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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Apr. 10 - Jubilate / 4. Sonntag der Osterzeit

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Joh 5, 1-4

Apg 13, 14.43b-52

Offb 7, 9.14b-17

Joh 10, 27-30

Der Verfasser betrachtet alle Predigttexte des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: auch einmal gegen den Zeitgeist stellen, das Gelingen und Scheitern von Bemühungen reflektieren (eigene Bemühungen und kollektive Bemühungen), Missstände im Sinne des Liebesgebots überwinden (1 Joh 5); im Sinne des Liebesgebots jetzt schon mitgestalten (Offb 7); als guter Hirte Gerechtigkeit und Frieden auf dieser Welt schaffen (Joh 10)


Kirchenjahreszeit – Predigtsituation

Sonntag Jubilate, der dritte Sonntag nach Ostern, den wir feiern. „Jauchzt Gott, alle Länder der Erde“. So lautet übersetzt das „Motto“ dieses Sonntags in Anlehnung an Psalm 66, 1. Damit ist auch das Leitbild des Sonntags vorgegeben (zumindest zu einem Teil), nämlich: Die neue Schöpfung. Weitere Aspekte des Leitbilds dieses Sonntags sind: „Christus erneuert und stärkt“ und „Mit Christus verbunden sein“. Die liturgische Farbe ist weiß, die Farbe der Christusfeste. Die österliche Freude über die Auferstehung Jesu soll auf dem Weg zum Pfingstfest hin liturgisch weitergetragen werden und die Gemeinde weiter auf diese Freudenbotschaft aufmerksam machen.
Wir feiern unsere Gottesdienste am letzten Sonntag im April. Die Natur entfaltet in unserer Gegend (Südpfalz) bereits einen guten Teil ihrer Pracht. Der Frühling ist in vollem Gange. Die Tage sind schon spürbar länger, die Temperaturen oft schon frühsommerlich. Bei Vielen „steigt die Stimmung“, das Lebensgefühl verbessert sich zusehends. Die Arbeiten in den eigenen Gärten haben begonnen, viele Gemeindeglieder sind nun tagtäglich in ihren Gärten in und mit der Natur beschäftigt und von daher besonders empfänglich für eine Predigt, die Aspekte nachhaltigen und ökologischen Lebens anspricht.
Der Gottesdienstbesuch ist nach hohen Feiertagen schwer vorherzusagen. Oft nehmen sich Gemeindeglieder nach der Vielzahl von besonderen Gottesdiensten (Konfirmation, Karfreitag, Ostern) eine kleine „Auszeit“ ein. Sicher ist dies allerdings nie.


1 Joh 5

Exegetische Überlegungen
1 Joh 5, 1–4 ist im Gesamtzusammenhang des Schreibens („weisheitliches Gelegenheitstraktat“, Berger, S. 440) zu verstehen. In der Auseinandersetzung und Abwehr von Irrlehrern (falsche Propheten, vgl. 1 Joh 2, 18 ff. und 4, 1 ff.) wird in der Abfolge von dogmatischen und ethischen Abschnitten das wahre Bekenntnis der Gemeinde und die Konsequenzen aus diesem Bekenntnis formuliert. Grundlegend und unaufgebbar ist das Bekenntnis zu Jesus als dem Christus, der aus Gott geboren ist, d.h. das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes (1 Joh 5, 1). Wer so Gott „erkennt“ und glaubt, für den hat dieser Glaube quasi natürliche Konsequenzen: Die Liebe zu Gott nämlich, die sich in der Liebe zum Bruder (und zur Schwester) zeigt und manifestiert. Tätige Liebe zum Nächsten (vgl. 1 Joh 3, 16) ist das entscheidende Kriterium für wahrhaftigen Glauben. Sie ist die einzig adäquate Antwort auf Gottes vorauseilende Liebe zu uns (1 Joh 4, 9). „Gott lieben und seine Gebote halten“ (1 Joh 5, 3) fallen insofern zusammen, da mit „Gebote“ das Liebesgebot Jesu gemeint ist. Gott lieben und den Nächsten. Gottesliebe aber kann sich (s.o.) nur in der Liebe zum Bruder und zur Schwester verwirklichen. In 1 Joh 5, 4 schließlich findet sich ein weiteres typisches Merkmal der Theologie dieses Schreibens: Der Dualismus zwischen Welt und Kirche / Gemeinde. Der christliche Glaube, der die Welt überwindet, ja sogar schon jetzt überwunden hat. So wie alles Entscheidende von Gott schon getan wurde, so ist jede / jeder, der an Gott glaubt, schon jetzt in seinem Herrschaftsbereich und unterscheidet sich sichtbar von der Welt, von all denen, die nicht glauben. Das eschatologische Heilsgeschehen, es bringt jetzt schon Frucht für die, die glauben, es ist der Sieg, der die Welt überwindet.

