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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

02. Mai. 10 - Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Kol 3, 12-17

Apg 14, 21b-27

Offb 21, 1-5a

Joh 13, 31-33a.34-35

Die Autorin betrachtet den Text zur 2. kath. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: das Neue wagen, erkennen der neuen Wege und Methoden, die Jesus mitbringt (Offb 21)

„Seht, ich mache alles neu.“ (Offb 21, 5)
… den Himmel, die Erde
… das Miteinander der Menschen
Alles neu.

So sagt es Jesus „Ein neues Gebot gebe ich Euch.“ und so hören wir es in der Geheimen Offenbarung des Johannes.

Neu - Haben das nicht auch schon die Juden Hunderte von Jahren vor Jesu Geburt geglaubt, gehofft. Und wir heute, 2000 Jahre nach Jesu Geburt, hoffen wir da noch genauso? Auf dass alles Neu werden kann, wir selbst, die ganze Schöpfung? Und was bedeutet dieses Neu werden - Wenn dieses „Neue“ nun doch schon mehrere tausend Jahre alt ist? Was ist mit dem Alten - dem alten Himmel und der alten Erde - dem alten Menschen? Verbraucht, abgenutzt, ausgebeutet, wertlos, weg damit? Neues muss her? Wohl kaum! Dennoch, >> Neu<<, sind wir >>Neu – gierig<<, denn „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ (H. Hesse). Neugierig auf die Zukunft? Man kann auch neugierig sein auf Vergangenes, alte Schätze entdecken, alte unaufgeklärte Kriminalfälle lösen, die Geschichte alter Gebäude und der Menschen, die darin gelebt und gearbeitet haben, entdecken, Schlösser, Burgen, Höhlen erforschen, Abenteurer werden und den Geheimnissen der Menschheit auf die Spur kommen. Wer kramt nicht gern in alten Erinnerungskisten, durchstöbert Speicher oder geht auf Schatzsuche?
Neu – Das richtet sich also nicht ausschließlich auf die Zukunft. Das meint nicht automatisch, tausche alt gegen neu. Neu stellt kein absolutes, objektives Kriterium dar, sondern ist immer subjektiv. Vom einzelnen Subjekt aus betrachtet, kann etwas neu werden, neu sein, wenn ich es für mich neu oder wieder neu entdecke, wenn ich Verborgenes neu in mein Bewusstsein hebe. Auf der anderen Seite richtet sich natürlich Neu-gier tatsächlich auch immer auf Zukunft hin, aber immer auf meine je eigene subjektive Realität. Auf etwas, das mir persönlich im Moment noch nicht erkennbar, erfahrbar für mich lebendig ist, auch wenn es objektiv vielleicht sogar schon vorhanden ist. Neu ist, was mir meine Zukunft bringt, was ich erwarte, worauf ich hoffe, aber auch was überraschend in mein Leben hinein bricht. Neues entdecken, erforschen, ausprobieren. Neu wie verwandelt, neu kann aber auch unsere Gegenwart erlebt werden. Beziehung verändert die Perspektive und macht alles neu. Wer verliebt ist, sieht die Welt mit anderen, mit neuen Augen.

In Jesus Christus macht Gott selbst uns ein wahrhaft bedingungsloses Liebesangebot. Darin steckt für uns das Neue, der permanent ermöglichte Neuanfang ohne Vorbedingung. Durch diese Liebe wird der Himmel und die Erde neu, wird der neue Mensch Jesus Christus, wird die Beziehung zu Gott, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst neu. „Und siehe, ich mache alles neu.“ (Offb)

Wenn wir allerdings unsere Beziehungen aufgeben, verlieren wir die Zukunft der ganzen Schöpfung. Wenn wir die Beziehung aufgeben zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen, zu Gott, zu allen Lebewesen und zu unserer Umwelt, verlieren wir unsere Zukunft. Dann werden wir eine Art Zombie, ständig auf der Flucht vor uns selbst, lebende Tote, die ihren eigenen Untergang herbeiführen durch Beziehungslosigkeit. Wenn „Alles wirkliche Leben Begegnung ist“ (Martin Buber), dürfen wir Beziehungen nicht dem materiellen Reichtum, Ruhm und schnellem Erfolg opfern, sonst verkaufen wir unsere eigene Zukunft. Schaufeln uns unser eigenes Grab, und zwar freiwillig.

Im Buch Genesis hören wir: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ (Gen 1, 27 + 28) Von Beginn an lebt der Mensch als Mensch in Beziehung und erhält den Auftrag, das Leben weiterzugeben und die Natur und alles Leben sinnvoll zu verwalten und sich darum zu sorgen.

Auf dem Weg von der Realität zum Ideal des neuen Himmels und der neuen Erde fordert Paulus in seinem Brief an die Kolosser auf: „… bekleidet Euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander.“ Sich gegenseitig ertragen und einander vergeben, dass hört sich nicht euphorisch schwärmerisch, sondern nach sehr viel realistischer Lebenserfahrung an. Fehler, Unzulänglichkeiten müssen nicht versteckt, verleugnet werden. Sie können ertragen und vergeben werden. Das ist die wirklich tragfähige Basis für eine zukunftsfähige Gemeinschaft, die nach besten Kräften versucht, die mitschöpferische und mitgeschöpfliche Verantwortung für unsere Zukunft wahrzunehmen. Dazu gehört auch die Sorge um die eigene Person, den eigenen Körper und die eigene Seele. Nur wer auch mit sich selbst liebevoll umgeht, kann dauerhaft Leben weitergeben. Wenn wir uns selbst gegenseitig ertragen und vergeben, mit Demut, Milde, Güte und Geduld, kann der Friede Christi in unsere Herzen und unsere Welt einziehen, und der menschenfreundliche Gott (Apg) in unserer Welt Raum gewinnen. Wir leben in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie sind für uns untrennbar miteinander verwoben. So bestimmt unser Sehnen unser Handeln hier und jetzt, ebenso wie unsere Geschichte uns beeinflusst.

