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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Jul. 10 - 8. Sonntag nach Trinitatis / 17. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Eph 5, 8b-14

Gen 18, 20-32

Kol 2, 12-14

Lk 11, 1-13

Der Autor betrachtet vorrangig die ev. Predigtperikope und kurz den 1. Teil des Evangeliumstextes. Die beiden anderen Texte eignen sich gemäß den Vorgaben nicht. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Bei der Komplexität der Verhältnisse ist es geboten, sich nicht in Licht-Finsternis Schablonen zu bewegen. Das Prüfen, Aufdecken und Wachsein sind zentrale Kennzeichen christlicher Existenzweise. Das Thema Klimagerechtigkeit darf nicht länger verdrängt und verharmlost werden. Keine einfachen Antworten ergeben sich bei den Fragen „Wie viel ist genug?“ und „Was ist zu viel?“. Das Vaterunser fordert im Horizont des Reiches Gottes, insbesondere mit der Brotbitte, umfassende Gerechtigkeit , deren skandalöse Defizite offenkundig sind.

Eph 5, 8b-14

Exegetische Anmerkungen 
Die Aufforderung „Lebt als Kinder des Lichts!“(V.8b) ist in dem vorausgehenden Satz begründet „nun aber seid ihr Licht in dem Herrn“. Dem korrespondiert in der Bergpredigt die Zuweisung von Gabe und Aufgabe an die Jünger: „Ihr seid das Licht der Welt“ und die Aussage des johanneischen Jesus: „Ich bin das Licht der Welt“. Diejenigen, die ihm nachfolgen, werden „das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Damit ist jeweils klar, dass die Christusanhänger das Licht nicht aus sich selbst heraus haben. Als Kinder des Lichts zu leben bedeutet, zum Herrschaftsbereich/der Machtsphäre Christi, die in absolutem Gegensatz zur Machtsphäre der Finsternis steht, zu gehören. Es geht um zwei sich ausschließende Existenzweisen.

Leben im Licht erweist sich an den Früchten, die eindeutig unterschieden sind von den „Werken der Finsternis“, die sich insbesondere durch Zügellosigkeit und Habsucht äußern. Die Früchte des Lichts haben ihren Anhalt an dem sich aus Liebe hingebenden, für uns einstehenden Christus (5,1): „die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“ (V.9). „Güte“ verweist zurück auf Liebe (Agape), 5,1. Gerechtigkeit meint ein Verhalten, das die Gemeinschaft und Solidarität der Glieder des Leibes Christi verlässlich stützt. Die Existenzform der Christinnen und Christen hat durch ihr Sein, ihr Mit- und für andere Dasein, missionarische Qualität. Was sie reden und tun, fördern oder zurückweisen, kann ausstrahlend und ansteckend sein, aber auch Widerspruch, sogar Widerstand mit spürbaren Folgen nach sich ziehen.

Das von dem Licht erleuchtete, christusgemäße Leben ist kein Selbstläufer. Für seine Ausprägung und Gestaltung werden die Christen verantwortlich gemacht. „Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist“(V.10). Gerechtigkeit und Wahrheit sind keine feststehenden, absoluten Normen. Es sind Beziehungsbegriffe, die das Prüfen, Urteilen und Handeln ausrichten. Was angemessen ist, muss jeweils nach den Umständen und der Situation entschieden werden. Das hier im Epheserbrief Gesagte entspricht dem, was Paulus den römischen Christen empfiehlt (Röm 12,2).

Die Prüfung des nach Gottes Willen Gebotenem, wird noch dadurch zugespitzt, dass es nicht genügt, sich von den Werken der Finsternis fernzuhalten, sondern diese aufzudecken (V.11). das dafür im Griechischen verwendete Wort bedeutet nicht nur, eine Sache ans „Licht zu bringen“, sondern zu „überführen“ bzw. „nachzuweisen“. Dort, wo Güte, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit hell leuchten, werden die Mächte des Bösen mit ihren Machenschaften enthüllt, ja entlarvt.

Der Vers „Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten“ (V.14), ist wahrscheinlich Teil eines Tauflieds. Dahinter steht der Gedanke, dass die Getauften mit Christus als eine Neuschöpfung auferweckt sind, verbunden mit der Zusage, dass Christus sie erleuchtet.

Reflexionen und Predigtanregungen

„Kinder des Lichts“
Die biblischen Schriften sind voll vielfältiger Bezüge zu dem Symbol des Licht und seiner Wirkungen. Licht und Leben gehören eng zusammen, ausdrücklich z.B. am Anfang des Johannesevangeliums (Jh1,4). Immer ist klar, dass das Volk oder der Mensch erst durch die Lichtquelle Gott „licht“ oder „erleuchtet“ wird. (z.B. Jes 60,1f; 2.Ko 4,6). Das Leben als Kinder des Lichts verschont diese nicht vor dem Zugriff der Finsternis/den Mächten des Bösen. Wir hören den Aufschrei des Paulus: „Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten?“, ein Leib, der das Böse tut, das nicht gewollt ist (Rö 7). Leo Tolstoi bekennt: „Wie Licht spenden, wenn man selber noch voller Schwächen ist, die man nicht zu überwinden vermag“. Christen werden sich darum nicht verleiten lassen, die Welt und die Menschen schablonenartig in Licht und Finsternis oder in Gut und Böse auseinander zu dividieren, weder Individuen, Gruppen, Glaubensweisen oder Staaten. Auch besteht die Gefahr, durch Schwarz-weiß Malerei die Komplexität vieler Problemstellungen zu simplifizieren. Die „Achse des Bösen“ verläuft mit ihren Verästelungen quer durch alle Lebensbereiche und Gesellschaften. Selbst sog. Lichtgestalten sind nicht makellos und in den Kirchen Jesu Christi erscheint viel Dunkles und nicht wenig Schillerndes und Zwielichtiges. Kirchen gleichen meist eher trüben Funzeln als strahlenden Lichtträgern. Christen haben anderen Menschen nicht etwas voraus, was sie stolz oder überheblich machen könnte. Wenn sie etwas vorzuweisen haben, was auch anderen „einleuchtet“ oder sie „erleuchtet“, dann das, dass sie hinweisen auf die Quelle und Kraft dessen, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“.

Früchte des Lichts
„Lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“ werden als Früchte des Lichts genannt (vgl. Gal 5,22f). Diese Trias setzt Maßstäbe, die nach situationsgemäßen Konkretionen verlangen. Gütig sein ist eine wunderbare Eigenschaft, die in vielen Wendungen Gott zugeschrieben wird. Güte ist eine von Herzen kommende, von großem Mitgefühl geprägte, Wärme ausstrahlende Liebe. Sie ist auch durch Treue gekennzeichnet (z.B. Ps 40,11; Ps 85,11). In der säkularen Sprache kommt „Güte/gütig“ eher selten vor. Geläufig ist der Ausdruck“ Du meine/liebe Güte“, der ( besonders böse) Überraschung, Erstaunen signalisiert.

Das Stichwort „Gerechtigkeit“ eröffnet ein breites Spektrum von biblischen Bezügen, die auf unzählige Felder heutiger Wirklichkeit treffen. Nur weniges soll angedeutet werden. B.Brecht hat den Gegensatz Licht-Dunkel mit Blick auf die sozialen Gegensätze in dem vielzitierten Vers formuliert: „Denn die einen sind im Dunkeln/ und die andern sind im Licht/ Und man siehet die im Lichte/ die im Dunkeln sieht man nicht“. Das Licht, von dem da die Rede ist, meint jene, die sich rücksichtslos auf Kosten und zu Lasten der Armen durchgesetzt haben. Nach biblischem Verständnis sind sie der Sphäre der Finsternis zuzurechnen, während diejenigen, „die saßen im Dunkeln und Finsternis, gefangen in Elend und Eisen...“ davon befreit werden (Ps 107,10) und über ihnen ein Licht aufstrahlt (vgl. Jes 9,1f). Als Kinder des Lichts können sich Christen nur bezeichnen, wenn sie alles daran setzen, den „Pfad der Gerechtigkeit“ , der zum Leben führt (Spr 12,28) für die Ausgegrenzten und Benachteiligten zu bahnen.

