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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Jul. 10 - 6. Sonntag nach Trinitatis / 15. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 6, 3-8 (9-11)

Dtn 30, 10-14

Kol 1, 15-20

Lk 10, 25-37

Der Autor betrachtet die Bibelstelle der ev. Perikopenordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: ob Gewässerschutz – in fernen Ländern oder hier –, Einhaltung der Menschenrechte, Folter oder Klimaflüchtlinge von Südpazifikinseln: Nachhaltigkeit bedeutet für Christen, sich für Gerechtigkeit zum Erhalt des Ganzen der Schöpfung aktiv einzusetzen.

Röm 6, 3 - 8 (+9-11)

Nachdem Paulus dargelegt hat, dass alle Menschen Sünder sind und auf diesem Hintergrund die Gerechtigkeit Gottes entfaltet hat (1, 18 - 3, 20), stellt er in 3, 21 - 5, 21 heraus, dass der Zusammenhang von Sünde und Tod für die Glaubenden der Vergangenheit angehört. Denn, so argumentiert Paulus, im Sühnetod Jesu Christi hat Gottes Gerechtigkeit ihr neues und letztes Heilswerk vollbracht. In den Kapiteln 6-8 entfaltet er dann die sittlichen und in den Kapiteln 9-11 die heilsgeschichtlichen Konsequenzen.

Der auszulegende Abschnitt (Verse 3-11) widerlegt den Einwand des jüdischen Gesprächspartners, der meint, dass man in der Sünde bleiben sollte, damit die Gnade sich ausbreite. Die Verse 12-14 führen in paränetischer Weise Vers 11 weiter.

Wer auf Jesus Christus getauft ist, ist für die Sünde und deren Wirkmacht gestorben. Das führt Paulus in drei parallelen Gedanken (Verse 3-5, 6-8 und 9-11) weiter aus. Diese beginnen jeweils mit einer Erinnerung an das „Wissen“ der Adressaten, werden fortgeführt mit dem Hinweis auf das Begrabensein mit Christus als eine verstärkende Begründung für die Loslösung von der Sünde und gipfeln schließlich im Hinweis auf die damit verbundene neue Lebenswirklichkeit durch die Auferstehung.

Paulus versucht deutlich zu machen, dass die Gnade tatsächlich Heilskraft ist, dass die Gerechten wirklich Gerechte sind, dass also christliche Gerechtigkeit nicht nur einzige, sondern auch wirkliche und damit wirksame Gerechtigkeit ist, die zum Leben führt.

Die Taufe ist für Paulus das stärkste Argument für die Befreiung von der Sünde. Für Paulus wird durch das Untertauchen, wie es im Urchristentum Brauch war, der Täufling an Christus nicht nur übereignet, sondern auch hineingegeben in das Geschehen des Todes Christi. Da der Tod Jesu Christi nie ohne die Auferstehung geglaubt werden kann, zieht Paulus die Konsequenz, dass die Getauften auch an dem Geschehen der Auferstehung Christi teilhaben. Durch die Taufe tritt eine Entsprechung zwischen dem Geschick Christi und unserem Geschick in Kraft. Wir sind damit dem Herrschaftsbereich der Sünde entrissen; für die Getauften ist eine neue Lebenswirklichkeit angebrochen. Im Idealfall hat diese neue Lebenswirklichkeit eine nachhaltige Wirkung.

Bietet der Vers 5 auch die eine oder andere exegetische Schwierigkeit, so kann doch gesagt werden, dass die Getauften mit Christus auf die Weise verbunden werden, indem ihr alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, aber es ist der Tod Christi, in den sie hineingetauft werden. Die Getauften selbst sterben nicht, sondern sie sind tot für die Sünde, leben aber für Gott wie es in Vers 11 dann heißt. Denn die Taufe vergegenwärtigt nicht Christi Tod, sondern sie bewirkt die Teilhabe an diesem Heilsgeschehen. Die Auferweckung Christi ist zwar endzeitliches Geschehen, aber die durch die Taufe mit ihm Verbundenen haben im gegenwärtigen christlichen Leben teil an der Wirklichkeit seiner Auferstehung, auch wenn die eigene Auferstehung für die Getauften noch aussteht. Die Auferstehung Christi verleiht dem gerechtfertigten Sünder die Kraft zum Tun des Gerechten.

