Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Pfingstmontag (13. Jun. 2011)  

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Mose 11, 1-9

Apg 10, 34-35.42-48a
od. Ez 36, 16-17a.18-28

Eph 4, 1b-6

Joh 15, 26 - 16, 3.12-15

 

Die Autorin betrachtet den ev. Predigttext und zwei der kath. Lesungstexte. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Verständigung ist möglich – im Geiste Gottes, der Schöpfung und damit auch der Nachhaltigkeit (Gen 11); Verbreitung von Botschaften des Wortes und der Tat außerhalb des gewohnten Kulturkreises, (Apg 10); um positive Veränderungen aktiv bemühen (Eph 4)

(zur Bibelstelle Gen 11, 1-9 s. a. vorheriger Sonntag)

 

Stellung im Kirchenjahr

Der Pfingstmontag als 2. Feiertag hat für viele Gemeindeglieder keine Bedeutung. In manchen Gemeinden finden allerdings Gottesdienste im Grünen statt oder auch Konfirmationsjubiläen.

 

1 Mose 11, 1-9

Exegetische Überlegungen

Der vorgeschlagene Text eignet sich meiner Meinung nach wunderbar für alle möglichen Einsatzzwecke – nicht nur am Pfingstmontag. Seine bildhafte Rede kann unterschiedliche sogar recht heftige emotionale Reaktionen auslösen. Verschiedene Themen bieten sich an: die Ambivalenz menschlichen Forschungsdranges – das Streben des Menschen nach Ruhm und Unsterblichkeit – der Versuch des Menschen, über sich selbst hinaus zu wachsen, Gott zu erreichen – sich über andere erheben wollen, größer sein wollen als andere – Trauer über die Erfahrungen von Unverständnis – die Sehnsucht danach, dass alle sich verstehen können

 

Nicht eindeutig geklärt ist die Übersetzung des Namens „Babel“, die im biblischen Text angebotene Übersetzung als „Verwirrung" ist wohl nicht korrekt, vielmehr heißt „Babel" Gottestor. (vgl. Gottfried Voigt: Die geliebte Welt, Göttingen 1980)

 

Die Zuordnung des Textes zum Pfingstfest gibt der Predigt allerdings eine bestimmte Richtung. Die Pfingstgeschichte in Apg 2 ist bis in mehrere Einzelheiten hinein die passende Gegengeschichte dazu. Apg 2 beschreibt, wie Gott Babel rückgängig macht. Da wird Gottes Handeln durch den Geist dem menschlichen Handeln des Turmbaus gegenüber gestellt. Beim Turmbau streben die Menschen nach oben, an Pfingsten kommt der Geist von oben herab. Der Turmbau bringt Nichtverstehen und Zerstreuung, an Pfingsten sammelt der Geist Gottes Menschen aus aller Welt und lässt sie einander verstehen, die großen Taten Gottes werden gelobt, während sich beim Turmbau die Menschen einen Namen machen wollen.

 

Predigtimpulse

Es bleibt ein wichtiger Auftrag für uns, uns um Verständigung zu bemühen. Es tut uns immer wieder gut, zu merken, dass unser eigener Standpunkt nicht der einzig mögliche ist. Mit Gottes Hilfe können wir es wagen, aufeinander zuzugehen und zu versuchen uns zu verständigen. An Pfingsten feiern wir, dass Gottes Geist den Menschen die Verständigung möglich machen will. Auch wenn Verständigung oft Mühe macht, ist es doch lohnenswert, sich zu bemühen, denn Gottes Geist eröffnet uns neue Wege. Er erweitert unser Blickfeld und lockt uns über unsere Möglichkeiten hinaus. Gottes Geist lässt uns Grenzen überwinden, die uns von anderen Menschen trennen. Da können plötzlich die unterschiedlichsten Menschen miteinander reden, sich über ihren Glauben austauschen, ihre Gefühle äußern. Das muss damals an Pfingsten in Jerusalem wohl geschehen sein. Und das kann auch heute noch passieren immer wieder aufs Neue. Dort wo Gottes Geisteskraft spürbar wird unter uns.

