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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18. Apr. 10 - Miserikordias Domini / 3. Sonntag der Osterzeit

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Petr 2, 21b-25

Apg 5, 27b-32.40b-41

Offb 5, 11-14

Joh 21, 1-19 oder
Joh 21, 1-14

Die Autorin betrachtet alle angeführten Bibelstellen. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Überfischung, Massentierhaltung, Besinnung auf das christliche Menschenbild (Joh 21); was andere verlangen: Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund der „clausula Petri“ (Apg 5); Kampf ohne Gewalt, auch für gerechte Verhältnisse (1 Petr 2); Zugang zu wichtigen Informationen finden, konsequent handeln (Offb 5)


Stellung im Kirchenjahr

Der katholische dritte Sonntag der Osterzeit bzw. der evangelische zweite Sonntag nach Ostern wird auch Misericordias Domini genannt. „Misericordias Domini in aeternum cantabo – von den Taten deiner Huld, Herr, will ich ewig singen.“ Der Sonntag ist sowohl in der römisch – katholischen Kirche als auch in der lutherischen und alt-katholischen Kirche vom Motiv des „Guten Hirten“ geprägt. Die Texte, die an diesem Sonntag gelesen werden handeln alle von der Schaf-/Lamm-, und Hirtenthematik. Als Evangelium wird in der evangelischen Kirche Joh 10, 11-16 [27-30] gelesen, auch die Epistel 1 Petr 2, 21b-25 nimmt das Hirtenthema auf. Die katholische Ordnung liest im Lesejahr C Joh 21 (Die Erscheinung Jesu am See Tiberias). In der Stelle aus der Offenbarung des Johannes wird der Hirte Jesus selbst zum Lamm.


Joh 21, 1-19

Exegetische Überlegungen

Im allgemeinen wird heute angenommen, dass Joh 21 ein Nachtrag zum Evangelium ist. Das Kapitel ist an sich eine „kompositorische Einheit“[1] und gehört innerhalb der Ostererzählungen zu dem Typ der Wiedererkennungslegenden. Joh 21 ist dreigeteilt, nämlich in 21, 1-14 / 21, 15-23 und in den Abschluss 21, 24 f. Der als Evangelium vorgesehene Text umfasst also in der Kurzfassung den ersten Abschnitt und nimmt in der längeren Fassung noch einen Teil des 2. Abschnitts mit dazu. Der erste Abschnitt 21, 1-14 kann grob in zwei Teile unterteilt werden: Das Thema des wunderbaren Fischfangs (2-6.11) und die Erzählung vom wunderbaren Mahl (8.f.12.f.) Es wurden also wahrscheinlich zwei Wundertraditionen sekundär verknüpft. Die Teile 21, 15-19 gehören zum 2. Abschnitt, der vom Auftrag Jesu an Petrus handelt. Hier findet sich die Anbindung zum „Hirtensonntag“ mit dem Motiv Hirt und Schafe. Das typische johanneische Motiv der Liebe kommt in 21, 15 ff. zum Zug.
Parallel zur dreimaligen Verleugnung des Petrus (18, 15.25-27) vergewissert sich Jesus dreimal der Liebe des Petrus. „Petrus ist nun von seiner dunklen Vergangenheit entlastet. Wie in einem Beichtgespräch wird das Versagen des Jüngers nicht in allen Einzelheiten nochmals breitgeredet. Es ist den Gesprächpartnern bekannt, aber nur indirekt präsent.

Die Aufarbeitung geschieht durch positive, die Zukunft neu eröffnende Fragestellung nach dem jetzigen Liebesverhältnis des Apostels zu seinem Herrn.“[2]

Überlegungen zu Ökologie und Nachhaltigkeit

Die Jünger gehen fischen. Sie tun das, was sie vor der Begegnung mit Jesus auch getan haben. Die Ankündigung des Petrus „Ich gehe fischen“ klingt wie der Beginn einer Aktion nach langer Zeit der Lähmung, des Wertens, der Unschlüssigkeit. Petrus beginnt wieder mit der Arbeit. Symbolisch könnte man auch sagen, er und die anderen Jünger beginnen mit der Arbeit, die ihnen Jesus aufgetragen hat. Aber alleine, ohne Beistand Jesu bleiben ihre Netze leer. Jesus ist es, der ihr Netz füllt. So zahlreich sind die Fische im Netz, dass die Jünger es kaum an Land bringen können.

