Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

17. Nov. 10 - Buß- und Bettag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 2, 1-11

Offb 4, 1-11

Lk 19, 11-28

Die Autorin betrachtet den Predigttext der ev. Perikopenordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Friedensdekade, Ungerechtigkeiten überwinden, Umkehr bei Klimaschutz und Weltwirtschaftsordnung

Stellung im Kirchenjahr

Seit der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, hat er stark an Bedeutung verloren. Vermutlich ist das aber nur das Ende einer Entwicklung, die schon viel früher eingesetzt hatte, als immer weniger Menschen mit dem Begriff Buße noch etwas anfangen konnten. Was natürlich nicht heißt, dass wir keine Umkehr nötig hätten. Ganz im Gegenteil. Es gilt also jetzt, das Beste aus der unglücklichen Situation zu machen, dass es den Feiertag nicht mehr gibt. In vielen protestantischen Gemeinden finden daher trotzdem Gottesdienste statt, meistens gegen Abend, um Berufstätigen die Chance zu geben teilzunehmen.

Der Buß- und Bettag liegt auch mitten in der jährlichen Friedensdekade. Es bietet sich also an, von dem Materialangebot der Friedensdekade Gebrauch zu machen, wo aktuelle gesellschaftspoltische Themen aufgegriffen werden, bei denen eine Umkehr im Denken und Handeln notwendig ist.

Röm 2, 1-11

Exegetische Überlegungen
Im Römerbrief wird der Kontext der Unterdrückung durch das Imperium Romanum unübersehbar, sowie auch der innerjüdische theologische Konflikt durch den Glauben an die Auferstehung des durch römisches Recht gekreuzigten Messias. Paulus entfaltet in den ersten elf Kapiteln dieses Briefes seine grundlegende These von der Rechtfertigung aller Glaubenden. Wer an Jesus Christus glaubt, kann am neuen Leben teilhaben, unabhängig von der religiösen oder kulturellen Herkunft. Gottes Heilsangebot steht allen offen. Interessanterweise führt Paulus den Begriff der „Sünde“ erst im 3. Kapitel ein. In den ersten beiden spricht er lediglich von Ungerechtigkeit. Weil Ungerechtigkeit unter den Menschen herrscht, können sie Gott nicht wirklich erkennen. Irgendwann machen sich die Ungerechtigkeiten selbständig und führen zu sündhaften sozialen Strukturen, die außer Kontrolle geraten und alle Menschen versklaven.

Predigtimpulse 
Zwei Themen stecken für mich im Text, die beide näher ausgelegt werden können.

  • Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
  • Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

Zu wissen, dass Gott uns liebt ohne Ansehen der Person und dass wir alle die Chance haben, an Gottes neuer Welt teilzuhaben, gibt uns Anlass zur Freude. Aber auch zum Nachdenken darüber, wo wir bei uns in unserem Umfeld umdenken müssen. Wo ist Buße notwendig? Das heißt, wo müssen wir umkehren und neue Wege einschlagen, die zum Leben führen? Gottes Reich wird dort Wirklichkeit, wo wir freiwillige Selbstzurücknahme zugunsten anderer üben und erleben. Da, wo also Ungerechtigkeiten vermieden oder besser noch überwunden werden. Gottes Gerechtigkeit ist ganz anders als wir es erwarten.

Gedicht von Lothar Zenetti:

Am Ende die Rechnung
Einmal wird uns gewiss
die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein
und das Rauschen der Blätter
die sanften Maiglöckchen
und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind,
den Vogelflug und das Gras
und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben,
und den Blick auf die Sterne
und für alle die Tage,
die Abende und Nächte.

Einmal wird es Zeit,
dass wir aufbrechen und
bezahlen: bitte die Rechnung.
Doch wir haben sie
ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen,
sagt der und lacht,
so weit die Erde reicht:
Es war mir ein Vergnügen!

Bezug zur Nachhaltigkeit
Im Kasus des Buß- und Bettags, noch dazu mit Bezug zur ökumenischen Friedensdekade liegen viele mögliche Themen, die mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Wenn wir uns bewusst machen, wo eine Umkehr zum Leben erforderlich ist, dann kommen wir doch ganz automatisch zu Themen wie Klimaschutz und Weltwirtschaftsordnung. Wenn wir Ungerechtigkeit überwinden sollen, wie der Text es aufdrängt, dann heißt es die ungerechte Verteilung der Ressourcen und Güter dieser Welt in den Blick zu nehmen und auf Veränderung hinzuarbeiten. Dann müssen wir über neue soziale Ordnungen nachdenken und uns klar werden darüber, welche Werte in unserer Gesellschaft wirklich zählen. Es kann nicht gerecht(fertigt) sein, wenn Arbeit im erzieherischen und pflegerischen Bereich wesentlich schlechter bezahlt und angesehen ist als zum Beispiel im Management oder Handel. Da ist für mich Umdenken angesagt.

Literatur:

Elsa Tamez in: Kompendium feministische Bibelauslegung, hrsg. von Luise Schottroff und Marie-Theres Wacker, Chr. Kaiser, Gütersloh 1998, Seite 556 ff.
Hans-Theo Wrege in Gottesdienstpraxis II,4m Gütersloh 1991, Seite 179 f.
L.Zenetti: Auf Seiner Spur: Texte gläubiger Zuversicht, Matthias-Grünewald Verlag Mainz, 3. Auflage 2002

Martina Horak-Werz, Gommersheim

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz