, und trotzdem die Auserwählten. Dieses Spannungsverhältnis zieht sich durch den ganzen Brief, die Mahnung, dem Glauben treu zu bleiben und das Auserwähltsein gerade auch in Fremdheit und Verfolgung als Auszeichnung zu begreifen.

 

Predigtgedanken

Dieses Denken ist mir fremd. Über Leiden, Verfolgung, Beschimpfung, Feuersglut ... soll ich mich freuen, weil es mir Anteil gibt am Leiden Christi und dann auch an seiner Herrlichkeit? So zu denken, ist mir mehr als fremd, aber ich weiß: Solches Denken gibt es. Einmal sagte mir ein Pfarrer, dem von seinen Amtsbrüdern übel mitgespielt wurde, in voller Überzeugung: „Ich danke dem Herrn für die Steine, die er mir in seiner großen Gnade auferlegt.“ Laienschauspieler stehen Schlange, um im Passionsspiel die Rolle des gefolterten Christus übernehmen zu dürfen. Und wenn dann gar echtes Blut fließt, freuen sie sich, fühlen sie sich geehrt, fühlen sich Jesus ganz nah. Dieses Denken ist mir fremd. Dass es Leid, unendliches Leid gibt in dieser Welt, ist eine Realität, auch die Tatsache, dass vieles davon in menschlichem Fehlverhalten seine Ursache hat. Das gilt auch für das Leiden der Schöpfung. Wenn aber solches Leid in menschlichem Versagen, menschlicher Schuld gründet, dann soll solches Versagen, solche Schuld erkannt und bekannt werden und nach Möglichkeit Wiedergutmachung erfolgen. Aber nicht jede Naturkatastrophe wird durch menschliche Schuld verursacht, nicht jede Erkrankung und auch nicht jeder Unfall. Solches Leid gibt es, weil es im System unseres Lebensraums seinen Platz hat – Saat und Ernte, Sommer und Winter, Licht und Schatten, Glück und Unglück, Geburt und Tod. Ist die Verherrlichung des Leidens, seine Interpretation als Prüfung oder gar Auszeichnung nicht die fatale Folge eines Gottesbildes, das Gott als Marionettenspieler sieht, der alle Fäden in der Hand hält und die Puppen seiner Schöpfung tanzen lässt? Und weil er ja der gute, liebe Gott ist, muss auch all das einen guten Sinn bekommen, was sich auf der Weltbühne an Leid und Katastrophe abspielt?! Die Mahnungen des Petrus – wenn es denn seine waren – an seine Glaubens- und Leidensgenossen mögen dem Denken seiner Zeit geschuldet sein. Sie ins Jetzt im Verhältnis 1:1 zu übertragen und anzuwenden auf das tägliche Verhungern in der Welt, auf die zynisch-riskanten Pokerspiele der Banker, auf das nicht weniger riskante Spiel mit der Atomenergie, auf Verkehrsplanungen, die Transitautobahnen durch Wohn- und Erholungsgebiete vorsehen, auf Natur- und andere Katastrophen ..., es wäre nicht nur befremdend, sondern könnte, ja würde fatale Folgen haben. Das Denken in diesem Abschnitt des Petrusbriefes ist mir fremd, doch es reizt zum Widerspruch und damit zum Nach- und Gegendenken, zur Andacht, - immerhin.

 

Johannes 17, 1-11a

Zum Text siehe oben, Zusatz:

Wie die Abschiedsreden in Kap. 14 – 16 dient auch das große Gebet zum Vater der Unterweisung und Zurüstung der Gemeinde für die Zeit nach Jesu Tod, in der der dann Auferstandene durch den Heiligen Geist in der Gemeinde weiter wirkt.

 

Predigtgedanken:

Wer im Rahmen eines Gedankenaustausches intensiv über den Zustand und die Zukunft der Schöpfung und vielleicht auch über das Zuvor, über den viel und oft angeführten Zufall als Alternative zur Schöpfung nachdenkt, die und der wird in diesem Text reichlich Stichworte und Gedanken zum An-, Nach- und Weiterdenken finden: Das Einssein von Gott und Mensch, zunächst vertreten durch den einen Menschen, aber grundsätzlich jede und jeden betreffend. Was ist ein zeitloses Sein, was das Wort, das nicht Fleisch war oder nicht mehr Fleisch sein wird? Und wenn der Lebensraum Erde zum geschaffenen Fleischlichen gehört, wie verhält sich dann das Bewusstsein des Verantwortlich-Seins für die Schöpfung zur Vorstellung des reinen Seins, wo Gott alles ist?

Diesen Text allerdings in gerader Linie ökologisch zu predigen, halte ich für unangebracht.

Wilfried Stender, Essen

 

Quellen

DIE BIBEL, Einheitsübersetzung, HERDER

PASTORALBLÄTTER, KREUZ-Verlag

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