Was hier als Erfolg (wohl als Missionserfolg) gedeutet wird, erinnert gleichzeitig an die Tragödie, die sich in den Seen und Meeren, aber auch in den Städten der Welt abspielt: Überfischung, Massentierhaltung, Überschussproduktion. Nicht für den täglichen Bedarf wird gezüchtet und gefischt, sondern aus Profitgier. Und was zuviel ist, was nicht der Vorstellung oder dem Maß entspricht, wird entsorgt. Ganz anders der Fang, bei dem Jesus seine Finger im Spiel hat. Er bringt, aus der Retrospektive betrachtet, reiche Frucht. Die Fischer fischen in seinem Namen. Auch Petrus, der Jünger, der ihn verraten hat. Jesus überträgt gerade ihm im Namen der Liebe eine große Aufgabe und verzeiht ihm seine Tat, ohne groß darüber zu reden.

Umkehr ist möglich! Nekrophile Strukturen durchbrechen ist möglich, wenn man sich auf die Schöpfung und das christliche Menschenbild besinnt!

Ein Projekt der ökumenischen Stiftung für Schöpfungsbewahrung nennt sich „Bread and Fish“. Bewusst nimmt das Projekt die beiden ältesten Christussymbole Brot und Fisch auf, um auf die Situation im Ostseeraum hinzuweisen. Es geht darum, auf die Bewirtschaftung von Land und Meer, dem Umgang mit knappen Ressourcen, aber auch auf den Umgang mit der Kulturlandschaft und der Natur hinzuweisen. Das drohende Verschwinden der Fischbestände, das Sterben von Höfen im Ostseeraum aufgrund massiven Wandels der landwirtschaftlichen Produktionsverhältnisse wird angemahnt. Brot und Fisch will die Menschen im Ostseeraum in gemeinsamer Verantwortung für ihre Heimat zusammenführen. Dies gilt insbesondere für den Schutz des Meeres.

Literatur:

http://www.bread-and-fish.de
Becker Jürgen, Das Evangelium nach Johannes, Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament, Bd. 4,2 [ÖTK 4/2], Gütersloh 1984


Apg 5,27b-32, 40b-41

Exegetische Überlegungen

Der Text aus der Apostelgeschichte berichtet von einer Gerichtsverhandlung. Die Apostel sind angeklagt, trotz Verbot über Jesus gesprochen und gelehrt zu haben. Dem Hohenpriester, der sie verhört, erklären sie, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen. Aufgrund einer im Lesungstext herausgekürzten Stellungnahme des Pharisäers Gamaliel werden sie unter der nochmaligen Auflage, ihre Verkündigung einzustellen, freigelassen, vorher aber noch ausgepeitscht. Aber die geprügelten Apostel gehen nicht eingeschüchtert. Sie sehen es als eine Ehre an, als eine Auszeichnung, für seinen Namen leiden zu dürfen. Der Text gliedert sich in: Einführung des Verhörs (27 f.), Rede des Petrus (29-32) und Abschlussverse. Der Gamaliel-Teil (34-39) ist nicht Gegenstand der Lesung. Kernstück des so gekürzten Textes ist also die Rede des Petrus und der Apostel, die sich in die Feststellung, Gott mehr als den Menschen gehorchen zu müssen, die sogenannten „clausula Petri“, dem Jesuskerygma (20 f.) und dem Zeugenhinweis (32) gliedert.

Überlegungen zu Ökologie und Nachhaltigkeit

Auch in dieser Textstelle ist es Petrus, der sich anders verhält, als noch vor ein paar Wochen, als er sich mehrmals von Jesus distanzierte. Die „clausula Petri“ seiner Rede bietet viele Anknüpfungspunkte zur Nachhaltigkeit und Ökologie, gesteht sie doch dem Christen zumindest ein passives Widerstandsrecht zu.

