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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

27. Jun. 10 - 4. Sonntag nach Trinitatis / 13. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 14, 10-13

1 Kön 19, 16b.19-21

Gal 5, 1.13-18

Lk 9, 51-62

Der Autor geht auf alle Bibelstellen des Tages ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Miteinander, nicht gegeneinander (Röm 14, 10-13); Gelungener Generationenwechsel (1 Kön 19, 16b.19-21); Freie Liebe aus Verantwortung (Gal 5, 1.13-18); Geduld und ein dickes Fell (Lk 9, 51-62)

Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen:

Röm 14, 10-13: „Es gehört zum Wesen des Menschseins, dass wir nicht Richter, sondern Gerichtete sind“. Zu Zeit des Paulus war das Bild eines Menschen vor einem Richterstuhl weit verbreitet. Diese Situation ist durch ein Alleinsein und Ausgeliefertsein gekennzeichnet, wobei damals schon nicht mehr nur ein einziger Richterstuhl im römischen Rechtwesen genügte, sondern mehrere Beamte in Form eines Tribunals zu Gericht saßen. Aus christlicher Sicht stehen wir nicht allein vor dem Richterstuhl Gottes, sondern Jesus Christus steht uns zur Seite. „In seine Verdienste gekleidet können wir vor Gott treten.“ (vgl. William Barclay, Brief an die Römer, Seite 196)

1 Kön 19, 16b.19-21: „Elija, der gewaltige Kämpfer für die reine Jahwe-Religion, gibt im Auftrag Gottes sein Prophetenamt an Elischa weiter. Elischa begreift sofort, um was es geht, als Elija seinen Mantel über ihn wirft. Er lässt sich vom Geist Gottes ergreifen und in Dienst nehmen.“ (vgl. Schott-Meßbuch, Seite 506)

Gal 5, 1.13-18: „Galater- und Römerbrief müssen zusammen behandelt werden, denn beide befassen sich mit dem gleichen Problem, der eine als erste Reaktion, zu der eine konkrete Situation herausfordert, der andere als eine Darlegung, die ruhiger und vollständiger ist (…). (vgl. Kleine Jerusalemer Bibel).

In diesem Teil des Galaterbriefes geht es Paulus nicht so sehr um eine theologische Argumentation, sondern um die Betonung einer ethisch-praktischen Relevanz des christlichen Glaubens. „Ein theologisches Gedankengebäude, das sich nicht in die Praxis umsetzen ließ, erschien Paulus sinnlos. (…) Die christliche Freiheit ist kein Freibrief für Zügellosigkeit, und zwar aus dem ebenso einfachen wie einleuchtenden Grunde, dass Christen durch die Gnade Gottes nicht die Freiheit zur Sünde erhalten, sondern vielmehr von der Sünde frei werden.“ (vgl. William Barclay, Brief an die Galater, Seite 55 f.).

Lk 9, 51-62: Ein jahrhundertealter Zwist lag zwischen den Juden und Samaritern. Auch vor Handgreiflichkeiten gegenüber jüdischen Pilgergruppen, die durch ihr Gebiet zogen, schreckten die Samariter nicht zurück. Der Versuch Jesu dort in einem Dorf Gastfreundschaft zu finden, ist sein Versuch die Hand zur Freundschaft zwischen Juden und Samaritern auszustrecken. Doch trotz der Zurückweisung durch die Samariter lehrt Jesus in keinem anderen Abschnitt so unmittelbar, „dass es unsere Pflicht ist, duldsam zu sein.“ (vgl. William Barclay, Lukasevangelium, Seite 144).

Predigtskizze: Geduld und ein dickes Fell (Lk 9, 51-62)

„Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlage ich dir den Schädel ein“, so könnte das Motto von Jakobus und Johannes in der genannten Bibelstelle in unsere Zeit übersetzt werden. Kaum etwas tut so weh wie nicht erwiderte Liebe, Freundschaft und Versöhnungsbereitschaft. Jetzt springt man schon über den eigenen Schatten und reicht dem anderen die Hand und als Dank bekommt man die kalte Schulter gezeigt. „Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?“, ist es von Jakobus und Johannes zu hören. „Da wandte er (Jesus) sich um und wies sie zurecht“. Eine, wie ich finde, sehr diplomatische Darstellung der Auseinandersetzung zwischen Jesus und seinen beiden Jüngern.

Die Hand dem Feind zu reichen kann bedeuten die Deckung aufzugeben und sich auch einmal eine blutige Nase zu holen. Sind Rückschläge gleich ein Grund zurück zu schlagen? Stecke ich gleich auf, nur weil ich nicht gleich ankomme? Ich hoffe doch nicht!

