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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit (22. Mai 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 21, 14-17 (18-22)

Apg 6, 1-7

1 Petr 2, 4-9

Joh 14, 1-12

 

Die Autorin betrachtet die ev. Predigtperikope und den kath. 1. Lesungstext. Nachhaltigkeitsaspekt ist in erster Linie die Beziehung zwischen Frieden(-ssicherung) und Nachhaltigkeit. Weitere Stichworte: Singen als Ausdruck aktiver Lebensfreude gegen Verdorren von globalen Beziehungen und Werten (Mt 21); Umgang mit Gerechtigkeitsfragen, geschlechtersensibles Hinschauen auf globale Strukturen und Veränderungsprozesse (Apg 6)

Die folgende Einführung zum Sonntag „Kantate“ steht in enger Beziehung zum Leitthema des Bandes, Friedenssicherung und Nachhaltigkeit. Daher ist ergänzend an dieser Stelle auf die Themenbeiträge im Einleitungs- und Anhangteil besonders hinzuweisen.

 

Sonntag Kantate 22. Mai 2011

Die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation auf Jamaika (17. bis 25. Mai 2011) wird ein „Erntedankfest“ sein, das die Erfolge der „Dekade zur Überwindung von Gewalt 2001 – 2010’“ des Ökumenischen Rates der Kirchen feiert und zugleich neue Samen zur Aussaat vorbereitet. Unter dem biblischen Motto „Ehre sei Gott und Friede auf Erden“ stellen über 1000 Teilnehmende sie in vielfältigen Workshops und Plenumsdiskussionen vor. Dieses Engagement für Gewaltlosigkeit, Frieden, ökonomische Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit wird in eine Erklärung zum „gerechten Frieden“ münden, die bereits jetzt vorbereitet und diskutiert wird.

Für den Sonntag Kantate 2011 wird ein ökumenisches Friedensgebet erarbeitet, das in einer „Gebetswelle“ rund um den Globus (ähnlich wie beim Weltgebetstag der Frauen Anfang März) wandert, die Anliegen der Friedenskonvokation aufnimmt und hoffentlich an vielen Orten Gehör findet. Für einen ökumenischen Gottesdienst am Sonntag Kantate wird Anfang 2011 ein liturgischer Entwurf erscheinen. So haben auch wir die Möglichkeit, in einem Ökumenischen Friedensgottesdienst unseren lokalen Dekadeabschluss zu feiern und teilzunehmen an der weltweiten Bewegung für den „gerechten Frieden“.

4 Themenschwerpunkte bestimmen die inhaltliche Auseinandersetzungen bei der Friedenskonvokation:

Frieden in der Gemeinschaft

Frieden mit der Erde

Frieden in der Wirtschaft

Frieden zwischen den Völkern

Die Beschäftigung mit den negativen Auswirkungen des Klimawandels weist uns auf die Friedensrisiken hin, unter denen weniger die Industriestaaten als Hauptverursacher des Klimawandels, sondern mehr die bereits jetzt ärmeren Länder zu leiden haben: „soziale Krisen sind nicht mehr regional begrenzt, die Zahl sogenannter fragiler Staaten wächst, es drohen Verteilungskämpfe beispielsweise um Wasser und durch Migrationsbewegung. Für viele Menschen geht es um das Recht auf Überleben. Mit militärischen Mitteln sind diese Krisen nicht zu bewältigen“, so die Resolution der 29. Friedenskonsultation 2009 in Speyer zum Thema „Friedensrisiko Klimawandel“.

Als Christinnen und Christen bekennen wir, dass uns die Schöpfung anvertraut und das Leben ein Geschenk ist. Wir dürfen uns nicht als eigenmächtige Besitzer und Besitzerinnen aufführen, sondern müssen in Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung denken und handeln und die Fehlentwicklungen und Gefahren menschlichen Wirkens erkennen.

Die Auswertungstagung zur Dekade, die die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Februar 2010 in Freising durchgeführt hat, betont den Klimawandel „als die wohl umfassendste Gefährdung der Lebensgrundlage der heutigen und kommenden Generationen sowie der außermenschlichen Natur“ und fordert dazu auf, die Grenzen des Erdsystems zu respektieren. Der bereits im Konziliaren Prozess der 80er und 90er Jahre betonte Zusammenhang zwischen Frieden, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung wurde wieder neu in den Blick gerückt. Ein Nachhaltigkeitsdreieck (nachhaltige Ökologie, effiziente Wirtschaft, gerechte Gesellschaft) stellt die Interdependenz in Ursache und Wirkung dar. Es ist an der Zeit, die ökologische Schuld des Nordens zu bekennen und Wege der Versöhnung mit den Ländern des Südens und damit mit Gott zu bekennen, wozu der ÖRK auffordert.

Mit diesen knappen Hinweisen möchte ich deutlich machen, dass wir uns innerhalb der letzten zehn Jahre intensiv mit der These befasst haben, Nachhaltigkeit sei Friedenssicherung. Auf der dritten europäischen ökumenischen Versammlung in Sibiu entstand die Anregung, in jedem Jahr bewusst eine „Schöpfungszeit“ zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober zu gestalten.