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ meint heute, auf Situationen aufmerksam zu sein, in denen Menschen etwas von uns verlangen, das nach Gottes Maßstab eindeutig falsch oder nach Gottes Auftrag eindeutig geboten ist. Das können ungerechte Kriege, Benachteiligung von Schwachen oder die Zerstörung der Schöpfung sein. Mit der „clausula Petri“ haben Christen sozusagen die Aufgabe erhalten, sich für diese Belange einzusetzen und das Tun der politisch Handelnden mit kritischer Anteilnahme zu verfolgen. Einfach ist dieser zivile Gehorsam sicher nicht, kann er doch auch schwerwiegende Konsequenzen (im Falle der Apostel Geißelung) mit sich bringen. Und trotzdem gibt es auch in unserer Zeit Beispiele, wo Christen herausgefordert waren oder sind, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen und sich eindeutig zu ihm zu bekennen.

Literatur:

Weiser, Alfons: Die Apostelgeschichte Kapitel 13-28, Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament, Bd 5,2 [ÖTK], Gütersloh 1985


1 Petr 2, 21b-25

Exegetische Überlegungen

Der Text des ersten Petrusbriefes, der in der evangelischen Liturgie gelesen wird, gehört zu den Anweisungen, die „Petrus“ unter Aufnahme von Elementen der spätantiken Haustafel Sklaven, Frauen und Männern gibt. Im vorliegenden Abschnitt geht es um Anweisungen an die christlichen Sklaven, die in heidnischen Haushalten arbeiten. Der Verfasser weist die Sklaven an, „sich völlig in ihre Bedingungen zu schicken, gerade auch wenn es besonders bedrückende Bedingungen sind“[3]. Auch wenn hier zu den Sklaven geredet wird, ist das Thema, wie Norbert Brox bemerkt, nicht die Sklaverei, sondern „die Möglichkeit christlicher Existenz unter den gegebenen bzw. aufgezwungenen Verhältnissen“ und „das Leiden-Können in den vorkommenden Situationen“[4]. Leiden ist demnach nicht sinnlos, wenn es zu Unrecht und ohne Schuld erlitten wird. Vielmehr ist Leiden dann Berufung, weil es konkrete Nachfolge des leidenden Christus ist, der selbst schuldlos gelitten hat. Wer so leidet, folgt den Spuren (den Fußspuren) Jesu. Die Rede vom stellvertretenden Leiden und von den verirrten Schafen und ihrem Hirten sind fast wörtliche Zitate aus Jes 53. Die Adressaten des 1 Petr, die Gemeinden in Kleinasien, leiden im ausgehenden 1. Jh. unter Schikane und Diffamierung ihrer Umgebung. Der Verfasser ermutigt sie, im Leiden selbst Trost und Hoffnung zu finden, weil auch Christus gelitten hat.

Überlegungen zur Ökologie und Nachhaltigkeit

Der Text scheint nicht in unsere Zeit zu passen. Wer leidet schon gerne? Und selbst Christen wird es schwer fallen, ihre ungerechte Situation in die Nachfolge des leidenden Christus zu stellen. Leiden zu erdulden soll eine Gnade vor Gott sein? Wird hier nicht Leiden glorifiziert, wo doch Widerstand gegen Ungerechtigkeit notwendig wäre? Das erduldete Leiden und die damit verbundene gewaltlose Fügung in Unrechtssituationen bedeutet aber nicht Nichtstun. Im Sinne Jesu zu handeln bedeutet nur, nicht mit Gewalt auf jemanden zu reagieren, der böse ist. Wer sich Jesus, den Hirten, als Vorbild nimmt, wer in seine Fußstapfen tritt, der wird selbst zum Hirten bzw. zur Hirtin. Das kann bedeuten, neue Wege einzuschlagen, die man so noch gar nicht gesehen habe. Jesus als Vorbild zu haben bedeutet: Gewaltlos kämpfen für eine Welt, in der es keine Sklaven und keine Gewalt mehr gibt. Das bedeutet auch, sich seine Menschlichkeit auch unter unmenschlichen Bedingungen zu bewahren. Die Verbindung zur „clausula petri“ aus der Apostelgeschichte ist deutlich in der Gewaltlosigkeit, die beiden Texten zugrunde liegt, und dem Eintreten für Gerechtigkeit im Namen Gottes.

