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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18. Jul. 10 - 7. Sonntag nach Trinitatis / 16. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Apg 2, 41a.42-47

Gen 18, 1-10a

Kol 1, 24-28

Lk 10, 38-42

Die Autorin betrachtet die ev. Predigtperikope und aus der kath. Leseordnung den 1. Lesungs- und den Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: das Glück der Gegenwart erkennen, neue Visionen leben (Apg 2); nachhaltige Ernährung, Entschleunigung, „slow food“ (Gen 18); zur Praxis / Umsetzung führendes Hören, „Pflicht“ in Relation zum Ganzen der Schöpfung setzen (Lk 10)

Evangelischer Predigttext Apg 2,41a-42-47

Auch wenn der bekannte Text aus der Apostelgeschichte in der exegetischen Literatur oft als idealisierende Anfangsidylle abgewertet wird, so enthält er doch auf den zweiten Blick viel Wahrheit darüber, was zum Leben nötig ist:

A) Sinn: Eine Lehre, an der man (sich) festhalten kann, eine Orientierung, ein Ziel, einen Sinn, eine Struktur für das Leben. Wie auch immer man es benennt und woher auch es abgeleitet ist – es gibt die Quelle, die unsere Lebensmotivation und unsere Hoffnung trägt.

B) Zugehörigkeit: Eine Gemeinschaft, einen Kreis von Leuten, zu denen ich mich zugehörig fühlen darf. Menschen, von denen ich geliebt werde, und die ich selbst lieben kann. Mit dem gemeinsamen Brot brechen und Beten ist dazu noch ein Ritual beschrieben, das die Feiernden immer wieder an die eigene Hoffnung, die eigenen Quellen und die Anfänge erinnert. Und das außerhalb der realistischen und nüchternen Alltagspragmatik einen anderen Ort, eine andere Perspektive auf die Welt ermöglicht.

C) Wirksamkeit: Das Teilen von Hab und Gut wird zum äußeren Zeichen und vor allem zum Maßstab der Identifikation mit der Gemeinschaft.

Die Glücksforschung spricht von eben diesen drei Konstanten, die meist vorhanden sind, wenn Menschen ihr Leben als glücklich / geglückt beschreiben. In diesem Sinn ist die Anfangsidee der Apostelgeschichte vielleicht doch mehr als eine bloße, nachträgliche Idealisierung einer Anfangszeit. Diese Form des Lebens hat in der Apg nach außen zwei Wirkungen. Die Gemeinschaft vollbringt Zeichen und Wunder, die Furcht und Schrecken erregen. Das ist genau die Ambivalenz, die wir fühlen, wenn wir „Überzeugungstäter“ treffen. Wie einen Spiegel sehen wir durch sie, die Entschiedenheit, nach der wir uns sehnen, die Konsequenz, für die wir zu träge sind, das einfache Glück, dem wir auf Umwegen hinterher jagen. Gleichzeitig keimt der Verdacht von Ignoranz oder Gehirnwäsche auf – welche Gemeinschaft kann so ideal sein? Wo und wie leben wir als Christen so entschieden, dass es von außen wahrgenommen wird?

Egal ob im Blick auf eine soziale oder ökologische Perspektive – nachhaltig wirksam werden wird nur, was im Außenblick manchmal wie eine unrealistische und utopische Vision erscheint.

„Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“

Katholische Leseordnung

1. Lesung: Gen 18, 1-10a
Nach langem Warten, nach einer Feier für seinen Sohn Ismael, sitzt Abraham in der Mittagssonne. Gott erscheint. Anscheinend ist für Abraham die Welt nun in Ordnung. Einen Sohn – wenn auch nicht von Sarah – hat er. Als Gott wenige Zeilen vorher erneut einen Sohn für Sarah verspricht, wirft er sich lachend zu Boden. Daran glaubt er nicht mehr. Abraham ist Realist. Doch nun beginnt mit Abrahams Sitzen in der Gegenwart Gottes eine Szene, die alles andere als „realistisch“ ist. Da erscheinen drei Männer - oder doch nur einer? Der Text springt hin und her; was hier erzählt wird, ist außerhalb der „normalen Realität“. Am Ende steht die Ankündigung einer Schwangerschaft – Sarah wird übers Jahr einen Sohn haben. In der längsten Passage des Textes – zwischen dem Gebet Abrahams und der Geburtsankündigung – wird ausführlich davon erzählt, wie Abraham die Gäste bewirtet, wer welches Essen zubereitet hat … es dauert, bis aus dem Kalb ein Braten wird.

Zu einem besonderen Essen gehört Zeit. Neben Arbeitskraft und Energie ist in alles, was wir Essen viel Zeit investiert worden. Eben diese Zeit – obwohl die Zeit drängt – macht die Bewirtung so wertvoll. Das ist, was unsere Sehnsucht nach einem Mahl wie diesem weckt, das Abraham vorsetzt. Brot, das jetzt aus Mehl gebacken wird. Fleisch von Tieren, die in Achtung und Würde leben und sterben durften. Ein Essen, das nachhaltig und ökologisch produziert und zubereitet wurde, ist slow food. Wie wäre es, an diesem Sonntag ein einfaches und langsames gemeinsames Essen für die Gemeinde zu organisieren? Vielleicht ist auch interessant, die Bewegung „Slow Food“ vorzustellen oder zu prüfen, ob jemand aus der Gemeinde Mitglied ist und etwas davon erzählen mag.

Slow Food (vgl. Im Internet www.slowfood.de)

  • ist eine weltweite Vereinigung von bewussten Genießern und mündigen Konsumenten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten.
  • fördert eine verantwortliche Landwirtschaft und Fischerei, eine artgerechte Viehzucht, das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt,
  • bringt Produzenten, Händler und Verbraucher miteinander in Kontakt, vermittelt Wissen über die Qualität von Nahrungsmitteln und macht so den Ernährungsmarkt transparent,
  • ist eine Non-Profit-Organisation.

"Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben." (Carlo Petrini)

Evangelium: Lk 10, 28-42

Für viele ist dieser Text ein echter Lieblingstext, andere ärgern sich immer wieder über die Frechheit Jesu gegenüber der aktiven Marta. Traditionell werden diese beiden Schwestern zum Sinnbild für zwei Lebensformen. Maria verkörpert den Weg der vita contemplativa, während Marta ein Beispiel der vita activa gibt. Mit dem Urteil Jesu, Maria habe das Bessere (Die EÜ übersetzt komparativisch, im Griechischen steht nur: „den guten Teil“.) gewählt, scheint die eine Lebensform über die andere gestellt und Martas Anliegen und Sorgen werden abgewertet. Ganz selbstverständlich identifizieren wir uns mit Marta, aber unsere Sehnsucht liegt bei Maria.

Maria wird meist als passive und gehorsam die Worte Jesus annehmende Frau dargestellt. Tatsächlich bleibt sie eine Frau im Hintergrund: sie spricht nicht, sie handelt nicht. Da nur über sie gesprochen wird, liegt der Fokus der Erzählung wohl auch nicht in ihrem Verhalten. Was sie tut, steht nicht zur Diskussion. Ist es das Normale? Ihr Sitzen zu Füßen Jesu ist biblisch als Lehrsituation zu verstehen. Wenn Maria als Schülerin in der Ausbildung ihres Rabbis und Lehrers Jesus geschildert wird, dann geht es hier keineswegs um eine spirituelle Idylle, sondern um Lernen als eine die ganze Person fordernde Aufgabe. Sie liegt keineswegs meditativ-verzückt zu seinen Füßen. Inhaltlich lässt sich nur vermuten, was sie lernt. Im Kontext des Lukasevangeliums kann es sich nur um den inneren Zusammenhang von Gesetz und Propheten – der Bibel Israels – mit der Person und dem Wirken Jesu handeln (vgl. Lk 4, 16-21). Die Form des Lernens wird im Text als Hören geschildert und damit spielt der Erzähler den Zusammenhang von Hören und Handeln ein. Gelungenes Hören auf das Wort ist bei Lukas immer zur Praxis führendes Hören. Am Ende der Erzählung wird ihr Verhalten als der gute Anteil geschildert und damit als ein guter Weg der Nachfolge (nicht der bessere wie die EÜ übersetzt!). Maria betet nicht an, sie lernt Tora und damit die Kriterien für eine theologisch reflektierte Praxis.

