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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

10. Jan. 10 - 1. Sonntag nach Epiphanias / Taufe des Herrn

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 12, 1-3 (4-8)

Jes 42, 5a.1-4.6-7 oder
Jes 40, 1-5.9-11

Apg 10, 34-38 oder
Tit 2, 11-14; 3, 4-7

Lk 3, 15-16.21-22

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen des Tages, wobei er auch auf frühere Bände der Reihe „nachhaltig predigen“ verweist. Stichworte zur Nachhaltigkeit: der verantwortungsbewusste Hirte, Schonung der Ressourcen (Jes 40); Reflexion eigenen Lebensstils nach ethisch-christlichen Grundsätzen (Tit 2); mit Ausdauer und Vollmacht den richtigen Weg gehen (Jes 42), Berufung, Erneuerung des eigenen Denkens zum Aufbau tragfähiger – nachhaltiger – Strukturen in der Kirche (Röm 12); ökologischer Fußabdruck

Der Sonntag der Taufe des Herrn bzw. der 1. Sonntag nach Epiphanias steht am Ende der Weihnachtszeit, was im Lesejahr C der katholischen Leseordnung durch die beiden möglichen Lesungen aus Jes 40 und dem Titusbrief besonders betont wird, die (mit etwas anderem Verszuschnitt) sonst von der Liturgie in der Adventszeit bzw. an Weihnachten bekannt sind. Beide bieten keine starken Verbindungslinien zur Thematik nachhaltigen Predigens, werden jedoch kurz angeschaut, während die Evangelienperikope diesbezüglich vernachlässigt werden kann. Die alternativen Lesungen der katholischen Leseordnung aus Jes 42 und Apg 10 können in allen Lesejahren genommen werden. Sie sind daher in den vorangegangenen Bänden schon mehrfach in den Blick genommen und werden hier nur kurz und mit Verweis auf diese früheren Bände abgehandelt. Zuletzt werden mögliche Verbindungen zur Thematik der Lesung aus Röm 12 aufgezeigt.


Jes 40, 1-5.9-11
Die Lesung vom Beginn des zweiten Hauptteils des Jesajabuchs benennt deutlich das Thema der ganzen Prophetie des Deuterojesaja genannten unbekannten Propheten in den Kapiteln 40-55: Es ist eine Heilsprophetie, die die Heimkehr aus der Verbannung des babylonischen Exils verheißt und daher ein großes Trostbuch darstellt. Der Text ist deutlich auf dem Hintergrund der politischen Situation des Exils geschrieben, wenn ein Ende des Frondienstes verheißen wird und von einem Weg (heim) durch die Wüste die Rede ist. Auffallend ist aber, dass im Zentrum der Verheißung nicht einfach eine politische Vision steht, etwa die Wiederherstellung der früheren Verhältnisse oder eine Verheißung politischen Erstarkens des Volkes Israel. Der Kern der Verheißung ist die Durchsetzung der Herrschaft Gottes: Für ihn sollen die Wege gebahnt werden, er wird herrschen, seinen Siegespreis mitbringen. In diesem Zusammenhang bringt Deuterojesaja das Bild des Hirten, der seine Herde zur Weide bringt. Dieses Bild hat im AT des öfteren eine herrschaftskritische Dimension (s. z.B. Ez 34 oder Jer 23) und wird dann als Angriff gegen die Hirten Israels gewendet, die oft nicht die Herde, sondern nur sich selber weideten und die Tiere vernachlässigten, statt sie auf gute Weide zu führen.
Beim Versuch der Übertragung ins Heute kann mit diesem Bild weitergedacht werden. Auch wenn es nicht ausdrücklich genannt ist, so liegt es doch in der Logik der Symbolik vom guten Hirten und seiner Herde, dass dieser nachhaltig wirtschaftet, also auch dafür sorgt, die Weideflächen nicht zu überweiden. Als einen Beitrag, der Herrschaft Gottes zur Durchsetzung zu verhelfen, wäre es auch Aufgabe von uns heute, für eine solche nachhaltige Nutzung der „Weideflächen“ zu sorgen – P müsste dies dann konkretisieren, z.B. mit Blick auf schonenden Umgang mit Ressourcen oder auf die weltweite, z.T. durch Gier verursachte Finanzkrise. Dass es Gott selbst ist, der nach biblischem Zeugnis sein Volk zur Weide führt, bewahrt vor jeder Hybris und kann Gelassenheit schenken, entbindet den Menschen aber nicht der Verantwortung, im Sinne Gottes auch selbst (nachhaltig) zu handeln.


Tit 2,11-14.3,4-7
Ein nachhaltiger Lebensstil hängt u.a. mit der Fähigkeit, Maß zu halten, zusammen, das eigene Maß nicht so hoch anzusetzen, dass die Mit- und Umwelt darunter, zumindest auf längere Sicht, leiden muss. Dieses Stichwort fällt ein bei der Formulierung von Tit 2, 12 „besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben“, die an die Kardinaltugenden erinnert und deutlich die Abhängigkeit der Pastoralbriefe vom in der hellenistischen Umwelt geläufigen Ideal eines ordentlichen, frommen und verantwortungsbewussten Lebens zeigt. Der Vers kann als Anleitung zum erfüllten Leben ohne Süchte und Maßlosigkeiten gesehen werden.
Auffällig ist in den für diese Lesung gewählten Versen die Verbindung von Gnade und christlichem Leben. So beginnt die Perikope in V. 11 mit einem fundamentalen Glaubenssatz, der den Rahmen einer Motivierung eines „ordentlichen“ Lebens eigentlich deutlich übersteigt. Der Hintergrund ist in innergemeindlichen Auseinandersetzungen um den rechten Glauben zu sehen, und das heißt für die Pastoralbriefe immer auch: um ein diesem Glauben entsprechendes Leben. Die Christologie lebt für den Autor in der Ethik. Deshalb werden die grundsätzlichen Glaubensaussagen, die das Geheimnis der Inkarnation ins Wort bringen, mit der Bewährung des Glaubens in der Praxis eines ordentlichen und tugendhaften Lebens verbunden: Denn die einmal getroffene Entscheidung zum Glauben ist auf die stets neue Umsetzung im Leben in der Gemeinde und in der Gesellschaft angewiesen. (Lit.: Oberlinner, in: HThKNT, zur Stelle)


Jes 42, 5a.1-4.6-7
Die alternativ mögliche alttestamentliche Lesung, ebenfalls aus Deuterojesaja, bringt wesentliche Teile des ersten Liedes vom Gottesknecht. Dieser Erwählte Gottes bringt das Recht, das er nicht lärmend und gewaltsam durchsetzt (V. 2 f.), aber mit Ausdauer und Vollmacht (V.4 und 7). An dieser Haltung Maß zu nehmen steht auch denen gut an, die Christus nachfolgen wollen, denn in dessen Wirken und Weg sah schon die Urgemeinde die Gottesknechttexte erfüllt. Das Programm des Messias, Recht zu bringen, ist auch Verhaltenskodex. Das müsste Konsequenzen haben sowohl für den persönlichen Lebensstil als auch für kollektive Strukturen. Zur näheren Ausführung dieses Gedankengangs ist die Auslegung von W. Wegner in Band II für das Jahr 2006/7 sehr zu empfehlen.


Apg 10, 34-38
Mit dieser Perikope befasst sich R. Franz im Band III (2007/8) und ordnet sie ein in den urkirchlichen Konflikt zwischen Juden- und Heidenchristen. Allenfalls über diesen Zusammenhang lässt sich ein Bezug zur Thematik Nachhaltigkeit versuchen.


