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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Dez. 09 - Weihnachten

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Tit 3, 4-7

am Morgen: Jes 62, 11-12
am Tag: Jes 52, 7-10

am Morgen: Tit 3, 4-7
am Tag: Hebr 1, 1-6

am Mo.: Lk 2, 15-20
am Tag: Joh 1, 1-18

Der Autor geht auf die Weihnachtsbotschaft allgemein sowie auf Hebr 1 und Lk 2 ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: wem gehört die Welt, Gebrochenheit des Menschen im alltäglichen Handeln und ihre Überwindung, mit Hilfe der Weihnachtsbotschaft führen lassen


Vorüberlegung:

Weihnachten ist verschiedentlich vorgeprägt. Aufgrund der gesetzlichen Feiertage kann man mit nur wenigen Urlaubstagen eine schöne Auszeit genießen. Die Schulkinder haben Ferien. Viele nutzen diese Phase, um Wegzufahren. Traditionell gilt Weihnachten auch als Fest der Familie und der Geschenke. Es gehört auch noch zum Brauchtum, an Weihnachten einen Gottesdienst zu besuchen. Für den Prediger bedeutet es, alle Jahre wieder eine Vielzahl von Gottesdiensten zu gestalten, die um die Geburt Jesu und deren Bedeutung für uns Menschen kreisen. Dabei begegnen dem Prediger nicht nur die vertraute Gottesdienstgemeinde, sondern auch viele „Gäste“, denen die Liturgie fremd und deren Erwartungshaltung nur schwer einzuschätzen ist. Oft wird deshalb die Predigt nicht exegetisch an den in der katholischen Liturgie immer gleichen Texten orientiert, sondern thematisch an der Weihnachtsfreude.

Auch lässt sich beobachten, dass aus verständlichen pragmatischen Gründen oft in der Christmette wie am Weihnachtstag dieselbe Predigt gehalten wird. Dabei bleibt die Frage, ob neben der verständlicher Weise zu formulierenden Festpredigt noch Raum für nachhaltige, tiefgehende und handlungsorientierte Gedanken bleibt.

Dass Nachhaltigkeit und Umdenken Themen unserer Zeit sind, ist nicht zufällig. Selbst in relativ ruhigen und guten Zeiten, wie wir sie in Deutschland erfahren dürfen, leben wir in all unserem Tun und Handeln in einer Spannung von Gelingen und Misslingen. Das betrifft alle Lebensbereiche: Wir lieben einen Menschen, wollen unser Leben mit ihm verbringen und tragen gleichzeitig das Unsere dazu bei, diese Beziehung zu belasten und zu gefährden. Wir wollen Frieden und meinen durch Drohung und Gewalt friedliche Zustände herstellen zu können. Wir wollen der Umweltzerstörung Einhalt gebieten und beugen uns doch immer wieder wirtschaftlichen Zwängen. Diese Zerrissenheit und Zwiespältigkeit prägt nicht nur die heutige Zeit, es ist ein bleibendes Thema der Menschheit. Doch in unserer eng vernetzten Zeit haben viele Entscheidungen globale Wirkungen, und wir können stärker als je zuvor erkennen, dass wir unmittelbar Verantwortung für die Zukunft der Menschheit tragen.

Theologisch sprechen wir deshalb von einer Gebrochenheit des Menschen, der sich nicht aus eigener Kraft erlösen kann. Diese Gebrochenheit spiegelt sich auch in unserem Umgang mit der Natur. In Christus begegnet uns ein heiler, ungebrochener Mensch, der uns mit seinem Wort und seinem Beispiel auf einem heilsamen Weg führen will – heilsam im Umgang mit Gott, mit uns selbst und der Welt.


Hebr 1, 1-6

Der Schreiber des Hebräerbriefes lässt sich nicht eindeutig feststellen, ebenswenig der Adressatenkreis. Man kann jedoch annehmen, dass die verunsicherten Christen des 1. Jahrhunderts aufgemuntert werden sollen. Die erste Begeisterung ist geschwunden, die erdrückende Wirklichkeit des Alltags holt die Menschen wieder ein, und ein neuer Blickwinkel auf die Christusüberlieferung tut not. Die Verse 1-6, die zu den Lesungstexten am Weihnachtstag gehören, sind der Einstieg in den Hebräerbrief und fassen einem Hymnus ähnlich eine Vielzahl christologischer Aussagen in einer poetischen Sprache zusammen: „Erbe des Alls“, „Abglanz seiner Herrlichkeit“, „machtvolles Wort“, „Reinigung von den Sünden“, „zur Rechten der Majestät“, „erhabener geworden als die Engel“ „Sohn“, „Erstgeborener“ – die Fülle der Bezeichnungen, die in schneller Folge aufgeführt werden, überfordern einen fast. Es ist wie ein Hoheslied der Liebe Gottes zu seinem Sohn und durch ihn zu uns Menschen.

