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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14. Nov. 10 - Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 8, 18-23 (24-25)

Mal 3, 19-20b

2 Thess 3, 7-12

Lk 21, 5-19

Die Autorin betrachtet den ev. Predigttext und die kath. 2. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: trauern nicht nur um die Toten aus Krieg und Gewalt, sondern um Umweltzerstörung und Wasserknappheit, „hoffen in Geduld“ als Aspekt von Nachhaltigkeit, (Röm 8); „Wer kein Wasser spart, soll auch kein Wasser bekommen!“ (2 Thess 3)

Predigtsituation – Kirchenjahreszeit

Volkstrauertag: In der Bevölkerung wird an Kriege und die Opfer von Gewalt erinnert.

In den Kirchen könnte darüber hinaus ein Schwerpunkt auf die Umweltzerstörung und Wasserknappheit weltweit gelegt werden.

„Manche Fachleute gehen davon aus, dass Wassermangel schon bald zur Hauptursache von Konflikten in Afrika werden könnte. Tatsächlich kämpfen bereits jetzt Bauern und wandernde Viehzüchter in der Sahel-Zone und Nordafrika, in Kenia, Somalia, dem Tschad, im Niger, in Nigeria, Burkina Faso und Mali um die Ressource Wasser. Es regnet zu wenig, die Wälder werden zerstört, die Armut wächst. Hinzu kommt, dass weltweit 261 Flüsse durch mindestens zwei Länder fließen, die sich das Wasser der Ströme teilen müssen. Um das Nilwasser streiten sich zum Beispiel seit Jahren gleich neun Länder mit Ägypten. Und 1995 hatte Ägyptens Präsident erklärt, sein Land werde keine Kriege mehr führen – außer um Wasser.

Konfliktpotential stecken auch in den Grenzregionen zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak, die sich das Wasser von Euphrat und Tigris teilen, und im Nahen Osten, wo Israel, Jordanien, der Libanon und die Palästinenser im Westjordanland den Jordan und seine Nebenflüsse nutzen.“[1]

Ev. Predigttext: Röm 8, 18-23 (24-25)

Exegetische Hinweise
Der Anlass für die Abfassung des Römerbriefs ist die geplante Missionsreise des Paulus nach Spanien / Portugal. Dafür benötigt Paulus eine Basis in Rom. Er will die christliche Gemeinde in der Hauptstadt des Reiches erreichen. Seine Ermahnungen zielen auf die Einheit der Gemeinde, auf die Vermeidung von Konflikten mit den kaiserlichen Amtsträgern und die Verständigung von Judenchristen und Heidenchristen. Er schreibt den Brief während seines letzten Aufenthalts in Korinth, etwa 56 n. Chr.[2] Der Abschnitt Röm 8, 18-25 beschreibt die Hoffnung auf die Erlösung der ganzen Natur. Damit geht Paulus über die Erlösung des Menschen hinaus, um zu zeigen, dass der Tod die gesamte Schöpfung betrifft und die Gnade Gottes alles umfasst.

Assoziationen 
Zu Vers 21:
Auf einem Hocker an der Kanzel stehen eine Karaffe mit Wasser und eine Topfpflanze.

Beschreibung der „Knechtschaft der Vergänglichkeit“: Die Pflanze verwelkt und stirbt, wenn sie kein Wasser bekommt, oder wenn das Wasser in einem falschen Zustand ist (gefroren, gasförmig, verschmutzt usw.). Sie stirbt auch, wenn sie Wasser bekommt, aber kein Sonnenlicht oder keine Luft da ist. Sie stirbt in jedem Fall irgendwann an Altersschwäche. Sie ist - wie alle Elemente der Schöpfung - der Vergänglichkeit unterworfen. Sie hat keine Wahl und keine Möglichkeit „zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“.