Die Verse 6-8 wiederholen noch einmal die Argumentation und stellen den Gegensatz von altem und neuem Menschen noch deutlicher heraus. ›Alt‹ und ›Neu‹ markieren die eschatologische Wende, die sich im Geschick Christi ereignet hat, aber erst durch die Taufe in das Geschick des Einzelnen hineinwirkt. Vers 7 setzt die sühnende Wirkung des Todes Christi voraus: weil Christus für uns Sünder gestorben ist, sind die Getauften von der Todeswirkung der Sünde befreit, denn diese hat sich statt an den Getauften an Christus ausgewirkt.

Vers 11 weißt darauf hin, dass die Getauften für die Sünde tot sind und für Gott leben. Dabei wird natürlich mitgedacht, dass Christus stellvertretend für sie – in seinem Tod – der Sünde das gegeben hat, was sie von ihnen gefordert hat.

Wenn aber die Auferstehung Christi uns Gläubigen die Kraft verleiht, Gerechtes zu tun, so müsste dies im Alltag unseres Lebens in der Gemeinde, im Freundeskreis, bei der Arbeit zu sehen und zu spüren sein. Gerechtes aber bezieht sich auf das ganze Leben auf der Erde, von der wir eben nur eine Einzige, in dieser Form Einmalige haben.

Beispiele, sich entsprechend zu verhalten, gibt es genug: z.B. beim Umgang mit Wasser, das in unseren Breiten scheinbar im Überfluss vorhanden ist. Leider aber sind unsere Flüsse auch nicht so sauber, wie sie aussehen; die Landwirtschaft, städtische Abwässer und Industrieanlagen leiten z.T. eben doch noch verschmutztes Wasser ein, obwohl die Auflagen in unserem Land mit zu den strengsten der Erde gehören - Grenzwerte werden nach dem Vermögen der Reinigung festgelegt, nicht unbedingt nach Notwendigkeiten.

Wie sehr ist es dann verantwortungslos und zerstörend, wenn in Indien Leder herstellende Fabriken ihre Abwässer ungeklärt einleiten in Flüsse, aus denen knapp unterhalb der Einleitungsstelle Menschen ihr Trinkwasser holen müssten oder dort ihre Wäsche waschen müssen, weil es sonst keine andere Möglichkeit gibt. Gesetze werden nicht eingehalten, weil es nicht geahndet wird - man hat die entsprechende Bürokratie vorher „etwas glücklich gemacht“...

Gerechtes zu tun hieße doch, sich für Gewässerschutz hier im eigenen Land einzusetzen, in der Gemeinde für die Sauberkeit der Bäche und Flüsse einzutreten, sich zu engagieren. Aber ebenso in Gesprächen, Debatten und immer, wenn es passt, auf die verheerende Situation in den armen Ländern im Süden der Erde hinzuweisen, auch da Änderungen und Besserungen anzumahnen.

Viele weitere Bereiche könnte man nennen: Menschenrechte und Folter z.B., Asyl und Migranten aus Afrika, die fast jeden Tag in überfüllten Booten „aufgegriffen“ werden oder gleich wieder abgeschoben werden. Aber auch Klimaflüchtlinge, die bereits Südpazifikinseln verlassen müssen, weil der Meeresspiegel steigt, oder auch durch Stürme „Getroffene“, die Hab und Gut verloren haben.

Dem Christi Auferstehung Glaubenden sollte am Herzen liegen, die Schöpfung zu erhalten; dem Getauften sollte die Welt nicht egal sein!

Literatur:

Lohse, Eduard. Rechenschaft vom Evangelium. Exegetischen Studien zum Römerbrief. BZNW. Berlin 2007.
Pesch, Rudolf. Römerbrief. Bd. 6 - Die Neue Echter-Bibel. Würzburg 41994.
Schmithals, Walter. Der Römerbrief. Ein Kommentar. Gütersloh 1994.
Wilkens, Ulrich. Der Römerbrief. EKK VI/2. Zürich 21987

Hans-Jörg Ott, Birnbach

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