Es ist aber auch ein Text, der die Zusammenhänge von Gott und Welt klärt und ordnet. Durch Gottes Wort sind die Welt und das Weltall geworden, sein Sohn ist der Erbe dieser Schöpfung, und wenn selbst die Engel vor ihm die Knie beugen, wie gering sind dann wir Menschen. Und doch sind wir Christi „Miterben“ (Röm 8, 17) und damit in die Nachfolge und Verantwortung gerufen.

Wem gehört die Welt? Diese Frage wird in diesen Verrsen thematisiert und beantwortet. Haben wir gehört, wem die Welt gehört, und prägt das auch unser Tun und Handeln?


Lk 2, 15-20

Ergänzend zur Theologie des Hebräerbriefes, werden hier die Geschehnisse der Christnacht in Erinnerung gerufen und erweitert. Die Geburt in einfachsten Verhältnissen und die Hirten als die Ausgegrenzten der Gesellschaft kontrastieren zu den glänzenden Hoheitstiteln mit dem der Gottessohn im Hebräerbrief beschrieben wird. Für viele Gottesdienstbesucher, die nicht einen Gottesdienst am Heiligen Abend besucht haben, ist es sicherlich eine schöne Geste, wenn sie hier die Fortsetzung des traditionellen Weihnachtsevangeliums hören können.


Predigtgedanken:

„Vieles Gewaltige lebt, und doch: Nichts gewaltiger denn der Mensch.“ So schreibt der griechische Dichter Sophokles in seiner „Antigone“, die 442 v.Chr. uraufgeführt wurde. Er beschreibt als Bürger Athens, der die wirtschaftliche Blüte- und militärischen Friedensphase seiner Stadt erlebt, uns Menschen. Knapp 2500 Jahre später hat dieser Satz nichts von seinem Stolz und seiner offensichtlichen Logik verloren. Wir Menschen verändern das Angesicht der Erde in einem gewaltigen Maß. Immer höher ragen unsere Bauten, immer weiter entschlüsseln wir die Zusammenhänge des Lebens, und immer stärker bedrohen uns die Folgen unseres Tuns. Wir leben in der Spannung, dass unser Handeln zwei Seiten hat. Auch gute Absichten können negative Folgen haben. Unsere intellektuellen, technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften erschließen und gestalten in unvorstellbarem Maß unser Leben und verändern gleichzeitig unsere Welt, sodass wir uns Sorgen um die Zukunft der uns anvertrauten Schöpfung machen müssen. Die großen der Menschheit aufgegebenen Themen, wie Frieden und Gerechtigkeit, Hunger und Armut sind nicht wirklich angegangen, sondern verschärfen vielmehr die Sorgen, wenn man an die Zukunft unseres Planeten denkt. Selbst einen Moment des Weihnachtsfriedens, an dem an diesem heiligen Tag wenigstens für Stunden alle Waffen schweigen, wird es wohl auch dieses Jahr nicht geben.

Wir Menschen sind gebrochene Wesen. Wir sehnen uns nach Glück und Zufriedenheit und sind doch nie zufrieden mit dem, was wir haben, und glücklich mit dem jetzt. Es könnte mehr, anders und morgen noch besser sein. Diese Gebrochenheit gilt nicht allein für unser Handeln, Fühlen und Denken. Sie ist ein grundsätzliches Thema des Lebens.

Auch Sophokles weiß, dass alle Macht der Menschen spätestens an der Schwelle des Todes endet. Doch nicht erst dort. Unsere menschliche Logik schafft Regeln, Ge- und Verbote und damit Begrenzungen, die Menschen eingrenzen uns schützen, andere jedoch ausgrenzen und ausliefern. In der Tragödie Antigone ist es Antigone selbst, die aufgrund angeblich höherer Werte ausgegrenzt und verurteilt wird. Als ihr Onkel und Fürst von Theben die schrecklichen Konsequenzen seines Handelns erkennt und eingreifen will, ist es schon zu spät. Antigone ist von eigener Hand gestorben. Die Unvollkommenheit unseres Handelns, die Unlösbarkeit der zentralen Menschheitskonflikte und die Begrenztheit unseres Lebens sind Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Nichts ist gewaltiger denn der Mensch – trotz oder gerade wegen seiner Gebrochenheit.

