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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

5. Sonntag nach Epiphanias / 5. Sonntag im Jahreskreis (6. Feb. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Jes 40, 12-25

Jes 58, 7-10

1 Kor 2, 1-5

Mt 5, 13-16

 

Die Verfasserin betrachtet alle Texte; schwerpunktmäßig jedoch die beiden Jesajatexte unter der Perspektive: Ökumenische Spiritualität im Alltag üben. Bei dem Text der Kath. Lesung Jes 58, 7-10 bietet es sich an, die Verheißungsbilder in den Versen 11 und 12 mit hinzu zu nehmen.

(Die Anregungen bieten eine solche Fülle von Nachhaltigkeitsbezügen, dass auf eine Aufzählung einzelner Stichworte verzichtet wurde.)

 

Der Kontext der Jesajatexte:

Ab Kapitel 40 gibt es durchgängige Hinweise auf die Zeit des babylonischen Exils. Es ist aus einer Zeit, in der das Volk Israel schwere Leiden zu ertragen hatte. 587 v. Chr. war Jerusalem von den Babyloniern zerstört worden. Die Bevölkerung wurde zum Teil verschleppt, ins sogen. Exil, ins Land der Sieger. Eine Generation später konnten jüdische Familien wieder zurückkehren und sich an den Wiederaufbau machen. In dieser Zeit wurden Fastentage gehalten zur Erinnerung an die Erfahrungen der Zerstörung und Vertreibung. Jerusalem liegt in Schutt und Asche. Die großen Hoffnungen der aus dem Exil heimgekehrten Menschen sind zerstört. Man wartet sehnsüchtig auf das Licht, doch da ist nur Finsternis. (Jes 59, 3)

Der Glaube der Babylonier war gekennzeichnet durch den Glauben an die Götterversammlung, die über das Schicksal der Menschen entscheidet. Nach dem Lauf der Sterne ist alles eingebunden in den ewigen Kreislauf. Was bleibt den Menschen als sich in das Unvermeidliche zu schicken? Babylonischer Schicksalsglaube, in dem sich der Einzelne als Spielball starker Mächte sieht, hat auch aktuelle Erscheinungsformen: Da kann man nichts machen. Das ist nun mal so. Die da oben bestimmen über unser Leben. Eingebunden in die Prozesse einer globalisierten Welt empfinden sich viele als ohnmächtig und ausgeliefert.

Jes 40, 12-25

Der Prophet Jesaja setzt diesem übermächtigen babylonischen Glauben etwas entgegen – den Glauben an Gott den Schöpfer. Es ist sein prophetisches Wort: die wahre Macht liegt bei Gott, dem Schöpfer! Andere Mächte, Herrscher und Götzenbilder haben keine Macht; sie sind mit Gott nicht zu vergleichen. Der Text ist eine Aneinanderreihung von rhetorischen Fragen: Wer misst das Wasser …? Wer wiegt mit einer Waage die Berge ...? Wer bestimmt die Geistkraft Gottes ...? Erkennt ihr es denn nicht? Jesaja will, dass das Volk die Schöpfermacht Gottes erkennt und Gott die Ehre gibt. Gott dem Schöpfer die Ehre zu geben, d.h. die anderen Mächte entmachten / kritisch hinterfragen, denn sie sind nicht nachhaltig. In Vers 23 und 24 beschreibt der Prophet, dass die Mächtigen keinen Bestand haben. Sie werden entlarvt als nicht-nachhaltig. In Vers 22 wird die prophetische Kritik und Gottes Sein benannt. „Gott wohnt über dem Erdkreis, und die auf ihm wohnen, sind wie Heuschrecken.“ Ein hartes Urteil – wir sind wie Heuschrecken (und damit sind nicht nur die Banker, Betreiber von Rating-Agenturen und Manager gemeint), sondern wir alle! Wir haben Anteil an der Zerstörung der Erde und Ausbeutung von Gottes Geschöpfen - mit unserem Lebensstil, der Ressourcen vergeudet und den Klimawandel mit verursacht. Eine Predigt über diesen Text könnte entfalten, was es heißt, Gott die Ehre zu geben und andere Mächte und Gewalten kritisch zu hinterfragen. Wir sind nicht Spielball fremder Mächte oder ohnmächtige Objekte, sondern handlungsfähige Geschöpfe Gottes. Mitten im Alltag unseres Lebens werden wir ermutigt mit unserem Beten, Singen und Handeln Gott die Ehre zu geben: z.B. das Tischgebet vor dem Essen sprechen, das Lied, das von Recht und Gerechtigkeit singt, mit anderen singen und nicht aufhören, in Gruppen und Initiativen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung mitzumachen. Gott gibt seinen Geschöpfen Anteil von seiner Kraft. Jes 40, 29: „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.“

Jes 58, 7-12

Der Prophet Jesaja weist uns auf drei Schritte hin, die Handlungsmöglichkeiten für mehr Gerechtigkeit eröffnen. Dies wird schwerpunktmäßig am Beispiel des fairen Handels entwickelt. Die Auseinandersetzung um die ökofaire Beschaffung in den Gemeinden und Einrichtungen ist ein wichtiger Beitrag zum Thema nachhaltiges Wirtschaften.

