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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Laetare / 4. Fastensonntag (3. Apr. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 6, 55-65

1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b

Eph 5, 8-14

Joh 9, 1-41

 

Der Autor geht auf alle Predigtperikopen des Sonntags ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Gott bleibt verbindlich (Joh 6); Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit als Prüfsteine christlicher Existenz (Eph 5); Unausweichlichkeit nachhaltigen Handelns (Joh 9); Heilsamer Umgang mit der Natur (Joh 9)

 

Stellung im Kirchenjahr

Die Liturgie des 4. Fastensonntag (Laetare, lat.: Freue Dich!) bietet eine Vorausschau auf Ostern, indem sie Erlösung und neues Leben als Geschenke Gottes thematisiert. Wiederholt betont sie Gottes Zusage, seine Verheißungen zu erfüllen und sein Volk nicht zu verlassen.

 

Exegetische Anmerkungen

Joh 6, 55-65 beschreibt die Pro-Existenz Jesu, der stirbt, damit andere durch ihn leben. Dies geschieht, insofern Mensch an Jesus Hingabe teilhat und eintritt in die Gemeinschaft des Sohnes mit dem Vater, die in ewiges Leben mündet. Mit seinem Angebot, das zugleich Anspruch erhebt, führt Jesus die Jünger in die Krisis, wobei die Begriffe “Murren”, “Streiten” und “Anstoß nehmen” an die Konfrontation des Volkes Israel in der Wüste mit dem befreienden und zugleich fordernden Gott erinnern.

1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b führt in den Erzählgang der Samuel- und Königsbücher die Person David ein, und bildet zugleich eine Klammer, welche Sauls- und Davidsüberlieferungen verbindet. So stehen sich in der Erzählung die Leitworte “Verwerfen” und “Sehen” gegenüber, wobei hervorgehoben wird, welche Chance für die Menschen darin besteht, die Wirklichkeit mit den Augen Gottes zu sehen.

Eph 5, 8-14 thematisiert den Gegensatz von christlicher und heidnischer Lebensführung, wobei Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit Kriterien des richtigen Sehens und Handelns sind. Anstatt an “fruchtlosen Werken der Finsternis” teilzunehmen, sollen Christen “als Kinder des Lichts zu wandeln”. Eph ermutigt, eine defensive Einstellung gegenüber der Finsternis zu überwinden und offensiv dazu beitragen, Schädliches und Schändliches zu heilen.

Joh 9, 1-41: Im Kontext des Laubhüttenfestes entwickelt Joh seine Erzählung in einer Folge mehrerer Redegänge und Streitgespräche. Damit gelingt es ihm, zwischen Jesus und seinen Gegnern eine zunehmende deutlichere Trennlinie und die Brisanz der Entscheidung für oder gegen Jesus aufzuzeigen. Ähnlich wie in 1 Sam und Eph kreist der Text um die Themen von Licht und Sehen, hebt aber stärker auf das Handeln ab, das getan werden muss. Bei der zentralen Tat der Perikope benutzt Jesus Wasser und Erde als heilsame Elemente.

 

Predigtskizze

Im Vorgiff auf Ostern, das im Geschehen der Auferstehung die Welt in einem neuen Licht erscheinen lässt, ermutigt Laetare dazu, eine neue Sichtweise zu lernen. Gott lädt zu einem befreiten und befreienden Sehen ein, das eine neue Herangehensweise an die Wirklichkeit eröffnet. Diese tut not, weil menschliches Sehen und Erkennen sich zu schnell von Vordergründigem beeindrucken und ablenken lässt, woraus Fehlentscheidungen resultieren (1 Sam). Zum anderen können Behinderungen verschiedenster Art, persönlich oder ideologisch bedingt, die Wahrnehmung der wirklichen Wirklichkeit beeinträchtigen oder gar verunmöglichen (Joh 9).

  1. Wer nach einer so gewandelten und sinnvollen Einstellung strebt, den mahnen die Texte, sich von Gott leiten lassen und sich dessen Haltung zu eigen zu machen. Jahwe, der in Jesus seinen Bund bekräftigt und erneuert, ist Gott, der für sein Volk Verantwortung übernimmt und geeignete Menschen auswählt, die es führen (1 Sam). Er bietet sich als verlässlicher Begleiter für eine Weggemeinschaft an, die über den Tod hinaus in das von ihm geschenkte neue Leben führt (Joh 6).

  2. Auf diesem Hintergrund zielen die Texte darauf ab, dass wir uns von Gott überzeugen lassen, nach seinem Vorbild um der Menschen und seiner Schöpfung willen zu denken, zu leben und zu wirken (1 Sam, Joh 9). Als geeignete Prüfsteine hebt Eph Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.

  3. So ist also die Praxis, um die es letzten Endes geht, eine von Verantwortung geprägte (1 Sam), die Gefährdendes entlarvt und nicht schädliche, sondern belebende Früchte bringt (Eph). Die Perspektive ist die Gemeinschaft von Menschen, die füreinander und für die Welt Licht sind, die Leben teilen und die Schöpfung, in die hinein sie gestellt sind, heilsam gebrauchen (Joh 9).

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte

1. Gottes bleibende Zusage aufgreifen (Joh 6, 56.58)

Worum es geht, ist die Erklärung Jesu, ganz den Willen des Vaters erfüllen zu wollen, sozusagen mit “Haut und Haaren” oder “Kopf und Kragen”. Und festzuhalten bleibt, dass “das Fleisch und Blut essen” primär bedeutet, den “modus” (wie Bernhard von Clairvaux es formulierte) der Existenz Jesu zu übernehmen, also seine “Art und Weise”, seinen Grundansatz.

