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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

3. Adventssonntag (12. Dez. 2010)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 3, 1-14

Jes 35, 1-6a.10

Jak 5, 7-10

Mt 11, 2-11

 

Der Verfasser berücksichtigt die drei Texte der katholischen Lesereihe und fügt einen Verweis auf den evangelischen Predigttext an. Stichworte zur Nachhaltigkeit:

  • mutiges und entschlossenes Handeln, Vertrauen und Geduld können Wüsten in blühende Landschaften verwandeln

  • wer die Zeichen Gottes erkennt und begreift, sieht auch in einer unheilen Welt Gottes Heil

  • Gott, Mensch und Schöpfung haben Vorrang vor den Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie

  • Teilen, gerechtes und soziales Handeln und Gewaltlosigkeit bezeugen die verborgene Gegenwart des Gottesreiches

 

I. Stellung im Kirchenjahr

Der dritte Adventsonntag heißt seit alters her in den Kirchen „Gaudete“ gemäß dem Eröffnungsvers der Liturgie aus Phil 4, 4-5: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ In der Adventszeit ist die liturgische Farbe der Paramente violett, die Farbe der inneren Einkehr und Nachdenklichkeit. In der Katholischen Kirche besteht am dritten Adventsonntag die Möglichkeit rosafarbener Paramente, sozusagen ein aufgehelltes Violett, durch das bereits das Licht des kommenden Weihnachtsfestes hindurch schimmert. Vorfreude ist angesagt, „denn der Herr ist nahe“. (Phil 4, 5) Von der Freude des kommenden Gottesreiches sprechen auch die Schrifttexte dieses Sonntages in der katholischen Leseordnung. Dass es dabei um eine andere Freude geht als um die über Weihnachtsmärkte, Glühwein und Festvorbereitungen ist offensichtlich. „Gaudete“ ist nicht mit „Gaudi“ zu verwechseln. Der evangelische Predigttext aus dem dritten Kapitel des Lukasevangeliums enthält zwar die mahnende Umkehrpredigt Johannes des Täufers, die aber nicht nur als Drohrede verstanden werden will. Die Freude des kommenden Gottesreiches erfährt der Mensch, der die Nöte und Bedürfnisse seiner Mitmenschen sieht und entsprechend handelt.

Die kirchliche Verkündigung soll allerdings nicht als „vorweihnachtliche Spaßbremse“ missverstanden werden, die sauertöpfisch all das missbilligt, was an Tradition und gutem Brauchtum das Gemüt der Menschen heute im Advent berührt. Vielmehr können diese Anknüpfungspunkte sein, die Sehnsucht der Menschen nach einer „heilen Welt“, einer Welt im Heil, ernst zu nehmen.

 

II. Homiletische und biblische Überlegungen

Die Sehnsucht der Menschen nach „blühenden Landschaften“ ist groß. Die Verheißung solcher war und ist vielfältig, nicht nur zur Wendezeit 1989. Es steht der tiefe Wunsch dahinter, dass es doch allen Menschen dieser Erde gut gehen möge. Deshalb sollen die Wirtschaft, der Handel, die Finanzmärkte, die sozialen Sicherungssysteme, das Gesundheitswesen, das ökologische Bewusstsein „blühen“. Allerdings hat die jüngste Vergangenheit gezeigt, dass der Weg auch leicht umgekehrt gehen kann. Statt aus Wüsten blühende Landschaften können aus mehr oder weniger blühenden Landschaften auch leicht Wüsten werden. Man braucht nur an die Finanzkrise, die Eurokrise oder die Ölpest im Golf von Mexiko zu denken. Die Bemühungen der Politik, dagegen zu steuern, wirken oft hilflos. Die Gefahr ist groß, dass die Menschen mutlos und verzagt werden und nach Hoffnung und Sinn suchen. Nicht Wenigen scheint diese Suche vergeblich.

Was kann geschehen, wenn wir diese Situation mit der biblischen Botschaft konfrontieren?

 

Jes 35, 1-6a.10

Der Verfasser des 35. Kapitels des Jesajabuches scheint eine ähnliche Situation wie die soeben beschriebene zu kennen. Der Text entstand nach dem Exil. Gott hatte seinem Volk einen Weg in die Heimat geebnet. Er war diesen Weg mitgegangen und hatte auf dem Zion seinen Platz inmitten seines Volkes eingenommen. Der wiedererrichtete Tempel war das Zeichen dafür. Allerdings lebten und litten auch noch viele Juden in der Diaspora, der Zerstreuung unter den „Heidenvölkern“. Der Wiederaufbau des Landes war nicht so recht in Gang gekommen. Der berühmte „Ruck“ war nicht durch das Volk gegangen. Es herrschten Verzagtheit, Mutlosigkeit und Resignation.

