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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

20. Dez. 09 - 4. Adventssonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Phil 4, 4-7

Mi 5, 1-4a

Hebr 10, 5-10

Lk 1, 39-45

Die Autorin geht auf alle vier Predigttexte des Sonntags ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Gottesdienst zum 4. Advent als Angebot der Ruhe und der konsumkritischen Distanz, die neue Welt (intuitiv) erahnen, sich gegen die Kräfte des Alltags auf sie innerlich einlassen, Motivation schöpfen, bewusste Reflexion auf die Quelle der eigenen Kraft, bewusst ändern statt unbewusst ausweichen


Stellung im Kirchenjahr / Homiletische Situation

Am 4. Advent erreicht die Zeit des Wartens und Sich-Vorbereitens auf Weihnachten im liturgischen wie im alltäglichen Geschehen ihren Höhepunkt und ist theologisch und emotional höchst ambivalent behaftet. Die Vorfreude auf das heilvolle Kommen Gottes in diese Welt dringt in die Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit und Schuldhaftigkeit – die "stille Zeit" des Fastens und der Buße wird vom wachsenden Glanz der Adventslichter erhellt. Daneben steht die alltägliche Erfahrung, dass die Vorweihnachtszeit wie kaum eine andere Zeit die Gesellschaft quer durch alle sonst üblichen gesellschaftlichen Schichtungen spaltet: Die einen nehmen intensiv an der "weltlichen" Festvorbereitung teil und erfreuen und erschöpfen sich in beruflichen und familiären Anforderungen, Weihnachtseinkäufen und dem dazu gehörenden "Marktprogramm"; die anderen erleben um so schmerzlicher, von diesem Weihnachts- und Vorweihnachtsgeschehen durch Einsamkeit, den Verlust eines lieben Menschen, materielle Armut o.ä. ausgeschlossen zu sein. Mit der Nähe der Weihnachtsfeiertage wachsen so bei vielen die Freude, die Erschöpfung oder auch die Angst vor dem Fest.

Der Gottesdienst am 4. Advent könnte als ein Angebot der Ruhe, der Stille und der Besinnung auf die Verheißungen Gottes und seinen Willen für die Welt für alle Besucher/innen gleichermaßen eine heilsame Distanz zu ihren unterschiedlichen Befindlichkeiten schaffen. Diese heilsame Distanz gelingt dabei weniger durch event- und konsumkritische Verkündigung als durch die spirituelle Erfahrung, in der Distanz zum Alltag und der Besinnung auf die im Kommen Jesu angebrochene Gottesherrschaft innerlich - nachhaltig! - gestärkt zu werden und so gelassener oder auch getrösteter in den Alltag zurückzugehen. Die verschiedenen Predigttexte bieten verschiedene Möglichkeiten an, den Blick auf die im Kommen Jesu angebrochene Gottesherrschaft im Alltag wach zu halten.


Exegetische Überlegungen

Trotz ihres breiten thematischen Spektrums nehmen alle vier Predigttexte die Spannungen zwischen Alltagserfahrungen und Neuem Leben, zwischen Unzulänglichkeit bzw. Schuldhaftigkeit und Verheißung auf - dann jedenfalls, wenn man ihre Kontexte einbezieht. Sie führen uns Menschen vor Augen, die unter lebensfeindlichen oder sogar lebensbedrohlichen Bedingungen den Widerschein eines Neuen wahrnehmen, das ihre bedrückende Gegenwart aufbrechen und überwinden wird: Der Prophet Micha sieht für den unter Fremdherrschaft und widrige Lebensbedingungen unterjochten Rest des einstmaligen Gottesvolkes eine neue, universale Heilszeit anbrechen, Maria spürt in der Isolation der über sie verhängten Schwangerschaft den Heiland in sich wachsen, Paulus fühlt sich in seiner Gefangenschaft und im Warten auf ein mögliches Todesurteil von einer inneren Freude getragen, der Verfasser des Hebr. erlebt die Befreiung seines "von Sünden belasteten Gewissens" durch die Preisgabe seiner kultischen Heiligungsbemühungen zugunsten einer Heiligung im Mitwirken an Gottes Willen in der Welt.
Die Akteure der jeweiligen Predigttexte gehen also mit der beschriebenen Spannung in höchst unterschiedlicher Weise um und machen sie für sich und ihren Glauben fruchtbar. Die Vision einer neuen Welt, Erwählungsgewissheit, Glaubensfreude und die Mitarbeit an Gottes Heilswirken in der Welt setzen diese Spannung positiv in Motivation zum Leben, Verkündigen und Handeln um.

