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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

3. Sonntag nach Epiphanias / 3. Sonntag im Jahreskreis (23. Jan. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 4, 46-54

Jes 8, 23b - 9, 3

1 Kor 1, 10-13.17

Mt 4, 12-23

 

Die Autorin betrachtet den ev. Predigt- und den kath. Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Lauf bergauf zu einer selbstbewussten Existenz, nicht wie gelähmt andere bewegen wollen – sich in Bewegung setzen, flexibel bleiben, wie Jesus das Denken in Bewegung halten (Joh 4); offen sein für die Berufung / eine spezielle Aufgabe / für etwas, das passieren könnte, Geduld haben mit Anderen, loslassen und gestaltend der Zukunft vertrauen können (Mt 4)

 

Predigtanregung zu Joh 4, 46-54

Anmerkung: Der Text ist als Predigtanregung, nicht als fertiger Predigttext gedacht und bedarf der Anpassung an den gemeindlichen Kontext.

Bezug zur Nachhaltigkeit: Gott ist kein Macher einer rundherum gelungenen Welt. Wir haben den Auftrag, diese Welt mitzugestalten und dafür unsere Talente einzusetzen.

 

Predigtanregung:

„Lauf, Forrest, lauf!“
Tom Hanks ist zwischenzeitlich älter geworden, und mittlerweile liegt schon fast eine neue Menschheitsgeneration zwischen dem Heute und dem Entstehungsjahr des Films „Forrest Gump“, aber seinen Zauber hat er nicht verloren: eine tragisch-schöne Inszenierung eines scheinbar chancenlosen Lebens, dass sich so ganz anders vervollkommnet, als man zunächst annimmt. Und die wohl dramatischste und auch schönste Sequenz ist wohl diese: „Lauf, Forrest, lauf!“, und mit dem Lauf des Kindes mit Handicap beginnt der steile Weg bergauf zu einer sehr selbstbewussten Existenz.

„Geh!“
Ich stelle mir die Aufforderung Jesu an den Hauptmann szenisch ähnlich vor wie die Filmsequenz in „Forrest Gump“: es geht gar nicht primär um das Wunder der Heilung. Der Geheilte steht am Rand, so sehr am Rand, dass die Evangelisten sich gar nicht mehr sicher sind, ob es wohl der Sohn oder der Diener des Mannes aus Kafarnaum ist. Um ihn geht es nicht. Und auch nicht um die Heilung.

„Komm herab!“
Herab? Und noch einmal, schon flehentlich: „Herr, komm herab!“ Jesus kommt nicht. Auch nicht, als der Mann ein weiteres Mal bittet. Er liefert keine Erklärung, er äußert keine Ablehnung, er sucht keine Ausrede. Der durch einen Hilfeschrei Gerufenen kommt einfach nicht. Ist er der Retter?

„Geh!“
Er schickt den Mann davon. Und zwar mit einer Selbstverständlichkeit, die weh tut. Jesus hält es für überflüssig, große Worte zu machen. Er erklärt nichts. „Geh, dein Sohn lebt.“ Auch sein Gegenüber macht keine großen Worte. Er glaubt. Und geht.

Wäre ich gegangen? Ich glaube, ich wäre verletzt stehen geblieben, hätte Jesus angeschrieen, meine Not herausgeschrieen, ihn gebeten, doch wenigstens mitzukommen. Nein, so ohne weiteres hätte ich ihm nicht geglaubt. Den Dialog im Zentrum kann man zur Kurzform bündeln: „Komm herab!“ „Nein: Geh!“ Das ist eine komplexe Theologie in nur einem Wort. Hier ist das eine Wort, nach dem der Hauptmann suchte, nach dem wir flüsternd, laut oder leise und meist unbewusst wöchentlich suchen. „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

