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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

3. Okt. 09 - 18. Sonntag nach Trinitatis / Erntedank / 27. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

18. So.: Röm 14, 17-19
Erntedank: 2 Kor 9, 6-15

Hab 1, 2-3; 2, 2-4

2 Tim 1, 6-8.13-14

Lk 17, 5-10

Die Autorin betrachtet den Predigttext der ev. Perikopenordnung sowie den kath. Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Frieden als Voraussetzung für Nachhaltigkeit, Gott leidet mit jedem seiner Geschöpfe, dem Unrecht getan wird, ohne Unterschied, Frieden ist Voraussetzung, dass Leben glücken kann – für alle, Konflikte niveauvoll meistern (Röm 14); sich für ein Mehr an Leben auch für andere einsetzen, und ein mehr an Leben auch für sich erreichen (Lk 17)

Röm 14, 17-19

Vorbemerkungen:
Nachhaltigkeit setzt Frieden voraus. Insofern ist der Friede Schwerpunktthema des Predigtvorschlags. Sicher gewinnt der Vorschlag an Kontur, wenn die konkrete Gemeinde betreffende Beispiele für Nachhaltigkeit und Frieden mit einfließen. Auf solche Beispiele wurde bewusst verzichtet, um den Spielraum zur Ausgestaltung der Predigt möglichst weit zu lassen und eine Anpassung an die konkrete Gemeindesituation zu vereinfachen.

Predigtideen:
Wer Frieden schaffen will, der kommt in eine klassische Dilemma-Situation: Frieden setzt zum einen klare Positionierung und Durchsetzungskraft voraus. Ich muss an einer Handlungsoption festhalten können und darf mich nicht zugunsten eigener Interessen davon abbringen lassen. Andererseits ist Frieden ohne Toleranz und Akzeptanz nicht denkbar. Ich werde keinen Frieden erreichen, wenn ich andere zwinge, meiner Meinung zu folgen. Im Klartext heißt das: ich kann nicht kompromisslos und tolerant gleichermaßen sein – auch wenn ich offenkundig beides brauche, will ich Frieden erreichen.

Paulus, der stürmische, angriffslustige, der, der Frieden sucht und dennoch immer an seinem Anspruch scheitert, sagt klar: vollkommenen Frieden zu schaffen ist Privileg Gottes und Charakteristikum seines Reiches. Damit ist zweierlei gesagt: einerseits akzeptiert Gott, der uns geschaffen hat, dass wir nicht vollkommen sind und es menschelt, wo Menschen sind. Andererseits mahnt er immer wieder zum Frieden zwischen Menschen: er ist Schöpfer aller Menschen und leidet mit jedem seiner Geschöpfe, dem Unrecht angetan wird. Er ist sowohl Gott der Täter, als auch Gott der Opfer. Und sowohl Täter als auch Opfer sind Ebenbilder Gottes und Ihm wertvoll. Unser Dilemma kennt Gott nicht: wir können sicher sein, dass sein Reich absoluten Frieden bedeutet, auch wenn wir nicht in der Lage sind, einen solchen Frieden zu denken.

Dass Friede ein Charakteristikum des Gottesreiches ist, entlastet uns aber nicht und macht uns nicht frei von der Verpflichtung, uns immer wieder für den Frieden einzusetzen: Gottes Reich ist zeitlos, aber unserer Zeit deshalb nicht völlig enthoben: überall, wo Gottes Gegenwart und sein Friede spürbar wird, bricht das Gottesreich schon herein. Und wir, die Ebenbilder Gottes, sind verpflichtet, alles zu tun, was in unserer Macht steht, um Funken des Gottesreiches in unserer Welt aufblitzen zu lassen. Wir haben eine ganz besondere Position in Gottes Schöpfung: wir stehen weit oben auf der Karriereleiter der Geschöpfe. Das heißt aber nicht, dass wir tun und lassen können, was wir wollen. Wir sind Krone der Schöpfung – und Adel verpflichtet. Verpflichtet sind wir dem Leben, denn das ist das hohe Gut, das uns Gott, dem alles Leben gehört, anvertraut hat: unserem eigenen Leben, dem Leben der anderen Menschen und dem Leben aller Geschöpfe. Wir sollen um Gottes Willen Sorge dafür tragen, dass das Leben lebenswert ist und dass es glücken kann. Und was heißt Frieden schon anderes?

