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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. Sonntag nach Epiphanias / Taufe des Herrn (9. Jan. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 4, 12-17

Jes 42, 5a.1-4.6-7

Apg 10, 34-38

Mt 3, 13-17

 

Die Autorin betrachtet die katholischen Perikopen des Sonntags: Sie stellen Jesus im Zusammenhang seiner Taufe als eine Art „nachhaltigen Messias“ vor: einen, der nicht auf schnelle Erfolge aus ist, sondern Geduld mit Natur und Mensch hat und sich mit langem Atem und Demut für das gerechte Reich Gottes einsetzt. In der Taufe spielt das Wasser als Element des (neuen) Lebens eine große Rolle – und es ist natürlich auch zentral für das Thema Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Nachhaltiger Messias“ und „Wasser des Lebens“

Langer Atem

Der Prophet Jesaja entwirft in seinem ersten Lied vom Gottesknecht das Bild eines Messias und Herrschers, der sich nicht zuletzt durch „nachhaltige Qualitäten“ auszeichnet: Er „wird nicht müde“, hat also Geduld und einen langen Atem. Nicht schnelle Erfolge und Profit scheinen diesen Knecht Gottes zu interessieren, sondern: langfristige Entwicklungen und Verbesserungen. „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, den glimmenden Docht löscht er nicht aus“: Auf Beziehungen zwischen Menschen lässt sich diese nachhaltige Geduld beziehen: Der Gottesknecht gibt so schnell nicht auf, er gibt Menschen eine Chance, auch, wenn sie scheitern, wenn sie „geknickt“ sind oder ihre Energie oder ihr guter Wille nur noch „glimmen“ (vgl. den Gottesknecht Jesus in all seinen Begegnungen). Aber diese nachhaltige Geduld lässt sich – wie das ursprüngliche Bild nahe legt – natürlich auch auf die Natur beziehen: Der Gottesknecht lässt der Schöpfung, Tieren und Pflanzen, Zeit zum Wachsen (ähnlich wie der „Hirte“, der für die Schafe sorgt, ohne gleich auf Profit wie Fleisch und Wolle aus zu sein, vgl. Jes 40, 11 oder Ez 34, 1-22). Er sorgt sich um die Schöpfung. Diese nachhaltige Sorge steht im Zusammenhang des Reiches der Gerechtigkeit, das der Gottesknecht bringen wird.

 

Recht und Gerechtigkeit

„Recht, Gesetz, Gerechtigkeit“ sind wichtige Stichworte in Jes 42, 1-7. Auch diese „gerechten Verhältnisse“ haben natürlich mit Nachhaltigkeit zu tun: Es ist gerecht und für alle letztendlich gut, wenn nachhaltig gewirtschaftet wird und nicht einer auf Kosten des anderen lebt. Wer nur an seinen kurzfristigen Nutzen und deswegen nicht nachhaltig denkt – wer etwa übermäßig Energie verbraucht oder Müll erzeugt -, der schadet in ungerechter Weise Menschen an anderen Orten oder zu anderen Zeiten (Nachhaltigkeit als Thema der globalen und inter-generationellen Gerechtigkeit). Wer dagegen nachhaltig lebt, lebt auch im Sinne von Recht und Gerechtigkeit und im Sinne des „nachhaltigen Messias“.

 

Leise und demütig

Der „nachhaltige Messias“ ist außerdem eine eher „leise Gestalt“: „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen“. Während die Herrscher dieser Welt meist auf schnelle Erfolge aus sind und überdies ihre Erfolge und ihren Status gerne laut vor sich hertragen und posaunen, kommt der Gottesknecht des Jesaja leise daher. Er spielt sich nicht auf, er ist uneitel. Er setzt sich geduldig und leise für gerechtere Verhältnisse ein, für die „gebrochene“ Natur und den „geknickten“ Menschen. Er macht andere nicht klein, sondern groß, richtet sie auf (vgl. Jesus und die gekrümmte Frau). Dabei ist er sich nicht zu schade, sich selbst zu erniedrigen und „einzuknicken“. Der Gottesknecht im Deutero- und Tritojesaja (geprägt von der Exilszeit Israels) kennt auch das Leiden, und er erträgt es in Demut.

