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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Weihnachten (25. Dez. 2010)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Micha 5, 1-4a

am Morgen: Jes 62, 11-12
am Tag: Jes 52, 7-10

am Morgen: Tit 3, 4-7
am Tag: Hebr 1, 1-6

am Mo.: Lk 2, 15-20
am Tag: Joh 1, 1-18

 

Der Autor geht auf vier Bibelstellen des Tages ein. Stichworte: an der Hoffnung arbeiten (Micha 5, 1-4a); Frieden kann nicht mit Krieg gewonnen werden (Jes 52, 7-10); wider alle Abziehbildchenromantik (Lk 2, 15-20); Logos vs. Logik (Joh 1, 1-18)

 

Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen:

Micha 5, 1-4a: Der aus bäuerlicher Verhältnissen stammende Prophet Micha war zwischen 733 und 712 v. Chr. in dem 35 km südwestlich von Jerusalem gelegenen Ort Moreschet zu Hause und war wahrscheinlich Zeitgenosse der Propheten Hosea und Jesaja. Seine Verkündigung, die außer in seiner Heimat wohl auch in Jerusalem stattfand, richtete sich gegen die Rechtsbrüche der Oberschicht und wies auf das drohende Strafgericht gegen Juda und Jerusalem hin. Im Kontrast zu den erfahrbaren Realitäten seiner Zeit entwirft Micha das Bild einer messianischen Zukunft. Er stellt reale (Macht-) Verhältnisse messianischen Erwartungen gegenüber, beispielsweise wird „die mächtige Befestigung Zions (4, 13 f.) der göttlichen Macht gegenüber gestellt, die den künftigen König erwecken und ihn mit Hoheit erfüllen wird (5, 2 f.); vgl. Maertens / Frisque, S. 157 f. und Kasper (Hg.), Bd. 7, S. 226)

Jes 52, 7-10: „Die zentrale Botschaft des im Exil wirkenden Deutero-Jesja (Jes 40-55) besteht in der in Heilsorakeln, Heilsankündigungen, Disputationsworten und Gerichtsreden entfalteten Verkündigung des Heilswillens“ Gottes und „der sich abzeichnenden Wende des Exilsgeschickes“ (LThK, Bd. 5, S. 790). In Jesaja 52, 7-10 ist zu lesen, wie der Prophet von den Mauern Jerusalems auf den langen Zug der Verbannten sieht, die aus Babel heimkehren. Er befindet sich hierbei unter den Wächtern der Stadt (Vers 8). Die Vorhut des Zuges der Heimkehrer rückt heran (Vers 7) und verkündet die frohe Botschaft, die sich dann über die Stimmen der Wächter (Vers 8) in die ganze Stadt (Vers 9) weiterverbreitet (vgl. Maertens / Frisque, S. 197).

Lk 2, 15-20: Das nach altkirchlicher Überlieferung dritte Evangelium wurde von Lukas, einem Arzt und Heidenchristen, zwischen 80-90 n. Chr. verfasst. Das zweite Kapitel des Lukasevangeliums stützt „sich nicht mehr auf zeitgenössische Zeugnisse (ab), die Lukas bei der Abfassung der anderen Kapitel des Evangeliums und der Apostelgeschichte verwertet hat“ (Maertens / Frisque, S. 194). Im Zusammenhang mit dem Inhalt des Lesungstextes gilt es daher vornehmlich festzuhalten, dass die Tatsache der Geburt Jesu wichtiger ist als die Begleitumstände.

