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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Apr. 10 - Quasimodogeniti / 2. Sonntag der Osterzeit

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Petr 1, 3-9

Apg 5, 12-16

Offb 1, 9-11a.12-13.17-19

Joh 20, 19-31

Die Autorin geht auf alle Prediktperikopen des Tages ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: „ewig“ als „unüberbietbar nachhaltig“; Gott lässt nicht die Bedrängungen verschwinden, sondern gibt die Kraft, sie zu bewältigen; Gesetz des Handelns als scheinbarer Zwang; Gelassenheit als „Freundin und Förderin“ der Nachhaltigkeit, Gier als ihre „Feindin“; aus der Gemeinschaft heraus verändert sich die Welt; glauben, auch ohne zu sehen

Quasimodogeniti – „Wie neugeboren…“ dürfen Christinnen und Christen sich vorkommen an diesem ersten Sonntag nach Ostern. Sich selbst sehen lernen als Menschen, für die das Leben neu gewonnen worden ist – als ein Leben, das kein Tod zerstören kann.

Eigentlich ist das Thema des Sonntags ein Paradox – Kontinuität und Neuanfang zugleich. Denn natürlich es ist das Leben, das wir schon vor Ostern gelebt haben, das nun weitergeht. Aber zugleich ist es ein anderes Leben. Es hat eine neue Qualität. Es steht jetzt in einem entscheidend anderen, ewigen – also unüberbietbar nachhaltigen – Horizont. Ein ganz neues Licht fällt aus dieser Perspektive von der Zukunft, von seinem Ziel her auf das Leben aller, die sich in diesem Horizont wiederfinden. Alle vorgeschlagenen Texte für den Sonntag Quasimodogeniti 2010 wollen diesen neu aufgerissenen Horizont beschreiben und für das Leben deuten. Sie applizieren die Verheißung, die in diesem neu gefundenen Leben liegt, auf verschiedene gegenwärtige Erfahrungshorizonte und Lebenssituationen ihrer biblischen (und damit auch von uns heutigen) Adressatinnen und Adressaten.


Ev. Predigtreihe II – Epistelreihe: 1 Petr 1, 3-9
Der Brief eines Petrus-Pseudepigraphen entstand vermutlich deutlich nach der Mitte des 1. Jh. und will bedrängte Christinnen und Christen in verschiedenen Gegenden Kleinasiens und ihre Gemeinden trösten und stärken. Sie erleben gegenwärtig „mancherlei Anfechtungen“, sind darüber traurig und spüren wenig von der Kraft und Zuversicht, die die Aussicht auf das „Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel“, in ihnen wecken könnte. Der Verfasser des Briefes versucht nach Kräften, die Lücke zwischen Verheißung und Erfüllung wenigstens gedanklich zu überbrücken.

Und er hat dabei mehr zu bieten, als Durchhalteparolen mit Blick auf das zu erwartende glückliche Ende. Das gibt es als „der Seelen Seligkeit“ dereinst zwar auch. Aber auch jetzt ist bei den Adressatinnen und Adressaten bereits etwas da: Glaube. Und lebendige Hoffnung. Beides hat seinen Grund in dem Ereignis der Auferstehung Jesu Christi. Und beides wird bewahrt und lebendig gehalten durch die Macht Gottes. Gott ist längst am Werk. Und wenn schon nicht so, dass die äußeren Verhältnisse sich wandeln, die Bedrängungssitutionen (Benachteiligungen? Anfeindungen? Verfolgungen?) ohne weiteres verschwinden, dann doch so, dass Gott den Angesprochenen die Kraft gibt, in diesen Bedrängungen ihren Glauben zu bewahren. Und d.h. eine Haltung, die von einer anderen Wirklichkeit weiß, die deshalb die Verhältnisse der Gegenwart nicht verabsolutieren muss und so heilsam verwandeln kann. Wer von einer anderen Wirklichkeit weiß und sich auf sie beziehen kann, der wird sich von den real existierenden Verhältnissen nie das Gesetz des Handelns aufzwingen lassen. Der kann es sich leisten, auch dem Feind noch mit Achtung und vielleicht sogar mit gelassener Freundlichkeit zu begegnen – und ihn so wo immer möglich zu ent-feinden. Dann entstehen manchmal ungeahnte neue Spielräume des wahren Lebens, Vorgeschmack auf „der Seelen Seligkeit“.


