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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

26. Sept. 10 - 17. Sonntag nach Trinitatis / 26. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 10, 9-17 (18)

Am 6, 1a.4-7

1 Tim 6, 11-16

Lk 16, 19-31

Der Autor geht auf die kath. Predigttexte des Sonntags im Zusammenhang ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: der Stachel des Reichtums im Fleisch des christlichen Lebens, „Du“ bist direkt angesprochen: „Handele!“, nicht resigniert-verstehend abnicken, sondern Mut zum Neubeginn / zur Veränderung aus der Bibelstelle herausziehen, Tatsachen aussprechen, Welthandel (aber fair), Bildungsgerechtigkeit

Klare Ansagen zu arm und reich – die Texte

Amos, Jesus und der Verfasser des 1. Timotheusbriefes sparen nicht an deutlichen Worten. Der Prophet aus früher Zeit ruft den Sorglosen und Vornehmen ein vielgestaltiges „Wehe“ entgegen. In der Geschichte aus dem lukanischen Sondergut fliegt der Arme zum paradiesischen Schoß Abrahams, während der Reiche in der Hölle schmoren muss. Die Paränese des Briefs aus der Paulusschule lässt keinen Zweifel daran, dass der Glaube einen guten Kampf erfordert.

Alle drei Texte entstammen Zeiten großer sozialer Ungleichheit. Der Reichtum einiger kam nicht aus dem Nichts, sondern ist die Kehrseite der Armut vieler. Angesprochen werden nun die, die haben. Wenig zimperlich droht ihnen das Gericht Gottes. Und schon wer nur reich werden will, soll sich vor dieser Versuchung hüten (1 Tim 6, 9 – dieser und Vers 10 lohnen der Mitbeachtung).

In der Kirchengeschichte gab es verschiedene Ansätze, mit solch klaren Ansagen fertig zu werden. Denn wie kann z.B. heute eine bürgerliche Gemeinde im reichen Deutschland in einer Gesellschaft, in der Geld und Besitzerwerb eine zentrale Rolle spielen, mit solchen Sätzen in ihrem Heiligen Buch ruhig leben? Gott sei Dank funktioniert das nicht, wird man mit diesen Worten nicht fertig. Auch wenn es vielleicht nur Heiligen wie Franz von Assisi gelingt, sie radikal umzusetzen, bleiben sie doch ein wichtiger Stachel im Fleisch, der gleichermaßen weh und wohl tut.

Prophetisch, allgemein oder wie – die Form

Wer es sich und seiner Hörerschaft zutrauen und zumuten will, könnte aus jedem der drei Texte einen sozialethischen Beichtspiegel oder einen prophetischen Aufschrei entwickeln: Wo versagen wir als Einzelne und Gesellschaft? Dabei lohnt es sich, den biblischen Zeitansagen nachzueifern. Sie richten sich jeweils an konkrete Menschen und benennen konkrete Themen. Die Notwendigkeit und Möglichkeit für Veränderungen wird nicht in einer anderen Stadt, einer anderen sozialen Gruppe oder sonst wo, sondern bei den Hörerinnen und Hörern gesehen. Amos unterbricht seine Rede in den Kapiteln 3-6 immer wieder mit der Aufforderung und Anrede „Höret!“ Jesus spricht die, die über seine Worte spotten, direkt an: „Ihr seid’s“ (Lk 16, 15). Jede Predigt, die aus einem dieser Texte entsteht, könnte sich stark an 1 Tim 6, 11 orientieren: „Aber du, Gottesmensch, fliehe das (nämlich:...)! Jage nach...“

Wer die Predigt dagegen mit sozialethischen Allgemeinplätzen gestaltet, vergeht sich an den biblischen Grundlagen und denen, die zuhören. Von vielen Kanzeln (und anderen Orten) wird verkündet, was sowieso alle Anwesenden denken und wissen. Dass die richtig Reichen abgeben sollen, dass es besser ist, wenn alle nett zueinander sind, dass wir schon auch an den Klimawandel denken sollen. Es folgt müdes Nicken statt prophetischem Mehrwert und nach dem Gottesdienst kann sich eigentlich schon niemand mehr erinnern, was da so gesagt wurde. Wer dem aus dem Weg gehen will, begibt sich auf einen viel versprechenden, aber schwierigen Weg. Viel versprechend, weil Beichtspiegel und prophetische Anklage immer in der Gefahr stehen, zur Moralpredigt zu werden. Im besten Fall fühlt sich davon jemand angesprochen und getroffen. Er bekommt aber keine Stärkung für die notwendigen Veränderungen, wird nicht verlockt, neue Schritte zu wagen. Und bei vielen Zeitgenossen gehen durch moraline Forderungen die Ohren unerbittlich zu.

