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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

4. Jul. 10 - 5. Sonntag nach Trinitatis / 14. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Kor 1, 18-25

Jes 66, 10-14c

Gal 6, 14-18

Lk 10, 1-12.17-20

Der Verfasser betrachtet die Textstellen aus dem Galaterbrief und dem ersten Korintherbrief und verweist bei den beiden andern Bibelstellen auf die Anregungen aus den vorangegangenen Bänden. Stichworte: „Kosmos“ als – aus christlicher Sicht – bereits gestorbene Alltagswelt, eine neue Welt entsteht nach neuen Regeln „Gerechtigkeit – Friede – Bewahrung der Schöpfung“ (Gal 6, 1 Kor 1)

Stellung im Kirchenjahr

Die großen Feste des Kirchenjahres sind vorüber und die etwas ruhigere Sommerzeit wird durch die fortlaufenden Erzählungen der Sonntagslesungen scheinbar unterstrichen. Doch stellen die ausgewählten Schriftstellen ganz massive Anfragen an den christlichen Alltag.

Für eine tiefer gehende Betrachtung ist hier vor allem der Galaterbrief und flankierend der erste Korintherbrief herangezogen. Die Jesajastelle mit der Assoziation der Völkerwallfahrt und dem ewigen Friedensreich ist in vielen der nachhaltigen Predigtanregungen bereits betrachtet worden und kann entsprechend nachgeschlagen und eingefügt werden. Gleiches gilt für Aussageparallelen im Lukasevangelium.

Exegetische Hinweise

Im Galaterbrief geht es Paulus um eine klärende Differenzierung, ja sogar Gegenüberstellung. V 14 steht dem nicht vorgelesenen V13 klar gegenüber. Paulus rühmt sich nicht irgendeiner seiner Erfolge, sondern paradoxerweise einer Sache, die von ihm unabhängig in die Welt gekommen ist: das Kreuz Jesu. Paulus meint im Folgenden mit dem „Kosmos“ die Welt des Fleisches, des Gesetzes, der Sünde – diese ist durch das Kreuz getötet und nun tot. Oppositionell dazu steht unübersehbar die „Neuschöpfung“ in V 15. Und wie die alte Welt gestorben ist, so ist der Apostel dieser Welt mit gestorben – ein für alle mal. Christus lebt im Apostel – vgl. 2, 20. In V 15 kann durch die Wortwahl in erster Linie auch an die Taufe im christlichen Sinne gedacht werden (vgl. Eph 2, 15; Gal 3, 27 f.; 2 Kor 5, 17). Demgegenüber sind die alten Heilswege der Menschen vergangen. In V 16 segnet Paulus alle, die mit seinem „Kanon“ übereinstimmen. Der Maßstab ist nun nicht mehr das alte Leben – die Welt – das Gesetz, der Kanon ist einzig die Neuschöpfung in Christus. In Anklang an 5, 25 wäre hier der Kanon im paulinischen Sinne näher mit dem Pneuma zu umschreiben. Dabei ist nicht klar zu ersehen, ob die Formulierung im Futur Paulus mehr als einen Wunsch für die Zukunft oder als eine zukünftige Zustandsaussage denken lässt.

Exegetisch vielfältige Antworten haben die „Stigmata“ in V 17 gefunden. Gemeinsam im weitesten Sinn ist ihnen, dass die Leiden Jesu in oder an Paulus wieder zu finden sind und daher eine Legitimation seines Auftrags sichtbar wird. In V 18 kommt leicht überraschend der apostolische Schluss-Segenswunsch in einer besonderen Form, die das „Pneuma“ im vorgenannten Sinne betont (im Gegensatz zu anderen Briefen, ähnlich aber in Phil und Philemon). Paulus endet (einzig noch in Röm 15, 33 und 16, 27) mit einem bestätigenden und bekräftigenden Amen.

1 Kor 1, 18-25 ist auf dem Hintergrund des vorher Ausgeführten als eine in gewissen Bereichen erklärende Auslegung der kurz gefassten Überlegungen in Gal zu sehen. Paulus baut deutlich den Gegensatz zwischen der Torheit des Kreuzes und der Weisheit der Welt auf – um sie dann paradox umzukehren. Chiastische Verschränkungen, parallel gesetzte Aussagen und eindeutig rhetorisch anzusehende Fragen tragen zur hochwertigen Aussagekraft dieses Textes bei. Paulus klärt unmissverständlich seine Überzeugungen und teilt sie den Hörern mit. Paulus nutzt viele alttestamentliche Zitate, um die Vergänglichkeit weltlicher Weisheit als prophetisch bekannte Rede zu untermauern. Entscheidend für Paulus ist in seiner Beschreibung, dass Gott eigentlich in der Schöpfung zu erkennen war und wäre, dass es aber alle genannten Gruppen nicht getan haben. Rekurrierend auf Gal lässt sich so nur noch die Erkenntnis Gottes in der „neuen Schöpfung“ finden. In 1 Kor 26 ff. folgen dann zwei Beweisgänge für die Ausführungen des Apostels.