Joh 1, 1-18: „In seiner dualistischen Sprache und Gedankenwelt, besonders im Prolog und in den großen Jesusreden, entfernt sich das Johannesevangelium von den übrigen Evangelien“. Im Zentrum der Verkündigung steht der „Glauben an Jesus als Christus und Gottessohn und um den Besitz des Lebens in diesem Glauben“ (LThK, Bd. 5, S. 863). Unter „Logos“, so kann biblisch-theologisch ergänzt werden, wurde ursprünglich ein rationales Moment verstanden. In den biblischen Kontexten gewinnt dieser Begriff eine eigentümliche Dynamik, insofern hier das Wort als machtvolle Selbstäußerung Gottes verstanden wird, das entscheidender Faktor der Geschichte ist, Leben gewährt oder nimmt, Zukunft eröffnet oder verstellt. Darüber hinaus ist zu Beginn des Johannesprologs die Identifikation des präexistenten Logos mit Jesus Christus entscheidend. (vgl. LThK, Bd. 6, S. 1027). „Der Logos ist … der Plan Gottes, der in Gott wohnt, zu ihm gehört (Vers 1-2), aber sich fortschreitend in der Schöpfung und in „allem, was wird (Vers 3), verwirklicht (vgl. Maertens / Frisque, S. 201).

 

Predigtskizze: Frieden kann nicht mit Krieg gewonnen werden (Jes 52, 7-10)

Alles hat seinen Preis, auch der Frieden. Es gibt nichts für nichts. Wer Frieden will, muss etwas dafür tun, so gesehen bewahrheitet sich ein kirchliches Leitwort: Frieden ist Tat-sache.

Auch Gott hat in der Geschichte seines Volkes vieles getan, um den Seinen Frieden und Freiheit zu ermöglichen, nicht zuletzt durch kriegerische Akte. Erst die Vernichtung der Heerscharen des Pharao ebnete den Weg ins gelobte Land. Der in der Lesung angesprochene Freudenbote, der Frieden ankündigte und Rettung verheißen hat (vgl. Vers 7) wusste um den Preis des Jubels, den er allerdings zugunsten der Freiheit seines eigenen Volkes billigend in Kauf genommen hat.

Gerade internationale Politik läuft immer wieder Gefahr, Frieden durch Krieg oder militärische Interventionen herbeiführen zu wollen; gefühlter Maßen wieder vermehrt in den letzten Jahren. Doch wird man sich dabei schon fragen lassen müssen, inwieweit solche Bestrebungen nachhaltig erfolgversprechend sind.

Frieden kann nicht durch Krieg gewonnen werden! Sicher können Gefechte gewonnen werden, aber dadurch sicher keine Herzen. Modernste Technik kann und wird in Konflikten und Kriegen zum Einsatz gebracht, aber sie ersetzen bzw. machen nicht einfachste zwischenmenschliche Notwendigkeiten überflüssig. Ohne Vertrauen, ohne Persönlichkeiten mit Gesicht und Stimme, kann nur Angst regieren, und die Spirale der Gewalt wird sich weiter drehen. Aus dieser Einsicht heraus gibt es heutzutage auch positive Ansätze, beispielsweise hat der amerikanische Isaf-Kommandeur General Stanley McChrystal in Afghanistan die Parole „with hearts and minds“ (mit Herz und Verstand) ausgegeben: nur wer die Herzen und den Verstand (die Einsicht) der Menschen gewinnt, kann siegen.

Frieden kann nicht durch Krieg gewonnen werden! Die Geschichte Gottes mit seinem Volk ist auch eine Machtdemonstration. Gott will damit seinem (schwachen) Volk zeigen, wie viel ihm an ihnen liegt jedoch nicht prahlen, wie er andere vernichten kann. Der Blick auf das Alte Testament in problematischen-kriegerischen Punkten macht aber deutlich, dass wir gerade heutzutage den erweiterten Blick auf Jesus Christus im Neuen Testament nötig haben. Die Nächstenliebe wird hier nämlich durch die Feindesliebe verschärft. Lieben heißt hierbei aber nicht blind zu sein für die Gefahren, die vom Anderen womöglich ausgehen können. Lieben heißt vielmehr über das Zielfernrohr der eigenen Interessen hinaus einen Blick auf die Wirklichkeit des Anderen zu richten und nach Wegen und Lösungen zu suchen, die ein freiheitliches und friedliches Miteinander Aller ermöglichen können.