Der erste Schritt: Not und Ungerechtigkeit wahrnehmen und öffentlich machen:

Es geht ein Riss durch die Gesellschaft in arm und reich – dies geschieht im weltweiten Zusammenhang und in unserer deutschen Gesellschaft. Und der Riss wird immer größer. Viele Zahlen belegen diese Wahrheit heute.

Jesaja benennt in Vers 3 und 4 : ihr bedrückt alle eure Arbeiter, ihr presst eure Schuldner, ihr schlagt mit gottloser Faust drein; in Vers 6 und7: es gibt mit Unrecht Gebundene, Unterjochte, Hungernde, Obdachlose, Frierende. Es sind Kennzeichen der Situation der Verarmten: Sklaven – und Lohnarbeiter, die den Ertrag ihrer Arbeit nicht selbst genießen können; Verarmung durch Verschuldung; Schuldknechtschaft, hohe Kindersterblichkeit, Landverlust. Eine Situation wie sie heute für viele Menschen in den Entwicklungsländern harte Realität ist.

Dieser erste Schritt ist auch ein Schritt im Fairen Handel: Ungerechten Welthandel benennen – nach Ursachen für die Verarmung fragen – sich auseinandersetzen mit dem System des Welthandels nach neoliberalen Regeln und Ungerechtigkeit öffentlich machen, wie z.B. in der Kampagnenarbeit, bei Demonstrationen, in Politischen Nachtgebeten, …

Der zweite Schritt: Aufruf zur Verhaltensänderung in Orientierung an der Thora

Es ist ein Bußruf zur Umkehr: Brich dem Hungrigen dein Brot – gib frei, die du bedrückst – wenn du einen nackt siehst, kleide ihn;

Verhaltensänderungen sind die schwierigsten Veränderungen. Wir müssen sie üben, uns an sie gewöhnen – mitten in unserem Alltag.

Dieser zweite Schritt ist auch ein Schritt im fairen Handel: das zeichenhafte Tun für mehr Gerechtigkeit im Welthandel, der Verkauf und Einkauf von fair gehandelten Produkten mitten im Alltag. Das Einüben eines anderen Verhaltens, das auch die Produzenten und ihre Rechte berücksichtigt. Das Bemühen um eine Veränderung unserer Einkaufsgewohnheiten. Die Beteiligung an Kampagnen zur Veränderung der Welthandelsstrukturen.

Der dritte Schritt: Die Bilder der Verheißung wahrnehmen.

Es ist nicht gleichgültig, wie wir leben. Der Weg des Teilens hat eine Verheißung und sie wird in wunderschönen Bildern entfaltet:

dein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenröte,

deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen und der Glanz Gottes wird deinen Weg beschließen,

du wirst rufen und Gott wird dir antworten – siehe, ich bin da.

Du wirst genährt, satt werden in der Dürre;

du wirst sein wie ein bewässerter Garten;

du wirst sein wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.

Es sind Ermutigungsbilder von Lebendigkeit und Fülle, die wir miteinander erleben und erfahren können.

Warum bin ich als Christin und Theologin im Fairen Handel aktiv? Für mich ist der faire Handel auch ein Ort der spirituellen Aufmerksamkeit im Alltag – Fasten / Verzicht / anderes Konsumverhalten und das Eintreten für die Menschenrechte der fernen Nächsten ist ein Beitrag auf dem Weg des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Er ist eine Einladung diese großen Begriffe, diese Vision in konkreten Handlungsschritten auf den verschiedenen Ebenen umzusetzen. Und die Namen, die Jesaja denen gibt, die auf den Weg des Teilens gehen, passen gut zu denen, die die mühsame Klein-und Alltagsarbeit im fairen Handel machen: der die Lücken zumauert (der an einer Stelle den Riss zwischen arm und reich bearbeitet) und der, die Wege ausbessert, (der anfängt und an Wegen zu mehr Gerechtigkeit arbeitet), damit alle wohnen können.

Die Bilder der Verheißung ermutigen uns und der Glanz Gottes stärkt uns den Rücken. Wir sind auf diesem Weg nicht allein. Wir haben viele verschiedene Handlungsmöglichkeiten und müssen nicht taten- und mutlos sein.