Mit dem Bild der blühenden Wüste und jauchzenden Steppe will der biblische Schriftsteller seinem Volk Mut machen. Nicht nur das Vertrauen in das eigene Können schafft blühende Landschaften, sondern das Vertrauen in die Macht Gottes bringt das Leben zum Blühen, schafft Heilung und Heil, schenkt Mut und Lebensfreude, nimmt Kummer und Seufzen. Die Gewissheit, Gott als den Herrn der Geschichte auf seiner Seite zu haben, lässt die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen in neuem Licht sehen und anpacken, „macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest“. (Jes 35, 3)

 

Jak 5, 7-10

Neben dem kraftvollen Zupacken ist freilich auch Geduld erforderlich (2. Lesung). Früchte fallen nicht fertig in den Schoß, Wüsten verwandeln sich nicht urplötzlich in blühende Landschaften. Es ist die Aussaat nötig und das geduldige Warten auf Wachstum und Reifen. Ebenso braucht es die günstige Witterung, auf die Menschen keinen Einfluss haben. Es ist ein Warten in Hoffnung, dass Gott das Seine dazu tut.

 

Mt 11, 2-11

Im Evangelium scheint zunächst Johannes der Täufer im Mittelpunkt zu stehen. Jesus würdigt ihn als den größten unter den Menschen. Er würdigt sein prophetisches Reden und Handeln. Seine Geschichte zeigt, dass er nicht nur ein wegbahnender Bote war (vgl. Mt 11,10), sondern auch ein ungeduldig Wartender, ein Suchender und Fragender, einer, der seine Zweifel hatte. Die Mitte des Evangeliums scheint mir jedoch die Antwort Jesu auf die Frage der Johannes-Jünger zu sein, ob er der Erwartete sei oder ob man auf einen anderen warten soll. Unter Berufung auf die prophetische Verheißung des Jesajabuches, die er um die Totenerweckung und Verkündigung des Evangeliums an die Armen erweitert, weist er darauf hin, dass mit ihm das Reich Gotte schon als Keim in die Welt gekommen und wirksam gegenwärtig ist.

Wo Menschen seine Botschaft annehmen können, ist die Saat ausgesät, die aus der Wüste des Lebens blühende Landschaften werden lassen kann. Heute kann ein Stück des Heiles, für das Jesu Kommen steht, deutlich werden, wo der Mensch, die Schöpfung und der Gottesbezug Vorrang haben vor der Vormacht­stellung der Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie. Wo die Botschaft Jesu gehört wird, kann der Mensch aufatmen und Hoffnung schöpfen. Da wird Krankes heil, da öffnet sich ein neuer Blick, da kommt Gelähmtes in Gang, da finden sich neue Worte, da wird Totes lebendig.

 

Verweis auf den evangelischen Predigttext (Lk 3, 1-14)

Gottes Handeln an den Menschen ist immer geschichtlich konkret. Das Wirken Johannes des Täufers und damit auch das Kommen Jesu stehen in einem konkreten geschichtlichen Zusammenhang, auf den der Evangelist Lukas zu Beginn des dritten Kapitels verweist.

Johannes versteht sich als „Rufer in der Wüste“ (vgl. Lk 3, 4), und die Menschen mögen ihr Leben als Wüstensituation empfunden haben. Sie leiden unter Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Gewalt und Unfreiheit. Sie sind verängstigt und ratlos. Johannes mahnt sie zwar mit harten Worten einer Gerichtsrede zur Umkehr zu Gott, gibt aber auch auf ganz konkrete Fragen des alltäglichen Lebens Antwort. Wo geteilt wird mit den Bedürftigen, wo Gerechtigkeit herrscht, wo Gewalt und Misshandlung eine klare Absage erteilt wird, da kann das Reich Gottes wachsen. Es beginnt mit dem Stärkeren, der kommt (vgl. Lk 3, 16), mit dem Messias Jesus Christus, den Johannes ankündigt. Die Taufe mit Geist und Feuer (vgl. Lk 3, 16) kennzeichnet den Beginn einer neuen Zeit, den Beginn einer neuen Schöpfung. Die Umkehrpredigt Johannes des Täufers will auch heute vor falscher Selbstsicherheit und einem „Immer-weiter-so“ warnen und den Prozess von Frieden, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung befördern.

Anton Sauer, Heusenstamm

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