Vision:

Mi. 5, 1-4b gehört zu den zeitlich späten Textpassagen des Michabuches, die die sozialkritisch motivierte Gerichtsprophetie des Kerntextes (Mi. 1-3) fortschreiben und in ihrer Heilsverheißung "die Wandlung des Willens Gottes im Lauf der Geschichte, der zuletzt im Heil für sein Volk endet", beschreiben (Schmid S. 386). Unabhängig vom genauen Entstehungszeitpunkt setzen die Texte die verheerenden Folgen von Exil und Heimkehr in die zerstörte und unter politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit stehende Heimat für das Selbstverständnis des Restvolkes Juda unter vielen Völkern (Vv 6 ff.) voraus. Dem stellt der Predigttext die endzeitliche Erwartung eines Herrschers entgegen, unter dessen Ägide der ewige Shalom anbricht und Israel und Juda aufs neue und für immer in ihrem Land versammelt werden. (V 4a) Die Wurzeln seiner Herrschaft liegen in der im Rückblick verklärten "Frühzeit" des Staates Israel (V 1b), dabei wird jedoch das gegenwärtige Volk in seiner Schwäche und Bedeutungslosigkeit nicht abgewertet, sondern seine aktuelle Situation wird positiv umgedeutet: Aus dem (jetzt) kleinen und unbedeutenden Bethlehem wird, wie einst David, nun der Messias hervorgehen (V 1a). Das niedergeschlagene Gottesvolk trägt in sich, einer Schwangeren gleich, den Embryo, den Gott einst zum universalen Heil Gestalt werden lassen wird (V 2). Der breite Zeitrahmen von der Frühzeit Israels zur gegenwärtigen Erfahrung und zur verheißenen Friedenszeit, in den Micha das Kommen des endzeitlichen Herrschers einspannt, macht noch einmal deutlich, dass Gott in anderen Zeitkategorien handelt, als es die gegenwärtige Erfahrung eines menschlichen Lebens zu erfassen vermag. Mit dieser Vision kann das Volk in seiner aktuellen Lage seine Schwäche und die scheinbare Ohnmacht seines Gottes als ein Durchgangsstadium annehmen, sie in Geduld und Hoffnung ertragen und darin ein neues Gottes- und Selbstverständnis aufbauen.

Erwählungsgewissheit

Die lukanische Geburtserzählung Jesu nimmt die Verheißung Michas unmittelbar auf und sieht sie in der Menschwerdung Jesu zur Erfüllung gebracht: Im Leib Marias wird der verheißenen Messias durch den Heiligen Geist und die Kraft des Höchsten Gestalt und kommt, wie verheißen, in Bethlehem zur Welt. Dieses Geschehen wird durch die prophetische Gestalt Johannes des Täufers vorangekündigt und gedeutet - auch für Maria selbst. Die davidische Abstammung Jesu stellt - wie bei Micha - den Bezug zur frühen Heilszeit Israels her.
Dies wird in der Perikope Lk 1, 39-45 an Elisabeth und Maria veranschaulicht. Die Geburtserzählung Johannes des Täufers ist in der späten Schwangerschaft Elisabeths und der geistlich-prophetischen Bestimmung des Kindes der Geburtserzählung des Propheten Samuel (1 Sam 1-3) nachempfunden, dessen Bedeutung für das davidische Königtum derjenigen des Täufers für Jesus entspricht. Das Hüpfen Johannes im Leib der Elisabeth und die Regung des Heiligen Geistes (V 42) zeigen, dass Johannes - und mit ihm Elisabeth - in dem in Maria wachsenden Kind den Messias erkennt und begrüßt.
Dieses Geschehen löst in der unverheirateten Schwangeren die Wendung von demütig-passiver Akzeptanz ihrer Erwählung und deren - möglicherweise persönlich bedrückenden - Folgen zur inneren Erkenntnis von Gottes subversivem und universalen Heilswirken aus und führt zum Lob dessen, der die Gewaltigen vom Thron stoßen und die Niedrigen erheben wird (Lk 1, 52). Maria selbst erlebt darin auch die Aufwertung ihrer eigenen Niedrigkeit. Dabei kann das griechische Wort ταπείνωσις sowohl im Sinn von Niedrigkeit / Demut als auch von Erniedrigt-Sein / Gedemütigt-Sein verstanden werden (vgl. Giesen S. 812).