Kath. Lesejahr C – 1. Lesung: Apostelgeschichte 5, 12-16

War der Kern der Osterbotschaft dies, dass Gott in Jesus dem Tod die Macht genommen hat, so ist die Botschaft dieser Perikope, dass mit Gottes Hilfe auch den Erfahrungen und Leiden, die das Leben mitten im Leben zerstören und einschränken wollen, etwas entgegengesetzt werden kann.

Den vielen kleinen Toden mitten im Leben der Menschen um sie herum und sogar dem weiteren Umkreis begegnen die Jünger (und Jüngerinnen?) Jesu mit ihren eigenen Händen. Sie sind Apostel und nehmen diese Rolle an. Verstehen sich nun selbstbewusst als Gesandte Jesu, die an seiner göttlichen Mission teilhaben, sie selbständig fortführen sollen. Und in Jesu Namen und in seiner unmittelbaren Nachfolge gestalten sie pars pro toto die Wirklichkeit neu. Wie Jesus heilen sie Krankheiten, weil darin zeichenhaft deutlich wird, worauf es hinauslaufen wird mit Gottes nachhaltig schon anbrechendem Reich in dieser Welt.

Kraft und Vollmacht für ihr Tun schöpfen sie offenbar aus der Mitte ihrer einmütigen Gemeinschaft. Um sie herum wächst diese Gemeinschaft kräftig und wie von allein um immer mehr Männer und Frauen, „die an den Herrn glaubten“ – die also mit Jesu Gegenwart und andauernder und nachhaltiger Wirksamkeit in dieser Welt rechneten. Aus dieser Gemeinschaft heraus, in der Kraft des Geistes, der in dieser Gemeinschaft offenbar Spielraum hat, verändert sich die Welt. Und wie unglaublich viel wird den Aposteln zugetraut – selbst dem Schatten des vorübergehenden Petrus wird noch heilsame Wirkung zugeschrieben.


Kath. Lesejahr C – 2. Lesung: Offb. 1, 9.-11.a.12-13.17-19
Wer hat die Macht? Wer wird den Ausgang, das Ende bestimmen? Und damit darüber entscheiden, ob nachhaltiges Denken und Handeln, Schonung der Ressourcen, Achtung vor natürlichen Lebensgrundlagen sich lohnen wird oder nicht. Nachhaltiges und gerechtes Denken, Planen, Wirtschaften und Handeln ist nirgends so bedroht und missachtet, wie in den totalitären Imperien dieser Welt. Und überall dort, wo Mächtige skrupellos ihre Interessen durchsetzen und um jeden Preis sichern. Aber „was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten“ (M. Gandhi). Solche Gewalt braucht Ressourcen, die eines Tages erschöpft sind. Deshalb können ihre Reiche niemals von Dauer sein. Die Zeit arbeitet immer gegen sie.

Wie anders dagegen das Reich dessen, den der Seher Johannes sieht. Er schaut den, der Zeit und Ewigkeit umgreift, der vor und nach aller Zeit war und bleiben wird. Den, der selbst das Leben verkörpert. Der Seher verliert darüber die Fassung und den Boden unter den Füßen; und gewinnt beides wieder, denn in dem Lebendigen berührt ihn das Leben selbst und vertreibt wortmächtig alle Furcht. Der Lebendige kann das, denn er hat die Schlüssel des Todes und der Hölle – nichts ist in seiner Nähe verloren, nichts endgültig verurteilt und abgeschrieben. Das Leben, das er verkörpert und bewahrt, ist in Ewigkeit nicht totzukriegen. Es wird immer wieder aufblühen. Und alle Feinde des Lebens, und seien sie noch so mächtig und einflussreich, mit Geduld und Zuversicht besiegen. Das ist Nachhaltigkeit pur.