Frieden im Sinne eines Himmelreiches zu schaffen stellt sicher eine Überforderung für jeden einzelnen Menschen dar: das ist Privileg Gottes. Aber nach Frieden zu streben ist Aufgabe der Menschen- und das ist etwas anderes. Nach Frieden zu streben ist eine Art Selbstverpflichtung zum lebensförderlichen Handeln und ein Maßstab zur Überprüfung des eigenen Tuns. Es geht nicht darum, nie einen Fehler machen zu dürfen, sondern es geht darum, einen Fehler als solchen erkennen zu können. Es geht nicht darum, Konflikte zu vermeiden, sondern es geht darum, potentielle Konfliktsituationen als solche erkennen zu können und sie gut zu meistern. Himmlisch, wenn es gelingt!

Kontexte:

  • Friedensreich Hundertwasser hat sich in seinen Werken konkret mit Natur, Kunst und Lebensraum auseinandergesetzt. Sein Pseudonym (eigentlich Friedrich Stowasser) zeugt ebenfalls von seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Friedens- und Umweltpolitischen Themen. [Harry Rand, Hundertwasser, Köln, 1991.]
  • Schon einige Jahre alt, aber immer noch aktuell und lesenswert sind die Beiträge eines interdisziplinären Gesprächs an der evangelischen Akademie Hofgeismar, die unter dem Titel „Frieden mit der Natur“ veröffentlicht wurden [Klaus M. Meyer-Abich (Hrsg.), Frieden mit der Natur, Freiburg i. Br., 1979.]
  • Greenpeace setzt sich für Frieden ein, um Umweltschutz aktiv voranbringen zu können. [http://www.greenpeace.de/themen/frieden/]  
  • www.paxchristi.de  
  • www.eirene.de  
  • "Das Gegenteil von Krieg ist nicht Friede, sondern Friedensdienst!" [www.friedensdienst.de]  

Lk 17, 5-10

Vorbemerkungen:
Das Leben an sich in den Blick zu nehmen und sich Gedanken um ein glückendes und ein im umfassenden Sinn schönes Leben zu machen ist Grundvoraussetzung für nachhaltigen Umgang mit allen Lebewesen. Auch dieser Predigtidee fehlen konkrete Beispiele [insbesondere im vorletzten Abschnitt], um sie jeder Gemeindesituation anzupassen: nur wer konkret angesprochen wird, wird sich auch verantwortlich fühlen.

Predigtideen: 
Jesu Botschaft schmeckt mir nicht: sein Beispiel hat etwas absurdes: ein Maulbeerbaum wird sich nun mal nicht aus dem Boden heben. Und Jesus masst sich an, über die Qualität meines, Ihres, unseres Glaubens zu urteilen: ich kann doch sagen – und zwar voller Überzeugung und ohne mich selbst der Lüge bezichtigen zu müssen – dass ich glaube und dass mein Glaube mindestens so groß wie ein Senfkorn ist. Sicher kennen Sie das auch: vollkommen ist mein Glaube nicht und der Zweifel nagt gelegentlich schon hartnäckig an mir. Aber dennoch: Ich glaube! Und zwar mit Ausrufe- und nicht mit Fragezeichen. Mit dem Verpflanzen von Maulbeerbäumen tue ich mich dennoch schwer. Nimmt Jesus mich, Sie und unseren Glauben nicht ernst? Das Gleichnis hat einen bitteren Beigeschmack.

Und apropos Geschmack: kann der Sklave, von dem Jesus im Anschluss spricht, sein Essen genießen? Schmeckt ihm denn, was er zubereitet hat, trotz der Bitternis der Sklaverei? Und würde es ihm in Freiheit nicht besser schmecken? Und warum spricht mein Jesus, mein Dreh- und Angelpunkt der Menschenwürde und aller Forderungen nach Gleichberechtigung, sich hier dezidiert für die Sklaverei aus? Er hält sie doch für eine legitime gesellschaftliche Form. Ist das nicht geschmacklos?