Glaubensfreude

Die Erfahrung der ταπείνωσις im doppelten Sinn menschlicher Unzulänglichkeit und erlittener Demütigung verbindet Maria mit Paulus, der in Phil. seine irdische Existenz als τό σϖμα της ταπεινώσεως (Phil 3, 21) und die Menschwerdung Jesu in ihrer Gleichgestaltung der menschlichen Existenz als Erniedrigung (εταπείνωσεν Phil. 2,8) beschreibt. Geht man von der literarischen Einheit des Phil. aus (so Lohmeyer, Klauck, Schnelle u.a.), gehört die Perikope Phil 4, 4-7 zu einem Brief, den Paulus aus der Untersuchungshaft an die ihm eng verbundene Gemeinde in Philippi schreibt. 2, 20 ff. zufolge wartet er auf seinen Prozess mit ungewissem Ausgang: Freispruch oder Todesurteil; er selbst schwankt zwischen Zuversicht (2, 25) und Todeserwartung (1, 23; 2, 17; u.a.).
Anders als das Volk Israel und Maria, die die Überwindung ihrer Erniedrigung durch eine universale Veränderung der sie bedrückenden Lebensumstände erwarten, setzt Paulus seine Hoffnung auf die individuelle Erlösung von seinem gedemütigten Leib (1, 21 ff.) durch Tod und Auferstehung hindurch und die darauf folgende untrennbare Verbindung mit Jesus Christus in einer himmlischen Welt, für die ihm im irdischen Glauben das "Bürgerrecht" geschenkt worden ist (3, 20).
Die mehrfache Aufforderung χαίρετε "freut euch!" zu Beginn des Predigttextes (V 4) meint demzufolge nicht ein Heiter-Gestimmt-Sein, sondern vielmehr ein ständiges Bewusstsein und sich Bewusst-Machen der eigenen "Teilhabe an der himmlischen Welt" (Berger S. 1080), das den ganzen Menschen erfüllt und ihn in den Zwängen der irdischen Existenz tröstet und innerlich befreit. Dieses Erfüllt-Sein (έπίεικές V 5) vergewissert und realisiert sich im ständigen Gebet in Dank und Fürbitte (V 6) und soll gegenüber allen Menschen ansteckend sichtbar werden (V 5).
Wie schon für Micha spielt auch für Paulus der endzeitliche Friede Gottes (είρήνη V 7, vgl. den verheißenen Shalom Mi 5, 4a) eine zentrale Rolle. Er ergreift für Paulus jedoch nicht die gesamte Schöpfung, sondern das Empfinden und Denken - καρδία und νοήμα - der einzelnen Glaubenden.