Verlockend und in kleinen Schritten – der Inhalt

Die Schwierigkeiten dieses dritten Weges stellen sich bei vielen Predigten, die soziale oder ökologische Probleme thematisieren. Diese können in ihrer Größe fast nie von einem Individuum bewältigt werden, sie sind komplex und global. Jeder kleine Schritt, den Sie oder ich, Paul Schneider oder Gisela Schulze tun können, wirkt dagegen allenfalls wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein richtiges Leben im Falschen scheint unmöglich. Hoffnungs- und Machtlosigkeit breiten sich dann aus, gelingende Halbheiten werden oft wenig geschätzt.

Beim Thema arm und reich wären einige generelle Worte zum Welthandel oder der fehlenden Bildungsgerechtigkeit in unserem Land möglich – aber nur, wenn sie für die Hörenden wirklich neu sind. Schöner könnte es sein, von der Christlichen Initiative Romero zu erzählen (www.ci-romero.de), die sich seit Jahren für Menschen engagiert, die für uns billige T-Shirts herstellen oder die Bananen unter großen Gesundheitsrisiken pflücken. Christinnen und Christen setzten sich dafür ein, dass z.B. öffentliche Aufträge an Textilfirmen für Arbeitskleidung zu fairen Bedingungen abgewickelt werden (www.sauberekleidung.de). Trotz dieser Initiative müssen noch Tausende Arbeiterinnen ohne Arbeitnehmerrechte (wie auch Toilettenpausen oder Schwangerschaftsschutz) an sechs oder sieben Tagen in der Woche von früh bis abends schuften, ohne dass sie von dem Lohn leben können. Aber vielleicht gibt es dann eine Fabrik oder zwei, die anders mit ihren Beschäftigten umgeht. Die Cristina eine Alternative zur Prostitution bietet, die Pedro ein verlässliches Einkommen sichert, die den Arbeitern gestattet, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Die Tafel (www.tafel.de) in Ihrer Nähe oder die Nationale Armutskonferenz (www.nationale-armutskonferenz.de) können Geschichten von der Armut und Beiträgen zu ihrer Überwindung in Deutschland erzählen.

Darüber hinaus darf, wo von Armut die Rede ist, von Reichtum nicht geschwiegen werden. Im Evangelium steckt eine befreiende und enthüllende Wahrheit. Sie enttarnt – oft genug uns selbst –, sie tröstet und verführt zu neuem Leben. Die Opfer haben es verdient, genannt zu werden, und die Brüder des Lazarus (Lk 16, 27 ff.), dass sie jemand in Abrahams Schoß lockt. Das wird nur über Verzicht oder zusätzliches Engagement und nur in kleinen Schritten gelingen. Aber „die Frucht der Gerechtigkeit ist ein Baum des Lebens“ (Spr 11, 30). Um ihn in die Herzen zu pflanzen, können Geschichten vom brüchigen, manchmal ambivalenten Gelingen, Geschichten von „sauberer Kleidung“ und „Schultafeln“, helfen. Die kann man sich merken und die arbeiten nachhaltig an unseren inneren Einstellungen.

Zum Schluss

Als Kür könnten Sie am Ende überlegen, ob Ihre fertige Predigt so auch in der Mitgliederzeitung einer Partei oder eines engagierten Vereins abgedruckt werden würde. Wenn ja, ist sie noch zu wenig prophetisch. D.h. es fehlen echte Herausforderungen und konkrete Tatsachen aus dem Leben Ihrer Gemeindeglieder. Vielleicht sind diese auch nicht direkt genug angesprochen oder Gott wurde über Ihrer verlockenden Ethik vergessen.

Literatur:

Gerd Theißen: Der historische Jesus (Göttingen 32001); S.311-355.
Fulbert Steffensky: Wo der Glaube wohnen kann (Stuttgart 2008); S.127-147.

Johannes Merkel, Dreieich

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