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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

21. Nov. 10 - letzter Sonntag im Kirchenjahr / Christkönigssonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Offb 21, 1-7

2 Sam 5, 1-3

Kol 1, 12-20

Lk 23, 35-43

Der Autor betrachtet die ev. Prediktperikope und den Text zur kath. 2. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit. Trost und Hoffnung, zum Leben und der aktiven Gestaltung neu ermutigen, Christentum ist Widerspruch gegen Ausbeutung und Diskriminierung - nimmt die Angst; sich engagieren: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung (Offb 21); das Dreifachgebot der Selbst-, Nächsten- und Gottesliebe ist an Nachhaltigkeit gekoppelt, Freude und Zivilcourage als Ausdruck des Glaubens (Kol 1)

Offb 21, 1-5: „Ich mache alles neu“ (V 10) - schon heute!

Am Ende des Kirchenjahres begegnet uns dieser Text auf den letzten Seiten der Bibel. Es ist ein Ende, das einen Anfang markiert, einen Anfang aber, dem kein Ende mehr folgt: „Siehe, ich mache alles neu!“ (V 5).

Exegetische Hinweise
„Wie eine geschmückte Braut für ihren Mann“ (V 2) erscheint das neue Jerusalem, das vom Himmel herabkommt. Die Symbolik des Ehebundes, ein häufig vorkommendes biblisches Motiv, bezeichnet das liebende, Leben schaffende Kommen Gottes in den Lebensbereich des Menschen. Dieses Kommen Gottes ist höchstes Geschenk und schafft Leben in Fülle, Leben in Vollendung. Der Text ist geprägt von der universalen Ausweitung des Heils auf alle Menschen. „Die christliche Heilsgemeinde kennt keine nationalen Grenzen“ (Hubert Ritt). Im neuen Jerusalem, in dem in Christus gewährten Lebens- und Freiheitsraum Gottes haben alle lebensbedrohlichen Kräfte ihre Macht verloren. Im gesamten Hauptteil der Offenbarung ergreift nur hier Gott selbst das Wort. Der zentrale Satz: „Siehe, ich mache alles neu!“ Gott ist „das A und das O, der Anfang und das Ende“ (V 6), derjenige, dessen liebender Gestaltungswille die gesamte Wirklichkeit umgreift. Das Bild vom Wasser (V 6) zeigt ihn als den Heilsspender, der seine Lebenskraft umsonst, d.h. unverdient gibt. Erbe dieses Lebens werden die sein, die „überwinden“ (V 7), d.h. siegreich sein werden. Es sind die Gläubigen, die auch in Leid und Bedrängnis am anvertrauten Zeugnis Christi festhalten. Sie werden von Gott wie Söhne und Töchter angenommen. Die johanneischen Gemeinden wissen, was Verfolgung bedeutet.

Auferstehungswort für uns
Die gewaltige Vision des Johannes vom neuen Himmel und der neuen Erde, vom neuen Jerusalem, der „Hütte Gottes, bei den Menschen“ (V 3), die von Gott aus dem Himmel herabkommt (V 2), ist ein unvergleichliches Trost- und Hoffnungsbild für viele Menschen, denen Leiden und Sterben begegnet, ein Bild, das Zuspruch schenken und zum Leben neu ermutigen kann: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (V 4). Das zeigt: Diese Vision ist nicht zuerst Zukunftsschau, sondern Hoffnungswort, Auferstehungswort für uns heute! Im Angesicht von Unrecht, Leid und Tod richtet es auf – zum Leben. Im Augenblick. Gott will jetzt unter den Menschen sein. Schon beginnt das, was Johannes aufschreiben muss: „diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen!“ (Vv 5f). Die Einheitsübersetzung überträgt so: „Sie sind in Erfüllung gegangen!“ Also Worte, die in der Gegenwart Bestand haben, auch wenn ihre Vollendung zukünftig ist. Worte, die Kraft haben, die die Gegenwart verändern, aufrichtendes, ermutigendes, wegweisendes Wort für uns, für unseren Alltag.

