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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

06. Dez. 09 - 2. Adventssonntag

ev. Reihe II kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Jak 5, 7-8

Bar 5, 1-9

Phil 1, 4-6.8-11

Lk 3, 1-6

Der Autor geht auf alle Perikopen des Sonntags ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Fähigkeit zur Geduld und Langmut als Merkmal der „Wächter der Schöpfung“ (Jak 5); Prophetismus als Aufforderung zu handeln, nicht als Zukunftsvorhersage, Bericht an den Club of Rome als Analogie, Umkehr / Umdenken (kath. Leseordnung)


Von der gegenwärtigen Bedeutung des zukünftigen Gerichts

Baruch 5, 1-9

Der Abschnitt aus dem (nach ev. Verständnis apokryphen) Baruchbuches kann seine Nähe zu den tröstlichen Formulierungen des sog. Tritojesaja (Jes 56 – 65) nicht verleugnen. Die wunderbare Erneuerung des Gottesvolkes und seines Kultzentrums Jerusalem, am Tag Gottes mit der Wallfahrt der Völker aus allen Himmelsrichtungen, soll die nach Babylon verschleppten Juden trösten und aufrichten und ihren Willen zur Geduld und zum Durchhalten stärken.

Phil1, 4-6. 8-11

Den üblichen Eingangsteil seines Gelegenheitsbriefes an die Gemeinde von Philippi, in dem Paulus den Dank für die Bekehrung und die Fürbitte für die Gemeinde formuliert, nutzt Paulus für den in den Erfahrungen der Bedrängnis tröstlichen Hinweis auf den eschatologischen Tag Christi, der das atl Bild vom Tag Gottes aufnimmt und christlich fortführt.

Luk 3, 1-6

Auch in der Predigt des Johannes spielt der Hinweis auf den verheißenen Tag Gottes – in Aufnahme der Prophetie des sog. Deuterojesja (Jesaja 40 – 55) – eine zentrale Rolle. Zur Person und Rolle des Johannes, genannt der Täufer, habe ich mich in der Auslegung für Heiligabend 2006 ausführlich geäußert (s. Band I „nachhaltig predigen“ bzw. www.umdenken.de/predigen).

Zu allen Texten der katholischen Reihe:

In der Prophetie begegnet uns das immer wiederkehrende Motiv der Ansage eines endzeitlichen Gottestages, an dem Gericht gehalten wird. Mit dem Endgericht verbunden ist zugleich die Erwartung des Zornes Gottes und die Hoffnung auf Erlösung. Auf dieser Grundlage ist die Lehre vom prophetischen Auftrag bzw. vom Wächteramt der Kirche formuliert worden. Das Auftreten der alttestamentlichen Propheten, oder die mahnende und warnende Predigt der Kirche, hat jedoch ihre Bedeutung nicht in der Voraussage zukünftiger Ereignisse. Propheten und Predigerinnen sind keine Wahrsager. Das Ziel der Ankündigung des Gerichts am Gottestag ist die Gegenwart. Johannes fordert jetzt, in der Gegenwart, Umkehr von den Menschen, Bekehrung im Herzen und Änderung des Verhaltens. Paulus will die Christen in Philippi ermutigen, auf dem eingeschlagenen Weg des Glaubens an Jesus Christus zu bleiben. Baruch will die in der Bedrängnis lebenden Juden mit der Hoffnung auf die Erlösung durch Gott trösten. Analog dazu kann die Bedeutung von Zukunftsszenarien wie des Berichts des Club of Rome oder die Prognosen des IPCC gedeutet werden. Keiner der Wissenschaftler hat ein Interesse daran, in der Zukunft Recht zu bekommen. Alle Berichte zielen stets auf eine Veränderung des individuellen Verhaltens und eine Umorientierung in den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen der Gegenwart.


Jakobus 5, 7-8: Von der christlichen Tugend der Geduld

In den beiden Versen der Perikope aus dem Jakobusbrief wird dreimal das Wort Geduld benützt. Ein Bildwort aus dem Bereich der Landwirtschaft illustriert den Zentralbegriff der Geduld. Das griechische Wort (μακροθνμια, makrothymia), das Luther mit Geduld, an anderer Stelle auch mit Langmut übersetzt, bezeichnet in der griechischen Übersetzung des AT (z.B. Ex 34, 6) zunächst eine Eigenschaft Gottes: Gott gewährt einen Aufschub seines Zornes, um dem Ungehorsamen die Chance zur Verhaltensänderung zu geben. Jesus überbietet die alttestamentliche Vorstellung im Gleichnis vom sog. Schalksknecht (Mt 18, 23 ff.) insofern der König (= Gott) die unermessliche Schuld in seiner unbegrenzten Gnade vollkommen vergibt. Jesus übernimmt das alttestamentl. Verständnis an, wenn der König (= Gott) seinen strafenden Zorn in dem Moment wieder in Kraft setzt, als der erwiesenen göttlichen Gnade kein entsprechendes menschliches Verhalten entspricht.

Die christliche Tugend der Geduld hat ihre Wurzel und Analogie in einer Eigenschaft Gottes, sie ist nicht menschliche Leistung, sondern Frucht des Geistes. Ihre Auswirkungen auf die Menschen entspringen nicht der menschlichen Weisheit, dass Fehlbarkeit eine unausrottbare Eigenschaft ist, gegenüber der nur (stoische) Gelassenheit helfen kann. Geduld ist auch keine schwächliche Nachsichtigkeit. Unter der Perspektive des unausweichlichen Gerichts Gottes verändert sich der Blick auf menschliche Fehlerhaftigkeit ebenso wie der Stellenwert der Maßnahmen zu ihrer Behebung. Die Erfahrung der Ausgrenzung und Bedrängnis der ersten Gemeinden erweitern die christliche Tugend der Geduld um eine zusätzliche Dimension. Jaokobus ermahnt die Christen zur Geduld im Sinn von Ausharren und Standhaftbleiben auch in schwierigen Zeiten in der Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn.

Aus alldem ergibt sich ein spezifischer theologischer Blick auf den Zusammenhang zwischen der Langmut Gottes und der geduldigen Beharrlichkeit und Ausdauer, die den Streitern für die Bewahrung der Schöpfung durch nachhaltiges Handeln abverlangt wird. Aus der Geduld und Langmut Gottes entspringt der Noahsegen (Gen 8, 22). Langer Atem und „rastlose Geduld“ (Sölle) zeichnen die Wächter der Schöpfung aus.

Gottfried Müller, Speyer

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