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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Reminiszere / 2. Fastensonntag (20. Mrz. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 12, 38-42

Gen 12, 1-4a

2 Tim 1, 8b-10

Mt 17, 1-9

 

Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope und den kath. Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Entscheidung zur Umkehr, Jesus als Heilszeichen – Rettung der ganzen Welt (Mt 12); Besinnung auf die eigene und die kirchliche Mitverantwortung bei lokaler und globaler Gewalt und Ausbeutung in allen Bereichen der Schöpfung, Beherrschung der Welt durch falsche Werte, Christen haben die Aufgabe, zwischen Werten zu differenzieren und aufzuklären (Mt 17)

 

Stellung im Kirchenjahr

Der Beginn der österlichen Bußzeit (2. Fastensonntag) bietet eine gute Gelegenheit, sich neu mit dem Schöpfungsglauben zu beschäftigen. Als Zeit der Buße und der Umkehr sind diese vierzig Tage besonders geeignet, die eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber der Umwelt kritisch zu überprüfen und das Leiden der Schöpfung sensibler wahrzunehmen. So kann sich dann das Lob des Schöpfers intensiver mit der Klage über das Unheil in der Schöpfung verbinden. Und dabei darf auch der eigenen und kirchlichen Mitverantwortung an Gewalt und Ausbeutung gegenüber der Schöpfung nicht ausgewichen werden, was ein ehrliches Schuldbekenntnis einfordert, aber ebenso die Bitte um Frieden in und mit der Schöpfung.

 

Exegetische Hinweise

Die beiden Evangeliumsperikopen (nach der evangelischen Perikopenordnung Reihe III: Mt 12, 38-42; nach der katholischen Leseordnung A: Mt 17, 1-9) haben zwar keinen direkten Bezug zum modernen Anliegen der Nachhaltigkeit, aber indem sie auf die zentrale Bedeutung Jesu als Wendepunkt der Weltgeschichte hinweisen, beanspruchen sie doch, Gewichtiges zur Zukunft der Menschheit zu sagen. Gemeinsam ist beiden der Anspruch, dass Jesus das Heilszeichen Gottes für die ganze Welt darstellt; angesichts dieses Zeichens muß sich der Mensch entscheiden, wenn er seine Zukunft nicht verspielen will.

In der Perikope aus Mt 12, 38-42 geht es um die Legitimation Jesu. Das Zeichen des Propheten Jona (Mt 12, 40) verweist die Hörer auf das Heilsereignis von Tod und Auferstehung Jesu; und dieses Zeichen fordert die Menschen immer neu zur Entscheidung und zur Umkehr heraus. Die sündigen Bewohner von Ninive und die ungläubige Königin des Südlands haben damals ihre Chance ergriffen und sind umgekehrt. Aber jetzt geht es um mehr; jetzt geht es um die Anerkennung Jesu als Retter der ganzen Welt.

Die Perikope von der „Verklärung Jesu auf dem Berg“ (Mt 17, 1-9) stellt eine Art Theophaniegeschichte dar: Gott erscheint auf dem „Berg“ in einer „leuchtende(n) Wolke“ und lässt seine Stimme vernehmen. Die Jünger reagieren darauf mit „große(r) Angst“ und werfen sich „mit dem Gesicht zu Boden“. Dazu kommen noch apokalyptische Gestaltungselemente, die dem heutigen Hörer das Verstehen der Erzählung noch zusätzlich erschweren: Die Kleider Jesu werden „blendend weiß“ und es erscheinen „plötzlich … Mose und Elíja“. All dies deutet auf eine ganz andere, auf die neue, die endzeitliche Welt Gottes hin, in der alle Sünde und alles Böse vernichtet sein werden (darauf verweisen die „weißen Kleider“) und in der die verstorbenen Gerechten (hier exemplarisch Mose und Elíja) zum neuen Leben auferstehen werden. Diese dem heutigen Hörer zunächst fremde Verklärungsszene enthält in Wahrheit eine heilsame und befreiende Aufklärung über die wahre Bedeutung Jesu: Jesus ist der „Herr“, der Kyrios, der „geliebte Sohn“, der in den Augen Gottes „Gefallen gefunden“ hat; auf ihn sollen die Jünger, ja die ganze Welt hören; denn die Annahme seiner Botschaft entscheidet über Unheil und Heil der ganzen Schöpfung!