Zur Predigt
Das Wort vom Glauben, der die Welt überwindet, bzw. schon überwunden hat, es hat seine Tücken. Wie die Kirchengeschichte in vielfältiger Weise zeigt, wurden solche Worte immer wieder zur Abwertung nichtchristlicher Religionen und Kulturen herangezogen oder aber gleich zur Begründung für die Geringschätzung der sichtbaren, geschaffenen Welt. Beiden Interpretationslinien gilt es zu wehren (vgl. 1 Mose 1 und 2). Nicht um Abwertung oder gar Geringschätzung von Gottes Schöpfung geht es hier. Vielmehr könnte man 1 Joh 5, 4 durchaus so verstehen, dass unser Glaube uns die Möglichkeit eröffnet, den sogenannten Gesetzmäßigkeiten und Sachzwängen unserer Welt entgegen zu wirken und, wo nötig, gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen.

Wenn das entscheidende Kriterium für einen gelungenen Glauben die praktizierte Liebe zu Bruder und Schwester ist, dann muss man meines Erachtens der Gemeinde konkrete Beispiele für Gelingendes wie Misslingendes vor Augen führen. Ein positives Beispiel könnte die aufopfernde Pflege von Angehörigen und Pflegekräften im Dienst pflegebedürftiger Menschen sein. Erweitert man den Begriff des Bruders / der Schwester (vgl. Franz von Assisi, Sonnengesang) auf die ganze Schöpfung, dann könnten auch gelungene Beispiele praktizierten Naturschutzes (möglichst aus der jeweiligen näheren Umgebung) dazu treten.

Die Problematisierung allerdings sollte nicht fehlen. Das würde der Ernsthaftigkeit des 1. Johannesbriefs nicht gerecht. Die Frage ist: Wo scheitern wir in unserer Zeit, in unserem Leben konkret an diesem Gebot der Liebe zu Bruder und Schwester? Beispiele aus dem konkreten, persönlichen Leben wird sicher jeder selbst vor Augen haben.

Doch auch kollektiv gibt es solches Versagen in Bezug auf das Liebesgebot Jesu. Unsere weitgehende Weigerung in Bezug auf klimaverändernde und –schädigende Verhaltensweisen nachhaltig zu verzichten ist ein Beispiel dafür. Fakt ist: Der eintretende Klimawandel wirkt sich gerade in armen Ländern viel stärker aus als bei uns. Davon aber sind ganz konkrete Menschen betroffen, die jedoch auch unsere Schwestern und Brüder sind. Am Beispiel des Viktoriaseebarschs lässt sicht ebenfalls deutlich zeigen, was schief läuft in unserer Welt. Durchaus in guter Absicht wurde durch dieses Tier nicht nur die Ökologie dieses Sees geschädigt bzw. zerstört. Darüber hinaus verzehren wir in Europa gerne die (von Einheimischen nach EU-Qualitätsstandarts hergestellten) Filets dieser Fische, während für die Menschen vor Ort nur die jämmerlichen Rest und Abfälle übrig bleiben. Auch hier: Liebe zum Nächsten sieht anders aus!

Ziel der Predigt soll nicht sein, der Gemeinde ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass das Liebesgebot Jesu eine globale Dimension enthält, der wir uns nicht einfach entziehen können und dürfen. Darum ist auch darauf hinzuweisen, dass wir lieben können, weil wir geliebt sind. Wir haben schon einen großen Vorschuss an Liebe von Gott erhalten und unser Glaube ist die Kraft, die uns ermöglicht eingefahrene und scheinbar unverrückbare Zustände und Verhaltensweise im Sinn des Liebesgebots zu verändern und zu überwinden. Dem Jubel (Jubilate) über Gottes Schöfungswerk muss ein entsprechender (liebevoller) Umgang mit all seinen Geschöpfen folgen. Das ist die Konsequenz aus diesem Predigttext. Und sollten wir doch einmal scheitern (und wer täte das nicht!): Siehe 1 Joh 2, 1 + 2! Also Mutmachen zum konkreten Handeln auch mit dem Risiko des Scheiterns. Liebe zu Gott, nach dem 1. Johannesbrief ist sie von konkretem, liebevollem Handeln gegenüber den Schwestern und Brüdern in aller Welt (auch den nichtmenschlichen) nicht zu trennen.

