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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Neujahrstag / Hochfest der Gottesmutter Maria (1. Jan. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 14, 1-6

Num 6, 22-27

Gal 4, 4-7

Lk 2, 16-21

 

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen des Neujahrstags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: der Weg als Weg der Nächstenliebe in der Nachfolge Jesu, Nachbarn und „ferne Nächste“ gehen (Joh 14); Segen als Beruhigung und Ermutigung, den Weg des Friedens zu gehen (Num 6); Diskrepanz zwischen Gesetz und Evangelium (Gal 4); sich Zeit für Veränderung und Verstehen nehmen, Beispiel Maria (Lk 2)

 

Joh 14,1-6

Fast alle Menschen nehmen sich am Übergang vom alten zum neuen Jahr für die kommende Zeit etwas vor: mehr Sport machen, weniger Alkohol trinken, das Rauchen aufgeben, mehr Zeit für die Familie, weniger Büro, die Liste ließe sich beliebig verlängern: ein neuer, besserer Weg. Bezogen auf das Leben der Menschen kann die Assoziation zu den folgenden Stichworten vielleicht weiterhelfen: Lebensweg, Ausweg, Irrweg, Wegweisung; ich finde meinen Weg nicht mehr, es geht nicht mehr weiter, nicht alle Wege führen nach Rom.

Neben der Bekräftigung in Vers 6 „ich bin der Weg“ tauchen homiletische Fragen auf: Will ich wirklich auf den Weg mitgenommen werden? Will ich wirklich geholt werden, will ich wirklich den Weg Jesu gehen?

Die Spannung zwischen den vielen Wohnungen in Vers 2 und dem scheinbar einen Weg in Vers 6 müsste deutlich gemacht und aufgelöst werden. Die vielen Wohnungen in des Vaters Haus lassen sich verstehen als eine Möglichkeit für Menschen, den ihnen jeweils eigenen Weg zu finden. Allerdings gibt es dabei eine Prämisse: es sollte in der Nachfolge Jesu passieren.

Was bedeutet das? Die unbedingte Hinwendung zur Schöpfung oder den Menschen in gleichem Maß kann es schlecht sein, denn der Mensch ist ein Teil der Schöpfung und damit ein Teil des Lebenssystems unserer Erde. Nachfolge kann sich also immer nur auf das „Gesamtsystem Schöpfung“ beziehen, nie auf einen eingegrenzten Bereich, nämlich den der Menschen oder den der außermenschlichen Schöpfung.

Jesu Weg in die Wohnung beim Vater war konsequent, auf Mitmenschen und Schöpfung hin ausgerichtet. Er machte keine Kompromisse, auch nicht vor dem Richter Pilatus. Diese Gradlinigkeit brachte ihn ans Kreuz.

Nun müssen wir heute – wenn wir sehr konsequent leben – nicht unbedingt den Kreuzestod befürchten; allerdings kann soziale Ausgrenzung und Anfeindung das Ergebnis sein, wenn ich konsequent insistiere auf ein Verhalten, das die Schöpfung bewahrt, also ein Leben in Nachhaltigkeit ermöglicht.

Ist das der Weg Jesu? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“: es geht also um den Nachbarn und den „fernen Nächsten“ genauso wie um die ganze Schöpfung. Sicherlich kann nicht das Engagement zur Einhaltung der Menschenrechte (Asylbewerber / Todesstrafe / sklavenähnliche Produktionsbedingungen in Freihandelszonen in der „Dritten Welt“) gegen die Forderung nach Einhaltung von Ökologiestandards ausgespielt werden. Der Weg Jesu in die Wohnung beim Vater bedeutet für Christen in der Nachfolge Gestaltung des Lebensumfeldes mit diesen beiden Aspekten: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

 

4 Mose 6, 22-27

Der aaronitische Segen, im Wortlaut überliefert in einer priesterschriftlichen Sekundärschicht und erst relativ spät bezeugt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach noch kein sehr altes Stück, sondern ein jüngeres Kunstprodukt aus den Kreisen der Jerusalemer Tempelpriesterschaft, das sich wohl erst nach und nach durchsetzen konnte, bis es dann – zum Teil in nachalttestamentlicher Zeit nachweisbar – zum festen Bestandteil der Gottesdienstliturgie in Tempeln, Synagoge und Kapitelsaal wurde (zitiert nach Ernst Lange, Predigtstudien V, 2 (89), Seite 76 ff.). Ziel des Segens ist, Jahwes Schutz, Gnade und Frieden für das bedrohte Alltagsleben feierlich zu übermitteln und zu erbitten. Nicht nur Priester können segnen, sondern jeder den anderen, das Essen, das Haus. Zum Segen gehört die Geste als Ausdruck der Zuwendung des Mitseins, Mitgehens und des Schutzes: Handauflegung oder die erhobenen Hände.

