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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

10. Mai 10  -  Trinitatis / Dreifaltigkeitssonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 11, (32) 33-36

Spr 8, 22-31

Röm 5, 1-5

Joh 16, 12-15

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Freiheit als (Heraus-)Forderung zur verantwortlichen Gestaltung der Welt, von Gott gesetzte Grenzen beachten (Röm 11); die Weisheit ist vor der Schöpfung und somit Grundlage des alltäglichen menschlichen „Spiels“ mit der Schöpfung (Spr 8); der Hl. Geist setzt Hoffnung anstelle von Resignation, diese wird im Umweltschutz und in Fragen der sozialen Gerechtigkeit wegen vieler Rückschläge in besonderem Maße benötigt (Röm 5); hören – ein Weg zum Verstehen und richtigen Beurteilen (Joh 16)

Stellung im Kirchenjahr

Der Dreifaltigkeitssonntag wird am Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Der Ursprung des Festes ist unklar. Vermutlich geht es auf die Benediktiner u.a. in Cluny zurück. Das Fest erinnert daran, dass die Christen an den dreifaltigen Gott glauben, wie die Eröffnungsformel zu Beginn des Gottesdienstes es ausdrückt: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Röm 11, (32) 33 – 36

Exegetische Hinweise
Der Römerbrief ist vermutlich im Winter 56 / 57 entstanden. Paulus schreibt ihn von Korinth aus. Er möchte Jerusalem besuchen und von dort nach Rom aufbrechen. Die christliche Gemeinde von Rom ist nicht seine Gründung. Er kennt sie kaum. Aus dem Inhalt seines Briefes kann man schließen, dass es zu Spannungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen gekommen ist. Sein Brief eröffnet eine Lösung des Problems. Dabei zeichnet sich sein Schreiben durch eine sehr abgewogene Sprache und Systematik aus. Der Römerbrief bietet eine der besten Darstellungen der paulinischen Lehre überhaupt.

In 11. Kapitel geht es Paulus um die Frage, wie es um den Teil Israels steht, der sich nicht zu Christus hinbekehrt hat. Diese Gruppe ist nicht vom Heil Gottes ausgeschlossen. Gott ist und bleibt dem Volke Israel treu. Der „kleine Rest“ hat den Weg zu Christus gefunden, die anderen werden den Weg finden. Dabei ist der Weg Gottes nicht durchschaubar. „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“

Gott geht andere Wege, die wir Menschen nicht kennen. Er verblendet das Volk Israel, er bringt Verstockung. Aber nicht, um das Volk vom Heil fern zu halten. Im Gegenteil. Dieser Prozess geschieht um der Errettung wegen. „Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen.“ Die Perspektive weitet sich. Das Heil gilt allen Menschen, Juden wie Heiden.

Assoziationen
„Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.“
Das ganze Wesen Gottes ist Beziehung. Gott ist der Schöpfer. Aus freien Stücken erschafft er die Welt. Er braucht es nicht zu tun. Die Schöpfung ist ein Geschenk seiner Gnade. Dabei bleibt es nicht. Er ist kein Weltenbauer, der sich nach der vollbrachten Arbeit abwendet, um sich anderen Projekten zuzuwenden. Er bleibt gegenwärtig. Auch wenn ihm seine Schöpfung immer wieder Probleme bereitet, siehe die übertriebene Neugier von Adam und Eva oder das Streben, an Gottes Macht heranzukommen, im Turmbau zu Babel. Gott hält zu seiner Schöpfung und stellt eine besondere Beziehung zu Israel her. Es wird sein auserwähltes Volk. Und er liebt es so sehr, dass er selbst einer von ihm wird. Gott wird Mensch. Er offenbart sich als Vater im Sohn Jesus Christus. Das, was sie verbindet und den Menschen Gott spüren lässt auch nach der Himmelfahrt Christi, ist sein bleibender Heiliger Geist. Das ist die Beziehung von Vater und Sohn. Eine Beziehung, die sich weitet zur Schöpfung, zu allen Menschen hin. An Pfingsten ist es uns wieder zugesagt worden. Dieser Gott kann nicht anders handeln, weil er die Liebe ist. Und Liebe gelingt nur in Beziehung. Da ist kein Zwang. Denn dann kann Liebe nicht gelingen. Es ist ein sich Schenken in vollkommener Freiheit.