Mitarbeit an Gottes Heilswirken

Hebr. 10,5-10 setzt die Spannung zwischen der erfahrenen Lebenswirklichkeit und dem verheißenen Anbruch des endzeitlichen Heils in Motivation zum Handeln um. In der unglücklich aus ihrem christologischen Zusammenhang gerissenen Perikope - einfacher wäre es, den Text von V 1 an zu predigen - ist der letzte Vers (V 10) ein Schlüsselvers. Das Leiden an den bedrückenden und erniedrigenden Lebensbedingungen und die eigene Verstrickung in ihre Entstehungszusammenhänge überwinden wir nicht durch die ständige Wiederholung kultischer und religiöser Praktiken und Übungen (Vv 3-4), um unsere Erfahrungen zu transzendieren, sondern durch das Tun von Gottes Willen, das die negativen Erfahrungszusammenhänge tatsächlich verändert. Christus hat uns durch sein Kommen von der uns belastenden Mitschuld an den zerstörerischen Strukturen menschlichen Zusammenlebens befreit und uns so dazu befähigt, unser Leben nach seinem Willen auszurichten und es dadurch als geheiligt zu erfahren (V 10).
Damit wird gegenüber den anderen Predigttexten ein dritter Grund christlicher Hoffnung stark gemacht: Die bedrückenden und Menschen erniedrigenden Lebensumstände können aufgebrochen und überwunden werden, weil wir Menschen sie in Verantwortung vor Gott und in Gehorsam gegenüber seinem Willen hier und da verändern können, ohne an der Verantwortung für die Gesamtzusammenhänge zu zerbrechen.
Der calvinisch-reformierte Gedanke der Heiligung des Lebens in der verantwortlichen Mitgestaltung der Schöpfung Gottes zu seiner Ehre, der Wertschätzung der Ethik und der positiven Einstellung zu Gottes Geboten als Wegweiser der Freiheit (Lochman) bauen auf dieser biblischen Grundlage auf.


Homiletische Überlegungen/Konkretisierungen

Wo - und warum - erleben wir uns in unserem Alltag als bedrückt, eingeengt oder gar gedemütigt? Was gibt uns Hoffnung, Trost, Kraft, Motivation zum Handeln trotz uns bedrückender oder erniedrigender Alltagserfahrungen? Das sind die Fragen, die uns sowohl die kirchenjahreszeitliche Stellung des Sonntags als auch die Texte in ihren unterschiedlichen Implikationen stellen.

Die Situation der HörerInnen lässt erwarten, dass diese Fragen sie zwar innerlich und unbewusst umtreiben, die bewusste Auseinandersetzung mit ihnen jedoch in den alltäglichen Anforderungen keinen Raum hat oder verdrängt wird. Ob und wie sich die Hörerinnen und Hörer diesen Fragen annähern können, und ob sie in dieser Annäherung tatsächlich Kraft gewinnen, wenigstens ein Stück weit eine heilsame Distanz zu dem aufzubauen, was sie stresst, erschöpft oder ängstigt, hängt entscheidend davon ab, wie sie sich in ihren Alltagserfahrungen verstanden und ernst genommen fühlen - ohne dass ihre Art der Weihnachtsvorbereitungen und ihre Hoffnungen auf ein harmonisches Fest pauschal kritisiert oder "kirchlich" abgewertet werden. Die eingangs beschriebenen Grundstimmungen: Vorfreude, Stress, Erschöpfung, Angst können Anknüpfungspunkte sein - wobei sorgfältig eruiert werden muss, welche Erfahrungen bei den HörerInnen überwiegen bzw. wo sich die verschiedenartigen Erfahrungen treffen.

Jeder Prediger/jede Predigerin wird Beispiele aus dem unmittelbaren Umfeld der Hörerinnen finden und erzählen können, in denen sich auch komplexere ökonomische und gesellschaftliche Zusammenhänge verdichten, oder anhand derer sich die ambivalenten Implikationen des nahenden Weihnachtsfestes verdeutlichen lassen - in denen aber auch die offenen oder heimlichen Hoffnungen zur Sprache kommen, mit denen Menschen ihr Leben aufrecht erhalten.

Ein Jugendlicher erzählt: Heiligabend, da bin ich am Strand mit meinem Surfbrett - weißer Sand, Sonne, schöne Wellen, megacool. Morgen geht's los. Ich kann's gar nicht erwarten.

Solche oder ähnliche Beispiele geben der - von vielen auch so ausgelebten - Sehnsucht nach einem anderen Weihnachtsfest Raum, die anhand der biblischen Texte in unterschiedlicher Weise aufgenommen und weiter geführt werden kann. Ein solches Beispiel hat in einer Stadtgemeinde, in der sich am 4. Advent tatsächlich einige Gemeindeglieder auf ihren Winterurlaub freuen und vorbereiten werden, eine ganz andere Wirkung, als in einer Dorfgemeinde, in der die Mehrheit der Anwesenden zu Hause feiern wird - einige sich aber vielleicht nach der Möglichkeit einer Flucht vor den Feiertagen sehnen.