 

Relevanz in Bezug auf Nachhaltigkeit

Ähnlich wie die im Glauben angefochtenen Mitglieder der frühchristlichen Matthäus-Gemeinde fragen sich vielleicht auch heute viele Gläubige, wer denn heute eigentlich die Welt beherrscht, ob Gott tatsächlich noch die Weltgeschichte im Griff hat. Heute sind neue Mächte auf den Plan getreten, die sich rücksichtslos gegenüber der Schöpfung Gottes gebärden. Von der modernen Wirtschaft produzierte Güter und Konsumartikel und von den Massenmedien vermittelte Glücksverheißungen ziehen heute immer mehr Menschen in ihren Bann. Gegenüber diesen modernen, säkularen Sinnangeboten und Orientierungsmustern von steigendem Wohlstand und schneller Bedürfnisbefriedung scheint das Lebensmodell Gottes keine Chance mehr zu haben. Geld, Karriere und Konsum scheinen weit mächtiger zu sein als die Verheißungen des biblischen Gottes, der auf Gerechtigkeit, Liebe, solidarische Mitmenschlichkeit und Schöpfungsverantwortung setzt.

Angesichts dieser Situation lautet die Grundbotschaft der beiden Perikopen: Nachhaltige Zukunft für die ganze Schöpfung ist möglich im Glauben an Jesus Christus. Er ist das Zeichen, das im Tod neues Leben verheißt; und er steht als der „geliebte Sohn“ ein für die Verheißung, daß Gott in Treue zu seiner geliebten Schöpfung steht.

 

In der Gemeinde

Die beiden Perikopen können – so verstanden – auch heute der Gemeinde Mut machen, dass Gottes Macht noch nicht ausgespielt hat. Wer sensibel genug ist, der sieht immer deutlicher, auf welch tönernen Füßen die modernen Glücksverheißungen tatsächlich stehen. Ständig steigendes Wirtschaftswachstum mit immer mehr Wohlstand erweist sich in einer endlichen Welt als trügerisches und letztlich haltloses Versprechen; denn in Wirklichkeit lässt dieses Lebensmodell schon jetzt immer mehr Menschen in Not und Armut zurück und zerstört die natürliche Umwelt in immer bedrohlicherem Ausmaß. Wirkliches Glück und verlässliche Zukunft lassen sich nur dort finden, wo die Herrschaft Gottes zum Zug kommt, wo Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Solidarität herrschen.

Zwar musste Jesus für seine radikale Praxis der Liebe mit dem Tod am Kreuz bezahlen. Aber Gott hat ihn zu neuem Leben auferweckt und damit seine Lebenspraxis, seine Liebe, als wahr und gültig bestätigt: In Jesus hat Gott selber die Verhältnisse der Welt auf den Kopf gestellt und so eine neue Welt grundgelegt, in der allein die Herrschaft der Liebe nachhaltigen Bestand hat. Alle anderen Mächte haben bereits ausgespielt - selbst der Tod! Der Schweizer Pfarrer Kurt Marti beschreibt diesen „Machtwechsel“ in einer seiner berühmten „Leichenreden“ eindrucksvoll so:

"das könnte manchen herren so passen
wenn mit dem tode alles beglichen
die herrschaft der herren
die knechtschaft der knechte
bestätigt wäre für immer.

aber es kommt eine auferstehung
die anders ganz anders wird als wir dachten
es kommt eine auferstehung die ist
der aufstand gottes gegen die herren
und gegen den herrn aller herren: den tod".

Mit der Auferstehung Christi ist die Herrschaft Gottes bereits endgültig angebrochen. Auch wenn die Herren dieser Welt es noch nicht glauben wollen, die menschenfreundliche Macht der Liebe Gottes hat sich längst durchgesetzt; und sie allein wird nachhaltigen Bestand haben. Auf der Grundlage dieser Hoffnung kann sich die christliche Gemeinde gegen alle Widerstände für nachhaltige Schöpfungssorge einsetzen.

Dr. Karl Bopp, Benediktbeuern

Literaturhinweis

Leonardo Boff, Unser Haus, die Erde. Den Schrei der Unterdrückten hören, Düsseldorf 1996

Karl Bopp, Nachhaltigkeit und Pastoral. Entwurf einer ökologischen Pastoral, München 2009

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