Versöhnungsarbeit braucht Zeit und die generelle Bereitschaft zu mehreren Anläufen. Bei manchen verfahrenen Situationen ist einmal manchmal keinmal, weil das, um was es geht, eine zu lange Geschichte hat. Natürlich ist dies ein äußerst beschwerlicher Weg und die Frage taucht auf, wer den ersten und den entscheidenden Schritt gehen müsste? Aber wenn sich keiner auf den Weg macht, dann bleiben alle stehen und dann wird es kein Entgegenkommen geben. „Der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“ heißt es, und auch Rückschritte können mit der Zeit den Weg in die richtige Richtung finden. Geduld und ein dickes Fell brauchen wir heute mehr denn je, nicht nur bei uns, sondern weltweit.

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

1. Miteinander nicht gegeneinander (Röm 14, 10-13) 
Im Anklagen und Verurteilen sind wir alle gut. Auf unseren Richterstühlen haben wir es uns bequem gemacht. Allzu leicht verdonnern wir andere auf harten Anklagebänken Platz zu nehmen. Gerichte stöhnen nachweisbar unter Prozessfluten und angefangen von jedem „Kaninchenzüchterverein“ ist jeder Betrieb bestrebt einen Juristen zum Vorstand zu haben. Es ist eine besungene Wahrheit, dass die Fehler, die Schlimmsten sind, die wir nicht selber machen, dementsprechend gehen wir sehr großzügig mit uns selbst um und umso engstirniger und radikaler mit dem Rest der Welt. Die viel beschworene Toleranz endet kurz hinter den eigenen Gartenzwergen. „Wie kannst du deinen Bruder richten? Und du, wie kannst du deinen Bruder verachten? Wir werden doch alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen.“ Wenn wir doch alle so fair und gnädig miteinander umgehen würden, wie Gott es tut!

2. Gelungener Generationenwechsel (1 Kön 19, 16b.19-21)
Generationswechsel in Vereinen, Parteien und Gemeinden sind unglaublich schwierig. „Segensreich“ leisten viele Menschen in jahrelanger-, wenn nicht sogar jahrzehntelanger Arbeit ihren Beitrag zum Allgemeinwohl. Den richtigen Zeitpunkt, das richtige Timing zu finden, ist extrem schwer. Von Elija zu Elischa hat die Stabübergabe funktioniert. Ohne gekränkte Eitelkeiten, ohne Gesichtsverlust, ohne am „Stuhl zu kleben“ vollzieht sich die Weitergabe des Prophetenamtes.

Das Problem der guten Stabübergabe ist in unserer Gesellschaft komplex und vielschichtig. Auf der einen Seite gibt es Bindungsängste an Ämter von „Neuen“, auf der anderen Seite ein Nicht-loslassen können bzw. wollen von „Alten“. Man kann es drehen und wenden, wie man will, doch Generationswechsel sind überlebenswichtig für unser ganzes gesellschaftliches System.

3. Freie Liebe aus Verantwortung (Gal 5, 1.13-18)
„Ich will frei sein, frei wie der Wind“, so hat es Xavier Naidoo gesungen. Wer will das nicht: frei sein? „Einigkeit und Recht und Freiheit“, haben wir Deutschen uns ins Stammbuch geschrieben. Freiheit gibt es aber nicht zum Nulltarif und darf auch nicht als Freibrief verstanden werden, nur seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Paulus knüpft seinen Begriff der Freiheit an Verantwortung. Das heutig flapsig propagierte „everything goes“ hat seine Grenzen bei der Verantwortung dem anderen gegenüber, gerade in der Liebe. Das Leben ist keine Castingshow, bei der man seine Späße mit den Kandidaten treiben kann. Frei soll jeder sein, aber nicht zum Freiwild für andere werden.

Literatur:

Die Bibel. Einheitsübersetzung, Freiburg-Basel-Wien 1980.
William Barclay, Brief an die Römer. Auslegung des Neuen Testaments, Neukirchen-Vluyn 72000, Seite 195-197. Schott-Messbuch (C). Freiburg-Basel-Wien 1982, Seite 506-509.
Kleine Jerusalemer Bibel. Neues Testament und Psalmen. Herder-Übersetzung mit dem vollständigen Kommentar der Jerusalemer Bibel. Freiburg 1991, Seite 249.
William Barclay, Brief an die Galater. Brief an die Epheser, Auslegung des Neuen Testaments, Neukirchen-Vluyn 62000, Seite 55-57.
William Barclay, Lukasevangelium, Auslegung des Neuen Testaments, Neukirchen-Vluyn 72000, Seite 144f.

Thomas Stephan, Bruchsal

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