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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

03. Jan. 10 - 2. Sonntag nach dem Christfest / 2. Sonntag nach Weihnachten

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Joh 5, 11-13

Sir 24, 1-2.8-12 (1-4.12-16)

Eph 1, 3-6.15-18

Joh 1, 1-18

Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope und die Texte der kath. Lesungen. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Möglichkeiten in einem neuen Licht sehen, Dinge zumindest im Herzen bewahren und bewegen (1 Joh 5); Gott (als die Weisheit in uns) hilft mit, die gute Schöpfung zu bewahren, aus der Weisheit heraus leben und agieren (Sir 24); am Heilsplan mitwirken, Erwähltsein anerkennen (Eph 1)

1. Johannes 5, 11-13

Der 1. Johannesbrief ist einer der sieben sogenannten Katholischen Briefe, die nicht an bestimmte einzelne Gemeinden adressiert sind, sondern sich an einen größeren Leserkreis richten. Katholisch bedeutet dabei: Universal, allgemein. Trotz der universalen Bedeutung wendet sich der 1.Johannesbrief wahrscheinlich an einen örtlich begrenzten Kreis christlicher Gemeinden, abgefasst gegen Ende des 1. Jahrhunderts. Nicht nur in der zeitlichen Einordnung, sondern auch in Stil und Gedankengut ist der Brief mit dem Johannesevangelium nahe verwandt. Inhaltlich ist er ein Zeugnis für den wahren Glauben an Jesus Christus als Gottessohn und als Sieg über die Welt und Weg zum Leben.

Predigtgedanken
Die Worte des Predigttextes wirken zunächst fremd. Sie erschließen sich jedoch durch die Verwandtschaft des Briefes zum Johannesevangelium und durch die Nähe des Predigtsonntags zum Weihnachtsfest. „Wir haben seine, d.h. Gottes, Herrlichkeit gesehen!“ ist das Fazit der Weihnachtsbotschaft im Johannesevangelium. Die Geburt dieses Kindes, in dem Gott selbst menschgeboren ist, eröffnet eine neue Sicht der Welt. Wer das annimmt, glaubt, dass sich mit diesem Kind die Herrlichkeit Gottes unmittelbar offenbart hat, der und die sieht das Leben verändert, sieht auch die Möglichkeiten, die uns Menschen gegeben sind, in einem ganz neuen Licht. Gott hat sich sehen und spüren lassen -„Das Wort ward Fleisch“- , und das bedeutet für die Schreiber wie auch Leser dieser Botschaft die Erschließung eines neuen Lebenselements, wo Furcht und Angst überwunden sind. Mit einem Werbeslogan unserer Zeit können wir die Botschaft getrost wiedergeben: „Entdecke deine Möglichkeiten“. Dementsprechend haben die Schreiber des Briefes ihre Erfahrung zugleich als Auftrag empfunden. Den Hörenden und Lesenden wird zugemutet, eine neue Sicht der Welt sowie ihrer eigenen Möglichkeiten, in der Welt zu wirken, zu wagen. Neue Chancen für das ganz reale Leben eröffnen sich aus der Wahr-Nehmung, dass das ewige, „wahre“ Leben nicht über den Wolken zu finden ist, sondern geradezu brutal real in dem Bündel Fleisch im Stall bei Betlehem. Dass das ewige Leben hineinwirkt in unser Leben, ist Erkenntnis und Auftrag zugleich, ist die Ermutigung, aus dieser Kraft das ganz reale Leben zu gestalten. „Das Zeugnis besteht darin, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat!“ (Vers 11) Gegeben, nicht nur in Aussicht gestellt. Wer die Botschaft des Johannesbriefes in unsere Gegenwart hinein predigt, wird sich der Frage stellen müssen: Gibt es irgendwo und irgendwann Beispiele, Zeichen dafür, dass ewiges Leben im realen Leben wirkt? Dass es hier und heute unter und durch uns Wirklichkeit, wenigstens ein Stück Wirklichkeit ist? Irgendwo über allen Katastrophenmeldungen von Unfriede und Zerstörung der Schöpfung das Erleben von geschaffenem Frieden und bewahrter Schöpfung? Oder unterwerfen wir uns dem Urteil der Skeptiker: „Träumt weiter, Leute, die Welt ist wie sie ist und bleibt wie sie ist.“

