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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14. März 10 - Laetare / 4. Fastensonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

2 Kor 1, 3-7

Jos 5, 9a.10-12

2 Kor 5, 17-21

Lk 15, 1-3.11-32

Die Autorin betrachtet vor allem die katholischen Perikopen des Sonntags: Sie sprechen von Freude und Fest im Zusammenhang mit der Umkehr – auch eine „ökologische Umkehr“ kann sich von solch einer Freude inspirieren lassen. Kurz geht es auch um den evangelischen Sonntagstext: „Trost in der Not“ gibt es auch für die, die sich für die Schöpfung Gottes einsetzen.


Katholische Texte: Freude in der (ökologischen) Umkehr

Biblische Umkehr und Freude

Mit Gott ist ein Neubeginn in Fest und Freude möglich, gerade auch nach Zeiten der Schuld und Schande: Das steckt in allen drei biblischen Texten, die am 4. Sonntag in der Fastenzeit (Laetare/Freue dich!) in den katholischen Gottesdiensten gelesen werden. Die Israeliten feiern in Josua 5 das Paschafest, nachdem der Herr „die ägyptische Schande“ – vermutlich das Unbeschnittensein in der Wüstenzeit – „von euch abgewälzt hat“, und sie feiern es nicht mit dem Brot aus der Wüste, dem Manna, sondern mit den ersten Erträgen des neuen Landes, also mit frisch Geerntetem. Etwas Neues beginnt: Das Volk Israel lässt die Wüste zurück und betritt Neuland. Von der „neuen Schöpfung“ spricht auch der 2. Korintherbrief im Zusammenhang mit der Versöhnung mit Christus. Auch hier wird Schuld und Schande hinter sich gelassen, Neues leuchtet auf und wird gefeiert: „Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.“ Auch hier ist es Gott selbst – durch Christus -, der Altes und Schuld beiseite wälzt und einen neuen Anfang möglich macht. Am stärksten aber kommt dieser frohe Neuanfang in der Geschichte vom verlorenen Sohn oder barmherzigen Vater zum Ausdruck: Umkehr und Rückkehr sind der Anlass für ein großes Fest, so überschwänglich, dass der zweite Sohn, der Daheimgebliebene, sogar eifersüchtig wird. Gott kommt dem Menschen, der sich schuldig gemacht hat, entgegen, fällt ihm um den Hals, küsst ihn, lässt ihn festlich einkleiden, bereitet ihm ein fröhliches Willkommensfest. Barmherziger ist Gott, als andere Menschen – der zweite Sohn – das begreifen und akzeptieren können. Der Verlorene wird nicht zurückgestoßen, nicht erniedrigt, er muss für seine Schuld nicht büßen – sondern der Vater verzeiht ihm großzügig und barmherzig. Er nimmt ihn vorbehaltlos an und macht aus der Rückkehr des Sünders ein großes Fest.

Umkehr und Versöhnung sind in diesen Texten zweierlei nicht: Sie sind zum einen nicht allein und zuerst Sache des Menschen. Nicht der Mensch muss seine Schuld abwälzen, für seine Schuld büßen, Sühne leisten: „alles kommt von Gott her“. Auch, wenn der Mensch – wie beim „verlorenen Sohn“ – den ersten Schritt tun muss: Gott ist es, der dann in Vorleistung tritt, barmherzig ist, verzeiht, weit entgegenkommt. Und zum anderen: Umkehr und Versöhnung sind hier ganz ausdrücklich keine Sache von Leid und Traurigkeit, sie haben nichts von Verzicht und Askese, von Büßergewand und „Asche auf dem Haupt“. Im Gegenteil: In das Festgewand werden diejenigen gekleidet, die Schuld auf sich geladen und bereut haben. Ein großes Fest der Versöhnung wird gefeiert. Gott „gibt einen aus“, weil der Mensch zu ihm zurückkehrt. Der schuldige Mensch darf sich glücklich preisen (vgl. auch die „felix culpa“ im Oster-Exsultet: „o glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden“), er darf essen, tanzen und feiern. In allen Texten steckt auch die Ahnung und Ankündigung: Das Leben geht nun anders für die Menschen weiter, „Neues ist geworden“. Im Alten wie im Neuen Testament sind Versöhnung und neuer Aufbruch auch immer wieder verbunden mit der Vision vom Reich Gottes, der neuen Zeit und dem neuen Raum, die anbrechen werden für alle Menschen und die gesamte Schöpfung – immer wieder geschildert als großes Fest und Festmahl.

„Ökologische Umkehr“ und Freude

Kehrtwende, Umkehr: Interessanterweise spricht davon – neben der Religion – nicht zuletzt die Ökologie. Wir brauchen eine Richtungsänderung, wir müssen unseren (schlechten, sündhaften) Lebensstil radikal ändern! So fordern Umweltexperten, „Öko-Propheten“ und zum Beispiel auch die Päpste. Eine „ökologische Umkehr/Konversion“ mahnte 2001 explizit Papst Johannes Paul II. an, Benedikt XVI. rief 2007 vor einer halben Million Jugendlichen: „Wir müssen mutige Entscheidungen treffen, bevor es zu spät ist.“ Der Mensch, so wie er sich oft gegenüber seiner Umwelt, der Schöpfung Gottes verhält: Das ist der Mensch vor der Umkehr und Versöhnung, der Mensch in einem alten, sündhaften Zustand. Was können ihm die biblischen Texte des 4. Fastensonntags sagen?

