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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

24. Jan. 09 - letzter Sonntag nach Epiphanias / 3. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

2 Kor 4, 6-10

Neh 8, 2-4a.5-6.8-10

1 Kor 12, 12-31a oder
1 Kor 12, 12-14.27

Lk 1, 1-4; 4, 14-21

Der Verfasser betrachtet alle Bibelstellen des Sonntags. Stichworte: Bedeutung der Öffentlichkeit beim Einsatz für die Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden, ans Licht kommen, Transparenz, ans Licht bringen der Botschaft zur Bewahrung und Übernahme von Verantwortung

Nachhaltigkeit kann vor allem dann erreicht werden, wenn die Zusammenhänge, die politischen wie die individualethischen Herausforderungen öffentlich werden.


Zur Exegese

Die Lesungen beider Leseordnungen für den 24. Januar lassen sich interpretieren als Texte zur „Öffentlichkeit”:

  1. 2 Kor 4, 6-10: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten. Wir werden erleuchtet zur Erkenntnis göttlicher Herrlichkeit. Unsere Möglichkeiten, Welt, Mensch und Gott zu erkennen, werden verändert. Wenn wir die Herrlichkeit Gottes sehen, wird auch alles andere, was wir erkennen, mit diesen Augen erkannt, dann kommt das Üble und Finstere zutage, dann kann das Gute getan werden in Anregung durch Gott selber.
  2. Lk 1, 1-4; 4,14-21: Jesus macht sich in seiner Heimat bekannt (Lk 1, 18). Er nutzt eine Möglichkeit, die jedem Juden zusteht, nämlich in der Synagoge zu predigen. Auch wenn wir es nicht sicher wissen, gehe ich davon aus, dass Jesus diesen Predigttext ausdrücklich gewählt hat. Mit dem Buch des Propheten Jesaja versucht er, deutlich zu machen, wer er ist. Er ist einer, der Veränderung bringt, Umsturz, die Verhältnisse ändert und zwar hier und heute. Kein Wunder (V. 29), dass er damit auch auf Widerstand stößt.
  3. Neh 8, 2-4a.5-6.8-10: Nach der Heimkehr aus dem Exil steht das Buch der Bücher, das Gesetz, wieder im Mittelpunkt. Ihm wird ein eigenes Fest inszeniert, an dem es verlesen wird. Gottes Wort und Gesetz soll nicht verborgen bleiben. Alle sollen wissen, woran sie sich halten können. Transparenz wird hergestellt. Die Zuhörer werfen sich nieder und danken für diese Orientierung. Eine solche öffentliche Inszenierung des Wortes Gottes wäre sicher auch in unserer Zeit eine wertvolle Provokation.
  4. 1 Kor 12,12-31a: Auch die Integrität des Leibes der Kirche, wie des menschlichen Leibes, wird durch die gegenseitige Resonanz aller Körperteile unterstrichen. Was ein Glied erleidet, wirkt auf andere, kann nicht isoliert betrachtet werden und verborgen bleiben. Das ganze Leben, die ganze Schöpfung, die ganze Welt muss in Blick genommen werden, wenn wir nachhaltig handeln wollen.


Predigtziel

  1. Kernsatz zum Evangelium: Das Wirken Jesu, sein Selbstverständnis und die Konsequenzen seines Wirkens für die Menschen in Bedrängnis sind von vornherein offen gelegt.
  2. Überzeugungssatz: Ich bin davon überzeugt, dass die Offenlegung der Wahrheit Gottes in dieser Schöpfung das Verhalten der Menschen verändern kann.
  3. Zielsatz: Ich will die Hörerinnen und Hörer bestärken, die Erkenntnisse zu Gott und seinem Auftrag zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung offen zu legen, weil diese Öffentlichkeit zur Veränderung provoziert.