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

Wenn Menschen zu hoch hinaus wollen, dann verstehen sie sich nicht mehr, dann entstehen Missverständnisse und Fehlentwicklungen. Dürfen wir wirklich alles machen, was machbar ist? Wir können ja sehen, dass nicht alles, was möglich ist dem Wohl dieser Welt und der Schöpfung dient. Und schon gar nicht dem menschlichen Miteinander und der Gerechtigkeit. Die Sprache ist ein zentraler Bestandteil unseres Lebens und die Vielfalt menschlicher Ausdrucksformen muss nicht nur als Trennung, sondern kann auch als Reichtum verstanden werden. Wichtig ist aber, dass wir uns immer um Kommunikation bemühen, die keinen Menschen ausgrenzt und die uns miteinander ins Gespräch bringt, Menschen aller Völker und Nationen, und auch die beiden Geschlechter. Die Arbeit an einer gerechten Sprache in den letzten Jahren zeigt, dass das möglich und gewinnbringend ist.

 

Apg 10, 34-35. 42-48a

Exegetische Überlegungen

Die Apostelgeschichte ist wohl um das Jahr 90 n.Chr. entstanden. Ort der Abfassung und Person des Verfassers sind unklar. Der Verfasser, dem auch das Lukasevangelium zugeschrieben wird, muss griechisch-hellenistische Bildung und gute theologische und historische Kenntnisse besessen haben. Zweck der Abfassung ist vor allem, die Zuverlässigkeit des Christuszeugnisses für nachfolgende Generationen zu verbürgen. Die Apostelgeschichte bezeugt und erweckt immer wieder Utopien von glückender Gemeinschaft auf der Basis der Überzeugung, dass die gute Botschaft Gottes die Macht hat, Menschen zu befreien und zu verändern und alle einbeziehen kann. Gerade für christliche Basisgemeinden in Brasilien ist die Apostelgeschichte deshalb ein sehr wichtiges Buch, das zu Fragen des Gemeindeaufbaus und auf Utopieentwürfe hin intensiv gelesen wird.

 

Predigtimpulse

Es geht hier um die Ausweitung des christlichen Glaubens auf Menschen außerhalb der jüdischen Gemeinde. Die gute Botschaft ist für alle gleichermaßen da und hat Gültigkeit auch über menschliche Vorurteile und Begrenzungen hinweg. Das verbindet uns zu einer weltweiten Familie.

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

Wenn wir glauben, dass vor Gott alle Menschen gleich viel wert sind und dass Gott alle Menschen liebt, dann muss das Konsequenzen für unseren Lebensstil haben. Dann können doch nicht die einen satt und selbstzufrieden leben, während die anderen nicht einmal das Nötigste haben oder an Aids sterben, weil ihnen lebenswichtige Medikamente versagt werden. Eine gerechte Weltwirtschaftsordnung mit Strukturen, die den fairen Handel regeln, muss unser Ziel bleiben, für das wir uns einsetzen.

 

Eph 4, 1b-6

Exegetische Überlegungen

Mit dieser Perikope beginnt der zweite Teil des Briefes an die Gemeinde in Ephesus. In Kapitel 1-3 geht es um die theologischen Grundlagen und in den Kapiteln 4-6 um die daraus folgenden Anweisungen für das neue Leben in Christus. Der Text beginnt mit Ermahnungen, was sicher bei den Hörenden nicht nur auf Zustimmung stoßen wird. Die Verse 4-6 stammen wohl aus einer Taufkatechese und zeigen die Allgemeingültigkeit des durch die Taufe erhaltenen Heils. Dabei ist wiederholt von Einheit und Einigkeit die Rede und fordert uns gerade dadurch zum Nachdenken über fehlende oder auch falsch verstandene Einheit heraus.

 

Predigtimpulse

Als die Gemeinschaft der Christinnen und Christen gehören wir zusammen wie eine große weltweite Familie. Das bleibt unser Auftrag. All dem Unfrieden in der Welt, all dem Lug und Trug und auch all dem Elend, das wir miterleben, haben wir nur eines entgegenzusetzen und das ist die Liebe. Dazu ruft uns unser Text auf. Das ist es doch, was unsere Welt so dringend braucht. Liebe. Die Botschaft davon, dass Gott alle Menschen lieb hat – unabhängig von ihrer Leistung, ihrem Einkommen, ihrem Aussehen. Nur wenn wir versuchen, Jesu Beispiel zu folgen und Gottes Liebe lebendig zu machen, nur dann kann sich etwas verändern in unserer Welt.

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

„Nein, du kannst die Welt nicht eigenhändig retten.

Aber du kannst dich mehr bemühen. als du es gestern getan hast.“ (Leo Hickmann)

 

Martina Horak-Werz, Gommersheim

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz