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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

28. Feb. 10 - Reminiszere / 2. Fastensonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 5, 1-5 (6-11)

Gen 15, 5-12.17-18

Phil 3, 17 - 4, 1 oder
Phil 3, 20 - 4, 1

Lk 9, 28b-36

Der Autor betrachtet alle vier genannten Bibelstellen des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Römer 5, 1-5: „Frieden mit Gott“ auch als „Frieden mit der ganzen Schöpfung“ verstanden, eine Meditation entlang der Begriffe Bedrängnis, Geduld, Hoffnung und Liebe; 1 Mose 15, 5-12+17-18: unsere Verantwortung heute für unsere Nachkommen morgen; Philipper 3, 17 - 4,1 und Lukas 9, 28b-36: Die Spannung zwischen „unserer Heimat im Himmel“ und unserer Verantwortung für die Welt

Römer 5, 1-5

Der Römerbrief ist zwischen 56 und 59 n. Chr. geschrieben, kurz vor der Verhaftung des Paulus, am Ende seiner 3. Missionsreise. Der Römerbrief ist keine Korrespondenz zwischen Paulus und der römischen Gemeinde über aktuelle Fragen und Streitigkeiten, sondern eher eine systematische Abhandlung über das Evangelium aus paulinischer Sicht, vielleicht könnte man sagen: ein Resümee des paulinischen Glaubens, der paulinischen Verkündigung.

In den ersten Versen des 5. Kapitels geht es um den „Frieden mit Gott“, den wir durch Jesus Christus haben. (Die Bibel in gerechter Sprache übersetzt: „Lasst uns Frieden halten mit Gott.“) Was das bedeutet, Frieden mit Gott zu haben oder zu halten, lässt sich in der Predigt gut ausführen: Neben den zwei Ebenen „im Frieden mit mir selbst sein“ und „Frieden mit anderen Menschen halten“ bleibt vor allem ein dritter Aspekt „in Frieden mit der ganzen Schöpfung leben“ als Herausforderung bestehen.
Mit der gegenteiligen Formulierung „mit der Schöpfung Krieg führen“ lässt sich einiges verdeutlichen. Umweltzerstörung, CO<sub>2</sub>-Ausstoß, Luft- und Wasserverschmutzung, Überfischung der Meere, … - das sind eher Schlagwörter, die an „Krieg treiben“ erinnern als an „Frieden halten“.
Allzu häufig reden wir über unsere Erde, als sei sie ein totes Objekt, mit dem wir verfahren können wie wir wollen. Vielleicht hilft ja diese harte Sprachwahl vom „Krieg führen“ dabei, die Erde stärker als ein Gegenüber, als ein „Mitgeschöpf“ wahrzunehmen, mit dem wir „Frieden halten“ müssen. Die „Gaia-Hypothese“ versteht die Erde nicht als einen großen Felsbrocken, auf dem eher zufällig tote und lebendige Materie nebeneinander angesiedelt sind. Vielmehr ist die Erde in ihrer Gesamtheit als ein großer Organismus anzusehen.[1] So wie die Menschheit sich seit einigen Jahrzehnten diesem Organismus gegenüber verhält, muss man tatsächlich eher von „Krieg führen“ als von „Frieden halten“ sprechen. Zumindest einige von uns beginnen ja seit einigen Jahren zu begreifen, in welche große Not und Bedrängnis uns dieses „Krieg treiben mit der Erde“ bereits geführt hat.
Von solcher Bedrängnis spricht Paulus in den Versen 3 und 4 (Bibel in gerechter Sprache: „Momente, in denen wir in großer Not sind.). Klimakatastrophe, globale Erwärmung, Ressourcenknappheit, … sind Begriffe, die unserer gegenwärtigen (und zukünftigen) Bedrängnis und Not Namen geben.
Wie aber die Geduld zu verstehen ist, die uns diese Bedrängnis bringt, sollte genau überlegt werden: Keine Geduld, die tatenlos zusieht, wie die Schöpfung immer weiter zugrunde gerichtet wird. Keine Geduld, die sagt: „Lasst uns erst einmal warten, ob wirklich alles so schlimm kommt, wie manche behaupten“, sondern geduldige Beharrlichkeit, die voller Hoffnung auf ein Umdenken, auf verantwortliches Entscheiden, auf nachhaltiges Handeln zusteuert.
Auf die Begriffe Hoffnung und Liebe läuft der Bibeltext hinaus (Vers 5). Sie sind Zielpunkt und Erfüllung des „Friedens mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Vers 1). Dieser Textbewegung sollte auch die Predigt nachgehen: Nach einer Situationsbeschreibung, die unsere Bedrängnis im Blick auf die Schöpfung darstellt und ethischen Überlegungen, welchen konkreten Beitrag wir in geduldigem Handeln leisten können, reden wir von der Hoffnung, die wir für uns und unsere Welt haben, und von der Liebe, die in unsere Herzen ausgegossen ist. Diese Liebe ist unser Motor, die innere Motivation, die auch unser Verhältnis zur Schöpfung bestimmt. „Unser Verhältnis zur Natur, zur stummen Kreatur, zum atmenden Pflanzengrün, zum blauen Planeten insgesamt, sollte ein zärtliches, sprich fürsorgliches, hegendes und pflegendes sein.“[2]
„Was heißt Umweltschutz? Umweltschutz ist nichts, wenn er nicht Liebe zur Erde ist. (…) Wenn wir zärtlich zueinander sind, weil wir uns lieben, so können wir zur Erde nicht grob sein. Umweltschutz ist Zärtlichkeit gegenüber der Erde.“[3]


