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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

28. Mrz. 10 - Palmarum / Palmsonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Phil 2, 5-11

Jes 50, 4-7

Phil 2, 6-11

Lk 19, 28-40

Der Verfasser geht auf alle Perikopen des Sonntags ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: lohnt sich die Anstrengung angesichts des täglichen Scheiterns von Bemühungen (allg.); konkret vorleben statt sich zum Vorbild erheben (Phil 2); Reflexion, das Ziel nicht aus den Augen verlieren, Aufmunterung durch / für andere (Jes 50); Ressourcen nutzen – mit Sinn und Verstand (Lk 19)


Ein paar Gedanken zum Palmsonntag

Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche. So intensiv wie in dieser Zeit begegnet uns das Leben nur selten: Die Höhen und Tiefen des Lebens erscheinen uns ganz konzentriert. Leben und Tod sind ganz dicht beieinander. Wenn wir Jesus als Vorbild nachhaltigen Lebens betrachten – als ein Leben, das andere Menschen wie die Schöpfung als Ganzes wertschätzt und zu bewahren sucht – dann scheint es am Palmsonntag, als begänne ein Siegeszug. Hosanna unserem König! In der katholischen Liturgie wird dieser Euphorie noch im gleichen Gottesdienst ein Dämpfer verpasst: In der Passion erfahren wir vom Scheitern dieses Lebensentwurfes, das uns eben noch so vorbildlich schien. Damit wird die Frage zementiert, die sich den meisten Menschen stellt, die sich um ein Leben in Verantwortung für Welt und Mitmenschen bemühen: Lohnt sich das? Lohnt sich die Anstrengung? Werde ich mit meinen Bemühungen dazu beitragen können, die Welt zumindest nicht schlechter zu verlassen als ich sie vorgefunden habe? Lassen wir die Schrifttexte des Palmsonntags auf diese Fragen eine Antwort geben

Jesaja 50, 4-7
Nachhaltig zu leben fällt einem nicht in den Schoß. Nachhaltig zu leben ist anspruchsvoll und anstrengend. Es ist eine Entscheidung, eine Grundhaltung zum Leben und bedarf immer wieder der Reflektion. Dabei erfahre ich immer wieder auch Scheitern:

  • weil meine Bemühungen durch unbedachtes oder ignorantes Tun anderer konterkariert werden (z.B. Warum kaufe ich noch Mehrwegflaschen, wenn alle anderen sowieso nur noch Einweggebinde verwenden?)
  • ich selbst nicht so konsequent lebe, wie ich es von mir selbst erwarte. (z.B. ich kaufe für Zuhause Sinalco statt Coca Cola und trinke im Restaurant Coca Cola statt Wasser).

Ist letztlich unser Bemühen um ein Leben in Verantwortung für Menschen und Umwelt nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein – ohne dauerhafte positive Auswirkungen? Verantwortungsbewusstsein kann müde machen und wir resignieren. In diese Müdigkeit stellt uns Gott Menschen zur Seite, die es verstehen, uns „Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort“ (Jes 50, 4). Ja, ich kann das Ziel aus den Augen verlieren – Gott baut mich wieder auf und lässt mich weitergehen. Es kann sein, dass ich keine sichtbaren Ergebnisse erziele, Gott hilft mir, auf dem Weg zu bleiben.

Lk 19, 28-40
Wenn ich mich entscheide, ein Leben zu führen, das ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortlich ist, dann kann ich leicht über das Ziel hinaus schießen. Ich kann nicht leben, ohne auf die begrenzten Ressourcen unserer Welt und unserer Gesellschaft zurück zu greifen. Ich kann nicht auf alles verzichten – und muss es auch nicht. Jesus könnte sagen: „Was soll ich diesem jungen Esel, der noch nie einen Menschen tragen musste, mein Gewicht zumuten? Ich kann doch auch laufen, statt mich tragen zu lassen.“ Jesus weiß um die Wirkung, die sein Einzug in Jerusalem auf einem Esel haben wird und entscheidet, sich dem Esel zuzumuten. Er gebraucht den Esel – sinnvoll, aber er gebraucht ihn. Auch wir dürfen die Ressourcen unserer Erde gebrauchen. Wir brauchen uns nicht für jeden Liter Benzin zu schämen, den wir mit dem Auto verbrauchen. Wir sollten nur darauf achten, dass es sinnvolle Kilometer sind, die wir fahren.

Verantwortungsbewusster Lebenstil und Lebensfreude werden oft als zwei Gegensätze betrachtet – ein Vorurteil.Jesus, der Prototyp eines nachhaltigen Lebens kann das Leben genießen (und wird deshalb als Fresser und Säufer bezeichnet, vgl Mt 11,19) und er kann Menschen durch seinen Lebensstil und seine Botschaft begeistern. Die Menschen stehen nicht am Straßenrand und murmeln mit moralisch zerknirschtem Gesicht: „Er hat recht. So sollten wir auch leben!“ Die Menschen reißen Palmblätter von den Bäumen und legen ihre Kleider auf die Straße und jubeln, sie freuen sich. Sie sind so ausgelassen, dass die Pharisäer Jesus auffordern, die Menge zum Schweigen zu bringen.

Gelingt es uns, Lebenslust und verantwortliches Leben so zu leben, dass andere Menschen eine Lebensfreude spüren können, die von uns ausgeht?

Phil 2,6-11 und die Nachhaltigkeit? Zwei Gedanken
Wie Gott zu sein wurde schon im Buch Genesis als schwere Sünde betrachtet. Wenn wir die Menschheit in zwei Gruppen einteilen (was natürlich sehr stark schwarz-weiß-gezeichnet ist): die Nachhaltigen und die Rücksichtslosen, dann haben beide Gruppen eine Gemeinsamkeit: Beide laufen Gefahr sich selbst zum Gott zu erheben.

  • Wer sich im Leben nur um sich sorgt, wen die Bedürfnisse anderer Menschen, kommender Generationen und der Umwelt nicht interessieren, der macht sich selbst zum Mittelpunkt seines Universums. Genau von dieser Grundhaltung, die in jedem Menschen schlummert, wollen wir uns abwenden, wenn wir uns für einen nachhaltigen Lebensstil entscheiden.
  • „Schaut her! So wie ich müssen alle ihr Leben gestalten!“ Sich selbst zum Vorbild für andere zu stilisieren, zu sagen: „Wenn alle so leben wie ich, geht es der Welt besser“, bedeutet ebenfalls eine Selbsterhöhung, die an eine Vergöttlichung erinnert.

Christus Jesus geht den umgekehrten Weg. Statt sich selbst zum Vorbild zu erhöhen und uns von oben herab zu erklären, wie wir unser Leben leben sollen, lässt er sich ganz auf uns ein. Er erklärt uns nicht als Oberlehrer, was Nachhaltigkeit bedeutet. Er lebt es uns vor.

So verändern wir die Welt: Nicht indem wir uns erhöhen, sondern indem wir bescheiden unser Leben gestalten, wie es uns richtig erscheint. Das heißt nicht, dass wir es heimlich, still und leise tun sollen. Andere Menschen dürfen, müssen sehen, wie ernst es uns ist um ein Leben in Verantwortung und Nachhaltigkeit. Sie sollen es nicht aus unserem Mund hören, sie sollen es sehen an unseren Taten und unserer Grundhaltung, mit der wir ihnen und der ganzen Schöpfung Gottes begegnen.

Manfred Heitz, Altrip

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