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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Ostermontag (25. Apr. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 24, 36-45

Apg 2, 14.22-33

1 Kor 15, 1-8.11

Lk 24, 13-35
od. Mt 28, 8-15

 

Der Autor betrachtet die beiden Lk-Perikopen sowie die 2. kath. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Wahrheit „erden“, einmischen statt fauler Kompromisse, Resignation, Rückzug ins Private, Häuschen mit Garten, Toskana, mit Spardiesel und Partikelfilter, (Lk 24), Auferstehung bedeutet, mit einer Kraft und auch mit einer Liebe rechnen, die weiter reichen könnten als der Verstand (1 Kor 15)

 

Lukas 24, 36-45

Zum Text:

Laut altkirchlicher Überlieferung gilt Lukas als Verfasser des dritten Evangeliums sowie der Apostelgeschichte. „Lukas, der geliebte Arzt“ (s. Kol 4, 14), war Heidenchrist und stand offenbar mit Paulus in Verbindung. Als Grundlage benutzt Lukas das Markusevangelium, eine mit Matthäus gemeinsame Sammlung von Jesusworten sowie verschiedene eigene Quellen. Die Abfassung wird auf die Jahre 80 bis 90 datiert, da u.a. Kap. 21 darauf schließen lässt, dass der Untergang Jerusalems geschehen ist. Das Vorwort zeigt, dass Lukas vornehmlich für gebildete Heiden und Heidenchristen schreibt. Wichtige Gleichnisse, Hymen, urchristliche Gebete wie auch Hinweise auf das Verhalten Jesu gegenüber Frauen, Zöllnern und Sünden finden sich nur bei Lukas. Lukas zeigt in Jesus den Heiland der angeblich Verlorenen und sozial Entrechteten und die offenbar gewordene Menschenliebe Gottes. Demzufolge hat das Leben der Christen seine Mitte und seinen Sinn in der dienenden Liebe, die auch dem Feind und den Fremden gilt. Lukas verknüpft die Geschichte Jesu mit der Weltgeschichte: Jesus und nicht der als Friedensbringer verehrte römische Kaiser, ist der Heiland der Welt. Mit der Auferstehung Jesu und dem Untergang Jerusalems bricht die Epoche der Heidenmission und der Sammlung der Menschen zum einen Volk Gottes an. Parallelen zum vorliegenden Text finden sich bei Markus und Johannes, nicht aber bei Matthäus.

 

Predigtgedanken

Das Ende ist nicht das Ende und selbst auf den Tod ist kein Verlass – Gott sei Dank. Von selbst kommen wir aber nicht so leicht darauf, da gilt eher das „Was tot ist, ist tot und wird nicht wieder lebendig“. Das gilt für den Partner, den guten Freund, das geliebte Kind, Wünsche und gesteckte Ziele, für Pläne und Hoffnungen. Immerhin reden sie miteinander, die Anhänger des Gekreuzigten, - damals und nicht minder wichtig auch heute, hoffentlich. Das miteinander Reden bewirkt zumindest grundsätzlich eine Offenheit für den, der von außen kommt, die Hilfe, die von außen kommt und aus dem Teufelskreis der Rat- und Hilflosigkeit befreit. Allerdings nicht so einfach. Es melden sich Zweifel. Die Nachricht „Jesus lebt“ will wahr genommen werden – durch Anschauung und wörtlich verstanden: Begreifen: „Seht meine Hände und Füße.“ In der Sache Jesu geht es ums Irdische, ums Handfeste, ums Begreifen. Seine Wahrheit will geerdet sein, erfahrbare Wirklichkeit. Wir sehen das Leben vor uns, wie die Jesusjünger ihres vor sich sahen, vernehmen Hiobsbotschaften, spüren Katastrophen auf uns zu kommen und dann doch die Mutmachung: nicht aufgeben. Dem Nichts ins Auge sehen, und doch das Leben wieder leise lernen. Erfahrungen wahr nehmen, dass Hoffnungen nicht sterben müssen. Allerdings: Was da von Lukas berichtet wird, hat nichts gemein mit dem bekannten Griff zur „HB“ und dem „Dann geht alles wie von selbst“, und Jesus steht nicht da mit einem Glitzerfunken sprühenden Zauberstab. Es dauert, bis die Jünger erkennen, dass Gott sich heilsam ins verletzliche Leben mischt und zu neuen Schritten aufrichtet und ermutigt. Es ist tröstlich für uns Heutige, dass da keine Supermänner und –frauen gleich aufspringen und die heile Welt schaffen. Die Verunsicherung der Jünger hat ihren Grund auch in der Ungewissheit: „Wer, besser, wie ist dieser Jesus nun? Ganz der Alte? Das nicht. Eine Vision, ein Trugbild? Nein“. Leiblich gegenwärtig, ja, aber nicht so, dass man aufspringen möchte, wie früher, mit einem >Packen wir’s an<. Und da liegt schon eine Nähe zur Befindlichkeit derer in heutiger Zeit, die sich mal aufmachten, Schöpfung bewahren zu helfen, das >Atomkraft, Nein danke< zu propagieren und >Rettet den Wald<. Der Gegenwind war kräftiger als gedacht, die Vertreter des alten Systems hielten sich zäh am Ruder, die Reihen der Schöpfungsbewahrer lichteten sich, die einen beugten sich der vermeintlichen Realität oder dem verlockenden Angebot eines Aufsichtsratspostens im Energiekonzern, andere erlahmten in faulen Kompromissen oder in Resignation. Oder Rückzug ins Private, das Häuschen mit Terrasse und Garten, die Woche Urlaub an der Nordsee oder in der Eifel, zwei Wochen Toskana, alles natürlich mit dem Spardiesel mit Partikelfilter. Und das Öko-Test-Abo läuft weiter. Und doch nagen da leise die Gewissensbisse. - Was reißt die Jüngerschaft heraus aus ihrer Lethargie? Lukas berichtet nichts von einem machtvollen Auftreten eines neu belebten Supermann. Er berichtet stattdessen von einem gemeinsamen Essen und, damit verbunden, neu belebten Erinnerungen: An Mahlzeiten mit Zöllnern und anderen Ausgestoßenen, gesellschaftlichen Losern. Erinnerungen an engagiertes Auftreten, die Botschaft von Gottes befreiender Nähe an den Mann, an die Frau bringen, erfolgreiche Überzeugungsarbeit. Dann aber auch an das vermeintliche Scheitern, vor allem das eigene, - Verrat, Wegducken. Die resignierende Feststellung, dass das Volk Brot und Spiele mehr schätzt als das mühsame Mitmachen am Ausbau des Reiches Gottes. Und jetzt das unmittelbare Erleben: Gott zieht sich aus unserer Nähe nicht zurück, und bleibt bei uns mit seiner befreienden Nähe. Und es gibt neue Anfänge, neue Aufbrüche, neue Chancen. Die Jünger damals werden erinnert an die gemeinsame Geschichte mit dem menschgewordenen Gott, und sie nehmen wahr: Die gilt weiter, bis heute und auch morgen.

