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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Epiphanias / Erscheinung des Herrn (6. Jan. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 1, 15-18

Jes 60, 1-6

Eph 3, 2-3a.5-6

Mt 2, 1-12

 

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen des Tages. Stichworte zur Nachhaltigkeit: sozial-ökologische Funktion der Ökumene, der Umgang mit vermeintlicher „Unerschöpflichkeit“ (Joh 1); „Sonderrollen“ von Nationen und ihr Bezug zur Nachhaltigkeit (Jes 60); die Drei Weisen und die Sternsinger als Symbole des (globalen) Brückenschlags im Sinne von Frieden und Gerechtigkeit (Mt 2); Partnerschaften für eine gelebte Weltkirche (Eph 3)

 

Joh 1 , 15 – 18 Jesus – die unerschöpfliche Ressource?

In den Ablauf eines wohl gegliederten Hymnus, der den Weg des Logos Gottes bis zur Fleischwerdung besingt, schaltet sich Johannes der Täufer als wichtiger Zeuge ein. Sein Zeugnis, dass Jesus auf Grund seiner Herkunft und seines Weges zu den Menschen Vorrang vor ihm hat, klärt ein zwischen Johannesanhängern und christlicher Gemeinde schwelendes Problem. Nach diesem Zeugnis kann der Hymnus jubelnd fortgesetzt und die unerschöpfliche Fülle, die in Jesus erkannt wird, besungen werden.

 

Zur Predigt:

1) Das Verhältnis zwischen Johannesgemeinde und Christengemeinde ist sehr frühes ökumenisches Problem, das hier seine Lösung durch die Unterordnung des Johannes findet. So werden wir Ökumene heute nicht mehr betreiben können, es sei denn, wir könnten uns in der Ökumene auf ein gegenseitiges Dienstverhältnis verständigen, etwa im Sinne: Einer trage des anderen Last. Gut geklärte und auf Zusammenleben ausgerichtete ökumenische Verhältnisse sind auf jeden Fall wertvoll für die soziale Ökologie einer Gesellschaft.

2) Christus ist die unerschöpfliche Quelle des Heils. Was ist aus dieser „Fülle“ des Heils geworden? Die Rede von der Krise der Christologie geht um. In der Theologie und Kirche ist Jesus wie eine unerschöpfliche Ressource behandelt worden. Was ist da schief gelaufen? Die Frage muss erlaubt sein, ob alle verheißungsvollen Zugänge zur Bibel wahrgenommen und gewürdigt worden sind. Wir können z. B. den Horizont historisch-kritischer Kommentare, der die Texte mit methodischen Gesetzen angeht, erweitern und meditative Zugänge eröffnen, um die Unmittelbarkeit Jesu zu Gott auf uns wirken zu lassen. Ein Vergleich mit dem Umgang mit regenerativen Energien kann den Blick schärfen. Nur ständig zu optimierende Verfahren der Gewinnung neben einem nicht geringen Vertrauenspotential in die Richtigkeit dieses Weges führen zum Erfolg. Sperren auf diesem Weg gibt es genug. Die Kreativität und die Freiheit der Forschung ist für beides die notwendige Vorbedingung, dass beide Quellen sprudeln: die geistliche des Christus und die ökologisch segensreiche in Form der regenerativen Energien.

 

Jes 60, 1 – 6: Israel als Licht und als Segen für alle

Israel steht nach der Rückkehr aus dem Exil eine Zeit der Herrlichkeit Gottes und des Lichtes vergleichbar einer Neuschöpfung bevor, deren Kennzeichen sein werden, dass die Völker mit ihren Reichtümern auf Israel zukommen werden. Zugleich wird Israel eine friedliche, wenn auch zentral positionierte Rolle in der Völkerwelt verheißen (V.17). Wie das Volk Israel sind wir alle aufgefordert, Lebensituationen unter diesen Perspektiven zu beurteilen bzw. wahrzunehmen: „Auf, werde licht, denn es kommt dein Licht!“ (V.1)

 

Zur Predigt:

Ein Volk soll zum Licht für die Völker werden. Auf drei Ebenen muss das im Interesse der Nachhaltigkeit in der Predigt problematisiert werden: politisch im Blick auf die aktuelle Rolle Israels, kritisch auf der Ebene des Nationalismus, und ekklesiologisch in der Bestimmung der Rolle der Kirche. Das aktuelle politische Handeln Israels ist mit Rücksicht auf den traumatisierenden Kulturbruch seitens Deutschlands so gut wie nicht kritisierbar. Dass es in der Verheißungsgeschichte auch eine Tendenz gibt, Israel als ein gesegnetes Volk im Verbund mit anderen gesegneten Völkern zu sehen, zeigt Jes 19, 24-25. (vgl. Schalom Ben-Chorin: Die Erwählung Israels. Ein theologisch-politischer Traktat. München Zürich 1993, bes. S. 164).