Dem Menschen ist als Abbild Gottes diese Freiheit anvertraut worden. Soviel Vertrauen schenkt Gott seinem Geschöpf. Diese Freiheit ist Gabe und Aufgabe zugleich. Der Schöpfungsauftrag Gottes an den Menschen, die Erde zu bebauen und zu behüten, ermöglicht unendlich viele Möglichkeiten, wie der Mensch mit der anvertrauten Gabe, der Erde, mit all ihren Geschöpfen umgeht. Der Mensch ist mit Phantasie begabt worden, mit Mut und Neugier. Es ist an ihm, etwas daraus zu machen. Dabei wird er immer wieder an Grenzen stoßen. Grenzen, die ihn daran erinnern, dass er nicht Gott ist, dass er nur begrenzte Möglichkeiten hat. Aber diese darf er nutzen. Sobald er sie zu überschreiten sucht, wird er scheitern wie die ersten Kapitel der Bibel lehren. Orientiert er sich aber an der Liebe, wird er nicht scheitern. Denn diese gelingt nur in gegenseitiger Freiheit und im Respekt, in der Partnerbeziehung wie gegenüber der Schöpfung insgesamt.

Der dreifaltige Gott macht es uns vor: Die Liebe des Vaters zum Sohn, die Liebe des Sohnes zum Vater, diese Beziehung im Heiligen Geist spiegelt sich in dem Satz: „Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.“ Dem Menschen bleibt dabei nur noch der dankbare Lobpreis: „Ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.“

Spr 8, 22 – 31

Exegetische Hinweise
Das Buch der Sprichwörter gehört zur Weisheitsliteratur Israels. Es besteht aus zwei großen Sammlungen (10-22 und 25-29). Daran wurden weitere kleinere Sammlungen angefügt. Voraus geht dem Ganzen ein langer Prolog (1-9), der wie der Epilog (31, 10 – 31) kunstvoll gestaltete Komposition ist. Die größeren Sammlungen gehören zum ältesten Bestand, sie reichen der Überlieferung nach bis zu Salomo zurück. Auf jeden Fall sind sie vor 700 v.Chr. entstanden. Der Prolog lässt eine Verbindung zur nachexilischen Literatur vermuten und ist wohl im 5. Jahrhundert verfasst worden.

Die Sprichwörter geben einen Einblick in die Entwicklung der Weisheit. Es geht in den älteren Sammlungen vorwiegend um die menschliche und profane Weisheit, wobei auch hier durchaus religiöse Aspekte aufscheinen. Gott lohnt Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe. Laster hingegen werden bestraft. Im Epilog wird die Achtung gegenüber der Frau betont. Der Prolog erstellt erstmals eine zusammenhängende Lehre über die Weisheit. Sie berät den Menschen im Handeln und führt ihn. Im hier angesprochenen Text 8, 22-31 ergreift die Weisheit selbst das Wort. Sie rühmt sich selbst und bestimmt ihr Verhältnis zu Gott. Sie existiert von Ewigkeit her. Erstmals taucht die Weisheit hier als Person auf.

Die Verse 22-26 besingen die Herkunft der Weisheit von JHWH her. Damit wird die Einzigartigkeit der Weisheit betont. Zugleich ist sie vor der Schöpfung. Mit ihrer Erschaffung als sein personales Gegenüber tritt JHWH ins Dasein hinein. Es ist ein Mitsein mit allem Geschaffenen. In Ex 3, 14, in der Begegnung im brennenden Dornbusch, offenbart sich Gott mit seinem Namen: JHWH. „Ich werde dasein, der ich dasein werde.“ Er ist da durch seine Erstgeborene, die Weisheit. Und diese Weisheit spielt vor Gott allezeit. Sie spielt auf dem Erdenrund. Sie ist die Freude. Sie steht für das Leben. Die Weisheit ist in ihrem Spielen ganz bei JHWH und ganz beim Menschen. Das ist ihre Freude.

Assoziationen
Der Mensch ist ein homo ludens. Das Spielen gehört wesentlich zu seiner Entfaltung. Friedrich Schiller schreibt: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da Mensch, wo er spielt.“ Im Spielen entwickelt sich der Mensch. Alle Kinder spielen. Sie lernen miteinander umgehen. Sie können sich mit sich selbst beschäftigen und lernen, sinnvoll die Zeit zu gestalten. Sie lernen soziales Verhalten im Miteinanderspielen zu zweit oder in der Gruppe. Auch der Erwachsene spielt gerne. Ob es Fußball ist oder ein anderes Hobby. Selbst der Gottesdienst ist letztlich ein liturgisches Spiel, wenn auch mit stark verkürzten oder verlangsamten Tanzelementen (vgl. den Ein- oder Auszug) oder die Bewegungen um den Altar.

