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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

12. Sep. 10 - 15. Sonntag nach Trinitatis / 24. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Petr 5, 5c-11

Ex 32, 7-11.13-14

1 Tim 1, 12-17

Lk 15, 1-32

Der Verfasser geht auf alle Predigtperikopen des Tages ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Zentralbegriff „Demut“ in Bezug auf die Grenzen der Menschlichkeit, Technisierung, Wachstum, Kommunikation, Lebensstil, Kraft zum Widerspruch (1 Petr 5); Wende mit Gottes Hilfe, Gottes Beispiel in Sachen Nachhaltigkeit: Zukunft – wieder – ermöglichen (kath. Leseordnung)

EKD Reihe II: 1. Petrusbrief 5, 5c-11

Der Text ist historisch in die Zeit der ersten größeren Verfolgung christlicher Gemeinden als Staatsfeinde unter Domitian gegen Ende des ersten Jahrhunderts einzuordnen. Der zentrale Begriff des Textes ist „Demut“ (V. 5c + 6). Damit ist eine Verhältnisbestimmung zwischen Mensch und Gott gegeben. Nicht als Unterwürfigkeit des Menschen gegenüber einem alles bestimmenden „Schicksals-Gott“, sondern als Anerkennung Gottes „über mir“. Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge, ist nicht vollkommen und fehlerlos, sondern begrenzt in seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Er erfährt dennoch Annahme und Bestätigung durch Gott. Das Gegenbild dazu sind die „Hochmütigen“, die hier nicht näher beschrieben sind. Allerdings: „Es ist nicht gut, wenn der Mensch seine Knie nicht mehr vor Gott beugt. Er verliert sein Maß und verfehlt seine Menschlichkeit.“ So der letzte jüdische Oberrabbiner in Hamburg, Joseph Carlebach, lange Zeit vor seiner Deportation.

Wer sein Maß im Gegenüber zu Gott verliert, verliert es auch gegenüber seinen Mitmenschen und Mitgeschöpfen und macht sich selbst zum Maß. Das geht gut in Zeiten des Erfolgs und der (Selbst-)Bestätigung. In anderen Zeiten wird es um diese „Hochmütigen“ eher einsam, während die „Demütigen“ auf die Nähe Gottes vertrauen (V. 7) und sich der Solidarität der Glaubensgeschwister gewiss sein (V. 9) dürfen. Auf diesem Hintergrund spielt die Dimension der Zeit eine wichtige Rolle. Die Zeit der Leiden wird nicht endlos sein, wer auf Gott vertraut, wird von ihm gestärkt und ermutigt und wird sie überstehen (V. 10).

Im Blick auf die Frage der Nachhaltigkeit ist gerade diese Zeit-Dimension wichtig. Was ist zukunftsfähig? Kann nicht die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise den Blick schärfen für die Grenzen – nicht nur die „Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome, 1972!) und des Kapitalismus, sondern die Grenzen der Menschlichkeit etwa auch in der Medizin, der Gentechnik, der Technisierung vieler Lebensvollzüge, der Kommunikationstechnik etc. Kann Demut hier nicht auch heißen: Nicht alles, was machbar ist, ist auch gut, weil eben nicht alles Machbare der Menschlichkeit dient? Könnte es nicht sein, dass gerade die „Hochmütigen“, die Macher, eher an ihre Grenzen kommen als die, die ihre Grenzen anerkennen und in ihr Leben integrieren? Nüchtern und wachsam sein – den Mut haben, zu widersprechen, einen anderen Lebensstil zu praktizieren – das hat in Gottes Augen Zukunft.

Katholisches Lesejahr C: Exodus 32, 7 – 11. 13 – 14, 1. Timotheus 1, 12 – 17 und Lukas 15, 1 - 32

Gemeinsames Motiv der drei Lesetexte ist die Gnade Gottes gegenüber den „Verlorenen“. Allerdings hat nicht Gott die Menschen „verloren“ – etwa weil er nicht genug auf sie „aufgepasst“ hätte - sondern die Menschen haben Gott – aus den Augen, aus dem Blick, aus ihrem Denken und Handeln – verloren. Deshalb „laufen sie ins Verderben“ (2 Mose 32, 7 in der Einheitsübersetzung und sinngemäß in den anderen Texten). Die „Wende“ geschieht jeweils durch Gottes Barmherzigkeit, geschenkt und unverdient. Gott ist es, der den Verlorenen nach- und entgegengeht und sie seine Gnade erfahren lässt.

Im Fall des israelitischen Volkes muss Gott noch durch die Fürbitte des Mose „erinnert“ werden an seine frühere Zusage, sein Versprechen gegenüber des Vätern Abraham, Isaak und Jakob-Israel, diese zu einem großen Volk zu machen. „Denk an deine Knechte...“ Dieses Motiv des Gedenkens begegnet uns häufig, vor allem in den Psalmen. Dabei ist dieses Gedenken Gottes mehr als bloße Erinnerung, sondern bedeutet das Wiedereintreten in ein früheres Verhalten. Indem Gott sich an seine Zusage erinnert, kann er gleichsam gar nicht mehr anders als sie – von neuem – wahr zu machen, weil er sich ja selbst daran gebunden hat.

In 1 Tim schildert Paulus seine persönliche Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes, die er als ein glaubwürdiges Zeichen der Mission Jesu darstellt, die „Sünder“ – die ihre Verbindung zu Gott verloren haben – zu retten.

In Lukas 15 erzählt Jesus Gott selbst als den, der aktiv die Suche nach den Verlorenen betreibt, weil er unter dem Verlust leidet bzw. der um den einen Verlorenen trauert („mein Sohn war tot“), bis er ihm verzeihend entgegengeht und den andern Verlorenen zum Verzeihen einlädt. So wirbt Jesus um das Vertrauen seiner Zuhörer zu dem verzeihenden, liebenden Gott.

Hier praktiziert Gott selbst so etwas wie einen „nachhaltigen Lebensstil“, indem er denen, die sich selbst um ihre Zukunft gebracht haben, wieder Zukunft eröffnet und Hoffnung ermöglicht. Wie gehen wir – als Einzelne, als Gemeinde und Kirche, als Gesellschaft – mit solchen Menschen um, die – ob selbstverschuldet oder nicht – „keine Zukunft“ haben, weil sie zu wenig integriert, zu wenig gebildet, zu alt, zu wenig körperlich und psychisch stabil etc. sind? Unsere Möglichkeiten sind da gewiss noch nicht ausgeschöpft. Oder liegen unsere Prioritäten woanders?

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt

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