Eine Sonderrolle unter den Völkern ist deutscher Mentalität in der Gegenwart nicht fremd. Es lässt sich in Anknüpfung an den Text zeigen, dass Deutschland durchaus „Schätze“ (V.5) Europas auf sich vereinigt hat. Umso wichtiger ist es, als positiven Fall einer Sonderrolle die Vorreiterrolle Deutschlands in der Klimapolitik hervorzuheben (vgl. Helmut Weidner: Klimaschutzpolitik: Warum ist Deutschland ein Vorreiter im internationalen Vergleich? Zur Rolle der Pfadabhängigkeit. PVS-Sonderheft Nr. 39/2007 „Politik und Umwelt“, S. 452 f.). Deutschland hat sich mit ehrgeizigen Zielen in der Reduzierung des Kohlendioxid in den 90-er Jahren hervorgetan und hat damit Maßstäbe für die internationale Debatte gesetzt. Zwei Leitfragen bestimmen die Debatte und nehmen damit die Probleme der intergenerationellen und der intragenerationellen Gerechtigkeit auf: 1) „Wie werden wir der Verantwortung für die kommenden Generationen gerecht?“ und 2) „Wie sollen angesichts der Schadenverursachung durch die Industrieländer Reduzierungsverpflichtungen berechnet werden?“ Wenn auch inzwischen die Ziele zurückgenommen sind und die Debatte nicht immer unter sorgfältiger Berücksichtigung der Differenz von profitorientierter Modernisierung und ökologischer Nachhaltigkeit geführt worden ist, so sollte der Predigthörer doch auf die Bedeutung des Pfades der Nachhaltigkeit auf Grund einer gewachsenen ökologischen Tradition hingewiesen werden, die von der Revitalisierung der Schöpfungstradition mitbestimmt gewesen ist und auch weiterhin sein wird.

 

Mt 2, 1 – 12: Die Weisen und die Sternsinger

Die drei Weisen (magoi), geleitet von aus der Religion noch nicht ausdifferenzierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, finden den Weg zum Jesuskind, das sie verehrungsvoll und reich beschenken. Die Geschichte ist getragen vom frohen Erstaunen darüber, von woher und von wie weit her Menschen, welcher Prägung auch immer, zu Jesus kommen.

 

Zur Predigt:

Es sind die Motive der Legende mit ihren hohen Symbolgehalt samt ihren späteren Anreicherungen, die einen breiten Strom der Verehrung aus sich heraussetzten und, was noch wichtiger ist, die Wende zu der Aktion der Sternsinger schließlich ermöglichte, die eine Richtungswende auf die Welt hin unter Berufung auf diese Geschichte und unter bewusster Verwendung der Symbolik ist. Ohne das intuitive Wissen und die Begeisterung der Kinder ist diese Aktion nicht vorstellbar. So wurden im (Ausnahme-) Jahr des Tsunami von den Kindern aus 12.743 Gemeinden 47,6 Mill. Euro gesammelt. Im Jahre 2004 wurde der Aktion der Jugendpreis des Westfälischen Friedenspreises verliehen. Die Aktion ist ein Gegengewicht gegen nachlassende Spendenbereitschaft in Deutschland, auch gerade als Aktion, die Projekte der Dritten Welt (nicht: „Eine Welt“) unterstützt. (Literatur: Becker-Huberti, Manfred: Die heiligen Drei Könige. Geschichten, Legenden und Bräuche. Köln 2005)

 

Eph 3, 2 – 3a.5-6: Apostolat und Universalismus

Der Epheserbrief ist das Dokument einer gelungenen ökumenischen Integration, an deren weiteren Festigung und Vertiefung der Verfasser intensiv theologisch arbeitet. Das Geheimnis (3, 3), das den Aposteln und Propheten anvertraut ist, besteht ekklesiologisch betrachtet in der universalen Mit-Teilhaberschaft der Heiden am Evangelium (3, 6). Damit ist aus der Sicht des Apostels eine Schwelle religiöser und gesellschaftlicher Modernisierung der Welt überschritten (3, 5).

 

Zur Predigt:

Von welchen Überlegungen muss heute eine Kirche geleitet sind, die der Tatsache gerecht werden will, dass Menschen in uns fremden kulturellen und politischen Kontexten längst zu Mit-Erben der Verheißung geworden sind? Zwei Felder sollten beachtet werden: die von ökumenischen Selbstbewusstsein getragenen Beiträge auf den Weltkirchenkonferenzen und die Erfahrungen der vielen Partnerschaften mit Kirchen der Dritten Welt. Seit der Konferenz von Witby 1947 übt man sich in Partnerschaftsverhältnisse zwischen traditionellen und jungen Kirchen ein, die trotz ungleicher Lebensbedingungen geprägt sind von der wechselseitigen Erfahrung Gebens und Nehmens. Beispiel: „Partnerschaftsarbeit des Berliner Missionswerkes“ (Internet).

Helge Müller, Neustadt a. d. Weinstraße

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