 

1. Korinther 15, 1-11

Zum Text:

Laut Apostelgeschichte 18 kam Paulus auf der zweiten Missionsreise im Jahre 50 oder 51 n.Chr. nach Korinth und gründete dort die Christengemeinde, mit der in Verbindung blieb. Neben den beiden Korintherbriefen werden weitere Briefe erwähnt. Der 1. Brief wurde wahrscheinlich zwischen 53 und 55 n.Chr. in Ephesus geschrieben, um Fragen der jungen Gemeinde zu beantworten. Fragen nach Standesordnungen, nach dem richtigen Verhalten gegenüber heidnischen Bräuchen, nach der Wertung von Geistesgaben und besonders nach dem Verständnis von Kreuz und Auferstehung. Zu diesen Fragen gehören konkrete Gruppen in Korinth, die die junge Gemeinde spalten.

 

Predigtgedanken

Aufstehen zum Leben – darum geht es offenbar dem engagierten Apostel. Der Gemeinde bescheinigt er anerkennend, dass sie Kreuzigung und Auferstehung Jesu als Kern des Glaubens durchaus anerkenne, allerdings nicht die Bedeutung dieses Glaubens für das Leben der Gemeinde wie für die einzelnen Menschen dort. Die einen glauben, die Auferstehung sei auch für sie schon Wirklichkeit geworden, und so, wie sie lebten, sei das schon das himmlische Leben. Da ist nichts mehr, was noch aussteht, nichts mehr zu erwarten, nichts mehr zu hoffen. Wie in Trance leben sie, blind für die Wirklichkeit, blind für reale Nöte: Jesus ist auferstanden, und wir mit ihm, hallelujah, lasst uns feiern Freunde. Andere gleichen ihnen in der fehlenden Erwartung, aber sehen für sich keinerlei Folgen der Auferstehung Jesu. Die bezweifeln sie nicht, die predigen sie, aber für sich selbst ziehen sie keine Schlüsse daraus. Ihr Leben ist wie es ist, ja, da will man so gut es geht dem Beispiel Jesu folgen, aber wenn es zu Ende, ist Schluss, da kommt nichts mehr und da geht auch nichts mehr. Dass da noch ein Reich sein könne, das nicht von dieser Welt ist, interessiert sie nicht, während jene anderen meinen, sie seien schon mitten drin in diesem Reich. Vorschnell könnte man heute mit dem dicken Gallier sagen: „Die spinnen, die Korinther“, bei halbwegs kritischer Selbstbetrachtung müssten wir jedoch zugeben: So viel anders ist es bei uns auch nicht. Die einen finden „diesen Jesus“ ganz ok, als Vorbild in Ordnung, rechnen aber nicht mit einer Kraft und auch nicht mit einer Liebe, die weiter reichen könnten, als der Verstand es fasst, sie sehen das Kreuz als Zeichen der Solidarität dieses besonderen Menschen mit uns allen, vielleicht sogar als Zeichen der Solidarität Gottes mit uns. In der Auferstehung allerdings sehen sie allenfalls eine Trotzhaltung der Jünger, das berühmte „Dennoch“. Die könnten wir dann teilen, sollten wir dann teilen, - immerhin. Und da sind die, deren Glaube sich in so vielen Liedern unserer Gesangbücher wieder finden, wo der Auferstehungsglaube sich ausschließlich auf ein Dermaleinst richtet, das Jenseits der neuen Welt, das mit dieser alten Welt nichts zu tun habe – hier das Jammertal, dort das Paradies. Hier ist alles schlecht und bleibt es auch. „Aufwärts froh den Blick gewandt“, nicht um etwas zu ändern, Lebensräume zu erhalten, Energiesparmaßnahmen zu entwickeln, bedrohte Lebewesen zu retten, ... nein, das alles gelte es, begraben sein zu lassen „in Christi Grab“ und nur noch aufzusteigen „frei mit ihm hinan zu lichten Himmelshöhn“ (eg 394). Hier wie da hat die Auferstehung Jesu mit unserem Leben hier, mit den Lebens- und Überlebensbedingungen der Schöpfung scheinbar nichts zu tun. Und so trifft uns der Appell des Paulus „Steht auf zum Leben“ zwar mit etwas anderem Hintergrund, aber nicht minder deutlich und wichtig. Die Zielsetzung „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ lebt davon, dass wir uns von der Auferstehung Gottes mitreißen lassen – nicht weltabgewandt ins Dermaleinst, sondern dazu, „ein Segen für Gottes Erde“ zu sein (eg 395), im Vertrauen auf die Kraft, getragen von ihr, die weiter recht als der Tod und die mit dem Verstand nicht zu fassen ist.

 

Lukas 24, 13-35

Zum Text siehe oben

Predigtgedanken:

Der lange Text steht für das Bild, das er enthält: Ein langer Weg, von Jerusalem nach Emmaus, wo den Anhängern des Gekreuzigten das Leben begegnet, das neue Leben mit neuen Lebensmöglichkeiten. Vorher schon erzählt Lukas vom Weg der Frauen zum Grab und ihrer Begegnung mit dem Leben und von Petrus, der sich ebenfalls auf den Weg macht. Hat der Weg, hat das Bild vom Weg, seinen Eigenwert? Seit gut zehn Jahren boomt das Pilgern. Filmstars, Buchautoren, Fernsehmacher pilgern auf mehr oder weniger bekannten Wegen, um ... was? Zu sich selbst zu finden? Oder das neue Leben? Die Weite der Schöpfung? Oder einen Weg, über das nachher geschriebene Buch neue Einkünfte zu erzielen? Geht es wirklich um den Weg oder nicht eher um die Begegnungen auf diesen Wegen? Die Frauen begegnen zwei Männern in leuchtenden Gewändern. Lukas nennt sie nicht Engel, sondern Männer, geerdet also, aber in besonderer Gewandung, daher der Ausdruck Lichtgestalt. Oft angewandt auf reale Personen, die uns in schwieriger Lage begegnen und auf die Sprünge helfen, und mitnehmen auf neue Wege. Die sogenannten Emmausjünger begegnen dem Auferstandenen, erkennen ihn aber nicht, interessanterweise nicht, weil der so gut verkleidet wäre, sondern weil sie mit Blindheit geschlagen sind. Die wird dann aufgehoben beim vertrauten, gemeinsamen Tun. Wie bei den anderen Ostergeschichten geht es auch hier um die tiefe Resignation und ihre Überwindung. Und zu der trägt wesentlich bei das Sich-in-Bewegung-Setzen, das Offen-Sein für und in Begegnungen. Das muss nicht heißen, dass wir über sieben Brücken gehen und / oder uns auf einen 500 km langen Pilgerpfad begeben. Aber es heißt, dass ich mich in meiner Resignation nicht verkrieche, sondern verkrustete Strukturen aufbreche, Begegnungsmöglichkeiten wahr nehme und mich für befreiende Entdeckungen öffne, ob ich mich nun in einer persönlichen Trauersituation befinde oder in Resignation gefallen bin, weil in Politik und Gesellschaft die Zielsetzung Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung nur noch einen geringen Stellenwert hat und wie gestorben wirkt. Auferstehung erfuhren die Anhänger Jesu nicht, indem sie zurückgezogen auf Erlösung warteten, sondern sich in Bewegung setzten, sich auf unterschiedliche Wege machten, offen für die Begegnung mit neuem Leben.

Wilfried Stender, Essen

 

Quellen

DIE BIBEL, Einheitsübersetzung, HERDER;

PASTORALBLÄTTER, KREUZ-Verlag.

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