Alles Spiel dient der Kommunikation. Es geht gerade im Gottesdienst um die Verbindung zu Gott, die der Mensch auf diese Weise Ausdruck verleiht. Ebenso verbindet er sich z.B. mit seinen Mitspielern beim Sport. Der Mensch ist auf Beziehung angewiesen. Gott ist lebendige Beziehung und der Mensch sein Abbild. Daher ist dies nur zu verständlich, dass er Beziehungen braucht. Und die Weisheit schenkt uns die Fähigkeit dazu. Letztlich ermöglicht diese Gabe dem Menschen, am Schöpfungswerk teilzuhaben. Er darf spielerisch agieren, d.h. er darf seiner Phantasie gemäß seinen Begabungen Raum geben. Dabei wird die Schöpfung allerdings nicht zu seinem Spielball.

Röm 5, 1- 5

Exegetische Hinweise
(Zur Einleitung siehe oben.)
In den Kapiteln 1-4 geht es Paulus um die Rechtfertigung des Menschen durch den Glauben. Der erste Vers von Kapitel 5 greift dieses Thema auf. Die Kapitel 5 – 11 führen einen zweiten Gedanken ein. Die Gerechtigkeit bedeutet Heil und Leben für den Menschen. Im Evangelium liegt wirklich die Kraft zur Rettung (vgl.1, 16). Die Frucht dieser Gerechtigkeit ist der Friede mit Gott in Jesus Christus. Er ermöglicht den Menschen den Zugang zur Gnade. Die Hoffnung ist die Erwartung des endzeitlichen Heils, die Auferstehung des Leibes. Diese Hoffnung täuscht nicht. Sie hat ihren Halt im Glauben und ihre Kraft bezieht sie aus der Liebe. Die eigentliche Quelle der Hoffnung ist der Heilige Geist. Daher ist die Hoffnung voller Freude. Keine Bedrängnis kann sie bedrohen. Im Gegenteil. Die Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld Bewährung und Bewährung Hoffnung. Diese Hoffnung ist nicht zu untergraben. Denn sie wird durch die Liebe Gottes getragen in unseren Herzen.

Der Heilige Geist, in der Taufe geschenkt, ist ein „inneres Prinzip neuen Lebens, das Gott schenkt.“ Die Aufgabe des Menschen ist hierbei der Glaube. Glaube und Hoffnung gehören unbedingt zusammen. Nur im festen Glauben an die Hoffnung kann der Mensch überhaupt erkennen, dass Bedrängnis hin zur Hoffnung führt. Hier bewährt sich der Glaube und erweist seine Tragkraft.

Assoziationen
Der Dreifaltigkeitssonntag verweist auf die grundlegende Beziehung im christlichen Gottesbild. Gott ist ohne Beziehung nicht vorstellbar. Vater, Sohn und Heiliger Geist bilden das Beziehungsgefüge. Paulus verweist auf dieses Gefüge im Bezug zu uns. Den Frieden mit Gott, dem Vater, haben wir in Christus durch den Heiligen Geist geschenkt bekommen, der uns in der Taufe geschenkt wurde.

Die Frucht dieser Gabe ist die unerschütterliche Hoffnung. Der Mensch darf nicht resignieren. Der Christ ist von seiner Natur her ein Optimist, der an das Leben über den Tod hinaus glaubt. Dem es darum geht, trotz aller Bedrängnisse standzuhalten und Mut zu machen. Dies gilt es auch im Umgang mit der Schöpfung immer wieder zu verdeutlichen. Der Einsatz für die Umwelt ist notwendig. Und wenn es Rückschläge gibt, dann kann er dies auszuhalten. Dabei gibt es immer wieder Beispiele, die hoffnungsvoll stimmen. Die 72-Stunden-Aktion der katholischen Jugend, die es bereits mehrfach gegeben hat, zeigt, dass sich Jugendliche für ihre Umwelt einsetzen und nicht nur Desinteresse offenbaren. Weit über 100.000 Arbeitsstunden wurden ehrenamtlich geleistet, wo man ohne diesen Einsatz noch lange auf Verbesserungen in der Umgebung (vgl. Parkverschönerungen) hätte warten müssen.