 

Mt 21, 14 - 22

Die Erzählung vom Feigenbaum, der keine Frucht trägt, als Jesus an ihm vorbeikommt und Hunger hat, und den er daraufhin verdorren lässt, stellt sofort Assoziationen zu unserem Thema her. Die Versteppung und die Erosion von fruchtbarem Boden sind sichtbare Folgen des Klimawandels. Die Knappheit an Trinkwasser sowie ein grundsätzlicher Wassermangel, ob als natürliche Folge von Veränderungen oder als Eingriff von Menschen bewusst gesteuert, kann zur Ursache von Gewaltkonflikten werden. Wahrscheinlicher sind Kämpfe um Wasser als um Öl als mögliche Kriegsgründe für kommende Kriege. Doch der Feigenbaum – eine in der Vegetation im Mittelmeerraum seit alten Zeiten verbreitete Baumsorte – wird im biblischen Zusammenhang auch mit dem Eschaton in Verbindung gebracht. In der großen Friedensvision des Propheten Micha (Mi 4, 4) werden alle unter Weinstock und Feigenbaum wohnen. Auch in der syrischen Baruch-Apokalypse wird ein „übernatürlicher Fruchtbarkeitszustand der Erde“ für das Eschaton beschrieben, eine Vorstellung, die die Evangelien aufgreifen. Mit dem Messias soll die Fruchtbarkeit kommen. Aber hier zeigt sich eine Schwierigkeit unserer Textstelle: dieser Feigenbaum erkennt Jesus nicht als Messias an. Der Evangelist Matthäus (ähnlich wie Markus in Mk 11, 12 – 14) drückt aus, dass die messianische Zeit noch nicht begonnen hat. Jesus ist hier nichts anderes als ein Wundertäter in der Tradition der chassidischen Wundertäter im Talmud. Diese Beobachtung regt dazu an, auf eine messianische Zeit hin zu arbeiten, in der Feigenbäume Früchte tragen. Die Bedingungen dazu erfahren wir aus unserem Engagement für Klimagerechtigkeit.

Vielleicht ist aber auch eine Art allegorische Auslegung sinnvoll, den Feigenbaum auf das gegenwärtige Christentum zu beziehen. Das ekklesiologische Anliegen der „Dekade zur Überwindung von Gewalt“, Versöhnung und Friedensarbeit von den Rändern ins Zentrum des Zeugnisses und Lebens der Kirche zu rücken, könnte so für die Früchte stehen, die der Feigenbaum tragen wird. Inwieweit die Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt zur Friedenssicherung beiträgt, kann mit dem Symbol des Feigenbaums verdeutlicht werden. Besonders am Sonntag Kantate gilt: Singen kann immer ein Gegenmittel gegen alles Verdorren sein! Das Einstimmen in den Gesang „Ehre sei Gott in der Höhe“ kann nicht getrennt werden von der Fortsetzung „und Friede auf Erde den Menschen seines Wohlgefallens“.

Der renomierte Friedensforscher Dieter Senghaas führte beim Bremer Kirchentag 2009 vor, in welchem Zusammenhang die beiden Halbverse des Gloria in der Messe vertont sein können: bis Monteverdi sang der Zelebrant das Gloria in excelsis alleine. Der Chor setzte erst beim „et in terra pax“ ein. Eine Verbindung zwischen beiden war in der Komposition nicht angelegt. Erst bei Georg Muffat (1653 – 1704), einem Komponisten der Barockzeit, werden in der Missa in labore requies beide Halbverse ineinander verschränkt. Was drückt das theologisch aus? Diesen Gedanken durch die Musikgeschichte zu verfolgen, ist sicherlich ein lohnendes Unterfangen, das zum Motto der Friedenskonvokation „Ehre sei Gott und Friede auf Erden“ beitragen kann. Anknüpfungspunkte für klassische Kirchenmusik sind damit zur Genüge gegeben.

 

Apg 6, 1 - 7

Auch die Berufungsgeschichte der ersten Diakone weist uns auf Fragen nach Gerechtigkeit hin. Bereits in der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem gab es Streit und Konflikte: zwei Gruppen konkurrierten miteinander, die HellenistInnen und die HebräerInnen, um die Versorgung ihrer Witwen. Den einen war die praktische karitativ-diakonische Tätigkeit wichtig, den anderen mehr die Wortverkündigung. Und ganz „klassisch“ wurde zugeteilt: Frauen, nämlich griechische Witwen, waren ausschließlich die Empfängerinnen von Almosen und hatten keine Macht mehr in der Gemeinde. Luise Schottroff weist nach, dass Versorgungsdiakonie und Wortdiakonie nicht auf verschiedene Personengruppen aufgeteilt werden können – dies war die eigentliche Ursache der Konflikte, die dann aber auch zur Herrschaft von Männern über Frauen in einer zunächst egalitären Gesellschaft führten.

Wie gehen wir mit Gerechtigkeitsfragen um, vor allem unter dem Genderaspekt? Und was bedeutet es, Klimagerechtigkeit unter diesen Bedingungen durchzubuchstabieren? Wann sind Frauen, wann sind Männer Opfer unseres falschen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen? Und wie werden Frauen, wie Männer zu handelnden Subjekten, die sich für nachhaltige Friedenssicherung stark machen?

Mechthild Gunkel, Frankfurt

 

Literatur

Bedenbender, Andreas, Der Feigenbaum und der Messias, in: Texte und Kontexte, exegetische Zeitschrift, Nr. 68, Jahrgang 4/1995

ACK-Konsultation in Freising: http://www.overcomingviolence.org/fileadmin/dov/files/events/2010/Oekumenische%20Agenda%20endg.%2016.3.2010.pdf (abgerufen am 27. Juni 2010)

Schottroff, Luise, Lydias ungeduldige Schwestern. Gütersloh, 1994

Vogt, Markus, Uekötter, Frank, Davis, Mike, Prinzip Nachhaltigkeit: Ethische Fragen im interdisziplinären Diskurs. Münchner Kompetenz Zentrum Ethik LMU 2009, Heft 5

 

Weitere Informationen unter: www.gewaltueberwinden.org

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