„Geh!“
Das Gehen ist für Jesus elementar. Niemals ist er stehen geblieben, immer war er in Bewegung. Ich meine das nicht dem Wortsinn nach: natürlich hat auch Jesus Pausen eingelegt, hat geruht und geschlafen. Aber er ist flexibel geblieben. Was ihn auszeichnete war eine nicht zu bändigende Energie und Dynamik, die ihn zu Fuß (!) durch ganz Israel und Palästina getragen hat. Sein selbstbewusstes Auftreten hat die Menschen, denen er begegnete, fasziniert – und doch verunsichert. Als Aufrührer wurde er gefoltert und hingerichtet. Das war er auch. Ganz anders sicher, als manche sich das so dachten. Aber er stellte alles in Frage, was selbstverständlich war. Vor jede noch so gut begründete Handlung, vor jedes Gesetz, jedes Gebot, jede Moral stellte er die Frage: „Dient es dem Heil?“. Das konnte er mit dieser Selbstverständlichkeit tun, weil er überzeugt davon war, dass Gott das Heil aller Menschen will. Sein Denken war Bewegung: Dinge drehen, neue Blickwinkel finden, ungewöhnliche Reaktionen provozieren. In dieser Beweglichkeit will er uns Vorbild sein: Beweg dich! Geh! Lauf!

Der Mann aus Kafarnaum macht sich auf den Weg. Er hat den Glauben gefunden, er hat verstanden, dass die Begegnung mit Jesus, das Aufeinandertreffen von Mensch und Gott nicht das Ziel des Glaubens ist, sondern der Startschuss: die Begegnung mit Gott ermöglicht es ihm selbst, zu gehen, zu laufen, sich in Bewegung zu setzen.

„Komm, Herr!“ - „Geh!“
Jesus lehrt uns, dass Glauben Eigeninitiative fordert: Gott verspricht keine Patentlösungen auf Anfrage. Er verspricht Unterstützung. Er verspricht sein Wort. Aber schieben oder auf Händen tragen wird er uns nicht. Und er will unser Misstrauen wecken gegenüber allen Menschen, die gerade das versprechen. Sein Herabkommen ist kein Himmelsgetöse mit Garantie zur Umgestaltung der Welt. Sein Herabkommen ist die Bewusstmachung seiner ständigen Gegenwart, die Kraftreserven bündelt und den Startschuss gibt, selbst zu gehen. Laufen lernen müssen wir. Das verlangt der Gott von uns, dem unsere Freiheit so wichtig ist und der so große Stücke auf uns hält. Er fordert, Verantwortung für das eigene Leben und das der anderen zu übernehmen, auch dann, wenn es unbequem wird. So wie Jesus. Und wenn uns als Dauerläufern die Puste ausgeht und wir bitten „Komm herab!“, dann wird er uns eine Verschnaufpause gewähren, wie dem Mann in Kafarnaum, der vor ihm steht, um uns dann wieder neu zu ermutigen: „Geh!“

Die Bitte um das Wort, dass die Seele gesund macht wird nicht nur wöchentlich gesprochen, ohne immer bewusst zu sein, sie wird auch immer beantwortet: „Gehet hin in Frieden.“

Beweg dich, du Mensch, du Gottesgeschöpf! Lauf!

 

Kontexte:

  • Dass Bewegung und Denken zusammenhängt ist bekannt. Infos dazu erhält man in vielen Kinder- und Familienratgebern, z.B. online unter http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Erziehungsbereiche/s_699.html

  • Dem Choreographen W. Forsythe ist es ein Anliegen, das Denken in Tanz umzusetzen. Man findet Bilder und Informationen zu seinen Choreographien auf der Website www.theforsythecompany.com und in einem sehr interessanten Buch: Gerald Siegmund (Hg.): William Forsythe. Denken in Bewegung. Henschel-Verlag, Berlin 2004.

  • Bewegungen gibt es viele: man spricht von der Friedensbewegung, der Ökologiebewegung etc.

 

Predigtanregung zu Mt 4, 12- 23

Anmerkung: Der Text ist als Predigtanregung, nicht als fertiger Predigttext gedacht und bedarf der Anpassung an den gemeindlichen Kontext.

Bezug zur Nachhaltigkeit: Zukunft lässt sich nicht erzwingen, wohl aber mitgestalten. Letzten Endes ist jede Entscheidung eines Einzelnen wegweisend für die Zukunft anderer und kann durch andere mit getragen und begeleitet werden.

 

Predigtanregung:

Die Brüder Grimm haben ihn unsterblich gemacht, den Rattenfänger von Hameln: zuerst zog er die Ratten zur Stadt hinaus, nach ausgebliebenem Lohn auch die Kinder der Städter. Der erst so hilfsbereit erscheinende Retter in der Not entpuppt sich als entsetzlich-wahnsinnige Kreatur. Er nimmt, was ihm nicht zusteht und verursacht Leid, das kein Geld der Welt aufwiegen kann: er nimmt die Zukunft, die Kinder und schleift sie fröhlich musizierend in einem grotesken Zug zu Tür und Tor hinaus. Er macht hoch die Tür, die Tore weit.

Das Evangelium lässt uns weihnachtlich zu Mute werden, klingt doch im Jesajazitat immer die Weihnachtslesung an. Und der Durchzug durch das weit geöffnete Tor bleibt nicht alles, was sich an motivischen Verbindungen zwischen dem Rattenfänger und Jesus von Nazareth finden lässt: was dem einen die Schalmei ist dem anderen der mystisch-magische Ruf. Ein Instrument, um Menschen zu binden und nicht mehr zu lassen.

Ich will kein Menschenfischer sein. Ich möchte keine Marionetten hinter mir herziehen die gleichtönigen Schalmeienklängen oder einem anderen Zauber folgen. Ich will begeistern, überzeugen und um Überzeugungen ringen. Wie passt denn dieses stumpfsinnige Hinterher ohne Abwägen der Konsequenzen zu der gottgewollten menschlichen Freiheit? Der Vater verliert an Jesus, was die Städter an den Rattenfänger verlieren: seine Kinder und damit nicht nur seine Altersvorsorge, sondern seine Hoffnung auf Zukunft, sein Ein und Alles, ein Stück von sich. Hat Jesus das denn nicht bedacht? Und auch die Fischer verlieren doch alles: ihre Heimat, ihre Existenzsicherung, ihre Träume für die Zukunft.
Oder nicht?

Vielleicht ist es kein stupides Hinterher. Vielleicht können die Fischer deshalb so schnell und ohne weitere Vorkehrungen zu treffen mit Jesus ziehen, weil alle Vorkehrungen schon getroffen sind. Vielleicht können sie alles stehen und liegen lassen, weil sie auf nichts anderes warten: auf IHN. Auf seinen Ruf. Vielleicht haben sie schon längst entschieden, dass es nicht das Leben des Fischers am See ist, das sie glücklich machen wird. Und der Vater, dessen Glück das der Kinder ist, lässt sie gehen, weil er weiß, dass er ihr Glück nicht schmieden wird. Nicht Jesus ist es, der ihm seine Kinder nimmt. Es sind die Kinder selbst, die frei entschieden haben und sehnsüchtig den Moment erwarten, mitgehen zu dürfen. Advent heißt warten, weihnachtlich ist die Ankunft Jesu am See insofern sie die Erfüllung aller Erwartung ist.

So ein Menschenfischer will ich sein: in der Nachfolge Jesu den Menschen auf die Sprünge helfen, ihnen ein Stück entgegengehen und ihr Glück teilen, das sie erleben, wenn sie ihrem Gott begegnen, sich selbst und ihren Weg finden. Dazu braucht es weder Schalmei noch Zauberwort. Dazu braucht es nur die Gottesgabe der Geduld. Bin ich schon so geduldig?

 

Kontexte:

  • der „Zukunftszug“ ist eine fahrende Ausstellung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, insbesondere Jugendlichen ein Bild davon zu vermitteln, wie die Welt in 20 Jahren aussehen wird, was Wissenschaftler heute dafür leisten und auf welchen Gebieten am meisten geforscht wird. Alle Infos dazu unter www.expedition-zukunft.org

  • Hier findet sich alles, was Menschen so machen: weniger nützliche als vielmehr spektakuläre Zukunftsideen, die schnell den Wahnsinn des Machbaren demonstrieren http://www.trendsderzukunft.de/

  • Diverse Anregungen findet man beim Lesen von Horoskopen in Zeitschriften oder Internet: offensichtlich neigen Menschen dazu, sich das Warten auf zukünftige Ereignisse durch alle Arten der Vorwegnahme des „Wissens“ um diese Zeiten zu verkürzen.

  • Geduld ist im wortwörtlichen Sinn (un)erträglich (von germanisch: ga-thuldis – tragen/ ertragen, auch ableitbar von lat.: fero, tuli, latum – bringen/ tragen).

Katharina Goldinger, Speyer

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