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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

13. Dev. 09 - 3. Adventssonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

1 Kor 4, 1-5

Zef 3, 14-17 (14-18a)

Phil 4, 4-7

Lk 3, 10-18

Die Autorin betrachtet alle Predigtperikopen des Tages. Stichworte zur Nachhaltigkeit: aus der Freude heraus die Welt mit anderen Augen sehen, das eigene Handeln von Sorgfalt, Achtsamkeit und aufmerksamer Zuwendung leiten lassen, Klimawandel, das meine tun im eigenen Umfeld – die Rettung des Ganzen (Trennung von Spreu und Weizen) ist nicht Sache des Einzelnen (kath. Perikopen); Veränderung der Atmosphäre des zwischenmenschlichen Miteinanders ist Nachhaltigkeit (1 Kor 4)


Zur Stellung im Kirchenjahr und zur homiletischen Situation

Keine Zeit im Kirchenjahr ist emotional so aufgeheizt, wie die Adventszeit. Spätestens seit September wird kommerziell die Erwartungshaltung hoch geschraubt, eine sog. Vor-Freude strapaziert. Eine regelrechte Stimmungsmache startet den Angriff auf unser Gemüt mit dem Ziel, uns Geld zu entlocken. Spätestens ab 11. November stehen in allen Kaufhäusern die Weihnachtsbäume, dudelt Weihnachtsmusik und dampfender Glühwein vermittelt das Gefühl, es gäbe eine Kälte, vor der das Getränk gut schützen könne. Die kommerziell verordnete Weihnachtsstimmung berührt uns, ob wir es wollen oder nicht. Und je mehr der ganz normale Alltag stresst, je hektischer das Leben sich gestaltet, je frustrierender die Lebenssituation ist, um so anfälliger werden die Menschen für diese kleinen Vertröstungen. Das gilt es zu bedenken, besonders am dritten Adventssonntag, der in der katholischen Liturgie den Akzent: „Freuet Euch!“ - „Gaudete!“ trägt.

Es gilt die schwierige Balance zwischen einer tief gründenden, wirklich großen Freude, von der die Lesungen sprechen, und einer nüchternen, alltagstauglichen Spiritualität, die mit der Hinkehr zu Gott im Konkreten ernst macht, auszuhalten und in jene vorweihnachtliche Stimmung hinein zu vermitteln.


Exegetische Bemerkungen zu den Texten der katholischen Leseordnung

In der katholischen Leseordnung des Lukasjahres sind die Texte des Advent ganz ausgerichtet auf den kommenden Messias: in der Erwartung und den Verheißungen des ersten Bundes; bei Paulus in der konkreten Erwartung der endgültigen Wiederkunft Jesu und gleichzeitig dem Wissen um SEINE Nähe jetzt; schließlich im Zeugnis des Evangeliums.
In dieser Linie bildet der 3. Advent einen Kulminationspunkt.

Zefanja: 3, 14-18a (1)
Das Buch der Prophezeiungen des Zefanja gehört zu den sog. Kleinen Propheten. Seine Botschaft besteht im Wesentlichen in der Ankündigung des „Tages Jahwes“ (Dies irae), ist Anklage und Mahnung. Nur zwei Heilsverheißungen fallen heraus: 2,7.11 und 3,9-20 - der größere Rahmen unseres Textes.
Die Verse Zef. 3, 14-18a bestehen aus zwei Einzelworten: 3,14.15 & 16b-18a. Sie sind in 16a durch eine Verknüpfungsformel im Weissagungsstil: „An jenem Tage…“ verbunden. In 3,14 hebt der Text mit einem vierfachen Aufruf zu lauter Freude und Jubel an. Es ist ein prophetischer Heilszuspruch. Der Grund dafür liegt in der Aufhebung des Strafgerichtes in der Gestalt äußerer Feinde über Jerusalem (15a.b) und in der Neuaufrichtung der Königsherrschaft Jahwes in der Mitte seines Volkes (15c). Mit 3,16b schließt sich ein Wort der Ermutigung an. Der Propheten sagt, dass die eigentliche Wende der Not von Jahwe her bereits vollzogen ist. Diese ermutigende Verheißung gipfelt in der Aussage, dass Gott selber über sein Volk in Freude und Liebe frohlockt und jubelt.