Kath. Lesejahr C – Evangelium: Johannes 20, 19-31
„Friede sei mit euch!“ So lautet jedes Mal der Gruß, mit dem der Auferstandene seinen Freundinnen und Freunden begegnet. Friede – inneren und äußeren Frieden, das brauchen die Freunde Jesu, um in die Zukunft sehen und gehen zu können. Innerer Friede – d.h. gelassenes Vertrauen in die Verheißung des Auftrags, den Jesus ihnen gibt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch.“ Der heilige Geist, mit dem Jesus sie ausstattet, wird dieses Vertrauen in ihnen wecken und wachsen lassen. Und äußerer Friede – der muss damit beginnen, dass die Freunde Jesu sich einig sind, was sie glauben und gemeinsam weiter tragen können: Dass er lebt! Und dass sie in dieser gemeinsamen Überzeugung dann auch zusammenstehen und Anfeindungen ertragen, Gefährdungen und Verfolgungen durchstehen können.

Freilich – so anders, so sehr die Dinge auf den Kopf stellend ist das Neue, das Ostern geschehen ist, dass es für manche auch unter den Freundinnen und Freunden Jesu kaum zu glauben ist. Das Johannesevangelium rechnet damit. Ganz ohne Vorwürfe wird der Jünger Thomas gezeichnet. Viel nachsichtiges Verständnis für seine Zweifel schimmert zwischen den Zeilen durch, wenn ganz im nüchternen Berichtsstil geschildert wird, wie der auferstandene Jesus sich ihm besonders zuwendet und ihm die Brücke baut, die Thomas braucht, um seine Zweifel zu überwinden. Manchmal müssen wir sehen, sinnlich erleben, leibhaftig berühren und berührt werden… um glauben zu können. Und wiederum ganz nüchtern prognostiziert Jesus hier: Glauben können – das wird künftig eher schwieriger sein. In Zukunft wird nur selig werden können, wer es wagt, zu glauben auch ohne zu sehen, ohne mir unmittelbar zu begegnen. Die Bibel mit den Geschichten, die in ihr aufgezeichnet sind, ist damit zur entscheidenden und nachhaltigen Brücke des Glaubens geworden.


Bezug zur Nachhaltigkeit
Quasimodogeniti – „Wie neu geboren…“ – Was ist in den Texten des Sonntags das Neue im Alten? Inwiefern befruchtet und ermutigt es nachhaltiges, dauerhaft aufbauendes Denken, Planen und Handeln?

Die Zeit des Lebens ist anders gefüllt, wenn die Schätze der Ewigkeit erkannt und sogar zugänglich geworden sind: Diese sind „der Seelen Seligkeit“ (1 Petr 1, 5+9), die Heilung von körperlichen und psychischen Krankheiten (Apg 5, 12+16), die innere Schau und Ergriffenheit des alles umfassend Lebendigen (Offb 1, 10+17 f.) und die Erfahrung des Auferstandenen, der auch dem Zweifler so begegnet, dass der den Glauben an die Auferstehung des Lebendigen findet (Joh 20, 28).

Auch wenn diese Schätze des Glaubens mit Ewigkeitsqualität nicht unmittelbar erreichbar, nicht hier und jetzt in vollen Zügen genossen werden können, so können sie doch nicht verpasst werden. Wer das glauben und darauf vertrauen kann, der kann warten. Der muss nicht alles gleich und sofort erleben, konsumieren und besitzen wollen. Denn er braucht keine Angst zu haben, dass ihm etwas entgeht.

Die schönste Freundin und Förderin der Nachhaltigkeit ist vertrauensvolle Gelassenheit, die schlimmste Feindin die verzweifelte Gier. Wer darauf vertraut, dass ein unvergängliches (also nicht vor der Zeit durch Inflation und Börsencrash zerrinnendes), ein unbeflecktes (also nicht auf unlautere Weise zusammengerafftes) und unverwelkliches (also nicht durch Motten, Rost oder andere Zähne der Zeit an Wert verlierendes) Erbe auf ihn wartet, der kann gelassen abwarten, bis es ihm zufällt. Wer diese Aussicht nicht hat, der muss um jeden Preis sehen, dass er oder sie nicht zu kurz kommt.

Annegret Helmer, Essen

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