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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Christi Himmelfahrt (2. Jun. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Kön 8, 22-24.26-28

Apg 1, 1-11

Eph 1, 17-23

Mt 28, 16-20

 

Der Autor betrachtet die Texte der kath. Leseordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Wirken im Nur-Irdischen, auf der Erde, im Sinne Jesu, als Einlassbedingung für die spätere Heimkehr, für Frieden auf Erden sorgen, nicht für Frieden später im Himmel (Apg 1); qualitatives Wachstum statt Beharren in der Tradition, Kirche als sichtbares Werkzeug, hoffnunggebende Mitverantwortlichkeit statt Innenreparatur (Eph 1); beim Befolgen und praktischen Umsetzen der Lehre und Gebote kann auf göttlichen Rückhalt vertraut werden (Mt 28)

 

Die drei Schrifttexte am Himmelfahrtstag bieten dem Bibel-Theologen eine große Fülle an Forschung und Erkenntnis über das „Kerygma“ der Auferstehungsbotschaft und die Heimkehr Jesu, und mit ihm auch die unsrige, in die Zukunft bei Gott, in den Himmel.

Zum Text der Apostelgeschichte ein äußerst wichtiger Hinweis, denn unser Christenglaube kann nicht und darf nicht „Opium des Volkes“ sein, Vertröstung mit dem besseren Jenseits. Nicht nur das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und die Ethik Jesu, zusammengefasst in der Bergpredigt, lehren uns, zuerst auf die Erde zu schauen und unser Tun und Lassen (mit der Gnade Gottes) als Einlassbedingung zu verbinden.

Wie also meinte es Jesu, der „zum Himmel fuhr“? Er trug seinen Jüngern auf, zuerst auf die Erde zu schauen, damit der Himmel in den Blick kommt. Sie sollten das weiterführen, und sogar zu Ende führen, was er zu tun begonnen hatte. Sie sollten verwirklichen, was er gelehrt und gefordert hatte, dies im Jetzt und Heute ihres Lebens, auf der konkreten Erde und in der vorgegebenen Umwelt und Mitwelt mitten im Nur-Irdischen. Diese Jünger sollten sich mit der Schaffung von Frieden bemühen – hier und jetzt, nicht im Himmel; sie sollten geschlagen nicht zurückschlagen, sollten um das Heil des Bruders, der Schwester, z.B. der Nachbarn, besorgt sein, sollten verzeihen, keinen verurteilen, ihr Brot mit anderen teilen. Bei solchem Tun sollte ihnen aufgehen, was der Himmel ist und wo Jesus ist.

Christi Himmelfahrt: Wohin schauen wir Christen, heute und morgen? Wo suchen wir den Himmel, wo suchen wir Jesus? Liebe ist nicht die Lösung von allem, aber sie hat es mit dem Himmel zu tun, in dem Jesus lebt – eine sehr irdische und leibliche Liebe!

 

Zum Text des Epheserbriefes

Dieser Text sagt sehr deutlich, Jesusjüngergemeinde, Kirche, wir Christen, müssen Freude am Werden, am Vorausschreiten, am sich Erneuern und Reifen haben. Das Motto des diesjährigen Ökumenischen Kirchentages lautete: „Damit ihr Hoffnung habt“.

Wachstum ist angesagt auf allen Feldern: Auf dem Feld der Theologie, des Gemeindelebens, der Liturgie, der Verkündigung, in Amt und Funktion. Angesagt ist die mündige Gemeinde. Beharren in der Tradition wäre Verleugnung der Himmelfahrt Jesu.

 

Gott will die Erde

Durch den Brief an die Epheser werden wir auf das Thema Kosmos gestoßen. Die sichtbare Kirche auf Erden, da Christus der unsichtbaren Welt angehört, tritt in die Aufgabe, die für Jesus in seinem Erdenleben der physische Körper erfüllte: Für uns heute sichtbares Werkzeug seines Heineinwirkens in die Welt zu sein. Hier liegt die ganze Würde, aber auch die große Verantwortung der Kirche als Leib Christi. Hier hat sie sichtbare Gegenwart Christi auf Erden zu sein. Nicht die ständige Innenreparatur kirchlichen Lebens darf unseren Blick fesseln, sondern der Dienst der Kirche an der Hoffnung der Menschen. Ihr dienendes, partnerschaftliches Mitverantwortlichsein z.B. in Schulen, Caritas- und Bildungswerken, auch im politischen Bereich und in sozialen Reformen, ist ihre Aufgabe.