Ein anderer Hörerbezug könnte auch gelingen, wenn der Prediger / die Predigerin mit den latenten Sehnsüchten und Hoffnungen der HörerInnen spielt und sie verfremdend aufnimmt.

Weihnachten rückt doch schon sehr nahe. Gestern habe ich geträumt, es klingelt an der Tür. Draußen steht der Weihnachtsmann. Er lächelt und sagt: "(Rufen Sie Ihre Familie zusammen und) Kommen Sie. Kommen Sie nur mit. Lassen Sie alles da. Ich bringe Sie nach Weihnachten..." Ein alberner Traum. Trotzdem ist er mir nachgegangen. Nach Weihnachten - was heißt das denn? Ist das ein Ort - oder meint er einen Zeitpunkt, wenn alles vorbei ist...
Und "kommen Sie?" Soll ich hier alles liegen lassen...
Manchmal spiegeln unsere Träume ja verborgene Wünsche...

Sie werden sicher originellere und bessere Einstiegserzählungen erfinden können. Aber in solchen Fantasien lässt sich der steile Text aus Hebr. vielleicht am ehesten konkretisieren und fassen. Wo versuche ich, durch Rituale oder Inszenierungen meinem Alltag auszuweichen, statt meine Einstellung oder mein Verhalten zu ändern? Auch die steile paulinische Aufforderung zur Freude braucht die Konkretisierung des Freudenbegriffes im Verhältnis zu den Begriffen Spaß, Erfüllung, Flow-Erfahrung o.ä.

Eine andere Möglichkeit näher an den Texten ist, bei den AkteurInnen der Texte zu bleiben, bei ihren Erfahrungen und Hoffnungen, und diese so anschaulich zu erzählen, dass sich sowohl die innere Verfasstheit als auch die lebensbegrenzenden Erfahrungen der HörerInnen darin spiegeln. Die Frauen Maria und Elisabeth, ihr Verhältnis zueinander, ihre Erfahrung mit Männern, mit den Erwartungen der Familie und der Gesellschaft, mit dem Älter-Werden, mit ihrem so merkwürdigen Gott laden zu einer solchen Ausgestaltung förmlich ein. - Aber sie sind zu anderem erwählt!

Gegen den Propheten Micha steht ein Gegenredner auf, der ihm zu erklären versucht, wie unsinnig seine Vision ist - "Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen..."

Angesichts der Fülle der Gottesdienste in der Advents- und Vorweihnachtszeit bietet der vierte Advent aber auch die Möglichkeit zu einem Gottesdienst in ganz anderer Gestalt. Die "stille Zeit" des Fastens und der Buße, die vom wachsenden Glanz der Adventslichter erhellt wird, die spirituelle Erfahrung einer heilenden Distanz zum Alltag lässt sich auch liturgisch abbilden. Durch das Spiel mit Licht und Dunkelheit etwa, wo es der Kirchraum und die Beleuchtungstechnik hergibt, durch Stille, durch eine Meditation anhand von Phil 4, 4-7, die der Ausbreitung der Freude oder auch des göttlichen Friedens im Menschen selbst, in seinem Umfeld und in der Welt nachspürt - dabei ließen sich auch mehrere Texte aufeinander beziehen: Mi 5, 4b auf Phil 4,7 - oder auch Mi 5, 1-4 auf die Schwangerschaft der Maria. Dabei könnten die langen Zeiträume des kommenden Heils, die Notwendigkeit von Geduld und innerlicher Festigkeit zur Sprache gebracht werden.


zitierte Literatur:

K. Berger, Art. "χαίρω", in: Horst Balz, Gerhard Schneider (Hrsg.): Exegeitsches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd. III, Stuttgart, Berlin, Köln, 21992, Sp. 1097-1083.

H. Giesen, Art. "ταπεινόω, ταπείνωσις", in: Horst Balz, Gerhard Schneider (Hrsg.): Exegeitsches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd. III, Stuttgart, Berlin, Köln, 21992, Sp. 801-804.

K. Schmid: Hintere Propheten, in J. C. Gertz (Hrsg.) Grundinformation Altes Testament, Göttingen 2006, S. 303-404.

Dr. Susanne Bei der Wieden, Frankfurt

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