Es ist nicht umsonst
Die Vision besagt, dass Leiden und Sterben, Unrecht und Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort haben, dass Gott selbst dort, wo alles aus scheint, wo die Herrschaft des Todes brutal und rücksichtslos Leben und Beziehungen zerstört hat, alles wieder neu macht und zum Guten führen wird. Da ist Hoffnung und Kraft für uns drin. Unser Leben ist eben nicht umsonst, unser Handeln, unser Einsatz, unser Kämpfen für eine neue, gerechtere und barmherzigere Welt! Und mag es noch so scheinen. Gott ist an unserer Seite, und er macht bereits alles neu, „denn das Erste ist vergangen“ (V 4), d.h. die Macht der Mächte und Mächtigen ist schon gebrochen. Wo Gott in ihrer Mitte ist, macht er die Menschen stark, ihre Stimme zu erheben gegen jede Form von Unrecht und Gewalt, Zerstörung, Ausbeutung und Krieg. Jeder Einsatz, jedes auch kleine Engagement prägt, verändert die Menschen, auch ihre Realität. Wer seinem Gewissen folgt, auch leise, ist ein Aufständiger für das Leben, eine Bedrohung für die Starken, die spüren, dass die Schwachen eine Kraft besitzen, gegen die sie nichts tun können. Der Widerspruch von Menschen, die frei denken und aus eigener Entscheidung glauben, ist ein Zeugnis dafür, dass die Legitimation der Machthaber in Frage gestellt ist, ihre Autorität Risse hat, ihre Macht auf tönernen Füßen steht. Das Christentum ist der ständige Widerspruch gegen jede Form von Unrecht, gewalttätiger Herrschaftsausübung, gegen Ausbeutung und die Menschenwürde verletzende Diskriminierung. Es ist der Widerstand der Hoffnung: Das Leben ist stärker als der Tod!

Kein Ort, kein Raum, keine Zeit ohne Gottes heilende Gegenwart
Wer sich zu einem Menschen herabbeugt und ihn aufrichtet, wer einem Durstigen Wasser gibt, in dem gibt Gott selbst „von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (V 6). Er ist Ursprung, Bewahrer und Erneuerer des Lebens. „Siehe, ich mache alles neu!“

Der neue Himmel und die neue Erde – das ist Vision, Schau. Wo Gott ist, da werden Himmel und Erde eins. Das ist nicht Utopie – Nirgendwoland -, das ist vielmehr Wirklichkeit, wenn auch noch nicht in Vollendung. Wir müssen da schon noch was tun, richtig Hand anlegen. Dazu sind wir berufen. Der neue Himmel und die neue Erde entstehen dort, wo Menschen im Geist Jesu Christi leben und sich engagieren – für Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. Und unsere Hoffnung ist, dass Gott „das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende“ ist, d.h. alles umfasst, alles in allem ist. Es gibt nichts, keinen Ort, keinen Raum, keine Zeit, in denen Gott nicht ist. Und damit keinen Ort, keinen Raum, keine Zeit, die außerhalb der heilenden Liebe unseres Gottes sind. Das nimmt mir die Angst, das macht mir Mut zu Engagement und Widerstand.

Kol 1, 12-20: Durch ihn und ihn ihm und auf in hin ist alles geschaffen – der kosmische Christus

Von Dank und Freude ist dieser Abschnitt des Kolosserbriefes bestimmt. Dank und Freude über die Erlösungstat Gottes, „die Vergebung der Sünden“ (V 14). Sünde ist das, was uns von Gott, von uns selbst und von den Mitmenschen entfremdet. Diese Entfremdung hebt Gott in Jesus Christus auf und stiftet neu Identität (Einssein mit mir), Gemeinschaft mit Gott (Einssein mit Gott) und Gemeinschaft unter den Menschen (Einssein mit den Menschen). Dank und Freude gehen über in einen Hymnus, der Christus als Existenz- und Lebensprinzip der Schöpfung preist.

Christus, das schöpferische und befreiende Wort Gottes
Christus wird als kosmischer Christus dargestellt, als „Erstgeborener der ganzen Schöpfung“ (V 15): „in ihm“, „durch ihn und auf ihn hin“ wurde alles erschaffen (Vv 15f), „in ihm hat alles Bestand“ (V 17). Er ist aber auch „vor aller Schöpfung“ (V 17) und hat „in allem den Vorrang“ (V 18). Er ist „das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (V 15), der in ihm wohnt „mit seiner ganzen Fülle“ (V 19). Und er ist „der Ursprung, der Erstgeborene der Toten“ (V 18), in dem Gott alles versöhnen wollte (V 20). „Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen“ (V 20).