Im Ephesertext blitzt eine neue Hoffnung unserer Berufung auf: In Jesu Auferstehung von den Toten ist jeder menschlichen Hoffnung die eigentliche Zielrichtung gegeben: Sie gibt durch den Tod das Leben. Jesus bei Gott. Dort ist die Hoffnung nicht mehr anzutasten. Dort gibt es keine Hoffnung auf einzelnes diesseitiges Glück mehr, kein gefährliches Vorläufiges mehr, sondern dort ist die Welt der Auferstehung und werden wir eine neue Schöpfung. Gott ist Gott der Zukunft und der Hoffnung, Christusglauben ist Hoffnung; wir alle pilgern einen Hoffnungsweg.

Das Himmelfahrsfest bezeichnet ein Zweifaches: Ausschau nach dem Reich des Erhöhten! Man muss den Blick auf die überschwängliche Größe der Macht des Herrn richten. Dann aber gilt es, alle Menschengeschwister an der Hand zu nehmen und versuchen, Schritt für Schritt die Widerstände des Lebens mit hoffender Kraft zu bewältigen: Die Krankheiten, die Kriege, das Vertriebensein, die Arbeit, den Hunger, die dürftigen Wohnungen, die Ausbeutung der Erde, die Zerstörung der Umwelt und die gebeutelte Mitwelt.

 

Matthäus

Wir haben in diesem kurzen Textausschnitt des Himmelfahrtsevangeliums den Schluss bei Matthäus vor uns.

Der Herr schickt seine Jünger nicht – auf sich allein gestellt – mit Ihren Aufgaben und Pflichten in die Welt hinaus, sondern macht nach seiner Auferstehung klar, dass er bei ihnen ist und bleiben wird bis zum Ende der Welt. Der unsichtbare Rückhalt für das zukünftige Wirken auf der Erde ist da und wird allen dabei helfen, die Gebote zu verstehen und zu befolgen. Wir müssen – bis heute – nur hinhören und beim Befolgen seiner Gebote auf diesen Rückhalt vorbehaltlos vertrauen.

 

Wir und die Himmelfahrt

Wir können die Freude der Jünger, von der Lukas im Schlussteil des Lukas-Evangeliums berichtet, nur teilen, wenn wir gläubig wissen, dass es auch heute noch Zeugen gibt, die mit seinem Geist ausgerüstet sind. Christus ist aus der raum-zeitlichen Welt zum Vater „hinübergegangen“, um so nicht hier oder dort zu weilen, sondern in jedem seiner Zeugen gegenwärtig und wirksam zu sein. „Es ist gut für euch, dass ich hingehe.“

Die Wahrheit über Christus und seine Botschaft erfährt man nicht von Historikern, nicht von Philosophen und auch nicht von Theologen. Christus ist nicht ein Erkennungsobjekt unter anderen. Dass der Erhöhte heute lebt, in uns und in der Welt wirksam ist, wird nur dem klar, der sich vorbehaltlos und existentiell darauf einlässt und sein ganzes Leben danach ausrichtet. Wer glaubt, dass der Geist Christi in ihm ist, und sich entsprechend verhält, der wird merken, dass es wahr ist, und wird Hoffnung haben. Wer Christus mit dem Verstand allein sucht, wird einsam bleiben mit seinen Zweifeln. Christus ist da, wo Menschen ihm ihre Existenz zur Verfügung stellen; und diese Menschen sind ein lebendiges Zeichen dafür, was dem Christen als ewige Zukunft verheißen ist: Lebensgemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott, Himmel.

Josef Rottländer, Hamm (Sieg)

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