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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

letzter Sonntag nach Epiphanias / 6. Sonntag im Jahreskreis (13. Feb. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

2 Mose 3, 1-10 (11-14)

Sir 15, 15-20 (16-21)

1 Kor 2, 6-10

Mt 5, 17-37

 

Die Autorin geht auf den ev. Predigttext und die kath. 1. Lesung ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: die Wüste auf dem Weg zum Ziel ertragen, es liegt nicht mitten in der Bequemlichkeit, Widerstand (Ex 3); Nachhaltigkeit als anstrengendes Lebensprogramm: Ernährung, Kleidung, Mobilität – Macht / Pflicht zur eigenen Entscheidung (Sir 15)

 

2 Mose 3, 1-10 (11-14) [EKD Reihe III]

Exegetische Hinweise

Mit der Berufung des Mose in Ex 3, 1-4,17 beginnt real zu werden, was Ex 2, 24-25 versprechen: Gott hört und sieht das Leid seines Volkes. Die klassische Form der Berufungserzählung (Anrede, Antwort, Auftrag, Widerspruch, Beistands- oder Zeichenzusage, Zustimmung) wird durch den fünfmaligen Widerspruch des Mose extrem gedehnt. Zweierlei wird sichtbar. A) Gott ist sehr geduldig und sorgt mit unterschiedlichen Variationen dafür, dass Mose schließlich zustimmt. B) Mose ist eben der Prophet schlechthin und hat eben auch einfach die längste, denkbare Berufungserzählung.

Innerhalb der Berufungserzählung wird der Gottesname als „ich bin der, der ich sein werde“ gedeutet. Der Zusatz „der Gott deiner Väter, …“ bindet die Erfahrung Mose in den langen Traditionszusammenhang der Erzeltern ein. Hier offenbart sich keine neue Gottheit, sondern eben der Gott, der immer schon mit dem Volk war, ergreift erneut die Initiative.

 

Assoziationen

Meist sind wir so fixiert auf die Berufung des Moses, dass der erste Vers dieser Erzählung kaum wahrgenommen wird. Mose treibt die Kleinviehherde und gelangt zum Gottesberg. Aber wie kommt er dorthin? Wo liegt dieser Berg? Ich glaube, es ist spannend, hier nach einem metaphorischen Sinn zu fragen: Was muss ich tun, wenn ich Sehnsucht nach Gott spüre?

Alle gängigen Übersetzungen sind sich einig: „hinter“ der Wüste ist dieser Ort. [Luther: hinter die Wüste, Neue Züricher Bibel: über die Wüste hinaus, Bibel in gerechter Sprache: durch die Wüste hindurch.] Vor der Begegnung muss die Wüste durchquert und ertragen werden: die Kargheit, der Verzicht, die extremen Temperaturen, die Einsamkeit, die Leere, die Gefahren, aber auch die unheimliche Schönheit und Weite, die Reduzierung auf das Wesentliche, die Begegnung mit sich selbst, …

Anders interpretiert Die Gute Nachricht: „Als er die Herde tief in die Wüste hineintrieb, kam er eines Tages an den Gottesberg Horeb.“ Vielleicht will diese Variante Mut machen – der Gottesberg liegt mitten im lebensfeindlichen Wüstengebiet. Oder einfach weit weg vom Kulturland, von der Familie (die ja auch Mose verlässt), von der Arbeit, von der Heimat und … eben dort ist Gott zu treffen.

Noch drängender wird die Frage: „Wo ist Gott? im Blick auf den Dornbusch:

Ein Heide fragte einst einen Rabbiner: Warum wählte Gott einen Dornbusch, um darin zu erscheinen?“ Er antwortet: „Hätte er sich in einem Johannisbrotbaum oder einem Feigenbaum gezeigt, hättest du mir dieselbe Frage gestellt. Aber es wäre falsch, dich ohne Antwort gehen zu lassen. Also werde ich dir sagen, warum es ein Busch war: Um dich zu lehren, dass kein Ort ohne Gottes Gegenwart ist, nicht einmal ein armseliger Dornbusch.

Mit einem anderen Akzent interpretiert Philo von Alexandrien den Dornbusch:

Der brennende Dornbusch war ein Sinnbild der Unrechtleidenden, das flammende Feuer ein Sinnbild der Unrechttuenden, die Unversehrbarkeit des Brennenden ein Zeichen, dass die Unrechtleidenden von ihren Angreifern nicht würden vernichtet werden, sondern dass diesen ihr Angriff als unwirksam und unnütz und jenen die feindliche Absicht als unschädlich sich erweise.“

Er deutet also den Dornbusch als Allegorie auf die Unrechtleidenden, die letztlich doch von Gott geschützt werden. So wird der brennende Dornbusch zum Identifikationssymbol für alle Leidenden. Vielleicht ein Trost für alle, die sich engagieren im Umweltschutz oder in Fragen der globalen Gerechtigkeit und doch immer wieder scheinbar auf verlorenen Posten stehen. Der Gottesberg ist wohl erst hinter der Wüste zu finden, aber die Flamme des Marktes wird den Widerstand (= den Dornbusch) nicht verbrennen!

 

Kath. Lesejahr: 1. Lesung – Sir 15, 15-20

Exegetische Hinweise:

Es lohnt sich mit der Lesung einen Vers vor der angegebenen Stelle zu beginnen. Da heißt es (Sir 15, 14): „Er hat am Anfang den Menschen erschaffen und ihn der Macht der eigenen Entscheidung überlassen.“ – oder in der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache: „... hat ihnen die Freiheit gegeben selbst Entscheidungen zu treffen.“ Die Ambivalenz der Freiheit ist klar, aber entscheidend ist, von welchem Standpunkt man urteilt. Ist die Möglichkeit zu entscheiden ein positiver Wert oder ein notwendiges Übel und im Grunde immer bedrohlich? Mit diesem Auftakt erhalten die V 15-20 eine klarere Richtung. Die Gebote helfen die Freiheit zu gestalten. Aber die Wahl zwischen Feuer und Wasser bleibt – beides kann Leben retten. Der Kontext bestimmt, was nötig ist.

 

Assoziationen:

Nachhaltig“ als Lebensprogramm ist anstrengend, weil es ständig Entscheidungen fordert: Welches Fleisch kaufe ich? Welches Obst und Gemüse muss ich jetzt im Winter haben? Woher stammt meine Kleidung, wer hat sie genäht? Bahn oder Auto? … etc.

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

(Quelle unsicher)

Dr. Katrin Brockmöller, Mainz

 

Literatur:

Die Tora in jüdischer Auslegung, Band 2: Schemot. Exodus, hrsg. von W. Gunter Plaut, Gütersloher Verlag 2000.

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