Wir können:

  • die Dinge beim Namen nennen und Unrecht aufdecken

  • Partei ergreifen für die, deren Rechte missachtet werden

  • Uns über Unrecht aufregen und die Verantwortlichen anklagen

  • Kritische Fragen stellen und Widerstehen

  • Kampagnen organisieren

  • Persönliche Konsequenzen ziehen

  • Fair gehandelte Produkte einkaufen

  • Unser Geld bei Oicocredit anlegen

  • Frauenprojekte fördern

  • Von Elisabeth lernen für unser Handeln:

 

Eine Episode aus dem Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen kann als Beispiel einer Lehrerin im Glauben in eine Predigt aufgenommen werden.

 

Es heißt, Elisabeth wollte ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten aus Raub und Plünderung der Armen, wie sie an Fürstenhöfen vorkommen. Sie wählte lieber die Verbannung oder den Erwerb des Lebensunterhalts aus ihrer Hände Arbeit. Sie erkundigte sich bei Tisch nach der Herkunft der aufgetragenen Speisen und wollte wissen, ob sie aus den rechtmäßigen Gütern des Landgrafen stammen oder ob sie erpresst worden seien. Es wurde damals ein neues Steuersystem eingeführt, daher diese Unterscheidung, die rechtmäßigen, die alten Güter des Landgrafen oder die neuen, durch Steuern erpresst. Kamen die Speisen aus landgräflichem Besitz, der Wein aber war erpresst, so sagte sie zu ihren Mägden: „Heute werden wir nur essen können.“ Waren dagegen die Speisen erpresst, während der Wein aus den Weinbergen des Landgrafen stammte, sagte sie: “Heute werden wir nur trinken können.“ Erfuhr sie aber, dass beides redlich erworben war, klatschte sie in die Hände und rief fröhlich: „Wohl uns, heute können wir essen und trinken.“ Sagte man ihr aber, Speisen und Wein seien unrechtmäßig erworben, dann lehnte sie alles ab und saß hungernd am Tisch und ließ sich durch nichts davon abbringen.“ (F. Steffensky, Spiritualität und soziales Handeln – Geschichten zur Vergegenwärtigung der Erinnerung, in: Spiritualität in der Diakonie, Hg. M. Schibilsky / B. Hofmann 2001)

Ich finde die Episode aus Elisabeths Leben ermutigend. Sie stellt Fragen nach der Herkunft der Speisen und bedenkt den Zusammenhang von Produktion und Verbrauch. Mitten im Alltag zieht sie persönliche Konsequenzen und entzieht dem unfairen System das Recht. Ich verstehe sie als spirituelle Lehrerin auf dem Weg der großen ökumenischen Gemeinschaft der Gemeinde Jesu Christi, von der wir lernen können und mit Freude und Lust uns an der Gerechtigkeit zu freuen.

 

Matthäus 5, 13-16

Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt. Diese Worte Jesu aus der Bergpredigt sind eine wunderbare Ermutigung zu einer nachhaltigen Weltverantwortung. Salz wirkt nachhaltig, macht Verderbliches haltbar über den Tag hinaus. Licht erhellt, gibt Orientierung und deckt dunkles Unrecht auf. Es sind Alltagsbegriffe aus der Lebenswelt der Menschen, die er deutet, um zu sagen: „So wichtig und lebensnotwendig wie Salz und Licht in eurem Alltag ist, so wichtig seid ihr für die Welt. Traut euch etwas zu!“ (Sigrun Wetzlaugk, Ermutigung zur Mitarbeit am Reich Gottes) Die, denen keiner was zutraut, die sich klein und ohnmächtig fühlen, die am Rande stehen werden ermächtigt zum Handeln im Sinne und in der Praxis Jesu. Es ist ein Wort gegen die Mutlosigkeit und gegen die Versuchung, sich abzufinden, zu resignieren und sich aus der Verantwortung für die Welt zurückzuziehen.

 

1 Kor 2, 1-5

Hat Paulus etwas zur Nachhaltigkeit beizutragen? Ich denke, seine Worte weisen uns daraufhin, dass wir nicht allein die „großen Macher/innen“ sind, sondern mit unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten (mit Furcht und Zittern, mit Ängsten und nicht überredenden Worten der Weisheit) konkrete Schritte gehen können und unser Vertrauen auf Gottes Kraft setzen. Es ist entlastend und ermutigend zugleich. Gott die Ehre zu geben – d.h. den Gekreuzigten predigen und den Schöpfergott loben – im „Beten und Tun des Gerechten“ und das nachhaltig!

Ursula Thomé, Mülheim an der Ruhr

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