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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

7. März 10 - Okuli / 3. Fastensonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Eph 5, 1-8a

Ex 3, 1-8a.13-15

1 Kor 10, 1-6.10-12

Lk 13, 1-9

Die Autorin betrachtet den ev. Predigttext und die beiden kath. Lesungstexte. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Nachfolge Jesu bedeutet, für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt zu arbeiten, Solidarität des einfachen Nüchtern-um-sich-Schauens (Eph 5); Aufforderung zum politischen Handeln (bemerken wir, wenn Gott uns auffordert?), christliche Botschaft muss Mut machen, dass es gar nicht erst zur Krise kommt (Ex 3); als Kirche Verantwortung tragen für die Entwicklung gerechter Wirtschaftsstrukturen (1 Kor 10)



Stellung im Kirchenjahr

Der dritte Sonntag der Passionszeit steht im evangelischen Bereich unter dem Motto Nachfolge, Bereitschaft zum Verzicht.

Wochenspruch

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lk 9, 62)


Eph 5, 1-8a

Exegetische Überlegungen

Der Brief an die Gemeinde in Ephesus unterscheidet sich in manchen Einzelheiten von anderen Paulusbriefen. Es deutet einiges darauf hin, dass vermutlich eine Person aus dem Umfeld des Paulus diesen Brief als eine Art Rundschreiben verfasst hat. Die Adressaten wurden dann jeweils nachträglich eingetragen. Der Brief geht nicht auf spezielle Gemeindeprobleme ein, sondern ist eher eine theologische Abhandlung in Form eines Briefes.

Christen und Christinnen werden an ihr Leben erinnert, bevor sie sich taufen ließen. Das wird in einer Art Schwarz-Weiß-Malerei dargestellt, die ich wie all solche plakativen Darstellungen als problematisch empfinde, weil so etwas leicht zu antijüdischen Einstellungen führen kann wie das in der Kirchengeschichte ja auch leider oft genug der Fall war.

Wir müssen den Text wohl eher lesen als die begeisterte Werbung eines von seinem christlichen Glauben überzeugten Menschen für seinen Glauben im Gegensatz zu anderen. Einst und jetzt, Finsternis und Licht, das sind die Begriffe, denen er bestimmte Verhaltensweisen zuordnet.


Predigtimpulse

Lebt in der Liebe, das klingt für uns schon ziemlich abgedroschen. Und dennoch ist es das, worum es letztlich geht! In dem kleinen Tugendkatalog wird beschrieben, wie Christen und Christinnen leben können und sollen. Die Ermahnungen gipfeln in dem Grundsatz: weil wir von Gott beschenkt wurden, können wir weitergeben.

Da werden Gedanken der Predigt Jesu aufgenommen. So sollen sich Menschen verhalten, die an Jesus Christus glauben, alle, die glauben, dass in Jesus die Liebe Gottes sichtbar wurde und die Gott in ihrem Leben wirken lassen. Gott hat das Geschenk der Liebe in unsere Welt gegeben. Gott selbst ist Liebe und in der Liebe zwischen Menschen wird Gott lebendig. Jesus hat uns vorgelebt, wie wir einander lieben sollen. Jesus hatte keine Angst, auf Menschen zuzugehen, die anders waren als die andern. Er war auch mit Menschen zusammen, die verachtet und ausgeschlossen waren. Jesus konnte das, weil er von Gottes großer Liebe wusste. Ja, mehr noch - Jesus war voll von dieser Liebe! So voll, dass er allen davon erzählen und davon abgeben konnte. Selbst am Kreuz hat er noch diese Liebe weitergegeben, als er um Vergebung für die Menschen gebetet hat, die ihm das alles angetan hatten.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Unser Text spricht in Worten, die an alttestamentliche Opfervorstellungen erinnern, von dem Opfer, das Jesus gebracht hat.

Für mich heißt das, dass Liebe immer auch etwas mit Opferbereitschaft und dienen zu tun hat! Manchmal ist es um der Liebe zum Mitmenschen willen notwendig, unsere persönlichen Interessen in den Hintergrund zu stellen. Manchmal müssen wir selbst zurückstecken, um anderen gerecht zu werden, ja um die Dinge zu verwirklichen, die Jesus in der Bergpredigt für uns als Richtschnur gibt.