Ja, die Ewigkeit zurück in den Himmel predigen, Hoffnung auf das Dermaleinst verkündigen ist einfacher. Der Auftrag der Schreiber des Johannesbriefs aber ist eindeutig: Glaubt es und gebt es weiter, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat . Das Unfassbare nicht als Illusion abtun, die Wirklichkeit ernst nehmen und doch nicht alles sein lassen, wie kann das gehen. Ein Blick auf jene bekanntere Weihnachtsgeschichte, die des Lukas, lässt einen hilfreichen Hinweis entdecken: Wiederholt heißt es von Maria, dass sie die unfassbare Botschaft hörte und dann auch nicht voller Tatendrang daran ging, die Welt zu verändern, doch: Sie bewahrte und bewegte alles in ihrem Herzen. Hilfreich ist auch ein Hinhören auf und Hineindenken in manche Lieder der Weihnachtszeit, z.B. Ev. Gesangbuch 23, 4: „Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein; es leucht’ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht:“ Entdecke die Möglichkeiten! Und wenn mir die so unfassbar erscheinen? Zu schön, um wahr zu sein, jedenfalls, um verwirklicht werden zu können? „Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermisst, dass Gottes lieb unendlich ist“ singen wir mit Ev. Gesangbuch 42, 3. Maria bewahrte und bewegte alles in ihrem Herzen. Also kein Stillstand; da wird das Große nicht zu den Akten gelegt, weil es unrealisierbar erscheint. Wer etwas im Herzen bewahrt und bewegt, bleibt selbst in Bewegung und bereit, Möglichkeiten zu entdecken, Ziele zu verwirklichen, die vorher unerreichbar erschienen. Zeugnis ablegen von der alles umfassenden Liebe Gottes, ist die Botschaft und ist der Auftrag des Johannesbriefes. Wert es ernst nimmt, wird darin eine ungeheure Zumutung erkennen. Die nun nicht zu den Akten legen, sondern im Herzen bewahren und bewegen – man könnte das einen nachhaltigen Glauben nennen.

Sirach 24, 1-2,8-12

Das Buch Jesus Sirach hatte als Spätwerk in den jüdischen Kanon keine Aufnahme gefunden, wohl aber in die Heilige Schrift der Kirche. Verfasst wurde es wahrscheinlich um 180 v. Chr. in Jerusalem. Als Autor wird ein Weisheitslehrer namens Jesus, Sohn Eleasars, des Sohnes Sirachs genannt. Inhaltlich ist es eine Sammlung von Lebens- und Verhaltensregeln, eine Art Erziehungshilfe für Jugendliche. Einerseits dem Buch der Sprichwörter verwandt ist seine Eigenart, dass weisheitliche Themen im Zusammenhang und oft in Gegensatzpaaren behandelt werden, wie z.B. Weisheit und Torheit, Armut und Reichtum, Gesundheit und Krankheit etc. Das Kapitel 24 mit dem Weisheitshymnus bildet den Höhepunkt des Buches. Wie im Buch der Sprichwörter ist Weisheit der Inbegriff einer charaktervollen, religiös und sittlich intakten Verhaltensweise in allen Lebenslagen. Typisch für die Weisheitsliteratur ist, dass die Weisheit personifiziert wird und selbständig redend und handelnd auftritt. Sie ist einerseits die göttliche Weisheit, die Gott z.B. bei der Schöpfung zur Verfügung steht, kann andererseits aber auch den Menschen und dem Volk Israel mitgeteilt werden.

Predigtgedanken
Wer die Worte aus dem Weisheitshymnus in der Weihnachtszeit hört oder über sie predigt, wird sich unweigerlich an die „Weihnachtsgeschichte“ des Johannesevangeliums erinnert fühlen: Im Anfang war das Wort und es war bei Gott, ja Gott war das Wort. Es kam in die Welt, war in der Welt als das wahre, erleuchtende Licht, kam in sein Eigentum. Da könnte es statt Wort auch Weisheit heißen. Vorsicht aber vor weitergehenden Spekulationen über gemeinsame Gedankenquellen, die dann leicht ausufern und die Parallelen überall auftun, z.B. zwischen Vers 19 und Matthäus 11, 28.

