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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Invokavit / 1. Fastensonntag (13. Mrz. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Mose 3, 1-19 (20-24)

Gen 2, 7-9; 3,1-7

Röm 5, 12-19 od.
Röm 5, 12.17-19

Mt 4, 1-11

 

Die Autorin geht auf die ev. Pedigtperikope und den kath. Evangeliumstext ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: sich der Einsicht in die Zusammenhänge bewusst werden, Achtung der von Gott gesetzten Grenzen, Verhältnis Mann – Frau (Gotteswille / Menschenwerk), Härte vs. Hoffnung (Gen 3); Umgang mit Versuchung, Erkennen der Gefahren: sich selbst der Nächste sein, Handeln als Show, Macht um der Macht willen, Besinnen, erkennen, worum es in der Welt nach Gottes Wille wirklich geht (Mt 4)

 

Zu Gen 3, 1-20

Impulse zum Weiterdenken:

  • die Menschen haben Einsicht in göttliche Zusammenhänge, in „die Erkenntnis von Gut und Böse“ und erleben deshalb auch ihre Nacktheit, ihr Ausgeliefertsein, ihr Gefährdetsein

  • das Geschlechterverhältnis und das Leben von Mann und Frau wird gezeigt, wie es ist, wie es von Gott aber nicht gewollt ist: In den sog. Strafsprüchen werden die Schlange, die Frau und der Mann wegen ihrer je eigenen Übertretungen des Gebots zur Rechenschaft gezogen: Die Herrschaft des Mannes über die Frau und die Geburtsschmerzen, die schwere Arbeit, die Feindschaft zwischen Mensch und Tier, der Tod – sie sind nicht von Gott gewollt, sondern Teil des Lebens, das schon nicht mehr ganz gut ist (wie noch in Gen 1, 31), das die von Gott gesetzten Grenzen überschreitet

  •  die Menschen, die über die ihnen gesetzten Grenzen gehen, schaden der in sich guten Schöpfung und damit sich selbst

  • Gen 3 ist nicht die Geschichte vom „Sündenfall“, sondern vielmehr ein Bild, wie das menschliche Leben als Mann und Frau auf dieser Welt in seiner Härte und Gefährdung erfahren wird.

  • das Wort „Sünde“ fällt übrigens erst in Gen 4, wenn es um die Gewalt zwischen Menschen anhand der Geschichte von Kain und Abel geht

  • die Frau erhält einen Namen, der Hoffnung sät, dass das Leben doch weitergehen kann: Eva, Mutter aller Lebendigen

 

Zu Mt 4, 1-11

Der Versuchung auf der Spur

„M…, die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt“ Hand aufs Herz – wie oft sind wir nicht alle schon dieser zartesten Versuchung erlegen. Dabei ist es nur eine von vielen… Eine Versuchung meint, dass wir etwas tun, das einen großen Reiz auf uns ausübt, aber eigentlich unzweckmäßig ist oder einer sozialen Norm widerspricht oder sogar verboten ist – Diätvorschriften werden missachtet, Luxusgegenstände gekauft, Aufgaben wieder und wieder verschoben, die eigene Macht missbraucht… Auch Tiere können in Versuchung geführt werden z.B. sich die Nahrung zu ergattern trotz einer unangemessen großen Gefahr.

 

Ort der Versuchung

„Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht“ – hat Oscar Wilde mal gesagt. Ob Jesus widerstehen kann oder doch den Versuchungen nachgibt, darüber hat sich wohl der Teufel Gedanken gemacht, bevor er Jesus in der Wüste anspricht. Der Geist Gottes hat Jesus in die Wüste geführt. 40 Tage und Nächte ist Jesus dort, wo der Mensch mit sich und Gott alleine ist. Jede Ablenkung, jede Bequemlichkeit und jede Alltäglichkeit findet hier ihr Ende.

 

1. Versuchung: Habe ich nur mich und meinen Vorteil im Blick?

Eine Extremsituation: Keine Gespräche, keine Mahlzeiten, Hunger und Durst, nur die eigenen Gedanken und die Sehnsucht, Gott näher zu kommen. Dementsprechend sieht der Angriffsplan des Gegners aus: Teuflisch eben. Jesus Hunger bietet den Anlass für die erste Versuchung: „Wenn es stimmt, dass du der Sohn Gottes bist, so befiehl diesem Stein, Brot zu werden.“ Der Teufel fordert Jesus auf, seine Macht einzusetzen, sich selbst der Nächste zu sein. Dagegen setzt Jesus das, was den Menschen ausmacht. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“ Jesus lehnt die Versuchung ab, zuerst für sich selbst zu sorgen, sich selbst zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte zu machen.