Und dann
…mitten in Hunger und Krieg, feiern wir was verheißen ist.
Mitten in Sorge und Krankheit, Feiern wir was verheißen ist.
Und jetzt schon leben wir, wovon wir in Zukunft träumen.
Wir holen ein Stück Himmel auf unsere Erde, in der Liebe, in unserer Freundschaft, in Kunst und Musik.
Mit der Vision eines neuen Lebens vor Augen, feiern wir den Fluss des Lebendigen, in dem wir stehen. Jesus ist das neue Gebot, das neue, erneute Angebot Gottes an uns Menschen: „Liebt einander wie ich Euch geliebt.“(Joh) Die Liebe Jesu und Gottes gehen ineinander über und laden uns ein, uns mit in diese dynamische Liebe hineinnehmen zu lassen, uns in den Fluss des Lebens hineinzubegeben.
Wenn ich verliebt bin, wenn ich geliebt werde, fühle ich mich wie neu geboren, kann ich Neues wagen und ausprobieren. So wird aus einem alten ein neues Gebot.

Weil Jesus lebt und wir dieses Gebot von ihm haben, erhält unsere Wirklichkeit, unser Leben eine neue Qualität, wird die Menschenfreundlichkeit Gottes in Jesus und in einer jeden und einem jeden von uns neu erfahrbar.

Hab keine Angst und fürchte dich nicht, denn die Herrschaft des Bösen zerbricht an der Liebe, die selbst noch den Tod überlebt. Durch einen Türspalt dringt Licht aus dem Festsaal in unser Zimmer der Diesseitigkeit.“ (Ein Lied in die Zeit. Arno & Andreas Malessa)

Durch einen Türspalt dringt Licht aus dem Festsaal. So kann Jesus sagen: “Jetzt ist der Glanz des erwählten Menschen aufgestrahlt und Gottes Glanz strahlte auf in ihm.“ In Jesus selbst haben wir dieses Licht, diesen Glanz aus dem Festsaal gesehen. Er ist eingebrochen in unsere Realität und macht unsere Wirklichkeit nicht nur hell, wie in hartem entblößendem Neonlicht, sondern es lässt sie aufleuchten, bringt sie zum Glänzen. Glänzend, in positiver Ausstrahlung, scheint das Gute auf. Das Gute in uns kommt zum Vorschein, unser wahres Menschsein scheint auf. So werden wir befreit vom Gefühl des Mangels, Defizitären, der entstehende Druck wird von uns genommen und damit sinkt auch der Gegendruck. Fehler werden nichtig. Im göttlichen Glanz zählt nur das Gute. Wir werden befreit und können als geliebte und befreite Menschen handeln, mitwirken am Aufbau eines neuen Himmels und einer neuen Erde. So können wir den Anbruch des himmlischen Hochzeitsmahles im Diesseits, in unserem Leben, bereits feiern. Diese Grundspannung der menschlichen Existenz zwischen Himmel und Erde, zwischen Vergangenheit und Zukunft im Hier und Jetzt, schon Heute leben und handeln auf Zukunft hin – diese Grundverfassung der Existenz eines gläubigen Menschen charakterisiert Rose Ausländer in ihrem Gedicht: Wir sind ein Stück weiter, dort sagt sie: „Wir träumen ins Herz der Zukunft.“ Wir träumen ins Herz der Zukunft, und so sind wir immer schon ein Stück weiter, haben den Lichtschein aus dem himmlischen Festsaal für einen kurzen Moment erspäht, resignieren nicht angesichts unserer Gegenwart, mag sie noch so hoffnungslos erscheinen. Wir träumen ins Herz der Zukunft und setzen uns für ein Leben in Zukunft ein.

Nachhaltigkeit, sustainable development, dauerhaft umweltgerechte Entwicklung, umfasst also aus christlicher Perspektive die ganze Schöpfung. Da wir überzeugt sind:
„Unsere Erde ist uns nicht übergeben worden als Spielball menschlichen Genusses und menschlicher Willkür. Sie ist uns anvertraut als Gottes Geschenk, das es zu schützen und zu bewahren gilt; als Ebenbild und Sachwalter Gottes sind wir mit der Fürsorge für Gottes gute Schöpfung betraut. Das ökologische Ziel der Erhaltung und Bewahrung unserer Umwelt und Mitwelt ist darum eine zutiefst biblische und christliche Aufgabe.“ (Karl Kardinal Lehmann)
So lasst uns also weiter sehen als wir sind, Träumende bleiben und nicht müde werden im Engagement für einen neuen Himmel und eine neue Erde, für den Erhalt der Schöpfung, für ein friedvolles Miteinander aller Menschen und einen friedvollen Umgang mit uns selbst.

Christine Schardt, Mainz

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