Eine Kernaussage im Weisheitshymnus ist allerdings von großer Bedeutung: Mit seiner Weisheit, ja in ihr, ist Gott bei den Menschen. Da herrscht nicht die mit dem Sündenfall hereingebrochene Trennung von Gott und Mensch (Sünde > Sund > Getrenntsein), die erst bei entsprechendem Verhalten am jüngsten Tag aufgehoben würde. In seiner Weisheit IST Gott bei den Menschen, so wie das fleischgewordene Wort mitten unter ihnen ist und angenommen sein will. Man sollte nun nicht - auf Teufel komm raus - versuchen, jeden Text ökologisch zu predigen. Aber immerhin erinnert mich das Stichwort Weisheit an eine immer wieder kehrende Formulierung in einer Unterrichtsreihe zur Schöpfungsgeschichte: „Und Gott spielte in seiner Weisheit mit den Bausteinen des Lebens und sprach: Es werde.“ (Jünger Tonbildreihe Nr. 119, Eine Vergegenwärtigung der Schöpfungsgeschichte). Wenn Gott, der Schöpfer, in seiner Weisheit bei den Menschen ist, von ihnen begehrt sein will (Vers 19) und sie erquicken will, dann ist das doch zugleich eine Einladung an uns Menschen, mit zu wirken, aus dieser Wurzel (Vers 12) zu wachsen und selbst fruchtbar zu werden in der Bewahrung der guten Schöpfung. Gott, der in seiner Weisheit schöpferisch spielte, mit dem Ergebnis, dass alles gut war, beteiligt uns an seiner Weisheit und lädt uns ein mitzuspielen.



Epheser 1, 3-6+15-18

Der Epheserbrief zählt zu den paulinischen Schriften, wobei der Verfasser durchaus auch ein Schüler des Apostels gewesen sein kann. Der Gestaltung nach ist das Schreiben ein Brief, wohl ein Rundbrief an die Christen Kleinasiens, verfasst in Ephesus. Nach Stil und Inhalt ist er jedoch eher eine Predigt: Im Eingangsteil finden sich Gotteslob und Fürbitte, am Ende ein liturgischer Lobpreis. Predigtthema ist die Kirche, und zwar die weltweite mit Christus als Herrn und Haupt, von Gott schon vor der Erschaffung der Welt erwählt. Das wird inhaltlich in den Kapiteln 1 bis 3 entfaltet, wozu der Predigttext zählt.

Predigtgedanken:
Ein Loblied auf Gottes Heilsplan ist dieser Text und zugleich die Einladung an die Gemeinde, diesen Plan zu erkennen, anzunehmen und daran mitzuwirken. Wir können das Loblied mitsingen mit Worten mehrerer Advents-, Weihnachts- und Epiphaniaslieder: „Das Wort will Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.“ (Ev. Gesangbuch 8, 3) oder „Gott wird Mensch, dir Mensch zugute, Gottes Kind, das verbind’t sich mit unserm Blute“ (eg 36, 2) und besonders „Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!“ (eg 66, 1). Das Lied von der unlösbaren Verbundenheit von Gott und Mensch, vom Einssein Jesu mit Gott, dem Schöpfer, und so auch Gottes mit uns.

Der Gedanke, in der Weihnachtszeit nachhaltig zu predigen, erscheint zunächst befremdlich. Aber wenn wir schon in Wort und Lied Gott auch als Schöpfer preisen, der die Welt herrlich geschaffen hat und uns in Jesus ganz und gar mit sich verbunden hat, warum sollten wir dann nicht auch an unsere Mitverantwortung für die Bewahrung der guten Schöpfung erinnern, zu der wir berufen und begabt sind? Die Botschaft von der Mitmenschwerdung Gottes ist nicht nur eine Gute Nachricht, die geglaubt sein will und eine Hoffnung macht auf ein Zusammenkommen von Gott und Mensch im Dermaleinst. Wenn ein Kölner Komiker einst dementsprechend sang :“Wir sind alle kleine Sünderlein, Engel werden wir im Himmel sein“, dann muss er sich den massiven Widerspruch der Weihnachtsbotschaft gefallen lassen. Wir sind „erwählt, heilig und untadelig“ zu leben im Jetzt und Hier. Allerdings wird uns die Erwählung nicht wie eine Zwangsjacke übergestülpt, sondern will von uns angenommen sein.

Wilfried Stender, Essen

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