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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Quinquagesimae - Estomihi / 9. Sonntag im Jahreskreis (6. Mrz. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 10, 38-42

Dtn 11, 18.26-28.32

Röm 3, 21-25a.28

Mt 7, 21-27

 

Der Verfasser betrachtet vertiefend den 1. Lesungstext der kath. Leseordnung sowie in Anregungen die weiteren Perikopen des Tages. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Kultur der Langsamkeit statt Stress und Hektik, Rückbesinnung (Lk 10); in der Natur zeigen sich Fluch und Segen anschaulich, Umwelt und Wohlergehen sind miteinander verzahnt, segensreichen Lebensstil entwickeln, (Dtn 11); entscheidend ist unser Selbst- und Gottesverständnis (Röm 3); es kommt auf das Fundament des Handelns an – es ermöglicht erst segensreiche Strukturen (Mt 7)

 

Dtn 11, 13 ff.

Dieser atl. Text ist in mehrfacher Weise interessant – vor allem was man bei der Textauswahl hat wegfallen lassen. Es geht um das Thema Fluch und Segen. Man soll sich Gottes Weisung zu Herzen nehmen, dazu ein Zeichen um das Handgelenk und zwischen die Augen binden. Damit wird ein bis heute bei Juden üblicher Brauch angesprochen.

Interessanter aber noch ist welche Verse in der Textauswahl des biblischen Passus weggelassen werden. Es sind genau die, in denen die Rede von Fluch und Segen anhand der Natur konkretisiert wird. Ich frage mich: Ist diese Weglassung Zufall oder spiegelt sich darin die Geisteshaltung der Neuzeit, wo der Mensch aus seinem Bezug mit der Schöpfung zunehmend herausgelöst worden ist?

Ohne die anschaulichen Konkretisierungen werden Fluch und Segen fast zu abstrakten Größen. In einer Zeit, in der Umwelt und Wohlergehen aufs engste miteinander verzahnt sind, sollten wir auf die biblische Veranschaulichung von Fluch und Segen nicht verzichten.

„Werdet ihr auf meine Gebote hören… so will ich eurem Lande Regen geben zu seiner Zeit … dass du einsammelst dein Getreide, deinen Wein und dein Öl und will deinem Vieh Gras geben auf deinem Felde, dass ihr esset und satt werdet.“ (VV 13-15) Hier wird Segen mit Händen greifbar und in Form von Nahrung auch sinnlich erfahrbar. Das gleiche gilt für Fluch. Denn es folgt die Mahnung: „Hütet euch aber, dass sich euer Herz nicht betören lasse … und dass dann der Zorn des Herrn entbrenne über euch und schließe den Himmel zu, so dass kein Regen kommt und die Erde ihr Gewächs nicht gibt und ihr bald ausgetilgt werdet aus dem guten Lande“. (V 16f)

In Zeiten von Klimawandel liest sich dies als aktuelle Beschreibung dessen, was durch menschliches Fehlverhalten auf dem Spiel steht. Veränderte Niederschlagsmuster gefährden die Zyklen in der Landwirtschaft. Erst durch die früher allgegenwärtige Erfahrung von Dürre und Hunger gewinnen jene Worte ihr volles Gewicht, mit denen die Textauswahl mit V 18 einsetzt: „Diese meine Worte sollt ihr auf euer Herz und auf eure Seele schreiben. Ihr sollt sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf eurer Stirn werden.“

Um den Segen des Landes zu mehren und Fluch fern zu halten, soll der Mensch sich an Zeichen orientieren, die ihn beim Denken und Handeln an Gott erinnern – statt falschen Götzen wie z. B. klimaschädlichen Dingen nachzulaufen.

Wir haben Gemeindegliedern in diesem Sinne einen kleinen dünnen Wollfaden samt Zettel überreicht, auf dem zu lesen ist: „Der blaue Faden steht als Zeichen für die Grenzen der Belastbarkeit unseres blauen Planeten. Hänge diesen blauen Faden zuhause auf, da wo Du Deinen Lebensstil klimafreundlicher gestalten willst. Damit Du wirklich bist, was auf der Vorderseite verheißen ist: Sei ein Anwalt des Himmels für die Erde…“

Dies ist ein Beispiel wie alte Traditionen im Horizont der Gegenwart aktualisiert werden können. Sich durch ein Zeichen immer wieder daran erinnern zu lassen, dass ich in der Art, wie ich denke und handle, zum Wohlergehen oder Verderben beitrage. Dass dies enorme Auswirkungen auf die bewohnte Erde hat, sagt uns schon das AT und heute die Wissenschaft.

Mit Blick auf die Geschichte von Maria und Martha in Lk 10,38-42 lässt sich ergänzend sagen: Nicht durch Schaftelhuberei, sondern durch die Rückbesinnung auf Gott und ein an ihm orientiertes Denken und Handeln werden wir die anstehenden Probleme lösen können – um nicht falschen Götzen in Form von Aktionismus nachzulaufen. Ich denke an einen neuen kontemplativen Lebensstil und eine neue Kultur der Langsamkeit als Gegengewicht zu Stress und Hektik – Einübung in das, auf was es im Grunde ankommt.

In Röm 3 wird betont: Die fundamentale Weichenstellung geschieht nicht auf der Ebene unseres Handelns, sondern durch unser Selbst- und Gottesverständnis. Daher sind wir zunächst Empfangende und dann erst Handelnde.

In Mt 7, 21-27 wird herausgestellt, entscheidend sind nicht wohlklingende Verlautbarungen, sondern es kommt auf das Fundament unseres Tuns an – den Willen Gottes zu hören und zu tun. Das auf Sand gebaute Haus weckt Assoziationen an eine Sicht der Welt, in der alles machbar scheint. Aber ein Naturereignis wie ein Feuer und Asche speiender Vulkan (April 2010) kann den gesamten Flugverkehr über Europa lahmlegen. Wer hätte das gedacht? Mit dem heraufziehenden Klimawandel steht aber weit mehr in Frage. Der könnte das gegenwärtige Konzept von Leben und Wirtschaften in Frage stellen. Darum ist es gut, anknüpfend an Dtn 11 viele Erinnerungszeichen zu haben, sei es an Hand und Stirn, blaue Fäden und anderes mehr. Denn auch heute liegen Fluch und Segen vor uns. Wir haben die Wahl.

„Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des Herrn, eures Gottes, auf die ich euch heute verpflichte, Fluch für den Fall, dass ihr nicht auf die Gebote des Herrn, eures Gottes, hört, sondern von dem Weg abweicht und andern Göttern nachfolgt“ (Dtn 11, 27 f.).

Es geht um eine Frage des Überlebens, heute im globalen Maßstab. Wir sollten deshalb die Konkretisierungen von Fluch und Segen, wie sich diese in der Natur zeigen, nicht aussparen, sondern ganz bewusst einbeziehen (z.B. die versunkene BP Ölplattform im Golf von Mexiko als böser Fluch von Profit, und fehlenden Sicherheitskonzepten). So bleiben Fluch und Segen keine abstrakten Größen, sondern werden für Predigthörer unmittelbar begreifbar.

Andreas Krone, Waldems-Esch

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