Schellenberger, Bernhardin: Ich bin es, der mit dir redet. Die Botschaft des Johannesevangeliums, 2008, 74 f.

 

2. Als Kinder des Lichtes leben (Eph 5, 8)

Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten!
Unsere tiefgreifende Angst ist es nicht, dass wir ungenügend sind.
Unsere tiefgreifende Angst ist, über das Meßbare hinaus kraftvoll zu sein.
Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit,
die uns am meisten Angst macht.

Es ist nicht nur in einigen von uns, es ist in jedem einzelnen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,
geben wir unbewußt anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.
Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.

Aus der Antrittsrede Nelson Mandelas als Präsident von Südafrika 1994 (http://querdenken.twoday.net/stories/5068468)

 

3. Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit als Kriterien (Eph 5, 9)

Niemals vergisst die Kirche, dass ihr Auftrag nicht politischer, sozialer oder ökonomischer Art ist, aber sie kann auch nicht vergessen, dass gerade aus dieser religiösen Sendung Auftrag, Licht und Kraft fließen, die dazu dienen können, die menschliche Gemeinschaft nach göttlichem recht aufzubauen und zu festigen (...).

Und die pastorale Pflicht der Kirche kann nicht aufhören, jenes Reich der Sünde anzuklagen und mahnend an die persönliche Verantwortung eines jeden, jeder Familie oder sozialen Gruppe zu appellieren, vor allem an die Menschen und Gruppen der Macht, die sich direkt oder indirekt (...) bereichern und doch diejenigen sind, die die wirksamsten Mittel in den Händen haben, um einem so großen Zerfall Abhilfe zu schaffen.

Romero, Oscar: Die notwendige Revolution, 1982, 66.77 (Romero, damals Erzbischof von San Salvador, wurde am 4. Fastensonntag 1980 ermordet.)

 

4. Was zu tun ist, muss getan werden (Joh 9, 4)

Es gibt nicht gerade wenige exzellente Ausreden, Entscheidungen zu umgehen, die einen wirklichen Wandel bedeuteten. Aber lasst uns zumindest ehrlich darüber sein, woher sie kommen: es ist Furcht – nicht notwendigerweise irrationale, nicht einmal unbedingt rein selbstbezogene Furcht, sondern Furcht überhaupt. Und solange sie unsere Überlegungen beherrscht, entfernen wir uns von der Liebe – der Liebe für die Schöpfung selbst, die wir sehen müssen wie Gott sie sieht, Liebe füreinander und für die noch ungeborenen Generationen, die uns als diejenigen brauchen, die eine stabile, produktive und im Gleichgewicht befindliche Welt garantieren, in der man leben kann – nicht eine Welt eines ausgesprochen chaotischen und zerstörerischen Wandels, von Verödung und Verwüstung, von biologischer Verarmung und Zersetzung.

Aus der Predigt “Act for the Sake of Love” (Handelt um der Liebe willen) des Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, im internationalen ökumenischen Gottesdienst zum UN-Klimagipfel in Kopenhagen am Sonntag, dem 13. Dezember 2009, in der dortigen Kathedrale (www.archbishopofcanterbury.org, Übersetzung: J. Feldes)

 

5. Mit Natur heilsam umgehen (1 Sam 16, 1; Joh 9, 6.11)

Liebe vertreibt die Furcht. Wenn wir von dem Glauben ausgehen, dass Gott von uns will, dass wir uns in und an der geschaffenen Welt erfreuen, wird unsere Grundeinstellung zur Umwelt nicht Ängstlichkeit oder die verzweifelte Suche sein, sie zu kontrollieren; es wird die engagierte und hoffnungsvolle Suche sein, sie zu verstehen und ihre Güte und ihre komplexe, interdependente Schönheit sein. Wenn hier (bei den Verhandlungen) irgendeine ‘Furcht’ zu Recht bestünde, sollte es die Furcht sein, das uns anvertraute Erbe zu verderben, das überwältigende Ausmass und die Tiefe des Geschenks, unserer Verantwortung und Fürsorge für es zu vergessen, die Furcht zu vergessen, dass wir berufen sind, beständige und aufopfernde Liebe für die geschaffene Welt zu zeigen wie wir sie auch unseren Mitmenschen zeigen müssen. Und, wie wir inzwischen gelernt haben sollten, die Wahrheit ist, dass wir unseren Mitmenschen nicht die richtige Art von Liebe zeigen können, wenn wir nicht auch daran arbeiten, die Erde als einen Platz zu erhalten, der ein sicheres Zuhause für alle Menschen und alle zukünftigen Generationen ist.

www.archbishopofcanterbury.org (Übersetzung: J. Feldes)

Joachim Feldes, Cambridge

 

Literatur

Bar-Efrat, Shimon: Das Erste Buch Samuel. Ein narratologisch-philologischer Kommentar, 2007

Schnackenburg, Rudolf: Der Brief an die Epheser = Evangelisch-Katholischer Kommentar X, 1982

Stolz, Fritz: Das erste und zweite Buch Samuel = Zürcher Bibelkommentar: Altes Testament 9, 1981

Van Tilborg, Sjef: Das Johannes-Evangelium. Ein Kommentar für die Praxis, 2005

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