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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Septuagesimae / 7. Sonntag im Jahreskreis (20. Feb. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 17, 7-10

Lev 19, 1-2.17-18

1 Kor 3, 16-23

Mt 5, 38-48

 

Die Autorin betrachtet alle Predigttexte des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: im Dienen gerechte Beziehungen herstellen (Lk 17); heilig sein: das Gemeinwesen auf allen Ebenen gerecht, fürsorglich, sozial und zugewandt gestalten (Lev 19); widerständiges Leben, niemandem unterworfen sein (1 Kor 3); Feindesliebe ist nicht Nächstenliebe, Dialog, Umgang mit Machtgefälle (Mt 5)

 

Lev 19, 1-2.17-18

Zum Vergleich die Übersetzung der 'Bibel in gerechter Sprache' (BigS):

1 Adonaj sprach zu Mose: 2Sprich zu der ganzen Versammlung der Nachkommen Israels und sage ihnen: Ihr seid heilig – ja seid es! – denn heilig bin ich, Adonaj, Gott-für-euch.

Heilig sein können sich die Nachkommen Israels nicht verdienen, sie sind es weil ihr „Gott-für-euch" heilig ist. Entsprechend der Beziehung zu dem „Gott-für-euch" kann dann das Gemeinwesen auf allen Ebenen gerecht, fürsorglich, sozial und zugewandt gestaltet werden, trotz mancher Konflikte. So reicht ‚Nächstenliebe' weit über das einzelne Verhalten von Mensch zu Mensch hinaus.

 

Beispiele zu Vers 17b, die zu aktualisieren wären:

- Anfang 2010: Menschen gehen auf die Straßen gegen die Aufmärsche von Neo-Nazi-Gruppen.

- Im April 2010 stand eine 120 km lange Menschenkette zwischen dem AKW Brunsbüttel durch Hamburg bis zum AKW Krümmel als Protest gegen eine evtl. geplante Verlängerung der AKW-Laufzeiten und gegen das Atommüll-Lager Asse.

 

Mt 5, 38-48

Die Feindesliebe ist nicht die Verlängerung oder Steigerung der Nächstenliebe, sondern hat eine ganz eigene Qualität. Jesus bezieht sich auf das ungleiche Gefälle zwischen Verfolgten (matthäische Gemeinden) und Verfolgern (römische Staatsgewalt). Er bringt das Gefälle der Macht ins Wanken: aus Gehassten werden zum Wohl Wirkende, aus Misshandelten und Verfolgten werden Fürbittende, die Bedrängten handeln in einer neuen Freiheit und leben auf neue Weise widerständig. Das Mt-Ev ruft zum täglich vollzogenen Widerstand gegen die Unterwerfung unter den Mammon auf (Mt 6, 24 ff.). Gegen knechtische Abhängigkeiten setzt es die Zugehörigkeit zum Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit (Mt 5, 17-48). Gegen die real existierenden Mächte setzen die matth. Gemeinden die Fürsorge des himmlischen Vaters.

 

Fragen an die beiden Texte:

1. Wie leben wir in unserem "Gemeinwesen", d.h. in der globalisierten Welt, mit "Gott-für-euch" im Bunde?

Die Botschaft der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB Winnipeg 2003) setzt bei der Kirche als Gemeinschaft des Leibes Christi (communio) an und fordert: "Als Communio müssen wir der falschen Ideologie der neoliberalen wirtschaftlichen Globalisierung so begegnen, dass wir dieser Realität und ihren Auswirkungen Widerstand entgegensetzen, sie grundlegend umwandeln und verändern. …". (Impulse zum Handeln finden sich ebenfalls in diesem Text.)

 

2. Wie können wir uns daran beteiligen heutzutage das Gefälle der Macht ins Wanken zu bringen?

Wer Gewalt überwinden will, sollte mit seinen Mitmenschen reden, statt handgreiflich zu werden. Das kann und muss man richtig üben."(Niklas und Rick Schindel, Jugendliche der Freien Evang. Gemeinde Aachen.)

"Frieden ist … eine 'Kultur des Dialogs'. Frieden ist genügend Brot und faire Löhne für alle Menschen, Frieden ist Gerechtigkeit und Liebe zur Schöpfung." (Sylvia Dieter, Sprecherin des Ökumenischen Netzes Württemberg, Lauffen/Neckar).

"Leider fließt noch immer mehr Geld in 'Krieg vorbereiten' als in 'Frieden fördern'. Eine Änderung der Werte fängt im persönlichen Leben an und geht weit in den gesellschaftlich-politischen Raum. Mit dieser Erklärung sollten die Prioritäten klar sein!" (Paul Gräsle, Evang-method. Kirche; Vorsitz Ausschuss 'Kirche und Gesellschaft' in der ACK und der Vereinigung Evang. Freikirchen) "Mit dieser Erklärung" ist gemeint die "Internationale Ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden" zum Ende der Dekade zur Überwindung von Gewalt 2001-2010.

Zwei Tage nach dem 11.September 2001 predigte Bischöfin Wartenberg-Potter über "intelligenten Feindesliebe": "Man darf sich nicht durch die Inhumanität des Gegners von den Grundsätzen menschenwürdigen Handelns abbringen lassen … Die Feindesliebe ist aber nur die Konsequenz des folgerichtigen Beziehungs-denkens, dem gemäß niemand von den richtigen Beziehungen zu Gott und den Menschen ausgeschlossen werden kann. Die Feindesliebe geht mit der Gewaltlosigkeit einher und die eine ist in der anderen begründet."