Paulus: Phil 4, 4-7 (2)
Die Gemeinde in Philippi wird übereinstimmend als Lieblingsgemeinde des Paulus bezeichnet. Auf seiner zweiten Missionsreise gründet Paulus sie als erste Gemeinde auf europäischem Boden. Er hat von Stund an eine besondere Beziehung zu ihr, was sich in einer vielschichtigen Kommunikation zeigt.
Der Brief an die Philipper wird von Paulus aus dem Gefängnis geschrieben, nach Meinung der Exegeten aus einem Gefängnis in Ephesus. Die vorliegenden Verse sind dem letzten Kapitel des Briefes entnommen und schließen an einige Ermahnungen an.
Mitten in einer für die Gemeinde bedrängenden Situation ruft Paulus zur Freude auf, einer Freude, die nur aus der Beziehung zu Jesus wächst. Die unmittelbare Naherwartung, die immer noch bei Paulus durchklingt, ist der Grund für eine umfassende Offenheit gegenüber jedermann. Dies ist angesichts einer kleinen und bedrängten Gemeinde sehr erstaunlich! Es folgt eine Ermutigung für die Gemeinde verbunden mit der Aufforderung zum Gebet: „bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott.“ Aus einem solchen Handeln - so die Zusage - wird der alles übersteigende Friede Gottes ihre Herzen erfüllen, sie innerlich bewahren mitten in der Not, bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Lukas: 3, 10-18 (3)
Die vorliegende Perikope besteht aus zwei Teilen: VV10-14 sind lukanisches Sondergut und VV15-18 beinhalten älteste urkirchliche Verkündigung.
VV10-14: ganz in der Linie des Lukas ist die Darstellung des Volkes positiv gefärbt. Es tritt der harschen Umkehrpredigt des Täufers offen gegenüber und fragt nach der praktischen Umsetzung. Dreimal wird die Frage: „Was sollen wir tun?“ gestellt - vom Volk, den Zöllnern und den Soldaten - und dreimal antwortet Johannes ganz konkret. Seine Antwort zielt auf das Naheliegende und Machbare: Überfluss teilen und den Beruf sorgfältig ausüben, ohne die immer gegebenen Möglichkeiten des Unrechtes zum eigenen Vorteil auszunützen.
VV15-18: im Stil einer Taufunterweisung ist die Rede des Johannes über den Kommenden gestaltet. Er ist der Stärkere, dem er dient und der mit „Heiligem Geist und mit Feuer taufen“ wird. Dies wird als Anspielung auf das kommende Gericht gedeutet, ebenso wie das Bild des Bauern, der beim Worfeln die Spreu vom Weizen trennt und die Spreu in nie erlöschendem Feuer verbrennt.
Fast gegenläufig zu den von Freude erfüllten Lesungstexten klingen hier überaus ernste Töne an, die allerdings auch sehr lebenspraktisch sind. Das Sich-vorbereiten auf den Kommenden spielt sich nicht in einem rein spirituellen Rahmen ab, geschweige denn ist es reine Freude. Es erfodert eine konkrete, an dem Kommenden orientierte Lebensgestaltung und rechnet immer mit jener Wirklichkeit, die einmal die „Spreu vom Weizen“ trennen wird.

Predigtimpulse

Alle drei Texte bieten vielfältige Anknüpfungspunkte für eine Predigt, die den Aspekt der Nachhaltigkeit betonen möchte. Ich gebe hier nur einige Gedankenanstöße.
Grundlegend ist für mich die Freude. Die Lesungstexte sprechen immer jene Freude an, die aus dem bewusst erkannten Handeln Gottes erwächst, aus dem Bewusstsein Seiner Nähe, Seiner schützenden und befreienden Gegenwart, die im Gebet unmittelbar zugänglich ist. Eine solche Freude lässt die Welt mit anderen Augen sehen, alles in ihr und jeder Mensch hat darin einen Ort, eine Bedeutung. Von einer solchen Freude erfüllt zu sein, bedeutet gleichermaßen dankbar zu sein für das Gegebene, bedeutet das eigene Handeln von Sorgfalt, Achtsamkeit und einer aufmerksamen Zuwendung leiten zu lassen. Wo Gottes Gegenwart in der Welt gewusst wird, kann diese Welt nicht ausgebeutet oder misshandelt werden. Sie ist Schutzraum Gottes.
Zugleich weiß der Gläubige, es ist allein Gottes Initiative, die Liebe zu seinem Volk zu erneuern und die Feinde zu vertreiben; Es ist sein Tun, seinem Volk nahe zu sein und die Herzen mit Frieden zu erfüllen. Das ist der Machbarkeit entzogen. Insofern können diese Gaben „nur“ erbeten werden. Das bedeutet aber auch um die eigenen Grenzen zu wissen, bedeutet Leben zu empfangen und nicht es zu manipulieren und für die eigenen Interessen zu missbrauchen.