Röm 12, 1-3(4-8)
Die als evangelischer Predigttext vorgesehene Perikope stellt den Beginn des ermahnenden Teils des Römerbriefs dar, in dem, anschließend an den lehrhaften Teil, Themen in freier Anordnung angesprochen werden. Der Grundton ist der des Ermahnens, wobei „parakalein“ eine weite Bedeutungsspanne von befehlen über ermahnen bis hin zu bitten und trösten hat. Das folgende hat also nicht einen moralischen Klang, sondern entspricht v.a. väterlicher Sorge des Apostels Paulus um die Gemeinde.
„Und stellet euch nicht dieser Welt gleich“ (V. 2, Lutherübersetzung) fordert nicht zu einer kompletten Weltflucht auf – sonst wäre die Aufforderung zu prüfen im gleichen Vers unverständlich: „Diese Welt“, wörtlich dieser Äon, ist die dem erwarteten Äon entgegen gesetzte Weltzeit und wird von Paulus insofern abgelehnt. Prüf- und Erkennungskriterium dessen, was der Wille Gottes ist, ist das, „was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist“. - V. 2 ist kein Aufruf zur Weltverbesserung oder –veränderung. Vielmehr geht es darum, zuerst sich selbst wandeln zu lassen. Sich selbst, bzw. genauerhin den eigenen Nous – ebenfalls ein Wort mit einem weiten Bedeutungsgehalt: Es kann u.a. mit Geist, Sinn (so Luther) oder Denken übertragen werden. Die gemäß paulinischer Theologie in der Taufe geschehene Erneuerung muss sich also bewähren und stets neu zur Umformung, Umwandlung in das Bild Christi führen. Praktische Folge der Erneuerung des eigenen Denkens ist, so legt es der Gedankengang des Paulus nahe, dass jeder einzelne seine Charismen zum Wohl des einen Leibes einbringt (V. 6-8) – und sich darauf beschränkt (V. 3).
Die Thematik der Nachhaltigkeit kann also, wenn man den Gedankengang des Paulus ernst nimmt, nicht assoziativ an den Begriffen von Welt, der man sich nicht angleichen soll, und nötigem Wandel aufgehängt werden. Eher ist dies möglich über die Explikation der Gaben, die Paulus beispielhaft benennt: Was bedeutet es heute, angesichts unseres Lebensstils und seiner Folgen, zum Ermahnen berufen zu sein? Wie ist das Charisma, Barmherzigkeit zu üben, auszufüllen angesichts struktureller Benachteiligungen und überindividuellen Ursachen von Leid? Welche Gaben wären vor dem Hintergrund eines nachhaltigen Lebensstils zu ergänzen? – Es bleibt aber zu bedenken, dass die Rede von den Charismen nicht primär auf die Gestaltung der Gesellschaft zielt, sondern dass es Paulus um die Auferbauung des Leibes der Kirche geht. „Leib“ ist für ihn kein soziologischer Begriff. (Lit.: Schlier, in: HThKNT, zur Stelle)


Weiterführende Idee:
Zur Veranschaulichung der Konsequenzen eines nachhaltigen Lebensstils, ausgehend von den Lesungen aus Tit oder Röm könnte P das Konzept des „Ökologischen Fußabdrucks darlegen: Unter dem ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber z.B. auch zum Abbau des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden. Das Konzept wurde 1994 von Mathis Wackernagel und William E. Rees entwickelt. 2003 wurde von Wackernagel das Global Footprint Network gegründet, das u.a. von der Nobelpreisträgerin Wangari Maathai, dem Gründer des Worldwatch Institute Lester R. Brown und Ernst Ulrich von Weizsäcker unterstützt wird. (www.wikipedia.de) Im Internet finden sich auch Berechnungsmodelle für den persönlichen ökologischen Fußabdruck.

Thomas Köster, Gelsenkirchen-Buer

Verweise zu früheren Bänden s. www.umdenken.de/predigen  

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