Wenn wir ernsthaft dem Vorbild Jesu nacheifern wollen, dann müssen wir für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt arbeiten. Dann können wir nicht einfach als gegeben hinnehmen, dass Menschen leiden. Wir können nicht weiter ignorieren, dass wir auf Kosten der armen Länder leben. Wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, um Menschen zu helfen, ihre Probleme zu bewältigen auch hier bei uns.

Eine Gesellschaft, die zukunftsfähig sein will, braucht heute mehr denn je Solidarität und Gerechtigkeit. Eine zukunftsfähige Gesellschaft braucht Liebe. Und zwar Liebe, die nichts mit überschwänglichen romantischen Gefühlen zu tun hat, sondern damit, nüchtern um sich zu schauen und Probleme zu sehen. Die Liebe, von der unser Text spricht, ist nicht von menschlichen Stimmungen abhängig. Und auch nicht davon, wie gut oder schlecht die Zeiten sind.

Diese Liebe ist vielmehr mit Jesus Christus Realität geworden. Sie lässt sich aus dieser Welt nicht mehr verdrängen. Am Beispiel Jesu können wir sehen, wie groß Gottes Liebe zu uns Menschen ist. Wenn wir an Jesus glauben, dann wird Gottes Liebe auch Auswirkung auf unser Leben haben, dann wird sich unser Leben verändern.


Ex 3, 1-8a.13-15

Exegetische Überlegungen

Der Text erzählt von der Berufung des Mose. Die Diskussionen in der neueren alttestamentlichen Forschung über die Historizität der Texte und ob es Mose wirklich gegeben hat, spielen für mich bei der Auslegung des Textes für die Predigt nur eine untergeordnete Rolle. Wie wohl auch bei den meisten anderen biblischen Texten müssen wir eben auch hier davon ausgehen, dass sie aus der Retrospektive geschriebene Zeugnisse des Glaubens sind, die erst nach dem babylonischen Exil entstanden sind und die die Identität der jüdischen Gemeinde begründen sollten.

Ich verstehe sie als Beschreibung von Archetypen, die unser Leben heute noch genauso prägen und beeinflussen.

Die beschriebene Situation finde ich wichtig, denn Gott offenbart sich Mose hier mitten im Alltag. Der ganz gewöhnliche Alltag wird also zum Ort der Gotteserfahrung, ja sogar der Gotteserkenntnis erklärt.

Im Hebräischen steht hier der Gottesname JHWH. Er wird in Vers 14 als Verbform von sein erklärt und lässt sich im Deutschen nur sehr schwer wiedergeben. Die Vorschläge reichen von: ich bin seiend - ich ereigne mich (in der Geschichte) bis zu: ich bin da. Die übliche Aussprache als Adonai kommt von der nachträglichen hebräischen Punktierung und hat religiös-traditionelle Gründe. Das bedeutet für mich aber, dass wir nicht bis in alle Ewigkeit das patriarchal gefärbte: "der Herr" verwenden müssen, wenn wir diese Traditionen nicht teilen.


Predigtimpulse

Gott sucht Mose in seinem Arbeitsalltag auf, lockt ihn, macht ihn neugierig. Zum brennenden Dornbusch zu gehen, ist jedoch Moses eigene Entscheidung. Gott spricht zu ihm und gibt ihm einen Auftrag. Mose bringt viele Einwände vor, dass er nicht dafür geeignet sei, aber Gott hält dagegen, ermutigt ihn und verspricht ihm bei ihm zu sein.

Gott ist vielleicht gar nicht so sehr an unserem so genannten geistlichen Leben interessiert, sondern an unserem Gesamtleben. Gott kann im alltäglichen Leben sichtbar werden und uns beauftragen. Wo sind für uns Orte der Gottesbegegnung? Wo vernehmen wir Gottes Stimme?

Auch uns gilt die Zusage Gottes: ich bin da, ich bin bei euch!