Das Thema Klimagerechtigkeit, und darin scheinen sich die meisten Experten einig, gehört zu den Topprioritäten auf der Agenda der Menschheit. Die Dringlichkeit dieses Themas ist bei der Mehrheit der Menschen in den Industrienationen des Nordens bei weitem nicht so angekommen, dass sich dadurch nachhaltige Veränderungen des Bewusstseins einstellen. Solange es nicht unmittelbar unter die eigene Haut geht, wird die globale Herausforderung auf die Seite geschoben. Dabei könnte schon die Frage, die sich die mittlere und ältere Generation stellen müsste: Was für eine Welt hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln? zum Umdenken zwingen. Und die Heranwachsenden müssten sich ebenfalls unaufschiebbar mit der Frage befassen: In was für einer Welt wollen wir leben, eine Welt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zwingend eine andere Zivilisation als die jetzt hier bei uns vorherrschende sein wird. Inzwischen ist es keine Frage mehr, dass die Auswirkungen der Klimaveränderungen, ( für 75% des CO 2 Ausstoßes sind die G8 Staaten verantwortlich ), die armen Länder am meisten schädigen. Dies ist ein ganz großes Unrecht der privilegierten Teile der Welt um eigenen Profits und Wohlergehens willen. Gerechtigkeit muss unbestreitbar auch ökologisch so zur Geltung kommen, dass es weltweit keine unterschiedlichen Lebensrechte geben darf. Der Ökumenische Rat der Kirchen hat eine Erklärung zu ökologischer Gerechtigkeit und ökologischer Schuld vorgeschlagen und sie an die Mitgliedskirchen „zur Reflexion“ überwiesen. In der Botschaft der 3. Europäischen Versammlung vom September 2007, wird im Hinblick auf die Bewahrung der Schöpfung gesagt: „Wir setzen uns gegen ihre schamlose Ausbeutung ein, denn die „gesamte Schöpfung wartet auf Erlösung“ (Röm 8,23) und wir verpflichten uns dazu, auf Versöhnung zwischen Menschheit und Natur hinzuwirken.“

Die von den Friedens- und Gerechtigkeitsgruppen in den 80er Jahren hochgehaltene Devise: „Wir müssen anders leben, damit andere leben können“, ist heute noch dringlicher geworden.

„Prüft, was dem Herrn gefällt“
Diese Aufforderung der Christen in Ephesus, zu prüfen, was dem Herrn gefällt, eröffnet ein weites Feld für Christen zu allen Zeiten. Das Prüfen soll ja zu Entscheidungen führen, mit denen sich Christen in ihrem jeweiligen Umfeld christusgemäß bewähren. Das prüfende Abwägen und Gewichten bei vielen Fragen und Problemen, erfordert, wie wir wissen, oft mühevolle Gedankenarbeit und gemeinsame Anstrengung . Dabei ist nicht immer Klarheit zu erlangen. Ein Beispiel: auf dem Titelblatt des Bandes „nachhaltig predigen“ steht als fortführende Unterzeile. „oder wie viel ist genug?“. Wer kann schon von sich behaupten, er oder sie habe die richtige Antwort parat? Kann die Prüfung dieser Frage zu einem solchen Ergebnis kommen, dass sich sagen lässt: Das gefällt dem Herrn? Bei der Frage: „Wie viel ist genug?“ schließt sich unmittelbar die Frage an: „Was /wie viel ist zu viel?“ Die Antworten hängen davon ab, welche Kriterien, welche Maßstäbe ich anlege. Wie viel an materieller Absicherung, wenn überhaupt, soll ich anstreben (auch unter dem Gesichtspunkt, dass man vermeiden möchte, den Angehörigen oder der Allgemeinheit außerordentliche Lasten zuzumuten)? Wie viel von dem, was mir zur Verfügung steht, teile ich mit anderen und wie setze ich dabei Akzente? Was beinhaltet die Ermahnung im Hebräerbrief konkret: „Euer Leben sei frei von Habgier; seid zufrieden mit dem, was ihr habt“? Welches ist das Maß für Zufriedenheit und wo beginnt Habgier? Freilich ist die Frage: „Wie viel ist genug?“ nicht nur auf der individuellen Ebene zu stellen, sondern auch gesamtgesellschaftlich und in einem globalen Kontext. Auch darf es nicht dabei bleiben, zu fragen, wie gutes Leben, „Menschliche Sicherheit“ für mich gewährleistet ist. Meines Bruders/meiner Schwester Hüter zu sein (vgl. Gen 4), macht „Menschliche Sicherheit“ mit allem, was das politisch, wirtschaftlich, sozial, ökologisch, rechtlich, kulturell etc. einschließt zu einer unabweisbaren Verpflichtung für ChristInnen. (Ein Beispiel: Nach Schätzung der UN haben 4 Milliarden Menschen, insbesondere die Armen, keinen Zugang zur Justiz und sind damit Willkür und Diskriminierung schutzlos ausgesetzt). Es geht um die Lebens- und Zukunftsfähigkeit für das Gesamte, nicht nur der Menschen.