Sie können ein frohes, positives Bild von Umkehr malen und damit Mut machen zu einer „ökologischen Umkehr“. Zum einen auch hier mit der Botschaft - selbst wenn das im „ökologischen Zusammenhang“ seltsam klingen mag -: Der Mensch – erst recht der Einzelne - muss nicht alles allein tun. Gott kommt dem Menschen, der den ersten Schritt in die richtige Richtung tut, entgegen. Die Erfahrung hat mancher, der sich für die Umwelt engagiert, schon gemacht: Die eigenen kleinen ersten Schritte haben mehr bewirkt, als man dachte. Es gibt auch bei der „ökologischen Umkehr“ ein göttliches Entgegenkommen, eine Gnade, die das eigene Tun verwandelt. Und sei es dadurch, dass tatsächlich viele Menschen gemeinsam kleine Schritte der Umkehr tun und dadurch – gemeinsam mit der Macht Gottes? - etwas Größeres bewirken. Zum anderen aber vor allem: Auch die „ökologische Umkehr“ soll und muss nichts Trübsinniges und Trauriges sein. Wer sich dazu entschließt, seinen Lebensstil zu ändern zugunsten der Umwelt und Schöpfung, der darf die Erfahrung machen: Er muss nicht büßen und im Trauergewand herumlaufen, nicht verzichten und leiden. Im Gegenteil: Er kann es genießen, es feiern, sich daran freuen, dass er stärker im Einklang lebt mit der Natur, versöhnter mit der Schöpfung und auch mit anderen Menschen und dem Schöpfer. Eine Entwicklung und Entdeckung der ökologischen Bewegung war das ja durchaus in den letzten Jahren: Der ökologisch bewusst lebende Mensch ist nicht miesepetrig und genussfeindlich – er kann im Gegenteil durch seinen neuen Lebensstil zu einem froheren, genussreicheren Leben kommen. Ganz im Sinne der biblischen Texte des „Laetare-Sonntags“ sind diese Erkenntnisse einer ökologischen Umkehr: Die Umkehr führt zu einem erfüllteren, lebendigeren Leben. Ein Beispiel vielleicht aus dem Bereich des „Auto-Fastens“ in den Kirchen des Südwestens: Während mancher Verkehrsbetrieb sich noch immer gegen das Mitmachen sträubte, weil dieses „ökologische Fasten“ für ihn mit Verzicht zu tun hatte und damit ein Negativ-Image besaß, erzählten die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Sie haben diese Umkehr in der Fastenzeit vor allem als Gewinn erlebt, ihre Lebensqualität hat sich gesteigert durch mehr Bewegung zu Fuß und auf dem Fahrrad, durch mehr Kontakt mit anderen Menschen in Bus und Bahn. Umkehr bewirkt Positives, ja sie kann ein Fest sein: Das sagen die biblischen Texte, und das ist immer wieder auch die Erfahrung von Menschen, die „ökologisch umkehren“.

Zu diesem positiven Bild von Umkehr gehört in der Bibel das Bild vom einstigen „Festmahl“ und gemeinsamem Essen: beim Paschamahl etwa (Jos 5) oder beim großen Willkommensmahl für den verlorenen Sohn (Lk 15). Auch dieses Bild kann die „ökologische Umkehr“ inspirieren. Die Ökologie – wie übrigens auch die Bibel – neigt ja dazu, eher Schreckensszenarien denn Visionen zu malen. Apokalyptisch wird eine Welt gezeichnet, die untergehen wird, wenn sich unser Verhalten nicht ändert – als eine Weise der Motivation kann das richtig sein. Aber mindestens genauso wichtig scheint es zu sagen: Eine großartige, eine bessere, eine versöhnte Welt – ein großes Fest! - ist möglich, wenn die Menschen aufeinander und auf ihre Umwelt Rücksicht nehmen, sich für sie einsetzen. Schon die Bibel nimmt in dieses Bild von der neuen Welt ganz selbstverständlich und ausdrücklich nicht nur den Menschen, sondern die ganze Schöpfung mit hinein: „Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen“, heißt es im Römerbrief, und im heutigen Text aus 2 Kor: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung.“ Alle, Gott, Mensch und Natur, werden am Ende ein Fest der Versöhnung und des Friedens feiern – das ist die Krönung der Umkehr in Freude.


Evangelischer Text: Trost in der Not

Nicht (nur) „Freude“, sondern „Trost“ ist das zentrale Wort im Abschnitt aus 2 Kor, der in den evangelischen Gottesdiensten des Sonntags Thema ist. Der Apostel Paulus will in diesem ganzen Brief immer wieder „die Not nicht verschweigen“, die über ihn und seine Mitstreiter kam und unter der er leidet. Erstaunlich offen geht er in diesem „Tränen-Schreiben“ (vgl. 2 Kor 2, 4) an die Korinther mit seiner eigenen Unzulänglichkeit und seinen Enttäuschungen um. Auch wenn er überzeugt ist von seiner Sendung und deren Botschaft: Die Vorwürfe der Gegner und die Verfolgungen kann er trotzdem nicht einfach so „wegstecken“. Gott ist ihm in dieser Not der wichtigste Tröster – und durch diesen göttlichen Trost kann er auch anderen Trost spenden. Es ist kein resignativer, billiger Trost – auch in diesem Trost steckt Hoffnung und wirkliche Freude („uns wird Leid zugefügt und doch sind wir jederzeit fröhlich“, 2 Kor 6, 10). Wer sich im Glauben für die Schöpfung einsetzt, der kennt auch das und kann dafür Beispiele geben: Enttäuschungen und Anfeindungen gibt es immer wieder, sie lassen sich nicht beiseite schieben. Aber wer sich an Gott festmacht, kann Trost erleben und Kraft bekommen zum Weitermachen.

Beate Hirt, Mainz

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