Schwach, klein, gering, armselig und schutzlos kommt ein Kind auf die Welt. Es wird hineingeboren in den Kontext, in dem seine Familie lebt, und es ist ganz und gar auf die Fürsorge seiner Eltern angewiesen. So sendet Gott seinen Sohn in diese Welt und setzt ihn, wie es der Hebräerbrief formuliert, als Erben des Weltalls ein. Er ist ganz Mensch und doch ein Gegenentwurf zum menschlichen Streben. Nicht groß und stark, sondern schwach. Nicht in Wohlstand, sondern in Armut, ohne Amt, ohne Besitz zieht er als Erwachsener durch die Welt. Er baut sich kein Denkmal, er verfasst kein Buch, er gründet keine Institution. Still erleidet er Folter und Tod. Nichts ist von ihm, abgesehen von wenigen Reliquien, an deren Echtheit es immer wieder Zweifel gibt, geblieben, außer seinen Worten und der Faszination, die von ihm ausging. Durch sein machtvolles Wort trägt er die Welt und das All. Sich vor ihm niederzuwerfen, wie es die Hirten des Feldes und die Weisen aus dem Osten tun, ist nicht mehr als selbstverständlich, denn in ihm begegnet uns ein heiler, heiliger, ungebrochener Mensch.

An Weihnachten begegnet das Heil der gebrochene Menschheit. Nicht gewaltig, nicht fern, sondern menschlich nahe. Ihm gelten alle Hoheitstitel, die der Hebräerbrief aufzählt: „Erbe des Alls“, „Abglanz seiner Herrlichkeit“, „machtvolles Wort“ und noch andere mehr. Alle Macht ist ihm gegeben. Er lebt sie aber nicht wie die Mächtigen der Welt und zeigt uns dadurch seine wahre Größe. Die Adventszeit, aber auch die Weihnachtszeit sind oft von Kitsch und Kommerz überfrachtet. Doch die Weihnachtsbotschaft, das Zusammenkommen in der Familie und das Streben nach Frieden, wie es die Engel auf dem Feld verkünden (Lk 2, 14), gehören erstaunlich oft und selbstverständlich zu den Weihnachtstagen. Vielleicht liegt die Faszination des Weihnachtsgeschehens darin, dass wir intuitiv in der Geburt Jesu das Besondere dieses anderen Menschen spüren. Dass wir uns bemühen, in den Weihnachtstagen ein paar heile, heilige und heilsame Stunden zu erleben, liegt in einer tiefen Sehnsucht nach einem Leben, das nicht der Gebrochenheit menschlicher Macht und menschlichen Machens ausgeliefert ist. Die Geburt Jesu gibt dieser Sehnsucht Hoffnung und Zukunft.

Doch Weihnachten ist nicht allein eine Momentaufnahme von heiler Welt. Es ist ein erneuter Anfang eines Weges, den Gott mit uns Menschen gehen möchte. Die Gebrochenheit des Menschen, die theologisch gesprochen mit dem gebrochenen Gebot im Paradies (Gen 2, 16 f.) und der daraus folgenden Vertreibung begonnen hat, kann nun einem heilsamen Weg weichen, der mit der Geburt Jesu und dem damit zeichenhaft beginnenden Reich Gottes aufgezeigt ist. Dieser Weg ist nicht leicht, aber zu bewältigen. Er kann uns mit Gott, mit uns selber und der Welt versöhnen.

Nichts ist gewaltiger denn der Mensch – wenn er sein Heil nicht aus sich, sondern aus der Gemeinschaft mit Jesus zu erlangen versucht. Damit sind nicht alle Probleme auf einmal gelöst. Aber aus dem heiligen Moment des Weihnachtsfestes kann eine Hoffnung wachsen, die unsere Sehnsucht zu stillen vermag. Der Stern von Bethlehem leuchtet nicht nur in dieser Weihnachtszeit, sondern auch in unsere Zukunft hinein. Wir müssen uns nur von dem Kind in der Krippe, dem Erben des Alls, berühren und führen lassen.


Literatur:

Studien zum Hebräerbrief von: Gerhard Dautzenberg, Norbert Lohfink, Claus-Peter März.


Kontexte:

Was Jesus für mich ist?
Einer, der für mich ist.
Was ich von Jesus halte?