Christus ist mit der Schöpfung untrennbar verbunden, aber er ist auch von ihr unterschieden. Er ist in der Schöpfung gegenwärtig. Ich kann in ihr Christus erkennen. Er ist das schöpferische Wort Gottes. Die Welt ist geadelt durch Gott, durch sein Wort. Sie ist gut und ein Ganzes, in dem Sinn waltet (Franz Mußner). Gott ist „der Gott für Welt und Mensch“ (Alfons Deissler). Die Erschaffung der Welt, der Ruf in ihr Sein ist so ein Akt seiner Liebe zu dieser Welt und ihren Menschen. In seinem Sohn, dem höchsten Ausdruck seiner Liebe, wurde diese Welt geschaffen, sagt uns der Hymnus. Und sie, die gesamte Schöpfung, die „bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,22), wurde durch ihn auch erlöst, „von der Sklaverei und Verlorenheit befreit … zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21). Gottes Versöhnungswille umfasst also auch die Welt, die Natur, alles, was ist und lebt, damit es Frieden finde. Es ist ein universaler Friede, den Christus „am Kreuz durch sein Blut“ (V 20) gestiftet hat.

Schöpfungsliebe ist Weg des Lebens
Durch Christus „zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ befreit, können wir nicht lieben, ohne auch die Schöpfung zu lieben. Das Dreifachgebot der Selbst-, Nächsten- und Gottesliebe, kann nur gelebt werden, wenn ich auch die Schöpfung Gottes in diese Liebe einbeziehe:

Ich kann mich nur selbst lieben, wenn ich auch Welt und Mensch, Gottes Schöpfung, liebe. Denn ich bin Geschöpf, Teil dieser Welt, Teil der Schöpfung. Wie kann ich mich lieben, wenn ich den Lebensraum, in dem ich lebe und mich entfalten will, hasse, verachte, nicht wert schätze und schütze?

Den Nächsten lieben, geht ebenfalls nur, wenn ich auch die Welt, in der er lebt, liebe, achte, bewahre und fördere, seinen Lebensraum, der ihm gibt, was er braucht, der Beziehungen ermöglicht, Dialog, Austausch, auch Anregungen und Entfaltungsmöglichkeiten für seine Kreativität.

Und wie kann ich Gott lieben, ohne sein Geschenk der Liebe an uns zu lieben, das mir das Leben erst ermöglicht: seine Schöpfung, Welt und Kosmos, den Entfaltungsraum des Lebens, von Leib, Seele und Geist, eines Lebens in Fülle und Vielfalt, Kraft und Schönheit, eines Lebens, das mich letztlich in die Geborgenheit, Weite und Tiefe Gottes selbst führen will?

Wie zeigt sich diese Schöpfungsliebe?

  • In der Freude an der Natur, in der Achtung vor dem Leben, im Einsatz für den nachhaltigen Umgang mit allem, was lebt, im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit.
  • In der Achtsamkeit für das eigene Leben, seine Möglichkeiten und Grenzen, in einer Grundhaltung der Offenheit Mensch und Welt gegenüber, die wahrnimmt was ist, ohne vorschnell zu (ver-)urteilen, in der Sensibilität für die Menschen, ihre Sorgen und Nöte, Freude und Hoffnung, Trauer und Angst, besonders der Armen und Bedrängten (vgl. Vatikanum II: Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“, Nr. 1).

Thomas Bettinger, Landstuhl

Quellen:

Hubert Ritt: Offenbarung des Johannes, in: Die Neue Echter Bibel – Kommentar zum Neuen Testament mit der Einheitsübersetzung, hrsg. von Joachim Gnilka und Rudolf Schnackenburg, Bd. 21, Würzburg, 2. Aufl. 1988
Franz Mußner / Alois Stöger: Der Brief an die Kolosser / Der Brief an Philemon, in: Geistliche Schriftlesung - Erläuterungen zum Neuen Testament für die Geistliche Lesung, Düsseldorf 1965
Alfons Deissler: Die Grundbotschaft des Alten Testaments – Ein theologischer Durchblick, Freiburg 1995
Karl Rahner / Herbert Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium – Alle Konstitutionen, Dekrete und Erklärungen des Zweiten Vaticanums in der bischöflich genehmigten Übersetzung. Allgemeine Einleitung, 16 spezielle Einführungen; Freiburg 1966

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