Junge Menschen tun sich zusammen. Sie nutzen ihre Beziehungen zu anderen und ihre Kontakte, um etwas zu organisieren und sich für ihre Gemeinschaft, ihre Gemeinde vor Ort zu engagieren, eine Frucht des Heiligen Geistes, die Hoffnung macht.

Joh 16, 12 – 15

Exegetische Hinweise
Der Evangelist Johannes beschreibt Jesus Christus vom Geheimnis der Menschwerdung her. Er ist das menschgewordene Wort Gottes, das von allem Anfang an war und zu Gott zurückkehrt, wenn seine Sendung erfüllt ist. In besonderen Zeichen offenbart er seine von Gott geschenkte Macht. Die Art der Darstellung Jesu, geprägt von feierlicher Hoheit und echter Menschlichkeit, verleiht seiner Person die volle Dimension des Erlösers der Welt.

Das Johannes-Evangelium ist Ergebnis eines längeren Überlieferungsprozesses. Als ursprünglichen Autor vermutet man einen Schüler des Lieblingsjüngers Jesu, der den Text nach dessen Tod herausgegeben hat.

Die Verse 13-15 im 16. Kapitel des Johannes-Evangeliums beinhalten den fünften Parakletenspruch. Der Paraklet wird von Christus nach seinem Weggang gesandt. Eigentlich heißt Paraklet „Der Herbeigerufene“. Und gemeint war der Beistand bei Gericht, der Anwalt, der Fürsprecher. Die joh. Gemeinde ist getragen von der Überzeugung, dass sie der Heilige Geist erfüllt und leitet. Seine Gegenwart bestimmt ihr Leben und Denken. Er tritt an die Stelle Jesu und setzt dessen Wirken fort. Es ist der Geist der Wahrheit. Er führt die Jünger in die offenbarte Wahrheit Jesu ein. Er begleitet die Jünger auf ihrem Weg. Der Paraklet „erinnert“ an die Worte Jesu. Dabei ist an die Zukunft gedacht. „Jetzt“ können die Jünger noch nicht alles erfassen, aber Dank seines Wirkens wird es möglich. Dabei redet er, was er hört. D.h., der Paraklet selbst steht in engster Verbindung zu Christus. Er sagt, was er von diesem empfängt. Und Jesus hat alles vom Vater. „Alles, was der Vater hat, ist mein.“ Und der Paraklet nimmt von dem, was Jesus ist, und verkündet es. Hier entfaltet sich wieder das innergöttliche Beziehungsgefüge. Vom Vater geht alles aus. Jesus hat Anteil an seinem „Besitz“ und der Paraklet empfängt von Jesus. Und er gibt seine Offenbarung weiter.

Assoziationen
Gott bleibt nicht unter sich. Er offenbart sich. Er öffnet sich gegenüber der Welt. Der Dreifaltigkeitssonntag gibt Einblick in das Geheimnis Gottes. Bei allem Nichtverstehen der Person Gottes offenbart sich hier ein Gott der Beziehung.

Mit der Himmelfahrt Christi ist diese Offenbarung nicht abgeschlossen. Er bleibt im Parakleten bei den Jüngern und somit bei den Menschen. Auch heute verstehen wir vieles nicht. Aber der Mensch braucht nicht zu resignieren. Der Geist von Pfingsten bestimmt das Geschehen. Es ist ein Geben und Nehmen, das er uns offenbart. Damit ist die Dreifaltigkeit ein unüberbietbares Beispiel für gelingende Beziehung, ein Beispiel auch für unser Miteinander. Nur auf diese Weise kann menschliches Leben untereinander und mit der gesamten Schöpfung gelingen, im gegenseitigen Geben und Nehmen. Dabei spielt das Hören eine wichtige Rolle. „...er wird sagen, was er hört“. Im Lärm des Alltags, im Lärm der Discos oder der MP3-Player geht die Fähigkeit des Hörens verloren. Ich nehme den anderen gar nicht mehr wahr. Und dann geht auch das gegenseitige Aufeinanderhören nicht mehr so gut. „Ich dachte, Beten sei reden mit Gott, bis ich im Schweigen ein Hörender wurde“, heißt ein Denkspruch. Der Paraklet ist ein Beispiel für gelingendes Hören.

Reimund Franz, Riegelsberg

Quellen:

Echter Bibel, HTKNT, NTD, Neue Jerusalemer Bibel

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