Aufdecken- Entlarven
Ein Ergebnis des aufgetragenen Prüfens kann sein, dass es unumgänglich wird, Ungerechtigkeiten aufzudecken, beim Namen zu nennen und öffentlich zu machen. Das Spektrum dafür ist breit gefächert und dem aufmerksamen Beobachter des Geschehens vor Ort, im Land und weltweit in verschiedener Weise zugänglich. Ein verantwortlicher, nicht sensationslüsterner Enthüllungsjournalismus sowie soziale und ökologische Bewegungen mit ihren Informationen können zur eigenen Wahrnehmung und Bewertung wichtig sein. Meist braucht es eine Gruppe/Organisation, um sich mit Kritik, Aktion und Alternativen Gehör zu verschaffen. Diese Art des Dienstes, Sand im Getriebe im Blick auf gesellschaftliche Vorgänge zu sein, auch im unmittelbaren Nahbereich, bedarf oft des Mutes, sich dem Widerspruch oder dem Widerstand auszusetzen. Jedenfalls ist klar, dass die Anweisung, die Werke der Finsternis aufzudecken, den Christen in Ephesus um des lieben Friedens willen kein Stille halten nahe legt.

Wach auf, der du schläfst - steh auf von den Toten
Das Lied: „Sonne der Gerechtigkeit...“ wird in den Gemeinden viel gesungen. Darunter auch die Verszeile: „Weck die tote Christenheit/aus dem Schlaf der Sicherheit“. Vergeblich wäre die Bitte, wenn die afrikanische Weisheit zutreffen sollte: „Jemanden, der sich schlafen stellt, kann man nicht aufwecken“. Unser Predigttext ermuntert zum Aufwachen und Aufstehen aus lähmender Lethargie und Resignation, um Botengänger des göttlichen Lichts zu sein. Wider das kleingläubige und kleinlaute Klagen und Verzagen ist ganz im Sinne des Evangelium das chinesische Sprichwort zu beherzigen: „Wer nur auf sich selbst sieht, kann die Welt nicht erleuchten“.

Lukas 11, 1-13

Bezüglich dieses Textes beschränke ich mich auf die Verse 1-4, das Vaterunser. In diesem Gebet, so kann man sagen, kommt die Botschaft Jesu in knapper und programmatischer Weise zum Ausdruck. Gegenüber der in den Kirchen gebräuchlichen Form des Vaterunsers, der die Version des Mt zugrunde liegt, fehlt bei Lk die den Willen Gottes betreffende Bitte sowie die Bitte um Bewahrung vor dem Bösen. Die fünf Bitten haben jeweils Relevanz zur Frage einer nachhaltigen Bewahrung der Schöpfung. Die Bezüge der einzelnen Bitten können nur stichwortartig genannt werden.

