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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

17. Jan. 10 - 2. So. n. Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 12, (4-8) 9-16

Jes 62, 1-5

1 Kor 12, 4-11

Joh 2, 1-11

Der Autor geht auf alle genannten Predigttexte des Tages ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: „Gottesdienst des Alltagslebens“ in der Nachhaltigkeit – was haben wir erreicht, wir Christen und Nichtchristen gemeinsam? (Röm 12); Ausbeutung, globale Glaubwürdigkeit und Menschenrechte – Kooperation (Jes 62); mehr Mut im Umgang mit Nichtchristen, Gottes Geist erkennen (1 Kor 12); Missstände nicht immer mit Verbissenheit regeln, Humor als göttliche Strategie (Joh 2)

Predigttext Evangelische Reihe: Röm 12

Wir haben hier eine der berühmten christlichen Haustafeln des Paulus vorliegen, wie sie meist im Schlussteil seiner Briefe zu finden sind. Der dogmatische Teil des Römerbriefs endet im Kapitel 11 mit der Feststellung, dass Gott in seiner unerforschlichen Weisheit so gehandelt hat, dass er Juden wie Christen den Irrweg des Ungehorsams hat gehen lassen, um am Ende beide durch seine Gnade zu erretten. Daraus folgt für die Christengemeinde die Aufforderung: „dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer.“ „Dies sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ Das Dankopfer der Christen sei ein Gottesdienst nicht der Liturgien, sondern des Alltagslebens. Täglich soll jeder an seinem Ort, in seinem Amt nach den Gaben wirken, die Gott ihm verliehen hat. Maßstab soll dabei die „Liebe“ sein.

Sein Ratschlag: seid ohne Falsch, hasst das Böse, seid nicht träge in dem was ihr tun sollt, einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor, seid „fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Diese Aufforderungen sind so allgemeingültig, dass sie unabhängig von der Weltanschauung immer gelten: Ehrlich und geduldig, klar in der Sache, aber nicht zu hart. Handeln nach solchem Maßstab verspricht Erfolg. „Du lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit, die allzu hart sind brechen, die allzu spitz sind stechen und brechen ab sogleich“ dichtete der vormalige Kommunist Wolf Biermann, als er gegen das harte Regiment der SED Parteidiktatur ansang. Im paulinischen Verhaltenskodex der Liebe kann sich das Handeln von Christen mit dem Wirken von Menschen anderer Weltanschauungen treffen und zu gemeinsamem Erfolg führen. Das lässt uns die Kirchentüren öffnen und Mithilfe finden bei vielen, die auf dem gleichen Weg sind. Infolgedessen werden sich jedoch die ökologischen Maximen von Christen und Nichtchristen kaum unterscheiden. Weder gibt es eine spezifisch christliche Mülltrennung, noch kirchliche Wärmedämmung. Wenn das „Christliche“ in der Motivation verbleibt, werden manche fragen: warum dann ein christliches Aufhebens um Nachhaltigkeit?

Einfache Antwort: Weil Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. In Sachen Ökologie gibt es weder ein solus Christus, noch ein sola Scriptura, das unterscheidet unsere Gegenwart von früheren Zeiten. Infolgedessen kann es bei unserem Alltagsgottesdienst nicht um „Missionserfolge“ gehen, sondern nur um die Erhaltung der Schöpfung. Mit Nichtchristen stehen wir nicht im edlen Wettstreit um den rechten Gottesbezug, sondern um den rechten Weg zu nachhaltiger Alltagsgestaltung. Hier haben wir uns selbstkritisch zu prüfen: Bei Mitarbeit in „Eine Welt Läden“, Gemeindepartnerschaften oder gottesdienstlichen Aktionen anlässlich hoher Feiertage, bei Baumaßnahmen, Reparaturen oder Investitionen in Solartechnik: Erfolgen viele kirchliche Engagements nicht zu sehr nach dem Kriterium: Lasst uns zeigen, dass wir Christen sind und zu wenig nach dem Kriterium: Was haben wir tatsächlich erreicht? Welche Menschen und wie viele derer „in Nöten“ haben etwas von unserem Tun? Wie viel Energie sparen wir tatsächlich ein? Hier muss Erfolg und Misserfolg „verantwortungsethisch“ auf den Prüfstand. Darum können und sollen wir beten, ggf. auch zu Korrekturen bereit sein. Wir brauchen nicht fürchten, am Ende mit Nichtchristen verwechselt zu werden. Das Gebet haben wir immer noch voraus und dazu die Hoffnung, selbst beim Scheitern von Projekten und eigenen Fehlern Gottes Gnade zu behalten: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an im Gebet.


katholischer Lesetext Nr. 1: Jes 61

Der Prophet spricht in eine bedrohliche Stimmungslage: Israel durfte aus dem Exil zurückkehren, doch der Neuanfang fällt schwer. Dem Wiederaufbau stellen sich enorme Hindernisse entgegen. Trost ist nötig, „gute Botschaft“ für die „Elenden“. Für die im Exil und für die Zurückgekehrten. Wichtiger Aspekt: Weil die Probleme in der zerstörten und teilweise mit Fremden besiedelten Heimat aus eigener Kraft nicht zu schaffen sind, müssen „Fremde“ hinzu treten, um Israels „Herden zu weiden.“ Jesaja entkoppelt das Heil Israels von seiner bisherigen ethnischer Beschränktheit und wendet es universell: „Ausländer werden eure Ackerleute und Weingärtner sein, ihr aber sollt Priester des Herrn heißen und man wird euch Diener unseres Gottes nennen.“ Die Entkoppelung von Heil und Volk dient zum einen dem Erhalt Israels, das aus eigener Kraft sich nicht mehr konsolidieren kann, zugleich dient es der Aufweitung von Gottes Heil auf den Kreis der Völker. Im Zeitalter der Globalisierung ein wichtiger Impuls: Weil alle voneinander abhängig geworden sind, kann keiner mehr für sich allein stehen. Märkte, Wirtschaftssubjekte, staatliches Handeln greifen ineinander. Auch unser eigenes Handeln hat inzwischen weltweite Auswirkungen, wenn wir Güter produzieren helfen, die in fernen Ländern verbraucht werden, oder beim Kauf von Waren, die anderswo erzeugt worden sind. Im Sinne Jesajas darf das heiklen Gefühl der Abhängigkeit in Optimismus gewendet werden:

Abhängige sind darauf angewiesen, rücksichtsvoll zu handeln. Jedenfalls wenn sie langfristig als Produzenten oder Dienstleister im Spiel bleiben wollen. Firmen, die ihre Beschäftigten ausbeuten oder unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten lassen, verlieren Glaubwürdigkeit. Staaten, die Menschenrechte missachten, sehen sich ständiger Kritik ausgesetzt, die langfristig wirkt. In einer solchen Welt kann Krieg, der bisher als „ultima ratio“ der Politik galt, keine echte Option mehr darstellen. Wir erkennen auch, dass „Autarkie“ immer schon ein ideologisches Ideal war, letztlich geboren aus dem Interesse an militärischer Unverwundbarkeit. Dies ist die gute Botschaft des Propheten: Da Gott ihn gesandt hat, um den „Elenden“ Israels „gute Botschaft“ zu bringen, nimmt er auch die Nichtisraeliten in Blick. Ohne deren Mitwirken kann Israels Wiederaufbau nicht gelingen. Daraus ergibt sich eine Art Arbeitsteilung: Während das Heil Gottes auf alle Völker erweitert wird, behält Israel (und dessen neutestamentliches Pendant) seine Rolle als Verkündiger des universalen Heils. Möge es weise mit seiner Rolle umgehen.


katholischer Lesetext Nr. 2: 1 Kor 12

„Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist.“ Die nachhaltigen Aspekte decken sich teilweise mit dem beim evangelischen Predigttext Gesagten. Was jedoch, wenn Nichtchristen uns beim gemeinsamen Verfolgen nachhaltiger Ziele übertreffen? Weil ihr Blick auf die Sachverhalte z. B. nüchterner ist und sie mit mehr Fachkenntnis an die Sache herangehen? Weil sie länger schon Erfahrung haben? Dann gelingt es uns hoffentlich, ohne Scheu uns helfen und belehren zu lassen, auch dankbar zu sein. Denn „es sind verschiedene Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allem.“ Ist es erlaubt, so zu urteilen? Handelt Gott auch durch die „Ungläubigen“? Wer das Evangelium ernst nimmt, der kommt an dieser Erkenntnis nicht vorbei. Denn wie sollte Gott allmächtig sein ohne Macht über alles und jeden? Zu „Gleichnissen des Himmelreichs“ können uns alle Dinge, Personen und Sachverhalte werden, die Gott zu seinen Zwecken auswählt.

Daher gilt: mehr Mut im Umgang mit Nichtchristen. Deren Zahl und Anteil nimmt ohnedies überall zu und wir tun keinen guten Dienst, auch uns selbst nicht, wenn wir zur nichtchristlichen Welt eine Mauer aufrichten. Unter den Vielen, zu denen wir Kontakt finden, wenn unsere Türen offen bleiben, werden etliche sein, die mancherlei Fähigkeiten mitbringen. Diese können sich mit den Gaben der Gemeinde ergänzen. Und wer weiß, vielleicht schenkt Gott Gnade, dass die Fremden, die zu uns kommen, auch von uns etwas lernen. Wenn sie merken: den Christen geht es nicht nur um ihr persönliches Heil, sondern zugleich um den „Nutzen aller“, zu dem sich nach Paulus der Geist Gottes offenbaren will.


katholischer Evangeliumstext: Joh 2

Wasser in Wein verwandeln. Welche feuchtfröhliche Runde hat nicht schon ihre Scherze damit gemacht? In der Pfalz, an Rhein, Mosel, Saar und Ruwer soll es Winzer geben, die sogar Trauben in Wein verwandeln können. Was ist daran nachhaltig? Von nachhaltiger Wirkung auf mich war die ganz und gar humorvolle Einführung der Wirksamkeit Jesu. Zuerst ist die Mutter Jesu besorgt, weil mehr gezecht wurde als die Gastgeber für möglich gehalten haben. Jesus führt ihr über den Mund: Was geht dich das an? Aber Maria kennt ihren Sohn. Am Ende vollbringt er erwartungsgemäß sein Wunder und lässt sich dabei nicht einmal lumpen. Was wär das auch für ein Messias, der billigen ALDI-Wein kredenzt? Nur der Speisemeister schüttelt den Kopf, weil er es normalerweise macht wie alle tüchtigen Wirte in der Pfalz, an Rhein, Mosel, Saar und Ruwer: Den guten Wein zuerst und dann das billige Gesöff, zum Schluss dann die Rechnung. Jesus stellt wieder einmal alles auf den Kopf.

Diese Einführung scheint so ganz der heilsgeschichtlichen Dramatik und byzantinischen Strenge zu widersprechen, in der uns das Johannesevangelium sonst entgegen tritt. Für mich eine nachhaltige Erkenntnis: Auch tiefster Ernst verträgt Humor. Dies sei allen gesagt, die hinter ihrem Naturwollstrickstrumpf oder im Hausgebetskreis zu versauern drohen.

Winfried Anslinger, Homburg

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