Aber:
Durch Jesus Christus ist uns Lebewesen offenbart, dass wir bereits gerettet sind und in der Hoffnung auf „die herrliche Freiheit“ leben können und sollen. „Durch den Geist ist der Christ nicht mehr dem Verdammungsurteil unterworfen (8, 1), sondern hat Leben, Frieden und Gerechtigkeit (...). Deshalb kann der Christ gewiss sein, dass die übermenschlichen Mächte, einschließlich des Todes, nicht imstande sind, ihn von der Liebe zu trennen, die Gott (!) durch die Dahingabe seines Sohnes im stellvertretenden Tod Jesu für die Menschheit endgültig erwiesen hat.“[3]

Die Pflanze wird auf den Altar gestellt.

Die Glaubensgewissheit besteht darin, dass wir erkennen, dass durch Gottes Gnade diese Pflanze nicht sterben sondern leben wird.

Die Pflanze wird gegossen.

Die Schöpfung mit allen Lebensformen wird so zusammenspielen und in Freiheit zusammen leben, dass der Tod keine Macht mehr haben wird. Das ist die Glaubenshoffnung, die Paulus beschreibt.

Bezug zu Nachhaltigkeit
Diese Glaubenshoffnung ist aber derzeit angelegt auf „Geduld“, da die Schöpfung der Vergänglichkeit noch unterworfen ist. Im „ängstlichen Warten der Kreatur“ stellt sich die Frage, was in der Zwischenzeit - zwischen Knechtschaft und Freiheit - zu tun ist. Die Antwort von Paulus führt zu keinen konkreten Handlungen, sondern zum Hoffen in Geduld. „Hoffen in Geduld“ ist eine völlig andere Form von Nachhaltigkeit, als wir sie üblicherweise kennen. Welche Taten sich daraus entwickeln, bleibt offen. Es wäre sicher lohnend, in der Gemeinde darüber eine Diskussion zu führen.

Kath. 2. Lesung: 2 Thess 3, 7-12

Exegetische Hinweise
Der Textabschnitt gehört zum zweiten, paränetischen Teil des Briefes mit der Überschrift „Warnung vor Müßiggang“. Da sich der 2. Thessalonicherbrief mit der Wiederkunft Christi befasst, wird vor Faulheit gewarnt, die durch die Naherwartung eintreten könnte. Diese Warnung ist eine passende Antwort auf Röm 8, 18 ff. und sollte in einer Predigt gemeinsam betrachtet werden (auch über die konfessionellen Vorgaben hinaus). Der 2. Thessalonicherbrief gehört zur Sammlung der Paulusbriefe, die zu Beginn des 2. Jh.s abgeschlossen war. „Verfasserschaft und Datierung (...) sind immer noch umstritten.“[4]

Assoziationen
Paulus: Auf die Wiederkunft Christi warten und hoffen (in Geduld) kann zu Faulheit führen. Davor sei gewarnt.

Wir heute: Auf die Erlösung der Schöpfung zu warten und zu hoffen, kann zur Abkehr von den realen Problemen dieser Welt führen. Davor sei ebenfalls gewarnt.

Bezug zu Nachhaltigkeit
Paulus wird sehr konkret: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Für uns heute könnte das - radikal übersetzt - heißen:

  • Wer die Umwelt nicht schont, darf sich auch nicht aus ihr bedienen.
  • Wer kein Wasser spart, soll auch kein Wasser bekommen.
  • Wer für die Natur nicht arbeiten will, soll auch keine Lebensmittel einkaufen können.

Arbeiten mit Mühe und Plage ohne zu einer Last für andere zu werden, ohne die Umwelt zu belasten und ohne die Schuld an der Zerstörung anderen anzulasten, das kann eine übertragene Forderung des Lesungstextes sein.

Ivonne Heinrich, Westerburg

[1] Markus C. Schulte von Drach, Süddeutsche Zeitung, Artikel „Kriegsgrund Wasser?“, 21.03.07
[2] Petr Pokorný, Ulrich Heckel: Einleitung in das Neue Testament, Tübingen 2007, S. 303-304
[3] Petr Pokorný, Ulrich Heckel: Einleitung in das Neue Testament, Tübingen 2007, S. 297
[4] ebd. S. 653

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