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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. Aug. 10 - 9. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Phil 3, 7-11 (12-14)

Koh 1, 2; 2, 21-23

Kol 3, 1-5.9-11

Lk 12, 13-21

Der Autor betrachtet alle genannten Perikopen im inhaltlichen Zusammenhang. Stichworte zur Nachhaltigkeit: enge Terminplanung, wertvolle Zeit, was steht vorne auf der Prioritätenliste, klare Ausrichtung statt Schnellschüsse, Ökologie, Gerechtigkeit und Frieden benötigen längeren Atem, Prioritäten mit denen Gottes abgleichen – das bringt Ruhe

Entschiedenheit, klare Ausrichtung und Wertetreue dienen ausdrücklich nachhaltigem Leben und Politik betreiben.

Zur Exegese

Die Lesungen beider Leseordnungen für den 1. August lassen sich interpretieren als Aufforderung zur Klarheit in der Lebenshaltung.

  1. Phil 3, 7-11 (12-14): Der Autor stellt seine eigene Lebensentscheidung als Umkehrweg der Gemeinde vor Augen. Er hat wahrgenommen, was sich aus der Bekehrung zu Christus verändert hat, was neuen Wert bekommen konnte und so zu einer neuen Orientierung führt. Zwar gelingt noch nicht alles, und die eigene Gerechtigkeit schiebt sich in den Vordergrund, doch die Bemühung soll nicht aufgegeben werden.
  2. Koh 1, 2; 2,21-23 Der skeptische Weisheitsprediger Kohelet hat längstens erkannt, dass eigene Bemühung und eigener Erfolg, besonders auch eigener Besitz keine letzte Garantie ist für das individuelle Glück. So warnt er vor übertriebenem Erfolgsstreben, auch wenn die Alternative nicht eindeutig zu erkennen ist.
  3. Kol 3, 1-5.9-11 Die Heidenchristen in Kolossae werden konfrontiert mit der totalen Umwandlung für durch die Taufe. Nicht irdische, vordergründige Vergnügungen machen das Leben wertvoll, der neue Mensch, eins mit dem Schöpfer und mit Christus und gleichrangig mit allen Menschen wird mit Christus alles in allen.
  4. Lk 12, 13-21: Jesus lässt sich nicht in die Rolle des Streitschlichters bringen, er kennt die jüdischen Erbregeln und Umgangsformen, Die Beispielerzählung warnt jedoch deutlich davor, sich zu übernehmen. Der Mann „will das abreißen, was ihm bisher entsprach“ (siehe Bovon: EKK III/2, S. 283) um sein eigenees, seine Güter und seine Furcht zu sichern. „In seinem Eingeschlossensein hatte der Mensch nicht an das Netz der Beziehungen, der Personen, der Pläne gedacht. … Ob wir es wünschen oder bedauern, wir sind nicht allein. … Ist das carpe diem nicht die treffende Antwort auf die Situation dieser Welt, dieses kurze Leben? (ebd., S. 285)

Predigtziel

  1. Kernsatz zum Evangelium: Der Bibeltext konfrontiert uns mit der Forderung zu einer klaren Lebensorientierung: Der wirkliche Schatz lässt sich nicht ökonomisch einordnen
  2. Überzeugungssatz: Ich bin überzeugt, dass für heute viel Mut gebraucht wird, sich zu einer klaren Linie durchzuringen, da viele doch alle Optionen offenhalten wollen, um sich nicht festzulegen.
  3. Zielsatz: Ich will die Predigthörer anleiten, ihre eigenen Präferenzen zu analysieren und sie zu neuer Werteorientierung durchzuringen.

Elemente der Predigt

  1. „Ich habe keine Zeit.“ Viele sagen das immer wieder. Ihre Terminkalender und PDA’s mahnen sie, und selbst die Leerzeiten machen Druck: Ich will sie doch nicht auch noch verplanen: Es könnte ja noch etwas Wichtigeres kommen. Sie kennen das vielleicht auch, wenn Sie mit anderen einen Termin vereinbaren: „Ich weiß nicht, ob ich da kann“. Dabei hatte das Gegenüber schon längst nachgeschaut: Jetzt steht noch nichts im Kalender: Aber es könnte ja noch etwas kommen, etwas, das wichtiger ist.
  2. Ich - und den 2. Absatz beginne ich schon wieder mit den drei Buchstaben „ich“ - könnte etwas verpassen: Die Zeit auszukaufen, das Beste daraus zu machen, den größten Erfolg, finanziell, oder in Beziehungen oder im Erleben, das ist es, was mich hindert, in einer Situation ganz da zu sein.
  3. Darum will ich mit Ihnen darüber nachdenken, was das Wichtigere sein kann. Sie kennen ja ihre Entscheidungen. Stellen Sie sich vor, sie sollten eine Liste schreiben für all das, was Ihnen etwas wert ist. Und sie sollten sie reihen: Erster bis letzter Platz. Das ist schwer. Und sicher wäre ich mir nicht, wie lange diese Reihung auch stimmt. Ob aus dem Beruf eine Idee vorne steht, aus der Familie oder aus den Engagementsfeldern, ob es das finanzielle Auskommen oder die gesundheitliche Disposition ist. Kohelet, der Predigt warnt uns ja, nicht zu hoch zu schätzen: Alles ist Windhauch. Der Evangelist bremst, wenn wir auf Zukunft allein bauen: Der Kolosserbrief will uns auf Christus beziehen: Mit ihm alles in allen sein. Und auch nach dem Philipperbrief geht es um weit mehr als die „eigene Gerechtigkeit“.
  4. Was also soll vorne stehen? Was ist wahrer, bleibender und sichernder Schatz?
    1. Etliche große Heilige lehren uns Bescheidenheit und mehr noch Gelassenheit. Theresia von Avila mit dem „solo dios basta“, Klaus von der Flüe, der sich alles nehmen lassen will, Ignatius, der eine Indifferenz einübt: Was immer geschieht, es geschieht - fast rheinisch: Es kütt, wie es kütt.
    2. Manchmal mag mir das gelingen, aber dann bricht wieder die Ungeduld durch, jener Geist, der sofort weiß, was er erreichen will. Dann gibt es kurze Perspektiven und alles wird übers Knie gebrochen. – Nicht, dass auch so schon manches erreicht wurde. Für größere Vorhaben braucht es aber längeren Atem. Auch in der Frage der Ökologie, der Gerechtigkeit und des Friedens. Manch Strohfeuer war blitzschnell abgeflammt.
    3. Die Botschaft unseres Glaubens lädt ein, auf Gott zu setzen, seinem wirkenden Geist zu vertrauen, seiner Unruhe in der Schöpfung und im Handeln. Wenn ich das wirklich will, muss ich meine eigenen Prioritäten und die, die ich von Gott vermute, abgleichen, auch mit anderen Mitchristen und Mitmenschen abstimmen und immer neu bemessen lassen.
  5. Wir kennen die Zukunft nicht, aber wir kennen was viel mehr ist als sie: das Ziel. So ist es von Reinhold Schneider überliefert. Wir können ihn nicht mehr fragen, was ihm noch alles wichtig gewesen wäre, als er noch keine 55 Jahre alt an einem unglücklichen Sturz verstarb. Wenn jemand das Ziel kennt oder wenigstens erhofft oder erahnt, dann werden die vordergründigen Ziele wieder in die richtige Wertigkeit gestellt: Nicht dass wir sie aufgeben sollen, aber - es gibt wichtigeres. Also kann ich auch jetzt Terminzusagen machen - was daraus wird, steht so wie so noch offen.

Dr. Richard Hartmann, Fulda

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