 

In der Nachfolge des Gottesknechts

Jesus wird im Neuen Testament immer wieder mit diesem Gottesknecht aus Jesaja in Verbindung gebracht – durch wörtliche Bezüge, aber auch durch sein Handeln: Leise und geduldig geht er auf die Menschen zu und richtet sie auf. In der Szene der Taufe im Jordan lässt er sich von Johannes taufen. Als dieser abwehrt (ähnlich wie Petrus, der sich von Jesus beim letzten Abendmahl nicht die Füße waschen lassen will), eine andere Rollenaufteilung zwischen Messias und Prophet fordert, sagt Jesus zu ihm: Lass es zu! In der Nachfolge dieses Gottesknechts und Messias sind Christen aufgefordert, ähnlich demütig und leise aufzutreten, einander zu dienen und sich nachhaltig und geduldig für Menschen und für die Schöpfung einzusetzen, das „geknickte Rohr aufzurichten.“

 

Lebendiges Wasser

In der Taufe wird Jesus im fließenden Wasser des Jordan untergetaucht – das Wasser ist bis heute zentrales Element und Symbol der Taufe. Wasser ist zentraler Baustein des Lebens: Die Erde und nicht zuletzt der Mensch bestehen zu einem Großteil aus Wasser. Und es ist lebenswichtig: Ohne ausreichend sauberes Trinkwasser kann der Mensch nicht überleben, auch die Natur verdorrt ohne Wasser. Wasser steht demnach für Leben – und dies nun übertragen auch in der Taufe. In ihr, bekennen Christen, beginnt das neue Leben mit Christus. Der alte Mensch stirbt, der neue wird geboren. „Leben in Fülle“ will Jesus den Menschen schenken, es nimmt seinen Anfang mit der Taufe auf den Namen Jesu. Wasser, Leben und Lebendigkeit hängen so im ganz alltäglich-natürlichen Leben wie im christlichen Leben elementar zusammen.

 

Wasser bewahren

Wer Wasser als elementares Element des Lebens und des Lebens in Jesus Christus begreift, versteht auch, dass man es bewahren muss: Wasser ist ein hohes Gut. Es wird in unseren Breiten oft verschwenderisch gebraucht und fehlt an anderen Orten der Erde: Rund 1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, sie werden krank oder sterben an Durst oder Seuchen. In unserer komplexen, globalisierten Welt hat das eine auch mit dem anderen zu tun: Wer in Europa viel Fleisch isst oder billige Textilien kauft, die wasserintensiv in der Herstellung sind, schadet den Menschen, deren Wasservorräte dadurch knapp oder verdreckt werden. Die Sensibilität dafür, wie viel Wasser in den Produkten des täglichen Lebens steckt, ist in den letzten Jahren in Deutschland gestiegen (vgl. etwa auch den „Wasser-Fußabdruck“ eines Einzelnen: Wie viel Wasser verbrauche ich täglich durch Kaffee, Fleisch, Kleidung etc.?).

 

Wasser, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit

Damit ist Wasser auch ein zentrales Thema von Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit: Wenn ich Wasser spare und bewahre, dann setze ich mich ein für mehr Gerechtigkeit auf der Welt – auch für mehr Frieden. Wasser war schon immer und wird in dieser Zeit immer mehr zu einem Anlass für Gewalt und kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Bevölkerungsgruppen und Völkern. Wasser ist so nicht nur als Symbol der Taufe zentrales Thema christlicher Nachhaltigkeit und Schöpfungsbewahrung. Ohne gerechten Umgang mit Wasser ist heute auch kein Reich von Recht und Gerechtigkeit möglich. Wer sich für dieses Reich einsetzt, geht deshalb auch sorgsam mit dem Lebenselement Wasser um. Duschen statt baden, weniger Fleisch essen: Auch in solch alltäglichem banalen Verhalten bricht das messianische Reich an, das Reich des „nachhaltigen Messias“.

Beate Hirt, Mainz

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