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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

02. Apr. 10 - Karfreitag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L.  

Mt 27, 33-50 (51-54)

Jes 52, 13 - 53, 12

Hebr 4, 14-16; 5, 7-9

 

Der Verfasser geht auf alle Predigttexte des Tages ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Umgang mit Enttäuschungen, Gottvertrauen, Kräfte zum Weitermachen (Mt 17); Gerechtigkeit als Grundlage für friedliches Miteinander, auch global (Jes 52 / 53); Mit-Leid in der Gemeinde in aktives Handeln umsetzen (Hebr 4 / 5)


Stellung im Kirchenjahr

Von älteren Gemeindegliedern wird berichtet, dass der Karfreitag einst der höchste evangelische Feiertag in der Pfalz war. Inzwischen lässt der stark zurückgegangene Gottesdienst-Besuch an Karfreitag vermuten, dass von dieser früheren Tradition heute offensichtlich wenig geblieben ist.


Vorbemerkungen zu den Texten und einer Predigt:

In allen drei Textstellen steht das Thema „Leiden“ im Zentrum; im Matthäus-Evangelium und im Hebräerbrief geht es in besonderer Weise um das Leiden Jesu. Weitere Begriffe, die in den drei Textstellen eine Rolle spielen und die allesamt in eine Predigt einfließen könnten, lauten: Hohn und Spott, Wunden und Krankheiten, Tränen und Schmerzen, Trauer und Tod, Versöhnung und Vertrauen, Gerechtigkeit und Frieden.


Anmerkungen zu den Texten:

Mt 27, 33-50
Die Darstellung der Geschichte vom Leiden und dem Kreuzestod Jesu im Matthäusevangelium passt ganz und gar in das Bild vom leidenden Gottesknecht (vgl. Jes 53). Für Julius Schniewind ist deutlich, dass die Grundlage der Schilderung der Kreuzigung Jesu in Psalm 22 liegt und von da aus gestaltet wurde. Das wichtigste Zitat hierbei in Vers 46: „Eli, eli, lama zaphthani!“ das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Im synoptischen Vergleich findet sich bei Markus dieselbe Formulierung; im Lukas- und im Johannes-Evangelium fehlen diese. Die Kreuzigung selbst wird bei Matthäus in einer aktenmäßigen Kürze beschrieben, wogegen den Hohn und Spott, den die Menschen über den leidenden und sterbenden Jesus ausschütten, in aller Ausführlichkeit dargestellt wird.

Eine Schlüsselstelle unseres Textes steht in Vers 43. Dort schreibt Matthäus, dass die Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und Ältesten sprachen: „Er hat auf Gott vertraut!“ In dieser Formulierung wird etwas Ungeheuerliches zum Ausdruck gebracht, nämlich: die Feinde Jesu bezeugen wider Willen die Gottessohnschaft Jesu.

Im Zusammenhang mit dieser Personengruppe spricht Schniewind im Zusammenhang der Verse 42 ff. („Steig herab vom Kreuz und hilf dir selbst!“) von der „Wundersucht“: Wenn Jesus einfach so vom Kreuz steigen würde, würden sie glauben! Wäre das wirklich so?

Jesaja 52, 13-15 und 53, 1-12
Bei diesem Text handelt es sich um das vierte Gottesknechtslied. Vom Aufbau bilden die Verse 52, 13-15 und 53, 11b-12 einen Rahmen um die Beschreibung des Gottesknechts.

Das Wirken des 2. Jesaja fällt in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 587 und vor dem Sturz des babylonischen Reiches im Jahre 539. König Nebukadnezar hat mit seinen Kriegern Israel besiegt, den Tempel zerstört und die führenden Schichten nach Babylon deportiert. Die Mütter und Väter, die vor Jahrzehnten hierher verschleppt wurden, waren entweder schon tot oder sehr alt. Mittlerweile kannten viele junge Israeliten nur Babylon. Und ganz so schlecht war das Leben auch nicht – zumindest gab es zu essen und zu trinken und Arbeit, auch wenn diese Arbeit Zwangsarbeit war. Die Babylonier gewährten ihren Gefangenen relativ große Freiheiten in ihrer persönlichen und religiösen Lebensgestaltung. So wissen wir, dass es ihnen ermöglicht wurde, Häuser zu bauen, Ackerbau zu betreiben, Familien zu gründen und ihre eigenen Gottesdienste abzuhalten. Westermann stellt allerdings heraus, dass bezüglich der Gottesdienstgestaltung eine inhaltliche Änderung stattfand, die sich nachhaltig auswirkte. Durch den Verlust des Tempels und den Wegfall der Opferhandlung hatte sich das Schwergewicht auf das Wortelement verlagert. Insbesondere gewann die Lesung von Psalmen an Bedeutung. Dieses lässt sich an einer großen Zahl von Psalmzitaten bei Deuterojesaja belegen. Daher besteht die Annahme, dass der Synagogengottesdienst eine seiner Wurzeln im Exil hat, sicher zu Recht. Manche Worte Deuterojesajas lassen darauf schließen, dass für viele Israeliten die Zerstörung des Tempels und das Ende der David-Dynastie auch das Ende des Wirkens Jahwes für sein Volk bedeutete. Die Götter Babyloniens waren die Sieger. Ihr Kult übte eine imponierende Wirkung aus. So erkaltete der alte Glaube an Jahwe und viele wandten sich den Göttern Babylons zu. Dennoch - so hin und wieder -, bei den Erzählungen der Alten nachts am Lagerfeuer wuchs die Sehnsucht nach der alten Heimat – nach Israel. Die Geschichten über die Väter Abraham, Isaak und Jakob, über die Könige Saul, David und Salomo und von dem prächtigen Tempel in Jerusalem waren faszinierend. Die Geschichten von Schuld und Versagen wurden auch nicht verschwiegen: das Volk und die Könige hatten Jahwe vergessen und sind ihre eigenen Wege gegangen.