Bezug zur Nachhaltigkeit

Gott will hier mittels Mose in die Politik eingreifen. Zu welchem politischen Handeln sind wir heute als Gemeinde, aber auch als einzelne Christinnen und Christen aufgefordert?

Gerade in unserer Zeit der weltweiten Krise stellt sich diese Frage für mich verstärkt. Oft fühle ich mich sehr hilflos und habe das Gefühl, dass wir als Kirche wenig zu bieten haben, wenn Tausende ihre Arbeitsplätze verlieren, Menschen sich hoch verschuldet haben und nicht mehr weiter wissen und die Menschen in den armen Ländern dieser Erde immer ärmer werden.

Unsere Botschaft muss Mut machen und Menschen stärken. Die Botschaft, dass Gott da ist und uns begleitet, was immer auch geschehen mag, soll in unserem Alltag sichtbar werden, so dass wir in vielen kleinen Schritten mitwirken an einer Veränderung unserer Gesellschaft und unserer Welt. Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.


1 Kor 10, 1-6. 10-12

Exegetische Überlegungen

Korinth war eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt mit allen Sonnen- und Schattenseiten und einem bunten Völkergemisch, das sich auch in der christlichen Gemeinde abbildete. Die Mitglieder der christlichen Gemeinde in Korinth kamen wahrscheinlich mehrheitlich aus der städtischen Unterschicht. Auch wenn die Sprache androzentrisch ist, können wir laut neueren Forschungen davon ausgehen, dass sehr viele Frauen zur Gemeinde gehörten. Die Armut der meisten Gemeindeglieder und der Reichtum einiger weniger führte wohl immer wieder zu Konflikten. Vor allem alleinstehende Frauen hatten große Probleme, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Wenn die Frauen zum christlichen Glauben übergetreten waren, bekamen sie häufig Probleme mit ihren Ehemännern, deshalb entschieden sich viele für eine von Paulus und der Gemeinde befürwortete Trennung oder gleich für die Ehelosigkeit. Die niedrigen Frauenlöhne ermöglichten jedoch kein unabhängiges Überleben, deshalb waren sie auf Nebeneinkünfte angewiesen. Dafür kam dann Prostitution oder die Bildung von Frauengruppen in Frage. Außerdem ist auch zu vermuten, dass etliche der Frauen innerhalb der Gemeinde aufbegehrten und sich über die Ungerechtigkeiten beklagten.

Ich gehe davon aus, dass Paulus auf solchem Hintergrund seine Ermahnungen ausspricht, wenn er hier vor dem Murren und vor Unzucht warnt. Das wäre dann aber doch recht ungerecht gegenüber den betroffenen Frauen. Vielleicht will er auch die Gemeinde so weit bekommen, dass sie alle als solidarische Gemeinschaft miteinander teilen und dann weder die "Unzucht" noch das "Murren" mehr notwendig sind. (vgl. seine Ausführungen über das Abendmahl in 1 Kor 11)


Predigtimpulse

Für mich ist das Thema Gier das Schlüsselwort in diesem Text. Die Gier zählt nicht umsonst zu den sieben Todsünden, denn die Gier der Menschen immer mehr zu besitzen, führt zu ungerechter Verteilung, zur rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen und zur Diskriminierung anderer. Das war wohl schon damals so und das ist bis heute so geblieben. Unsere aktuelle weltweite Finanzkrise ist zu einem großen Teil auf die Gier der Menschen zurückzuführen.


Bezug zur Nachhaltigkeit

Die Gier führt die Menschheit ins Verderben. Ein Leben im Sinne Jesu Christi zu führen bedeutet, als Solidargemeinschaft zu leben. Eine Gesellschaft muss sich an ihren schwächsten Gliedern messen lassen. Da kommen wir zur Zeit wohl ganz schlecht weg. Es ist und bleibt unser Auftrag als christliche Kirchen, immer wieder daran zu erinnern, dass wir Verantwortung tragen für die Entwicklung gerechter Wirtschaftsstrukturen und den Abbau von Armut und Ungerechtigkeit in Deutschland und in anderen Teilen der Welt.

Martina Horak-Werz, Gommersheim

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