Dass er mich hält.
(LOTHAR ZENETTI)

ICH KENNE EINEN ...

der ließ sich von uns die Suppe versalzen
der ließ sich von uns die Chancen vermasseln
der ließ sich von uns das Handwerk legen
der ließ sich für dumm verkaufen
der ließ sich einen Strick drehen
der ließ sich an der Nase herumführen
der ließ sich übers Ohr hauen
der ließ sich von uns in die Pfanne hauen
der ließ sich von uns aufs KREUZ legen
der ließ sich von uns Nägel mit Köpfen machen
der ließ sich zeigen was ein Hammer ist
der ließ sich von uns festnageln auf sein Wort
der ließ sich seine Sache was kosten
der ließ sich sehen am dritten Tag
der konnte sich sehen lassen
(LOTHAR ZENETTI)


wir danken dir für den EINEN
für jesus von nazaret
mit dem ganz neues leben auf unsere erde kam
der uns gezeigt hat
was es heißt zu leben und wie
wir danken dir für ihn
der über den tod hinaus zu uns spricht
dem wir noch immer gern zuhören
der lebt und unserem leben richtung gibt
von dem wir hoffen
dass er einmal die welt regieren wird
und alles bis ins kleinste mit seinem geist erfüllt
wir danken dir für jesus christus
den wahrhaft aus allem tod auferstandenen
der nichts beim alten lassen möchte
der bei verschlossenen türen zu uns hereinkommt
der alle wände der welt durchbricht
die menschen von menschen trennen
er die hoffnung
dass diesseits und jenseits verschmelzen
er das morsezeichen
von dir verborgener gott zu uns hin
wir danken dir
weil wir die klopfzeichen des neuen lebens
an den wänden unserer welt hören können
wir danken dir
weil wir das wetterleuchten eines neuen lebens
sehen dürfen
(wilhelm willms)


Jesus Christus, überall sehe ich
zerstörte Gebäude,
gebrochene Menschen,
aufgegebene Traditionen,
gebrochene Herzen und zerstörte Beziehungen.
Diese Zerbrochenheiten zeigen die Gewalt und Brutalität des Krieges.
Jesus Christus,
überall sehe ich verlassene Felder und Häuser,
auf der Flucht auseinandergerissene Familien,
Menschen ohne Heimat und Hoffnung.
Aber Dein zerbrochener Leib in der Eucharistiefeier
bewirkt Versöhnung, Verzeihung,
Hoffnung und den inneren Frieden der Geschlagenen.
Mögen die zerstörten Gebäude und Menschenleben uns durch Deine Liebe Einheit,
Frieden, Treue, neue Hoffnung und Versöhnung bringen.
Wir beten für unsere Brüder und Schwestern,
die auf der Suche nach Frieden und Befreiung im Sudan gestorben sind.
Die meisten von uns haben Angehörige verloren …
Wir beten für sie und stehen ihnen in ihrer Trauer bei.
Wir wollen die Haltung der Gleichgültigkeit ablegen,
wir wollen uns umeinander kümmern und für alle Menschen da sein.
Wir beten für unsere Brüder und Schwestern,
deren einzige Hoffnung auf Leben in der Flucht lag.
Wir beten für sie, dass sie Kraft und Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat haben,
um eine Gemeinschaft in Frieden aufzubauen.
Wir beten für Frieden und Versöhnung
der verwundeten Kämpfer und Nichtkämpfer.
Das Blut und ihre im Bürgerkrieg erlittenen Verletzungen mögen nicht weiter
Zwietracht und Krieg säen,
sondern den Menschen des Sudan Frieden und Einheit bringen.
Wir erbitten den Segen Gottes für alle,
die uns in unserer Dunkelheit beistehen und Hoffnung schenken.
Wir danken Gott für diese Menschen,
die uns in unserer schweren Zeit immer Freunde gewesen sind.
Sie waren uns nahe und haben uns Wärme gegeben.
Von ihnen haben wir Wasser, Schulen,
Krankenhäuser, Nahrung und Transportmittel bekommen.
Sie haben gehandelt
wie die Gerechten der Welt, denen Jesus sagt:
„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben;
ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben;
ich war fremd und obdachlos,
und ihr habt mich aufgenommen;
ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben;
ich war krank, und ihr habt mich besucht;
ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“ (Mt 25,35-36)
Wir wollen uns mit allen Menschen
guten Willens und mit Gottes Hilfe um
Frieden und Versöhnung bemühen,
„um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre
Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“ (Lk 1,79)
Amen.
(nach dem Weihnachtsgruß von Bischof Akio Johnson Mutek, Bischof der Diözese Torit, Sudan)

Paul Nowicki, Speyer

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