1. Mose 15, 5-12+17-18

Diese Geschichte, die von einem Brandopfer erzählt, das Abram Gott darbringt, ist im ersten und letzten Vers von den Nachkommen gerahmt. In Vers 5 verheißt Gott Abram Nachkommen, die so zahlreich sein werden wie die Sterne am Himmel. In Vers 18 wird diesen Nachkommen das Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum Euphrat verheißen.
Das ist der ganz pragmatische und unmittelbar einsichtige Grund, warum wir heute behutsam und vorsichtig mit der Erde und den Gütern umgehen sollen und nicht verschwenderisch die gegebenen Ressourcen (aus-)nutzen dürfen: Morgen gehört das Land/die Erde unseren Kindern/unseren Nachkommen! Heute ist es deshalb dringend erforderlich, alles nur irgendwie Mögliche zu tun, dass unsere Kinder in dem Haus von morgen auch noch leben können. Das bezieht neben ökologischen Überlegungen (CO2-Ausstoß, Klimawandel, Energieverschwendung, Wasserverbrauch, Überfischung der Meere, …) auch andere Lebensbereiche mit ein: wirtschaftliche Verantwortung (Wie hoch sollen sich unser Staat, unsere Länder und Kommunen noch verschulden? Damit leben wir nämlich auf den Kosten unserer Nachkommen…), Friedenspolitik (Frieden ist die unbedingte Grundlage, damit unsere Welt in Zukunft überhaupt noch existiert. Wege zu einem tragfähigen und nachhaltigen Frieden aufzuzeigen, ist m.E. eine der dringlichsten Aufgaben der Weltreligionen), Bildungspolitik (Bei der Bildung investieren wir ganz konkret in unsere Nachkommen.) und nicht zuletzt die Gestalt und Gestaltung unserer Kirchengemeinden (Wo ruhen wir uns auf den Pfründen vergangener Tage aus? Sind die Strukturen unserer Kirche [unserer Gemeinden, der Vereine und Kreise in unseren Gemeinden] so angelegt, dass sie den Anforderungen und Bedürfnissen unserer Nachkommen angemessen sind, oder verbrauchen wir egoistisch unsere Ressourcen und Rücklagen, weil wir Altes nicht loslassen können und nur auf unsere Bedürfnisse achten?).
Gottes Bund mit Abram bezieht sich auf dessen Nachkommen! Auch wir verwalten unsere Welt, unsere Gesellschaft und unsere Kirche für unsere Kinder!


Philipper 3, 17 - 4,1 und Lukas 9, 28b-36

„Unsere Heimat aber ist im Himmel“ – Versteht man diese Aussage in Vers 20 zu einseitig, so gerät man in Gefahr, die Welt sich selbst zu überlassen, möglicherweise die Wirklichkeit in einen heiligen und einen profanen Bereich aufzuteilen. „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ – Ja, wir Christen leben unser Leben von der Verheißung des Reiches Gottes her, wir haben jetzt schon teil an der zukünftigen Welt, sind jetzt schon im Himmel beheimatet. Aber wir leben auch ganz in dieser Welt. Mehr noch, wir leben als Christen auch für diese Welt.
Unter diesem Aspekt lege ich auch die Verklärung Jesu im Lukas-Text aus: Petrus, Johannes und Jakobus machen mit Jesus gleichsam einen „Ausflug“ auf den Berg, in ihre himmlische Heimat. Dort erleben sie ein Stück vom Himmel, strahlendes Licht, die Gesellschaft von Moses und Elia. Und Petrus fühlt sich heimisch, möchte dort bleiben, drei Hütten bauen. Doch Jesus geht mit den Jüngern wieder vom Berg hinunter, hinein in diese Welt, zurück in die Täler des Alltags.
In dieser Spannung leben Christen seit 2000 Jahren: Einerseits haben wir unsere Heimat im Himmel („Bürgerrecht im Himmel“ – so heißt es in der Luther-Übersetzung), andererseits leben wir ganz in dieser Welt, für diese Welt.
Was sind „unsere Hütten“, in die wir uns zurückziehen? In welches Stückchen vom Himmel verkriechen wir uns, um vor der „bösen Welt“ in den Tälern des Alltags zu fliehen? Was versperrt unseren Blick für die Nachfolge Jesu, für den Dienst am Nächsten, für die Verantwortung für die Welt? Fragen, die gut am 2. Sonntag der Fasten- / Passionszeit passen.

Rainer Gertzen, Essen

[1] Die „Gaia-Hypothese“ ist erstmals 1972 von dem britischen Geologen James Lovelock dargelegt worden. Vgl. Richard Reschika: Theologie der Zärtlichkeit. Von der Liebe Gottes, Münsterschwarzach 2009, S. 47f.

[2] Ebd., S. 45.

[3] Ostermeyer, Helmut: Zärtlichkeit, der sexuellen Revolution wahrer Kern, Frankfurt a.M. 1982, S.36.

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