Zur Liturgie
Als Psalmlesung schlage ich Psalm 66 vor (EG Baden/ Pfalz 7736) vor.
Mögliche Lieder: EG 395 „Vertraut den neuen Wegen“, EG 412 „So jemand spricht…“, EG 432 „Gott gab uns Atem“, EG 665 (Baden/ Pfalz) „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“.


Zu den weiteren Texten

Apostelgeschichte 13, 14.43b-52
Dieser Text trägt zu unserem Thema, nachhaltig und ökologisch zu predigen wenig bei. Darum lasse ich ihn an dieser Stelle unbesprochen.

Offenbarung 7, 9.14b – 17
Ein eschatologischer Text, der eine Zukunftsvision malt über die Zustände, wenn die Gottesherrschaft endgültig angebrochen sein wird. Anklänge an den 23. Psalm sind nicht zu übersehen (Off 7, 17). Alles, was das Leben der Menschen schwer gemacht hat (Hitze, Durst, Trauer und Schmerz) wird der Vergangenheit angehören. Die Gottesherrschaft gilt universell (Off 7, 9), allen Menschen, der ganzen Welt.
Predigt man diesen Text, so ist es die Aufgabe, nicht allein auf die Zukunft dieses Geschehens zu verweisen, sondern auch darauf, dass die Gottesherrschaft auch unter uns schon da beginnt, wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind und er unter uns ist und wo sein Wille geschieht (vgl. das Liebesgebot im 1. Johannesbrief). Beide Dimensionen der Gottesherrschaft sind zu betonen, um der Gefahr zu begegnen, einer bloßen Vertröstung auf die Zukunft das Wort zu reden. Bei aller Vorläufigkeit unserer Welt: Wir sind heute schon gerufen und in der Lage dazu, am Reich Gottes mit zu bauen.
Konkrete Beispiele könnten ähnliche sein wie oben beschrieben. Die Erfüllung des Liebesgebots als Beitrag zum Bau am Reich Gottes. Die eschatologische Dimension des Textes kann die Gemeinde ermutigen, jetzt schon zu handeln im Wissen, dass das Beste noch kommt.

Johannes 10, 27 – 30
Jesus als der gute Hirte. Auch hier schwingen die Worte des 23. Psalms mit. Auch wenn dort explizit Gott als guter Hirte angesprochen wird, so betont Johannes in Vers 30 die Einheit von Vater und Sohn.
In diesen Versen wird der Gemeinde Mut gemacht. Niemand kann uns aus Gottes oder Jesu Hand reißen. Wir gehören zu ihm wie die Herde zum Hirten. Lohn des Dazugehörens ist das ewige Leben, verbürgt durch Tod und Auferstehung Jesu. Die Sorge um die letzten Dinge sind uns genommen. Dies kann der Ansatz dazu sein, sich um so mehr den vorletzten Dingen der Welt, in der wir leben, zuzuwenden. Um uns selbst brauchen wir uns in letzter Konsequenz keine Sorgen zu machen und können uns darum den Sorgen und Nöten unserer Mitmenschen, der bedrohten Schöpfung, der Welt zuwenden. Im Bewusstsein zwar, dass alles, was wir tun, ebenfalls vorläufigen Charakter hat, doch in dem festen Bemühen, Gottes Willen, wo es geht, Wirklichkeit werden zu lassen. Themen können sei: Gerechtigkeit in lokaler wie globaler Dimension, Frieden zwischen den Menschen und mit der Schöpfung, das Wahrnehmen unseres Bewahrungsauftrags gegenüber der nichtmenschlichen Schöpfung. Bei allem ist zu beachten: Die Vorläufigkeit unseres Handelns schließt eine strikte Absolutheit der Meinung aus. Die Richtung unseres Tuns und Handels ist klar (z.B. Bewahrung der Schöpfung). Über Wege dahin aber muss trotz allem geredet und zur Not auch gestritten werden können. Erst so werden wir unserem Anspruch gerecht, Kirche der Freiheit zu sein und zu werden.


Literatur:

Berger, Klaus, Bibelkunde des Alten und Neuen Testaments Bd. 2
Conzelmann/ Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament
Schweizer, Eduard, Theologische Einleitung in das Neue Testament
Vielhauer, Philipp, Geschichte der urchristlichen Literatur

Andreas Gutting, Albersweiler

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