Literatur:

Brox, Norbert, Der erste Petrusbrief. Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament Band 21, Zürich 1993


Offb 5,11-14

Exegetische Überlegungen

Der vorliegende Text ist das Ende der Thronsaalvision (4,1-5,14). Zu dieser Stelle aus der Offenbarung schreibt Marius Reiser: „Das ist die dramatischste Stelle im ganzen Buch der Geheimen Offenbarung.“[5] In Offb 4 wird eine erste Himmelsvision beschrieben, in der Bilder der alttestamentlichen Gottesvorstellungen gebraucht werden. Posaunen erklingen, von einem Thron gehen Blitze und Donner aus, und die Lebewesen rings um den Thron rufen: „Heilig, heilig, heilig!“ In Offb 5 wird dann eine siebenfach versiegelte Buchrolle gereicht. Der Seher bricht in Tränen aus; denn es kann „niemand im Himmel, auf der Erde und unter der Erde das Buch öffnen und lesen“ In diesem Augenblick taucht nun eine konkrete Gestalt auf: ein Lamm, das wie geschächtet aussieht. Die unzähligen Engel um den Thron stimmen ein in den Lobpreis (Vers 8 ff) und zählen sieben Eigenschaften (doxologische Prädikate[6]) auf, welche dem Lamm zukommen, bzw. welche das Lamm hat. Dieses Lamm ist würdig und fähig die Buchrolle zu öffnen.

Der hymnische Lobpreis findet seinen Abschluss in der Doxologie in Vers 13, die von der ganzen Schöpfung dargebracht wird und sowohl Gott als auch dem Lamm gilt. Die 24 anwesenden Ältesten fallen nieder und beten das Lamm an. Im folgenden werden die Siegel nach und nach durch das Lamm geöffnet.

Überlegungen zur Ökologie und Nachhaltigkeit

Engel und Siegel, zwei Begriffe aus der Offenbarung, die eng mit dem Thema Nachhaltigkeit verbunden sind: „Das ist für mich wie ein Buch mit sieben Siegeln". Das sagt man, wenn man zu einer Sache überhaupt keinen Zugang hat. Siegel, von lat. Sigillum, Bildchen, dienen der Beglaubigung von Dokumenten und der Sicherstellung der Unversehrtheit von z.B. Gegenständen und Briefen. Im Umweltbereich gibt es Qualitätssiegel bzw. Umweltzeichen, die bezeugen, dass das Produkt besonders umweltgerecht ist. In Österreich heißt ein Buch ''Das Buch der 7 Siegel''. Es ist ein kompaktes Nachschlagewerk zu den Nachhaltigkeits - Gütesiegeln und Qualitätskennzeichnungen Österreichs. Die Gütesiegel werden vorgestellt, Qualitätskriterien im Detail zugängig gemacht, Kriterien und Prüfmodi verglichen. Die mit Siegel ausgezeichneten Produktgruppen reichen von Baumaterialien über Bekleidung bis zu Nahrungsmitteln und Sozialen Organisationen. Eines der klassischsten Biosiegel ist der „blaue Engel“, der anzeigt, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung die Umwelt möglichst gering belastet und der Gesundheitsschutz gewährleistet ist.

Literatur:

„Buch der 7 Siegel“ Ökodatenbank Österreich, 2007; www.oekoweb.at

Müller, Ulrich B. Die Offenbarung des Johannes; Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament Bd. 19, Gütersloh 1984

Pascale Jung, Merzig

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[1] Ökum. Taschenbuchkommentar, 758

[2] Ebd., 777

[3] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, 139.

[4] EBD. 139.

[5] Reiser, Marius, Das christliche Geschichtsbild: Seine Herkunft und seine moderne Rezeption. In: Studien zur Johannesoffenbarung und ihrer Auslegung: FS Otto Böcher. – Neukirchen-Vluyn 2005, S. 46-70, S. 63

[6] Müller, Ulrich B. Die Offenbarung des Johannes; Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament Bd. 19, Gütersloh 1984,159.

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