Jesus hat sich in das Haus der Marta aufnehmen lassen und lehrt Maria. Als Marta mit ihrem Anliegen auf ihn zukommt, lässt er sich nicht für ihre Absichten instrumentalisieren. Weder bestätigt er, dass er zuständig wäre für eine in den Augen Martas gerechtere Verteilung des Dienstes, noch gibt er die von Marta vorgetragene Anschuldigung an Maria weiter. Sondern entgegen Martas Erwartung spricht er zu ihr und zwar als einfühlsamer Lehrer: Er nimmt wahr, dass Marta sich viele Sorgen macht und sehr in Dienst genommen ist, gleichzeitig verweist er sie aber auf das eine Notwendige, das Maria bereits gewählt hat. Jesus rückt die Relationen zurecht, die Sorgen sind berechtigt, aber in diesem Übermaß der Wirklichkeit des kommenden Reiches und der Gemeinde nicht angemessen. Es gibt m. E. hier eine Wertung, die lautet: Zuviel Dienst, Marta! Aber nicht: Maria hat es besser gemacht, weil sie nicht dient. Denn auch aus ihrem Hören wird das Dienen in der Nachfolge erwachsen.

Marta wird in der gängigen Auslegungspraxis meist als negative Figur bewertet. Sie erkennt den Kairos nicht und beschäftigt sich mit Unnötigem (z.B. Essen vorbereiten) anstatt Jesus zu hören. Zumindest am Anfang der Erzählung wird Marta aber als positive Figur eingeführt, die Jesus aufnimmt und so als Jüngerin kenntlich wird. Auch das Dienen an sich („diakonein“ in seinen verschiedensten Facetten) wird im lukanischen Kontext als Ausdruck der Nachfolge verstanden. Damit wird Marta von der Rolle der überfleißigen und übergeschäftigen Hausfrau befreit. Sie ist vielmehr ein der vielen (lukanischen) Frauen, die ihre Charismen und ihr Vermögen der Sache Jesu widmeten. Worin liegt nun ihr Fehlverhalten begründet? Vor lauter Dienen hat sie vergessen, dass Impulse, Orientierung und Anleitung aus dem Hören, aus dem Gespräch, aus dem Lernen der Schrift, aus in diesem Sinne „Sitzen bei Jesus“ erwachsen. So läuft sie ins Leere mit ihrem Dienst und noch mehr mit ihrem Versuch, Jesus dazu zu bringen, in ihre Ordnung einzusteigen, ja sie sogar zu rechtfertigen und zu bestärken.

 

Gelassen der Mensch

Gelassen der Mensch,
der sich nicht ausnutzen lässt,
weil er sich jeden Tag
Erholung gönnt.
Er weiß tief innen, dass er
letztlich nicht durch Leistung
anerkannt ist.

Gelassen der Mensch,
der der Hetze Widerstand leistet,
im Wahrnehmen
des göttlichen Kerns in sich,
der ihn mit Schöpfung und Kosmos verbindet.

Gelassen der Mensch,
der mitten in Hektik
die Augen schließt
und hineintaucht in die Wirklichkeit
der liebenden Zuwendung Gottes
in allen Dingen.

Dr. Katrin Brockmöller, Mainz

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