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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

01. Apr. 10 - Gründonnerstag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

2 Mose 12, 1.3-4.5-7. 11-14

Chrisam-M.: Jes 61, 1-3a.6a.8b-9
Abendmahl-M.: Ex 12, 1-8.11-14

Offb 1, 5-8
1 Kor 11, 23-26

Lk 4, 16-21
Joh 13, 1-15

Der Verfasser betrachtet nach allgemeinen Gedanken zum Gründonnerstag den Evangeliumstext der kath. Leseordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: nicht nur gegenseitig den Kopf waschen, sondern auch die Füße: echte Hilfe und Dienst am Mitmenschen – auch und gerade die Kirche darf keine Angst haben, sich mit den Fragen und Problemen des Alltags „schmutzig“ zu machen (Joh 13)


Elemente der Nachhaltigkeit (Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung) im Gottesdienst des Gründonnerstags

Im Pessachmahl, das Jesus mit seinen Jüngern am Vorabend seines Leidens und Sterbens gefeiert hat, geht es um die Erinnerung an den Exodus aus Ägypten. Juden erinnern sich bis heute daran, dass Gott „das Elend seines Volkes gesehen“ hat und Mose beauftragt hat, sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit, in eine bessere Zukunft zu führen. Das Pessachfest war auch ein Frühlingsfest, mit dem die Israeliten dem Schöpfer dankten, für alles, was durch ihre Arbeit und als Frucht der Erde ihnen Jahr für Jahr geschenkt wurde.

Jesus Christus hat diesem Mahl eine neue Bedeutung gegeben: Es ist das Mahl des Neuen Bundes, in dem er sich selbst hingibt für das Leben der Welt. Brotbrechen, Eucharistie, Abendmahl und Herrenmahl sind Begriffe, die wir verwenden. Sie sagen uns, um was es geht: Gemeinschaft im Brechen des Brotes und Teilen des Kelches, Danksagung für das, was Christus uns schenkt, Einsetzung am letzten Abend Jesu mit seinen Jüngern und Mahl Jesu Christi, das uns mit ihm und untereinander verbindet.

Brot und Wein sind Ursymbole menschlicher Gemeinschaft. Brot ist aus vielen Körnern und Wein aus vielen Trauben bereitet. So führt Gott auch viele Menschen zum Volk Gottes, zum Leib Christi zusammen. Wer das eucharistische Brot mit anderen teilt, muss auch das tägliche Brot teilen, wenn er Jünger Christi sein will. Brot und Wein entstehen durch die Arbeit vieler Menschen und durch das, was die Schöpfung Gottes bereit hält. Gott will, dass alle Menschen (sie sind ja alle seine Geschöpfe und Kinder) ihr tägliches Brot haben. Darum müssen Christen „politische“ Menschen sein, die daran arbeiten, eine gerechte, menschenwürdige und geschwisterliche Welt zu gestalten. „Das Reich Gottes ist nicht indifferent gegenüber Welthandelspreisen.“ (Würzburger Synode, Dokument „Unsere Hoffnung...“).


Joh 13, 1-15: Den Schmutz der Welt abwaschen

Fußwaschung
Die katholische Liturgie sieht vor, dass an diesem Abend nach dem Evangelium 12 Männern die Füße gewaschen werden. In vielen Gemeinden finden sich diese Männer nicht mehr. Ich habe es schon so gemacht, dass ich stattdessen den Messdienern die Hände gewaschen habe und sie gefragt habe, was sie dabei empfunden haben.

Sowohl die Fußwaschung als auch diese Ersatzhandlung an den Messdienern weisen darauf hin, dass Jesus an seinen Jüngern einen Sklavendienst getan hat und damit die geltende Ordnung auf den Kopf gestellt hat. Er ist ja gekommen, um zu dienen und nicht sich bedienen zu lassen. Das geht aber gegen das normale Empfinden der Menschen. Auch Petrus kann es nicht verstehen. Es gibt bildliche Darstellungen dieser Szene, wo Petrus sich mit dem Finger an die Stirn fasst. Eine eindeutige Geste, die besagt: „Du bist wohl nicht recht bei Trost.“ Doch Jesus sagt, dass Petrus ohne dieses Zeichen keine Gemeinschaft mit ihm habe. Gemeinschaft bedarf der Zeichen wie Hände halten, umarmen, streicheln. Jesus wählt ein sehr eindrückliches Zeichen, das dem Ernst der Stunde angemessen ist. Wer den anderen wirklich liebt, macht sich auch für ihn die Hände schmutzig. Tag für Tag tun das auch Angehörige und Pflegepersonal in den Krankenhäusern und Altenheimen. Sie tun es vorwiegend nicht wegen der Bezahlung, die so gut ja nicht ist, sondern aus Nächstenliebe. Mit der Fußwaschung macht Jesus deutlich, was zum tiefsten Kern seiner Sendung gehört: die Hingabe, das Dienen, die Liebe.