„Vater, dein Name werde geheiligt.“ Gott selbst steht als Schöpfer und Herr dieser aufsässigen Welt dafür ein, dass sein Name geheiligt wird. Seit Ostern hat der Name Gottes die Gestalt des gekreuzigten und auferstandenen Christus. Jedoch sind diejenigen, die sich ihm anvertrauen auch dafür verantwortlich, dass Gottes Absicht mit der Welt, ein Frieden in Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung, wirksam wird.

„Dein Reich komme.“ Es besteht ein unauflöslicher, dynamischer Zusammenhang zwischen der Bitte um das endgültige Aufrichten von Gottes Herrschaft in der Welt und dem Sichtbarwerden von Gottes Kommen im tätigen Vollzug von Gottes Willen. Es ist ein Reich, das (auch die Schöpfung betreffend) befreiend, versöhnend, heilend und damit auf ein zukunftsfähiges Leben, schon im Heute, ausgerichtet ist.

„Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.“ Zunächst ist bei der Bitte sicherlich die zum Leben notwendige Nahrung im Blick, aber sie ist nicht darauf beschränkt. Es geht um die Grundbedürfnisse insgesamt, z.B. um trinkfähiges Wasser, Gesundheitsfürsorge, Rechtssicherheit, Arbeit und Bildung. Zudem: Die Bitte lautet „Gib uns...“ Es ist Brot, das einem sozialen Zusammenhang zugeordnet ist: von der Produktion (wie und zu welchen Kosten für wen und für was?), über das Verteilen bis zur zweckdienlichen Verwendung. Es ist gemeinschaftliches „Brot“, das fair geteilt werden soll. Aktualisierungen von diesbezüglichen Defiziten gibt es in Fülle, z.B.:

  • 1 Milliarde Menschen (das entspricht auch der Zahl der Hungernden) haben keinen Zugang zu trinkfähigem Wasser. Ca.. 2,6 Milliarden Menschen haben keine hygienische Toiletten und keine Müll- und Abwasserbeseitigung.
  • Riesige Flächen werden mit Mais, Weizen, Palmöl, Zuckerrohr etc für die Gewinnung von Ethanol angebaut. Für eine Tankfüllung aus Mais könnte ein Mensch ein Jahr lang Mais essen. Oder: Um eine Tonne Erdöl einzusparen, müssen 35 Tonnen Getreide produziert u. zu Bioethanol verarbeitet werden.
  • Mit den täglichen Essensresten der Stadt Wien mit ca. 1,6 Mio Menschen könnte man die zweitgrößte Stadt Österreichs, Graz mit 250.000 Menschen, voll ernähren.
  • Die weltweiten Rüstungsausgaben beziffern sich auf 1,05 Billionen Euro (Angabe 2009). Bei den Klimaausgleichszahlungen, insbesondere für die Länder im Süden, werden nur verschwindend geringe Beträge in Betracht gezogen (wobei 100 Milliarden Euro jährlich benötigt werden).

„Und erlass uns unsere Sünden...“ „Und führe uns nicht in Versuchung.“
Beide Bitten haben angesichts der fortschreitenden Klimaveränderung mit ihren zerstörerischen Auswirkungen einen unverkennbaren Bezug zur Frage nach den Hauptverursachern dieser Entwicklung. Der Ökumenische Rat der Kirchen hat seine Mitgliedskirchen zu einem „Ökologischen Schuldbekenntnis“ aufgefordert (s. oben). Mit dem Stichwort „Sünde“ (bei Mt „Schuld“) verbindet sich auch die keineswegs erledigte Forderung nach einem effektiven Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer. Die „Versuchung“ der bisher Privilegierten ist groß, die bisherige Lebensweise zäh zu verteidigen und den Weg für eine alternative, lebensdienlichere Zivilisation zu behindern und damit den Schaden für die ganze Schöpfung zu vergrößern.

Gerhard Fritz, Landau

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