 

2. Versuchung: Geht es nur um die Show?

Der Teufel lässt sich nach dieser ersten Niederlage nicht abschütteln. Er nimmt Jesus mit nach Jerusalem, an den Ort des religiösen und politischen Zentrums, in die „Heilige Stadt“: Vom Dach des Tempels soll Jesus herab springen und zweierlei unter Beweis stellen: Dass er der Sohn Gottes ist und dass er gerettet wird. Jesus soll seine göttliche Erwählung demonstrativ zur Schau stellen. Doch Jesus verweigert sich der Show und kontert: „Du sollst Gott, den Herrn, nicht auf die Probe stellen.“

 

3. Versuchung: Welcher Herrschaftsanspruch steht im Hintergrund?

Und so zieht der Versucher sein letztes Ass aus dem Ärmel: „Alle Macht und Herrschaft der Reiche dieser Welt will ich dir geben, wenn du vor mir niederfällst und mich anbetest.“ Jesus ist zwar gekommen, um eine Herrschaft aufzurichten, - da kennt der Teufel Jesus gut genug - doch das Reich Gottes unter den Menschen hat nichts mit Unterdrückung und Fremdbestimmung gemein, sondern nimmt vielmehr die Freiheit der Kinder Gottes in den Blick, das Leben in Fülle soll für alle möglich werden, jede und jeder soll zu ihrem/seinen Recht kommen. Jesus widersteht souverän. Die Versuchungsgeschichte endet mit einem - wenigstens - vorläufig aufgebenden Teufel.

 

Was führt mich/uns in Versuchung?

Unsere Versuchungsgeschichte geht im Unterschied dazu weiter. Wir werden weiterhin Angebote bekommen, die uns bei banalen Bedürfnissen ins Schleudern bringen: Bei unserem Hängen am Wohlstand und dem immer mehr haben wollen. Bei unseren Allmachtsphantasien und Bemühungen, andere beherrschen zu wollen und selbst immer an erster Stelle zu stehen. Und bei der Versuchung, Gott zum Werkzeug der eigenen Interessen zu machen.

 

Die Chancen

Nicht umsonst wird dieser Bibeltext gleich zu Beginn der Fastenzeit gelesen. Denn diese 40 Tage können zu einer doppelten Chance werden: Zum einen können Sie sich den Fragen stellen: Wie gehen Sie mit Versuchungen um? Wo bleiben Sie stark und wo lassen Sie sich verführen? Zum anderen kann die Fastenzeit eine Zeit werden, in der Sie sich intensiv mit Jesus auseinandersetzen – mit seinem Leben und Sterben, seiner Botschaft und seiner Gottesbeziehung.

Ein Gedicht von Kurt Marti gibt Ihnen einen ersten Impuls dazu:

Jesus

1 mit einer schar von freunden (freundinnen auch)
durch galiläas dörfer und städte ziehend
hat er kranke geheilt und geschichten erzählt
von der weltherrschaft des ewigen gottes  

2 privilegien der klasse der bildung galten Ihm nichts
zu seinem umgang zählten tagelöhner und zöllner
wo mangel sich zeigte an nahrung oder getränk
teilte er fische brot und wein aus für viele  

3 die gewalt von gewalthabern verachtete er
gewaltlosen hat er die erde versprochen
sein thema: die zukunft gottes auf erden
das ende von menschenmacht über menschen  

4 in einer patriarchalischen welt blieb er der sohn
und ein anwalt unmündiger frauen und kinder
wollten galiläer ihn gar zum könig erheben?
er aber ging hinauf nach jerusalem: direkt seinen gegnern ins garn  

5 auf einem jungesel kam er geritten – kleinleute-messias:
die finger einer halbweltdame vollzogen die salbung an ihm…
bald verwirrt bald euphorisch folgten ihm die freunde die jünger
um bei seiner verhaftung ratlos unterzutauschen ins dunkel
6 über sein schweigen hin rollte der schnelle prozess
ein afrikaner schleppte für ihn den balken zum richtplatz hinaus
stundenlang hing er am kreuz: folter mit tödlichem ausgang –
drei tage später die nicht zu erwartende wendung  

7 anstatt sich verstummt zu verziehen ins bessere jenseits
brach er von neuem auf in das grausame diesseits
zum langen marsch durch die viellabyrinthe
der völker der kirchen und unserer unheilsgeschichte

8 oft wandelt uns jetzt die furcht an er könnte
sich lang schon verirrt und verlaufen haben
entmutigt verschollen für immer vielleicht – oder bricht er
noch einmal (wie einst an ostern) den bann?

9 und also erzählen wir weiter von ihm
die geschichten seiner rebellischen liebe
die uns aufwecken vom täglichen tod –
und vor uns bleibt: was möglich wär`noch

Stefanie Kast, Ensheim

Quellen

Gabriele Theuer (Hg.). Frauenbibel, Kath. Bibelwerk, 2007, 26 ff.

Klaus Vellguth (Hg.), Literarische Predigtimpulse, Herder 2005, 32 f.

Predigtidee von Ursula Kern

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