Dienst der Christen
Jesus hat uns damit ein Beispiel gegeben. So sollen auch wir handeln! Er hat seinen Jüngern nicht den Kopf gewaschen. Manchmal hätten sie das auch nötig gehabt. Jesus will, dass wir uns nicht nur manchmal gegenseitig den Kopf waschen, sondern die Füße. Das wir uns dem zuwenden, was den Menschen zuerst zu schaffen macht: Dem Schmutz, der Müdigkeit, den Wunden, den Spuren eines langen Weges. Jesus schwebt nicht über dem Menschlichen, sondern er fängt seinen Dienst am Menschen ganz unten an. Erst dann feiert er das Mahl der Gemeinschaft und gibt den Seinen im Brot des Lebens und im Kelch des Heiles sich selbst. Beides gehört eng zusammen: Sich im Dienen zu den Menschen hinwenden und ihnen in seiner Person das Heil schenken.

So soll auch die Kirche mit den Menschen umgehen: Keine Angst haben, sich schmutzig zu machen, sich nicht aus dem Staub machen, sondern sich in den Staub hinknien und den Menschen auf Augenhöhe dienend begegnen. Im Konzilsdokument „Die Kirche in der Welt von heute“ heißt es: „Freude und Hoff-nung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art. Sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“ (GS 1)

Dienst an den Menschen
So hat Franziskus in der Nachfolge Jesu seinen Besitz verschenkt und sich ganz den Armen zugewandt. Ähnlich haben es Elisabeth und viele andere getan. Die Kirche hat Krankenhäuser eingerichtet, Altenheime, Waisenhäuser und Einrichtungen für Behinderte. Wer sich um pflegebedürftige Angehörige sorgt, handelt in diesem Sinn. Damian de Veuster, der im Oktober heilig gesprochen wird, ging bewusst auf die Insel der Aussätzigen, Molokkai. In der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts haben Bischof W.E. von Ketteler und andere sich der neu entstehenden Arbeiterschaft zugewandt und sich für ihre Rechte und ihre Würde eingesetzt. Beispiele aus unserer Zeit sind Einzelne und Gruppen, die sich einsetzen für Frauen in Schwangerschafts-Konflikt, für AIDS-Kranke, für Obdachlose, Arbeitslose, Drogenabhängige und Asylbewerber. Es sind oft nur wenige, die das Gespür dafür haben, wo unser Dienst als Christen heute gebraucht wird. Aber diese Wenigen setzen sichtbare Zeichen.

In vielen Gemeinden ist es leichter, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden für Liturgie, Feste und Katechese als für den Dienst an armen, kranken und alten Menschen. Haben wir Angst, uns schmutzig zu machen? Waschen wir lieber Köpfe als Füße?
Wir dürfen uns als Christen nicht zurückhalten, wenn es darum geht, den demütigen Dienst an der oft unheilen, gar schmutzigen Welt zu tun. Gott sei Dank gibt es viele Menschen – auch in unserer Gemeinde – die Tag für Tag, oft sehr verborgen, diesen demütigen Dienst auf sich nehmen. Es sind die pflegenden Angehörigen, die Beschäftigen in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen, in den Beratungsdiensten, in Gefängnissen und vielen anderen Bereichen. Solche Dienste bringen kein gutes Einkommen, meist keine öffentliche Anerkennung, wenig Unterstützung, viele Belastungen und manche Enttäuschungen.

Teilnahme an der Sendung Christi
Christen sollen nach dem Willen ihres Herrn und Meisters Menschen sein, die sich nicht scheuen, sich an dem Schmutz und Elend der Welt ihre Hände schmutzig zu machen. Sie sollen sich wie Jesus selbst den müden, verwundeten, verschmutzten Menschen zuwenden, um so mitzuhelfen bei der Heilung und Heiligung der Welt. Das ist seine Sendung und sein Auftrag an uns. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben...“ Unser Platz ist da, wo Hilfe und Einsatz gebraucht wird.

Im Johannes-Evangelium wird nur von der Fußwaschung und nicht vom letzten Abendmahl selbst berichtet. Aber es sind zwei Seiten derselben Medaille: Das Zeichen der Fußwaschung deutet das Mahl. Wo Gott an der Welt handelt, da gibt er sich ganz hinein. Er hält sich nicht zurück. Er gibt sich ganz hin im Dienst an den Menschen. Er gibt sich ganz hin im Brot und Wein der Eucharistie. Er gibt sich ganz hin in seinem erlösenden Tod am Kreuz. Fußwaschung und Abendmahl gehören zusammen. Wer am Mahl Jesu teilnimmt, muss bereit sein, wie sein Herr und Meister sich dienend dem anderen zuzuwenden.

Albert Seelbach, Frankfurt

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