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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Sexagesimae / 8. Sonntag im Jahreskreis (27. Feb. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mk 4, 26-29

Jes 49, 14-15

1 Kor 4, 1-5

Mt 6, 24-34

 

Die Autorin betrachtet den Evangeliumstext der kath. Leseordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Lebenseinstellung gegen Profitgier und gegen Sorge um materiellen Wohlstand, denn das Wichtige kommt mit der richtigen Grundhaltung automatisch: Sorge um die Schöpfung und Gerechtigkeit: ja, Sorge um den eigenen Wohlstand: nein

 

Sorgt Euch nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“

(Mt 6, 34)

Ist dieser Satz des Markusevangeliums nicht geradezu ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich Gedanken machen um den Erhalt unserer Schöpfung und Verantwortung einfordern für die kommenden Generationen? Wie ist das gemeint: „Sorgt Euch nicht um morgen“?

Gerade das Sorgen um die Zukunft fordert nachhaltiges Denken und Handeln doch ein. Müsste es nicht heißen: Sorgt Euch um morgen, denkt an die Zukunft, an die, die in Zukunft leben werden und nicht nur an Euch selbst, an die kurzfristige Befriedigung der je eigenen Bedürfnisse im Hier und Jetzt? Hier und jetzt müssen wir doch Verantwortung übernehmen, müssen wir handeln, damit unsere Erde Lebensmöglichkeiten auch denen bietet, die noch nicht geboren sind. Vertagt die wichtigen Entscheidungen nicht, verschiebt konsequentes Denken und Handeln nicht auf morgen!

Worum geht es also in diesem biblischen Text?

Es geht um eine Grundhaltung, die ein jeder von uns einnimmt. Es geht um eine Wahl, um eine Entscheidung, vor die wir gestellt werden, die wir treffen müssen. So heißt es im Text ganz klar: „Niemand kann zwei Herren dienen, … Gott und dem Mammon.“ (Mt 6, 24) Egoistische Profitgier steht gegen das Urvertrauen, dass Gott die Welt geschaffen hat und diese Welt allen Menschen anvertraut ist und genügend Lebensmöglichkeiten für alle bietet, wenn nicht einige wenige Macht und Besitz an sich reißen, nur ihren eigenen Vorteil suchen auf Kosten der Schöpfung, der Umwelt, der Tiere und der Menschen. Nicht die Sorge, die Angst um uns selbst, um unser eigenes Leben, soll uns leiten.

Die Kernaussage des Textes betont klar, welche Priorität wir setzen müssen: „Euch aber muss es zuerst um sein Reich um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles dazugegeben.“ (Mt 6, 33)

Hier findet die Paradoxie ihre Auflösung, der Perspektivenwechsel findet statt. Die Sorge gilt nicht mehr zuerst mir selbst, sondern die Sorge um den Nächsten, die Frage nach dem Du rückt in den Vordergrund. Unser Glaube an Gott fordert unseren uneingeschränkten Einsatz für sein Reich und für Gerechtigkeit. Wer für Gott ist, ist für die Menschen.

Am Anfang steht die Zusage Gottes an die Menschen, an jede und jeden Einzelnen von uns: „Ich vergesse dich nicht! Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“ (Jes 49, 14 - 15) Das ist unsere Basis, hier ist unsere einzige Sicherheit, die einzige Zusage, die wir brauchen.

Margot Käßmann hat dies so formuliert: „Man kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“ Wenn das der „worst case“ ist, in Gottes Hand zu fallen, dann brauchen wir uns nicht mehr zu sorgen, keine Angst mehr zu haben, dann sind wir frei, nicht frei von allem, sondern frei für unerschrockenen Einsatz für das Reich Gottes und für Gerechtigkeit. Handlungsorientierung im Einsatz für das Reich Gottes gibt uns das Neue Testament, die Bergpredigt, Gleichnisse, Jesu das Leben Jesu selbst.

Systematisiert liegen uns heute diese Handlungsorientierungen der Bibel in den Prinzipien der Christlichen Soziallehre vor. An diesen Prinzipien muss sich unser christliches Handel heute messen lassen, Dahinter können wir nicht zurück. Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit können unserem Handeln Orientierung geben. Projekte und Strategien müssen an ihnen gemessen werden. Sie werden zu Prüfsteinen unseres Engagements.

Könnten wir nicht verzweifeln und resignieren angesichts der Fülle der Aufgaben und der großen Dimensionen, angesichts der scheinbaren Übermacht von Konzernen und Machthabern, angesichts der über Jahre des Engagements hinweg fast gleichbleibenden Fragestellungen und Problemen? Stellt sich da vielleicht manchmal die Frage ein: Was bringt das alles überhaupt? Können wir tatsächlich etwas zum Positiven verändern?

Im Gleichnis vom Wachsen der Saat beruhigt Jesus alle diejenigen von uns, die sich schon seit vielen Jahren einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit, gegen Armut, Umweltzerstörung, Diskriminierung, Hass und Gewalt.

Geht es uns nicht manchmal wie dem Mann, der den Samen auf seinen Acker sät und dann geduldig warten muss. Jetzt kann er nicht mehr viel tun, außer eben geduldig warten und auf die Kraft des Lebens hoffen, ganz auf Gott vertrauen. Der Sämann vertraut darauf, dass, wenn die Zeit reif ist, die Saat, die er gesät hat, aufgehen und reiche Frucht tragen wird. Übertriebene Sorge, unnütze Betriebsamkeit würden das Projekt geradezu gefährden. Versuchte er ungeduldig, auf schnellen Erfolg hoffend, den Pflanzen beim Wachsen zu helfen. Zöge er an den Blättern, damit sie doch schneller wachsen mögen, würden einige Pflänzchen versehentlich ausgerissen, bei anderen stürben die Blätter ab. Kaum eine Pflanze könnte sich ihrem Rhythmus gemäß entwickeln. Ohne das Vertrauen auf die eigenen Kräfte der Pflanzen, ohne die Hoffnung, dass alles so wie es ist, gut wird, würde kaum ein Pflänzchen überleben und auch keine Frucht bringen. Kein neuer Same könnte ausgesät werden.

Beides ist notwendig, kompetentes Engagement, aber auch das Loslassenkönnen, der lange Atem, damit Leben für alle auch in Zukunft möglich wird.

Die Sorge soll nicht Überhand gewinnen über unser Leben. Wenn wir unsere Arbeit getan haben, dürfen wir uns auch ausruhen und unser Leben genießen und darauf hoffen, dass unsere Anstrengungen auch Früchte tragen und wir Freude daran haben werden. Nicht die Sorge, sondern Freude und Hoffnung sind Grunddimensionen unseres christlichen Glaubens. In Goethe’s „Faust“ bewirken letztendlich die bedrängenden immer wiederkehrenden Sorgen den Tod. Wir hingegen müssen nicht an den uns gestellten Aufgaben verzweifeln, an den Sorgen zerbrechen, denn wir haben eine andere Perspektive, eine Frohe Botschaft, die von Glaube, Hoffnung und Liebe spricht. Wir haben Grund zur Freude, denn Gott vergisst uns nicht, und so können wir singen: „Die Freude an Gott, Halleluja, ist unsere Kraft, Halleluja!“

Christine Schardt, Mainz

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