„Was sollen wir tun?“ - ist das nicht genau unsere Frage im Blick auf den Klimawandel, eine Weltwirtschaftskrise und globale Probleme, die wiederum alle in sich eine unübersehbar große Zahl von Einzelschicksalen einschließen. Johannes antwortet konkret, machbar, nahe liegend.
DU schone Deine Umwelt nach Deinen Möglichkeiten. DU gestalte dein berufliches Umfeld so, dass die Anderen leben können. DU missbrauche nicht deine Möglichkeiten, um Andere an die Seite zu drängen. DU gehe verantwortungsvoll mit deinem Geld um und nutze es so, dass auch für Bedürftige noch etwas übrig bleibt. Und DU wisse, dass du dein Tun zu verantworten hast und nicht das Tun der Anderen. Die „Spreu vom Weizen zu trennen“ ist die Aufgabe dessen, der diese Welt in „Heiligem Geist und Feuer taufen“ wird und nicht deine. Wenn ich das Meine tue, darf ich dann auch wissen, dass diese Welt und ihre Nöte sehr wohl in den Augen Gottes präsent sind und dass er sich um sein Eigentum kümmern wird. Der Einzelne soll und darf - wie Paulus auffordert - alles und „in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott“ bringen. Die Rettung des Einzelnen und des Ganzen ist schließlich nicht mein sonder SEIN Werk.


Gedankenanstöße zum evangelischen Predigttext: 1 Kor 4, 1-5

Mit der Gemeinde in Korinth hatte Paulus heftige Auseinandersetzungen. Im vorliegenden Text scheint es um Bestrebungen zu gehen, Paulus vor einen Gemeindeausschuss zu zitieren und seine Art der Amtsführung kritisch zu beleuchten. Paulus zeigt in der Auseinandersetzung, dass er innerlich frei ist von Zuspruch oder Ablehnung in der Gemeinde, ja dass er selber sogar darauf verzichtet, sich zu beurteilen. Ein wirkliches Urteil über das Tun des Menschen steht allein Gott zu. Nur ER vermag den Menschen ganz zu sehen, so dass das, was für uns verborgen ist, ans Licht kommen wird und „die Absichten der Herzen offenkundig“ werden.
Hier berührt sich der Text mit dem Ende der lukanischen Perikope, der Trennung von Spreu und Weizen.
Ein angemessenes Urteil über die Handlungen der Menschen steht allein Gott zu.

Wenn man aufmerksam aktuelle Diskussionen und Entwicklungen verfolgt, fällt auf, wie rasch und oft unbedacht Urteile ausgesprochen werden. Nichts scheint die Gesellschaft lieber zu tun, als für eine schlechte Entwicklung Schuldige zu suchen. Wie viele Personen des öffentlichen Lebens müssen es aushalten, dass ständig auf sie mit dem Finger gezeigt wird, in ihrer Privatsphäre gestöbert wird, ob nicht etwas zu finden sei, was denjenigen diskreditiert. Diese Haltung lässt unbarmherzig und hart werden und ändert nicht wirklich etwas.
Die Haltung, die Paulus einnimmt, könnte gesellschaftspolitisch zu einer nachhaltigen Veränderung der Atmosphäre führen, könnte das zwischenmenschliche Klima wandeln, Vertrauen statt Misstrauen fördern, Zutrauen statt einem ständigen Absprechen von Kompetenz.
Doch auch diese Veränderung beginnt im Kleinen: ich nehme nicht immer zuerst das Schlechtere an, sondern denke gut vom Nachbarn; ich lasse gelten, dass es Beweggründe für den Anderen gibt, die sich meiner Kenntnis entziehen; ich sage ihm selber, wenn ich mit etwas nicht klar komme und rede nicht über ihn; ich mache mich innerlich frei vom Urteil anderer Menschen; ich verzichte darauf mich selber zu verurteilen.
Die Welt, die uns umgibt, ist ein Spiegel dessen, womit der Mensch innerlich kämpft, wo er scheitert, wo er sich gegen die Schöpfung stellt. Veränderungen im Menschen werden sich auf unsere Welt auswirken so wie der Flügelschlag des Schmetterlings…

Gabriele Panning, Heusenstamm

Anmerkungen

(1) zu den exegetischen Ausführungen zum Zefanjatext vgl.: Unsere Hoffnung - Gottes Wort, Die alttestamentlichen Lesungen der Sonn- und Festtage, Auslegung und Verkündigung, Lesejahr C, Hrsg. von Ehrenfried Schulz und Otto Wahl, Knecht Verlag, 1. Auflage 1994, S.35ff

(2) Zu den exegetischen Ausführung zum Philipperbrief vgl.: Die Neue Echter Bibel, Kommentar zum Neuen Testament mit der Einheitsübersetzung, Bd 9/11/15 von W. Egger, 1985 Echter Verlag Würzburg, S.70/71

(3) zu den exegetischen Ausführungen zum Lukasevangelium vgl.: Unsere Hoffnung - Gottes Wort, Die Evangelien der Sonn- und Festtage Auslegung und Verkündigung, Lesejahr C, Hrsg. von Konrad Baumgartner und Otto Knoch, Knecht Verlag, 1. Auflage 1988, S. 39ff

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