Die Besonderheit der Prophetie Deuterojesajas liegt darin, dass er den Auftrag hatte, seinem Volk Heil, nichts als Heil zu verkündigen und dass er dennoch in der Nachfolge der vorexilischen Gerichtpropheten steht. Er ist ein Heilsprophet, der in die Linie der Gerichtspropheten gehört. Die Erklärung ist einfach, schreibt Westermann weiter, „Prophetie ist nicht nur Vorhersagen, sondern soll auch das rechte Wort zur rechten Zeit sagen. Die Mitte seiner Botschaft ist die Heilszusage mit ihrem Ruf: „Fürchte dich nicht! Tröstet mein Volk! Spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt, dass ihre Gefangenschaft ein Ende hat und dass ihre Schuld vergeben ist.“ (Jesaja 40, 1 f.).“ Der Einzelne darf sich durch den Zuspruch Jahwes persönlich angesprochen fühlen und aus seiner Botschaft Hoffnung schöpfen. Zentrale Aussage: „.. dass wir Frieden hätten ..“ (Vers 5b)

Hebr 4, 14-16 und 5, 7-9
Der Hebräerbrief stellt eine Verbindung zwischen Jesus und Melchisdek her. Beide werden mit priesterlichen Aufgaben in Verbindung gebracht. Die priesterlichen Aufgaben Melchisedeks bestanden im Austeilen von Brot und Wein. Die priesterlichen Aufgaben für Jesus bestanden neben dem Austeilen von Brot und Wein zusätzlich im Leiden, im Mit-leiden für die Welt.

Wenn sich die Predigthörer als Nachfolger Jesu verstehen, könnte ihnen Mut gemacht werden, ihre priesterlichen Aufgabe des mit-leidens für die Schöpfung nicht nur zu erkennen, sondern auch zu erfüllen. Dieses kann in vielfältiger Weise geschehen, etwa in der Mitarbeit in Eine-Welt-Läden, in Friedensinitiativen, in Asylgruppen oder in Naturschutzgruppen. Das kann auch in der Begleitung einzelner Menschen geschehen, etwa Asylsuchender, Obdachloser, Arbeitsloser oder Trauernder. Gute Gedanken und Texte zum Themenfeld „Leid und Trauer“ finden sich in dem Buch mit dem Titel „Bei Trost“. Das Buch enthält 365 Leidsätze für Trauernde. Ein Beispiel:

Ich weine meine Tränen behutsam.
„Armselig und tränenreich
durch das Tal
der Tränen gegangen,
ist meine Trauer,
und ich habe sie nicht weggewischt,
nicht versteckt, nicht unterdrückt.
Ich habe sie geweint, wie man Früchte sammelt
und vorsichtig nach Hause trägt.“


Vorschläge für Themen einer Predigt:

Die Texte lassen Predigten zu, die mehr oder weniger unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit behandelt werden können; einige Vorschläge für Predigtthemen:

  1. Warum steigt Jesus nicht vom Kreuz? - Vom Umgang mit Enttäuschungen! (Mt 27)
  2. Verkannt, missachtet und verspottet! – Das kann auch dich und mich treffen! (Mt 27)
  3. Jesus hat Gott vertraut! – Wie steht es mit meinem Gottvertrauen? (Mt 27)
  4. Frieden durch Gerechtigkeit! (Jes 53)
  5. „…auf dass wir Frieden hätten!“ (Jes 53)
  6. Mitleid und Hilfe für die Welt (Hebr)

Quellen:

  • Claus Westermann, ATD, Bd.19, Das Buch Jesaja, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
  • August Strobel, NTD, Bd.9, Der Brief an die Hebräer, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
  • Julius Schniewind, NTD, Bd.1, Das Evangelium nach Matthäus, Vandenhoeck & Ruprecht
  • Gottfried Voigt, Die bessere Gerechtigkeit, Homiletische Auslegungen, Ev. Verlagsanstalt Berlin
  • Ludwig Burgdörfer/Marthe Kuhm, Bei Trost, Leidfaden für die Trauerarbeit, Spenner-Verlag, 2005

Eberhard Dittus, Neustadt/W.

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