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

1. An der Hoffnung arbeiten (Micha 5, 1-4a)

Wohl jeder Generation lief schon ein kalter Schauer über den Rücken, wenn sie sich die vorherrschenden gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse vor Augen geführt haben. Die gute „alte Zeit“ war, weiß Gott, nicht immer so gut, wie sie gern im Nachhinein verklärt wird. Damals wie heute lässt sich ohne weiteres eine schier unendlich lange Liste von Missständen, Ungerechtigkeiten und Verbrechen auflisten, wodurch es schwer ist, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Was bestenfalls übrig bleibt, ist ein „Restoptimismus“, der das Prinzip Hoffnung noch nicht völlig über Bord geworfen hat.

Geschichtlich, historisch gesehen befinden wir uns in dieser Einschätzung in guter alter Gesellschaft. Der Prophet Micha prangerte schon im 8. Jh. v. Chr. die Rechtsbrüche der Oberschicht an und verwies auf die drohenden Konsequenzen dieser gesellschaftlichen Verhältnisse. Was wir von ihm lernen können, ist, nicht zu resignieren und in eine „Egal-Haltung“ zu verfallen. Auch unsere Zeit und unsere Gesellschaft kann zugrunde gehen; gegenwärtig befinden wir uns in Teilbereichen schon am Abgrund, wenn wir nur auf unser Gesundheitswesen und die Staatsverschuldung schauen. Micha hat erlebt, was Zerstörung und Untergang bedeutet, wir sind aufgerufen an einer Hoffnung wider alle Realitäten zu arbeiten, nicht nur kurzfristig für uns selbst, sondern vor allem langfristig für zukünftige Generationen.

 

2. Wider alle Abziehbildchenromantik (Lk 2, 15-20)

Was ist die Kernbotschaft der Geburt Jesu? Gott hat sich bei uns Mensch eingemischt und uns nicht mit uns allein gelassen. Er hat sich fernab von einer Abziehbildchenromatik in den Dreck einer Krippe und in den Mief eines Stalles begeben. Wenn wir nun so viele Jahre nach Jesu Geburt scheinbar achselzuckend billigend in Kauf nehmen, dass immer mehr Kinder in häuslichen „Sauställen“ groß werden, oder sich unter Brücken, auf Parkbänken und an Bushaltestellen im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagen müssen, dann haben wir das Entscheidende von Weihnachten nicht verstanden. Im Leben Jesu spiegeln sich nämlich schon diese elementaren Grunderfahrungen menschlichen Lebens, denen es zu begegnen gilt. Durch Geburt, Leben und Sterben Jesu soll ein menschheitsgeschichtlicher Fokus auf Armut, Verfolgung, Leid und Tod gerichtet werden. Dieses Faktum schreit nach Antworten, gerade in Zeiten knapper Kassen. Gott hat diese Übel in Jesus Christus in Angriff genommen, es liegt an uns sein Werk fortzusetzen.

 

3. Logos vs. Logik (Joh 1, 1-18)

Mit Logik lässt sich allenthalben nichts mehr ausrichten. Vergeblich sucht man nach einem „Masterplan“, der alles erklären soll. Immer undurchschaubarer, verwirrender und unlogischer muten viele Entscheidungen und Weisungen z.B. in Behörden an. Wir verwalten uns tot, vermeintlich ohne Sinn und Verstand. Dem gegenüber steht die Logik Gottes, der uns den Masterplan schlechthin an Weihnachten vorstellt, Jesus Christus. Seine Logik hat wahrlich „Hand und Fuß“, aber vor allem ein Herz, das wir vielerorts vermissen. Bei allen wohl unvermeintlichen Formalismen darf das Mitgefühl, die Menschlichkeit und der Mensch an sich nicht verloren gehen.

Thomas Stephan, Bruchsal

 

Literatur

Die Bibel. Einheitsübersetzung, Freiburg-Basel-Wien 1980.

Thierry Maertens – Jean Frisque, Kommentar zu den neuen Lesungen der Messe, Erster Band, Freiburg 1969.

Walter Kasper (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Bd. 5, Freiburg 19963 / Bd. 6, Freiburg 19973. / Bd. 7, Freiburg 19983.

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