 

1 Kor 3, 16-23

Zum Vergleich die Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache (BigS):

21 Niemand soll sich bei den Leuten groß aufspielen. Denn ihr seid niemand unterworfen.

Strittig ist für Paulus nicht, dass Christus die Weisheit Gottes ist (1, 24.30). Strittig ist der Widerstand gegen Rom als genuine Aufgabe der AnhängerInnen der gekreuzigten und auferstandenen Weisheit Gottes, Christus. Strittig ist die Notwendigkeit Kreuz und Weisheit zusammen zu sehen.

 

Lk 17, 7-10

Die Übersetzung der BigS verschärft die Aussage:10 So soll es auch unter euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, so sagt "Wir sind nur unnütze Sklavinnen und Sklaven, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

Assoziationen zu den Texten:

"Dienen" ist noch immer ein problematischer Begriff. Er steht für totale Hingabe und Selbstaufgabe und wurde auch in den Kirchen benutzt, um Machtausübung zu verschleiern. Vers 10 stellt das normale Verhalten in einer (hierarchisch gegliederten) Gesellschaft, in der jede/r "oben" sein will, auf den Kopf.

Die Bewegung der Diakonissen folgt dem Leitsatz "Dankbar Gott dienen" und hat in ihrer Geschichte Nachhaltiges bewirkt:

"Was will ich? Dienen will ich.

Wem will ich dienen? Dem Herrn in seinen Elenden und Armen.
Was ist mein Lohn? Ich diene weder um Lohn noch um Dank, sondern aus Dank und Liebe; mein Lohn ist, dass ich dienen darf.
Und wenn ich dabei umkomme, so komme ich um, sprach Esther, die doch IHN (Christus) nicht kannte, dem zu Liebe ich umkäme und der mich nicht umkommen lässt.

Und wenn ich dabei alt werde? So wird mein Herz grünen wie ein Palmbaum, und der Herr wird mich sättigen mit Gnade und Erbarmen.
Ich gehe mit Frieden und sorge nichts."
Wilhelm Löhe, Diakonissenspruch

Kreuz und Weisheit zusammendenken führt zu der Erkenntnis, niemandem unterworfen zu sein und schenkt die Freiheit eines Christenmenschen. Dabei geht es um widerständiges Leben als genuine christliche Aufgabe, die wir heute unserer globalisierten Welt schuldig sind. Es geht um Widerstand, der Alternativen zum allgemeinen Trend aufzeigt.

In seiner „Erklärung zu Öko-Gerechtigkeit und ökologischer Schuld" erkennt der ÖRK "die Notwendigkeit einer durchgreifenden Umwandlung auf allen Ebenen des Lebens und der Gesellschaft an, um der ökologischen Schuld ein Ende zu setzen und wieder gerechte Beziehungen zwischen den Völkern und zwischen Menschen und Erde herzustellen. Dies erfordert eine Neuordnung der ökonomischen Paradigmen, eine Umkehr … hin zu Modellen, die lokal orientierte Wirtschaftsformen, indigene Kulturen und indigene Spiritualität, die Erneuerbarkeit der natürlichen Ressourcen und das Existenzrecht anderer Lebensformen respektieren".

Dazu aktuell: „Alles ist Euer" könnte der Werbeslogan einer Börsenreklame oder eines Monopolisten wie Monsanto (Gen-Saatgut, Patente auf Lebewesen …) sein. Nicht nur in Indien, auch in Deutschland stehen Menschen dagegen auf.

Susanne Käser, Landau i. d. Pfalz

 

Literatur:

Ulrike Bail et al. (Hg.): Bibel in gerechter Sprache (BigS), München: Random House / Gütersloher Verlagshaus 2006, 1. Aufl.

Zu Mt 5: Kompendium Feministische Bibelauslegung, Hrsg. Luise Schottroff und Marie-Theres Wacker, Chr. Kaiser, 1999, S 485 ff.)

Zu "LWB in Winnipeg": Kairos Europa e.V., Wirtschaft(en) im Dienst des Lebens, Kirchen im ökumenischen Prozess für gerechte Globalisierung – IMPULSE FÜR KIRCHEN UND GEMEINDEN – Von Winnipeg 2003 über Accra 2004 nach Porto Alegre 2006

www.kairoseuropa.de, mail: info@kairoseuropa.de, Tel: 06221-716005

Zu: Erklärung zum Gerechten Frieden, Vorbereitung der Friedenskonvokation vom 17.-25.5.2011 in Kingston, Jamaika. (Erster Entwurf, Hrsg: Ökumenische Centrale / ACK, Frankfurt/Main)

Zu: Bärbel Wartenberg-Potter, Wes Brot ich ess, des Lied ich sing – Die Berpredigt lesen, Herder Verlag. (Ebd. S. 101 ff.)

Zu "Ökologische Schuld": ÖRK Zentralausschuss, 2009, Genf, Dok.-Nr. Gen/Pub 05, Punkt 11; hier aus: OID Nr. 93, S. 2

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