Ökologische Relevanz – für die Gemeinde

  • „K – K – K“: Kosmos – Kreuz – Kanon
    Mit diesen drei Begriffen lässt sich die theologische Deutung des paulinischen Schöpfungs- und Neuschöpfungs-Begriffes in den betrachteten Lesungen umschreiben.
  • „K-K-K“: „Küche – Kinder – Kirche“ so kennen viele diese Abkürzung. Und sie passt im Weitesten auch zu den heutigen Lesungen. Denn es geht um unsere Alltagswelt – für viele Frauen der vorhergehenden Generationen mit dem Begriff „Küche“ dargestellt. Und es geht um die nachfolgenden Generationen – mit dem Begriff der „Kinder“ besser gesagt. Und es geht um ein Gegenüber zu der Alltagswelt – hier mit dem Begriff der „Kirche“ aufgegriffen. 
  • Paulus zielt in eine ähnliche Richtung. Die Alltagswelt, oder besser gesagt, die bisher alltägliche Welt nimmt er in den Blick. Und dies mit der Maßgabe, dass für die nachfolgenden Generationen und Zeiten sich Wesentliches ändern muss. Es kann nicht so weiter gehen wie bisher, es geht nicht so weiter wie bisher. Eine Gegenwelt muss her, doch die nennt Paulus nicht „Kirche“.
  • Paulus hat genau dafür seine eigene Dreierkombination im vorliegenden Galaterbrief. Auch er hat ein „K – K – K“ für diese Gegenüberstellungen gefunden. Seine drei Worte sind: „Kosmos – Kreuz – Kanon“. 
  • Der Kosmos ist für Paulus nicht gleich zu setzen mit der Schöpfung Gottes. Kosmos ist hier für Paulus die Welt des Fleisches, des Gesetzes, der Sünde und des Todes. Paulus spricht hier nicht geographisch über die kosmologische Dimension von Gottes guter Schöpfung, sondern verengt den Begriff „Kosmos“ eher auf die alte Welt, die Gott nicht erkannt und nicht angenommen hat.
  • Für Paulus (und getaufte Christen) ist diese Welt tot – sie hat sich selbst überlebt. Diese Welt besteht jedoch dort weiter, wo Menschen dieser Schöpfung Leiden und Verletzungen zufügen. Die blutende, verletzte, aufgerissene, ausgetrocknete, verfolgte, gefolterte Schöpfung ist alte Welt. Sie ist Ergebnis des Vertrauens der Menschen auf ihr eigenes Tun. Sie ist Folge des Vertrauens auf Gesetze und Marktmechanismen, sie ist Folge des Vertrauens auf Erlasse und Automatismen.
  • Diese Welt ist durch das Kreuz Jesu sich selbst gestorben. Im Paradox des Kreuzes ist Neuschöpfung. Der Tod der alten Welt wird durch den Tod Jesu am Kreuz überwunden. Der Tod besiegt die todbringenden Mächte durch seine Schwachheit und Ohnmacht. Im Tod liegt neues Leben. Die alte Welt, die Alltagswelt der Menschen stirbt, und eine neue Welt entsteht.
  • Die neue Welt entsteht in der Taufe. Der Täufling hat Anteil am ewigen Leben Jesu. Symbolisch wird er in die Welt untergetaucht, in der er nicht überleben kann. Symbolisch ist er im Reich des Todes, unter Wasser, dort wo ihm alle Luft wegbleibt. Und dann wird er emporgehoben in die neue Welt – wo er frei aufatmen kann und Anteil am ewigen Leben hat. Paulus stellt die Bedeutung der Taufe als Anteil an der Neuschöpfung klar heraus.
  • Die alte Welt (bei Paulus: der Kosmos) wird durch das Kreuz in eine neue Schöpfung überführt. Doch nach welchen Maßstäben lebt man in dieser neuen Schöpfung? Was ist die Richtschnur für das Handeln der Neugeschaffenen? Diese Frage ist die Frage nach dem „Kanon“. Paulus meint mit dem Begriff „Kanon“, dass in der Neuschöpfung andere Regeln gelten.
  • Der Kanon, die Richtschnur für das neue Leben, ist in den Vorstellungen des Apostels stark verbunden mit den Gaben des Heiligen Geistes, mit dem „Pneuma“. Diese Gaben sind im paulinischen Sinne solche, welche die eschatologische Vollendung der Neuschöpfung unterstützen. In diesem Sinne würde Paulus der heute bekannten Trias „Gerechtigkeit – Friede - Bewahrung der Schöpfung“ bestimmt seinen Segen erteilen. Wie er es am Ende dieses Abschnitts ausdrücklich für die Christen der galatischen Gemeinde tut.
  • Die Stigmata am Leib des Apostels berechtigen ihn, im Auftrag des Herrn zu sprechen. Stigmata an einem einzelnen Geschöpf, Stigmata an vielen Geschöpfen, Stigmata an der gesamten Schöpfung berechtigen uns, im Namen des Herrn zu sprechen. Und zu handeln. Paulus ruft die Brüder (und natürlich auch die Schwestern) bewusst zum segensvollen Handeln auf. Er bekräftigt diesen Segenswunsch – wie überaus selten in seinen Briefen – mit einem ausdrücklichen „Amen“. Können wir dazu „Amen“ sagen?
  • „Kosmos – Kreuz – Kanon“: Lassen wir uns von dieser Trias aus unserer alten, alltäglichen Welt hinüberführen in die Neuschöpfung Gottes? Wirken wir vom Heiligen Geist geleitet mit an der Vollendung der Schöpfung Gottes? Sprechen wir ein entschiedenes „Amen – ja, so sei es“ zu dieser frohen Botschaft?
  • Mit Gottes Hilfe bin ich bereit - „Amen!“

Peter Hofacker, Frankfurt am Main

Zu den Verweisen auf frühere Bände: s.a. www.umdenken.de/predigen

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