Elemente der Predigt

“Wenn das je ans Licht kommt…”
Nicht wenige scheuen die Öffentlichkeit. Sie haben ein Gespür dafür, dass nicht alles, was sie tun, richtig ist. Sie haben Angst davor, dass das aufgedeckt wird, was sie aus gutem Grunde gerne verstecken. Öffentlichkeit verhindert solches Verstecken im rein Privaten. Die investigative Presse sorgt dafür, wühlt, sucht und findet und deckt auf. Kein Wunder, dass Etliche vor der Macht der Presse Angst haben und darum am liebsten die Presse kontrollieren würden. Selbst in nach außen hin „demokratischen Staatssystemen“ gibt es solche Einflussnahme. Und selbst, wenn sich manches Aufgedeckte als fehlerhaft entlarven ließe: Jeder weiß: Irgendetwas bleibt letztlich hängen.
Wenn Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung auf Dauer und nachhaltig gestärkt werden sollen, bedarf es einer solchen Öffentlichkeit, die Bewusstsein schafft und einen Veränderungsdruck aufbaut: Wenn Menschen unserer Tage motiviert werden sollen, anders zu leben, um dem Anspruch nachhaltigen Lebensstils und Konsums gerecht zu werden, muss dies dauerhaft zum einem öffentlichen Thema werden. Die Ökologiebewegung seit den 70-er Jahren hat uns das gut gezeigt. Aber auch die Veränderungen in jüngerer Vergangenheit, z. B. in der Kritik am Nikotinmissbrauch oder in der Nutzung der Energieressourcen wirken aufgrund der Öffentlichkeit.

Gott selbst wirkt in unsere Geschichte und durch die Offenbarung. So kann vieles erkannt werden und öffentlich wirken:

  1. Gott selbst verändert unsere Wahrnehmungsfähigkeit. Er selbst hat ein Interesse daran, dass wir erkennen, wer er ist und wie seine Herrlichkeit in Christus aufleuchtet. Dieser Erkenntnisprozess führt auch zu einer eigenen Haltung der Demut: Wir sind Träger des Schatzes in zerbrechlichen Gefäßen. Er selbst ist im Zentrum, von ihm kommt die Schöpfung, die uns anvertraut ist. Diese Mitsorge, um die Verherrlichung Gottes, wird uns allerdings auch verbinden, mit dem ersten Scheitern, dem Leiden in dieser Zeit und am Unheil in der Schöpfung. Sich dennoch anstecken lassen von der Sehmöglichkeit Gottes wird etwas verändern.
  2. Christus versteckt nicht, wer er ist. Er macht offenkundig, worum es geht: Alle Armen sollen die Gute Nachricht hören und erfahren. Den Gefangenen wird Freiheit geschenkt, damit sie sich frei für das Gute entscheiden. Die Blinden - körperlich und metaphorisch Blinde sind damit gemeint - empfangen neu das Augenlicht. Die Zerschlagenen unserer Zeit werden Freiheit und Aufrichtung erfahren. Je mit Christus wird es ein Gnadenjahr, eine ganze Zeit der Gnade geben. Die Veränderungspotentiale, die in der Nachfolge Christi liegen, dürfen nicht versteckt werden. Öffentliches Einstehen dafür provoziert Reaktionen. Alle, die diese Botschaft hören, müssen lernen, sie beginnen, sich dazu zu verhalten. Es gibt nur die Wahl zwischen Ja und Nein, zwischen Zustimmung und Zurückweisung.
  3. So wie es im Umgang mit dem Gesetz, der Offenbarung Gottes selber ist: Wer es gehört hat, wer es wahrgenommen hat, steht unter der Verpflichtung, sich dazu zu verhalten. Er / Sie kann nicht so tun, als wisse sie / er nicht worum es geht. Alles ist offenkundig, alles ist klar. Wer sich dieser Erkenntnis nicht beugt, steht unter Begründungszwang.
  4. Denn wir sind unabdingbar miteinander verbunden. Nichts auf dieser Erde geschieht, ohne dass es an anderer Stelle Widerhall fände. Isoliertes Verhalten gibt es nicht: Wir sind ein Leib.

Die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung, um Gerechtigkeit und Frieden ist nicht etwas, was man „auch noch tun“ kann. Es ist uns aufgegeben, öffentlich bekannt, und wenn wir nichts tun, tragen wir auch dafür Verantwortung. Ja, das möge ans Licht kommen.

Dr. Richard Hartmann, Fulda

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