Zur Funktion und Bedeutung des Segens ein Zitat von Eugen Drewermann: „Ich habe von Sören Kierkegaard gelernt, als das Zentralproblem des menschlichen Daseins die Angst zu verstehen … Wenn Angst das Grundproblem menschlichen Daseins ist, dann beantwortet es sich niemals, indem ich selber mich bemühe, mich so ansehnlich, so notwendig, so berechtigt wie irgend möglich durch Leistung darzustellen. Die Angst des menschlichen Daseins kann ich nur beruhigen im Gegenüber eines absoluten Willens, der möchte, dass wir sind, dieser Wille ist … für den Gläubigen: Gott (zitiert nach Ernst Lange s.o.). Ich verstehe Segen als Beruhigung, als Ermutigung für die Christen, den Weg der Nachfolge zu gehen. Am Beginn des Kalenderjahres haben viele Menschen sich viel vorgenommen.

Man kann Segen und Frieden miteinander verbinden (siehe Trautwein 1978 in dem Lied: Komm Herr und segne uns). Vielleicht befähigt der Segen Menschen zu friedfertigen Handlungen – nicht nur gegenüber anderen Menschen der Gesellschaft, sondern gegenüber der Schöpfung. Wenn wir als Gesegnete den empfangenen Frieden weitergeben, sind wir auf dem richtigen Weg – gerade an Neujahr.

 

Galater 4, 4-7

Als zentrales Gegensatzpaar dieses Textabschnittes erscheint die Frage von Gesetz und Evangelium. Jesus, als Mensch geboren und unter das Gesetz gestellt, hat dennoch befreit, die unter der Herrschaft des Gesetzes standen. Seitdem sind die Menschen nicht mehr Sklaven des Gesetzes, sondern Söhne und Erben Gottes.

Befreiung: Was bedeutet das? In der Konstruktion einer sozialen Gemeinschaft kann und muss es Gesetze geben, um Ordnung aufrecht zu erhalten. Doch dieses Gesetz ist nicht absolut. Es ist gemacht zur Regelung des Zusammenlebens. Gesellschaften sind Organismen, sie bewegen sich und sie verändern sich. Gesetze – von Menschen gemacht – sollten darauf reagieren. Bleiben Gesetze aber starr, werden nicht auf ihre Funktionalität hinterfragt, können sie zu „gemeinschaftstötenden Monstern“ werden.

Jesus hat durch Leben und Sterben den Blick hierfür geschärft und erweitert: Es geht nicht um die starre, zwanghafte Einhaltung von Gesetzes, sondern um Nachfolge in lebendiger Gestaltung der Welt. Das schließt alles ein: Menschen, Tiere, Schöpfung, alles. Die Bewahrung des Lebens auf der Erde hat für die Nachfolge größte Priorität. Die Gesetze des Marktes, die dabei helfen, die Erde zu zerstören, gegen die kreative, einfühlsame Gestaltung und natürlich auch entsprechende Nutzung der Erde. Das starre Gesetz des Marktes gegen kreative Gestaltung der Zukunft.

 

Lukas 2, 16-21

Die Hektik der Weihnachtstage ist vorbei, das Laufen der Hirten zum Stall auch. Sie sehen das Ereignis und freuen sich. Aber Maria behält alles das Gehörte in ihrem Herzen und dachte immer wieder darüber nach. Die Schnelligkeit und Hektik unserer Tage oder auch Schnellschuss-Aktionen von Politik und Gesellschaft schaffen keine wirkliche Veränderung. Meint man es ernst mit der „Bewahrung der Schöpfung“, ist nicht Aktionismus angesagt, sondern Veränderung im Kopf, Nachdenken, Einsicht, Kreativität. Zuhören, genau hinsehen, nachdenken, der Frage nachgehen: „Was bedeutet das für uns?“, Konsequenzen ziehen. Nur so geht es: In der Ruhe liegt die Kraft.

Wolfram Walbrach, Düsseldorf

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