Jesus macht es mir, macht es uns nicht leicht: er redet weder seinen Zeitgenossen noch uns und unseren Zeitgenossen nach dem Mund. Aber er, von dem gesagt wird, dass er nicht daran festhielt, wie Gott zu sein, sondern wie ein Sklave und den Menschen gleich wurde, er, der Mensch und Sklave, ist zumindest in der Position, über Menschen und Sklaven zu sprechen, ohne sich über sie zu erheben. Seine Botschaft ist immer voller Vehemenz, sie ist immer massive Forderung, gelegentlich auch Überforderung – aber sie ist nie von oben herab! Jesus ist kein Luftikus, der die Nase nach oben strecken muss und besserwisserisch nach unten tritt. Jesus ist groß, weil es sich klein macht. Er ist auf Augenhöhe mit uns, weil er Mensch ist. Und so kann man vielleicht auch rechtfertigen, dass er die Sklaverei als Bild wählt: zum einen spricht er in der Sprache seiner Hörer, die täglich und selbstverständlich mit und als Sklaven leben. Dieses Verständnis können wir heute – Gott sein Dank – nicht mehr teilen. Zum anderen – und das ist auch für uns relevant – spricht er in der ihm eigenen Absolutheit von Gott: bei aller Ablehnung der Sklaverei unter Menschen: vor Gott sind wir Sklaven, auch wenn uns der Gedanke nicht gefällt. Nie dürfen wir uns zu Herren erheben und nie sollen wir Sklaven anderer Menschen sein. Aber Sklaven Gottes müssen, sollen und dürfen wir sein. „Sklaven“ sind der Wortbedeutung nach Slawen – fremde, abhängige Völker. Und insofern als wir Gott ebenbildlich, aber doch nie Gott, immer andere sind und insofern als wir uns als Geschöpfe einem Schöpfer verdanken, sind wir eben genau das: Sklaven.

Das soll uns nicht erschrecken: Jesu Größe und sein Anspruch zeigen sich genau darin, dass er uns den Mund wässrig machen will: Gott ist Herr! Das zu erkennen gibt dem Leben Geschmack in allen Facetten. Gott ist Herr! Niemand sonst! Wer auf ihn setzt, der wird sein blaues Wunder erleben – dafür steht der Maulbeerbaum. Auf die Abhängigkeit des Geschöpfes vom Schöpfer müssen wir uns dafür einlassen, weil wir uns sonst selbst unserer Würde berauben: sie gründet doch gerade darin, dass wir wertvolle Geschöpfe sind, die sich nicht sich selbst verdanken. Die Würde des Menschen ist deshalb unantastbar, weil man nicht über etwas verfügen kann, das einem nicht gehört. Und unser Leben gehört uns nicht: es gehört Gott, der es gibt, der es nimmt und der ewiges Leben schenkt. Er gibt es uns, weil er uns zutraut, es bestmöglich einzusetzen. Das bedeutet: im Wissen darum, dass wir Träger eines Gottesgeschenkes, des Lebens, sind wir verpflichtet, uns ständig und beharrlich für ein Mehr an Leben einzusetzen. Leben ist göttlich. Das gilt nicht nur für unser Leben, sondern für jedes Lebewesen. Man könnte auch sagen: weil Gott das Leben ist, ist die Gesamtheit allen Lebens Gott. Es wird uns weder glücklich machen, noch uns über Gott erheben, wenn wir Leben und Lebensräume zerstören. Er ist Herr! Das schmeckt uns sicher nicht immer, weil wir versessen auf unsere Selbstbestimmung und unsere Freiheit sind. Aber er garantiert uns auch, das Wunder geschehen, wenn wir seine Größe akzeptieren: kein schwebender und sich verpflanzender Maulbeerbaum sicherlich. Ich denke eher an Alltagswunder: oder haben Sie noch nie einen Moment vollkommenen Glücks erlebt?

Wenn wir, die Gottessklaven, Geschmack darin finden, uns für ein Mehr an Leben einzusetzen, dann wird uns das erfüllen und unser eigenes Leben wird Mehr werden. Ist das nicht ein Wunder?

Kontexte:

Katharina Goldinger, Speyer

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